Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 17 (1.9.1868)
- Date
- 1868-09-01
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 132 ten werden, nur kein: Oelbaum war dieß nicht gestattet. 5. Eine frisch hervorbrechende Quelle ist allgemeines Eigenthum, alle Einwohner des Ortes dürfen daraus Wasser holen. 6. Im See Liberias hat ein ^,eder das Recht zu fischen, doch darf Niemand einen Fischbehälter anlegen, es könnten sonst die Schiffe in ihrem Lause gehemmt werden. 7. Hinter dein Zaune eines Feldes darf Jeder seine Nothduft verrichten. 8. Bis zum zweiten Frühregen, d. i. bis zur Mitte des Monats jlfcTrb darf man auf dem Feldraine gehen, sogar ein kleines Stück in's Feld hinein ausweichen, wenn der Steg gerade unwegsam ist. 9. Wer sich in einem Weinberg verirrt, darf Reben abbrechen, um sich einen Weg zu bahnen. 10. Wer auf offenem Felde tobt niederfällt, erwirbt den Platz als Begräbnißstätte, wenn er sonst keinen eigenthümlichen Platz besitzt, wo er begraben werden könnte. (Baba Kama 81, a). — Folgende Einrichtungen, welche wieder mehr das religiöse Leben betreffen, sollen von Esra, dem großen Schriftgelehrten, dem Wiederhersteller des mosaischen Gesetzes herrühren. Es sind ebenfalls 10 an der Zahl. 1. Das Borlesen aus der Torah am Montag und Donnerstag. 2. Das Vorlesen aus der Torah beim Minchagebet des Sabbath. 3. Montag und Donnerstag wurden als Gerichts- und Amtstage eingesetzt. Diese Einrichtung hängt mit der ersten zusammen. An diesen Tagen konnten die auf Weilern und in Dörfern wohnenden Leute in die Stadt kommen, und da ebenso ihre religiösen Bedürfnisse befriedigen, als auch ihre Rechtsangelegenheiten ordnen. 4. Donnerstag war der bestimmte Waschtag, da wurde die Wäsche für den Sabbath hergerichtet. 5. Am Freitage wird der Genuß des Knoblauch empfohlen. Nach der medicinischen Erfahrung des Talmud erzeigt er viele wohlthätige Wirkungen. 6. Brod soll zeitlich früh Morgens gebacken werden, um auch den Armen bald ihre bestimmten Portionen reichen zu können. 7. Die Frauen sollen Gürtel tragen — ein Gesetz der Keuschheit. 8. Vor dem religiösen Reinigungsbade soll die Frau ihr Haar kämmen. In den Städten sollen Krämer hausiren und ihre Waaren feilbieten. Eine Einrichtung, die für die Bequemlichleit der Städter getroffen wurde. 10. Es wird dem b'JD ein Reinigungsbad geboten, es war dieß schon ursprünglich beim Opfergenuß vorgeschrieben. — Esra hat es allgemein eingeführt. Diese wenigen Andeutungen können natürlich das so wichtige Thema nicht erschöpfen, bieten aber Stoff genug zu gründlichen Studien über das Verhältniß der Tradition zu dem geschriebenen Gottesworte. 2. Biblische Personen im Talmud. Die Charaktere der Bibel finden im Talmud eine häufige Besprechung, und dieses Thema bildet einen großen Theil der Agada. Gottesfurcht nnd Frömmigkeit sind da der Maßstab für die Beurtheilung biblischer Personen. Diejenigen Männer, welche in der heiligen Schrift als fromm und gottessürchtig erscheinen, umhüllt auch der Talmud gerne mit dem Glanze seiner phantasiereichen Ausschmückung. Sie werden wie alle großen Männer des Alterthums in den Kreis der Sage gezogen, und mit dem Nimbus der Mythe umgeben. Selbst ihre Fehler, welche die Bibel ohne alle Schminke wiedergibt, sucht der Talmud zu entschuldigen und durch seine Auffassung zu mildern. Die frommen Könige David, Salomo und Joschia konnten sich unmöglich so weit vergessen, so der Sünde preisgegeben haben, um solche Fehler zu begehen, wie sie die Bibel berichtet; es sei daher der Ausdruck durchaus nicht wörtlich zu nehmen, die in der Bibel verewigten Sünden seien in der That nicht wirklich begangen worden, sie wurden jenen Gottesmännern blos zugeschrieben wegen anderer begangenen minder wichtigen Fehler, oder weil sie die von ihnen erzählten Laster bei anderen Menschen duldeten, wo sie es wehren konnten, oder endlich waren sie nahe daran, solche Laster zu begehen, führten jedoch ihr Vorhaben nicht aus. So findet auch der Patriarch Jakob für alle seine Handlungen Entschuldigung, wenn auch anderseits dem Esau die Ehrfurcht gegen seinen Vater besonders nachgerühmt wird. Diese Vorliebe für die frommen Persönlichkeiten der Bibel, die Sucht ihre Fehler zu entschuldigen, erstreckt sich sogar auf die Kinder derselben. Jakobs ältester Sohn, die Söhne Elfis und Samuefis waren, den ausdrücklichen Worten der Bibel zum Trotze, nicht so schlecht, sie begingen wohl Fehler, aber nicht jene, welche über sie niedergeschrieben wurden, man mag mit solcher ungerechten Strenge gegen sie verfahren sein, weil man von solchen Menschen ein ganz reines makelloses Leben verlange (Sabbath 55, 56). Benjamin, der jüngste Sohn Jakobs, Amram, Vater des Moses, Jischai, Davids Vater, Kilab, Davids Sohn, waren so der Tugend ergeben, daß sie, eine Ausnahme von allen Staubgebornen, ohne irgend eine Sünde aus dem Leben schieden; das sind nun Persönlichkeiten, die in der Bibel gar keine bedeutende Rolle spielen. Bei dieser Vorliebe für die Frommen ist es natürlich, daß die Gottlosen mit Schaudthateu überhäuft werden. Manche Charaktere, die schon in der Bibel eine verschiedene Auffassung zulasten, erscheinen auch im Talmud in einem Zwielichte: so wird gar viel von der kindlichen Unschuld und der Gelehrsamkeit Saufis erzählt, bevor ihn Gott des Thrones für unwürdig erklärte. Wie verschieden sind die Ansichten der Talmudisten über den Charakter des Hiob. Auch Noe wird nicht sonderlich begünstigt, der Ehrentitel eines „frommen, rechtschaffenen Mannes" wird durch manche nicht sehr schmeichelhafte Bemerkung geschmälert. Die Frage ist nun, wie konnte der Talmud die heiligen Geschichtsquellen so trüben, wie durfte er in solcher Weise Geschichte machen? — Es läßt sich gewiß nicht in Abrede stellen, daß er oft gründliche Charakteristiken biblischer Personen liefert, und weiß dabei einzelne geschichtliche Momente trefflich hervorzuheben. Ost wird ein einzelnes Wort in der Bibel eigenthümlich gedeutet und ausgeschmückt, und es ist dieß leicht als ein Product der ausschweifenden Phantasie zu erkennnn; zuweilen aber wird ein solches Wort mit vielem Geiste als Anhaltspunct für eine im alten Morgenlande allgemein verbreitete, nicht auf dem Boden des Talmud entsprossene Sage angewendet, so ist der Satz: Ich Salomo war König, ein Beleg dafür, daß dieser weise Herrscher seines Thrones verlustig wurde, was bekanntlich nach orientalischen Sagen geglaubt wurde. Häufig sind solche Erzählungen, in der Weise des Talmud überhaupt, nicht wörtlich zu nehmen, es sind keine historischen Facta, und wollen als solche auch nicht gelten, sondern die äußern Hüllern eines trefflichen Gedankens, einer kernigen Idee. So soll Adam dem Herrn einen Ochsen mit bloß einem Horne geopfert haben (Sabbath 28 b); es deutet dieß vielleicht aus die Unvollständigkeit seines Opfers im Zusammenhänge mit der Unvollständigkeit seiner Gotterkenntniß, denn er wollte sich ja im Paradiese vor dem Allwissenden verbergen; so wird auch von der Ungeheuern Größe Adams erzählt, den Gott nach der begangenen Sünde kleiner machte (Chagiga 12 a); so von dem Edelsteine, den Abraham am Halse trug, dessen Anblick jeden Kranken heilte, und den Gott nach dem Tode des Patriarchen an das Sonnenrad hängte (Baba Bathra 16 b. Die einfache, nahe liegende Erklärung der beiden letzten Sagen findet sich bereits von mir in Klein's Jahrbuch für Israeliten. Stuttgart 1853 S. 60). Das ungeheuer große Auge des Absalou (Nida 24 b) geht gewiß für jeden denkenden Leser in dem nimmersatten Auge des herrschsüchtigen, widerspenstigen Sohnes auf, der den Tod des Vaters nicht erwarten konnte, und wenn Jerobeam lieber von Gott abfiel, um nur nicht die höchste Seligkeit im Paradiese mit dem Sohne Jischafis zu theilen (Sanhedrin 102 a), so ist damit der Ehrgeiz dieses gottlosen Königs prägimnt gezeichnet. Mancher talmudische Bericht über biblische Personen dankt seine Entstehung einer historischen Tradition, die bei den alten Völkern des Orients verbreitet war, und die eben so auf Glaubwürdigkeit Anspruch machen kann, wie die Geschichte selbst. Das Leben Äbrahanfis so wie das unseres großen Gesetzge-! bers hat offenbar in der Bibel manche Lücke, besonders ist! der Uebergang von der Jugend in das reise Mannesalter