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Das Abendland · 1868-08-15 · 16 (15.8.1868) · p. Seite 126

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
16 (15.8.1868)
Date
1868-08-15
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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126 — CorrespondenM. B r ünn. Der in der vorigen Nummer Ihres geehrten Blattes erwähnten Einladung zu einer Vorbesprechung über Verwaltung und Verwendung des mährisch-jüdischen Laudesmassafonds folgten die Delegirten von 33 Gemeinden, welche sich am 9. d. M. in Lundenburg versammelten. Da in dieser Versammlung jedenfalls die Majorität der in Bälde in der Landeshauptstadt einzuberufenden Delegirten anwesend war, so sind die Resultate dieser Vorbesprechung für die Frage von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Wir theilen Ihnen, geehrter Herr Redakteur! die wesentlichsten Punkte der gepflogenen Berathung mit, und wenn wir uns auch nicht mit allen Punkten einverstanden erklären können, vielmehr der Hoffnung Raum geben, daß manche Anschauung sich bis zur eigentlichen osficiellen Versammlung in Brünn im Geiste der Billigkeit und des Fortschritts klären werde, so wollen wir doch mit Vergnügen koustatiren, daß sich allenthalben ein rühmlicher Gemeinsinn bei der Berathung kund gab, und nicht ein einziger der Anwesenden ein partikularistisches oder egoistisches streben im Interesse einzelner Persönlichkeiten oder einzelner Gemeinden au den Tag legte. Schon der erste Punkt der Beschlüsse, daß der Fond an sich unantastbar und untheilbar bleibe, beweist dieß zur Genüge. Allerdings scheint uns dieser Beschluß selbstverständlich und daher überflüssig, eine Aenderung hierin dürfte auch kaum in der Eompetenz der Delegirten liegen; dennoch wollen wir von diesem den Geist der Versammlung charakterisirenden Beschluß Act nehmen. Minder günstig können wir uus über andere einzelne Anträge aussprechen. Einige Delegirte größerer Gemeinden wollten als Maßstab für die Participirung die bei der Gründung des Fonds nach der damaligen Population der Gemeinden stattgehabten Betheiligung gelten lassen, ein Ansinnen, welches nicht erst eines Hinweises auf seine Weitschweifigkeit und Unausführbarkeit bedurfte, um zurückgewiesen zu werden. Mehr Anklang fand ein anderer Antrag, welcher die jetzige Population als Maßstab der Betheiligung annimmt, jedoch sollen nur jene Gemeinden an dem Genuß participiren die bis zum Jahre 18! 8 bestanden. In unsern Augen ist dieser zweite Antrag obgleich mehr praktisch, an Logik noch ärmer und an leitenden Principien nicht reicher als der erste. Wir wollen gar nicht von der Engherzigkeit sprechen, welche die gegenwärtigen durch den Fortschritt in der Legislatur begünstigten Gemeindezustände desavouirt und für eine weitere im Schooße der Zukunft liegende Fortentwicklung ieser Zustände keinen Sinn hat; allein auch das Princip an sich, das einem solchen Anträge zu Grunde liegt, beruht auf falschen Prämissen. Der Landesmassafond gehört nicht den Gemeinden als solchen, er gehört der jeweiligen mährischen Judenschast und berührt die Gemeinden nur insofern als diese verschiedene Gruppen der mährischen Judenschast repräsentiren. Wäre dies nicht der Fall, so könnte man auch nicht Beträge für Rabbinerseminar und andere allgemeine Institute im Interesse der ganzen mährischen Judenschast votiren. Ein Antrag des Herrn Ignaz Wohlmuth, Delegirten für Jamnitz, welchem sich auch die Herren Blau für Nikolsburg, Mandl für Pißling, Wltschek für Butschowitz, Münch für Triesch anschlossen, und der dahin lautet, „daß die Gemeinden nach Verhältniß ihrer Leistungen aus den: Gebiete des Eultus und des Unterrichts und jimv mit Berücksichtigung ihrer Steuerfähigkeit betheilt werde" — wurde verworfen, hingegen fand der Vorschlag „es mögen jeder mährischen Gemeinde im vorhinein 100 fl. zugedacht werden" Zustimmung. Herr Wohlmuth wurde hieraus ausgesordert, seinen obigen durch Amendements der Delegirten für Proßnitz und ^Holleschau modificirten Antrag, der in der neuen Form die nähern Details der Verwendung enthält, den mährischen Gemeinden zur weitern Würdigung und Berathnng mitzutheilen. Da diese Details eine ausführliche Auseinandersetzung in Anspruch nehmen, so wollen wir eine Besprechung derselben unserem nächsten Briefe Vorbehalten, und bemerken nur noch, daß die Stimmung in der Vorversammlung zu Lundenburg eine sehr versöhnliche war und zur Erwartung einer vollständigen Einigung berechtigt. — L. N. Trebitsch. Die brennende Stadt mit dem flammenden heiligen Tempel, das Jammern der Weiber und Kinder in mitternächtlichen Stunden illustrirte sich in Miniatur auf schreckvolle Weise am Vorabende jenes Gedenktages (9. Ab.) in den Gassen unserer Judenstadt. Eine Stunde mochte der Brandrefrain verklungen sein, es begann stiller und lebloser zu werden, als mit einem Male die unmelodischen und den schon oft heimgesuchten. Trebitschern inhaltsschweren Feuersignale die nächtliche Stille in einen wilden Lärm verwandelten. Wer noch eine Vorstellung von Judengassen und Judenhäusern hat, der bedarf keiner Beschreibung mehr, der weiß bereits, was mit Nothwendigkeit erfolgen muß. Aus der Ferne schon wurden die auffahrenden Feuersäulen sichtbar, der Himmel war ein Feuermeer uud Wolken von Kohle und Gluth schwebten über den Gassen. Man wollte nicht erst fragen, wo es brenne, denn die ganze Judengasse schien der Herd der Flammen zu sein. Ein wirres Durcheinanderrennen, herzzerreißende^ Hilfe- und Rettungsruse hemmten die Passage in den ohnehin engen Gassen und war man endlich bei der Brandstätte angelangt, welch' ein betrübender Anblick bot sich hier dar! Die geringe Anzahl arbeitender Kräfte, die aus Menschenfreundlichkeit und menschlichen Erbarmen bei den Spritzen thätig waren, standen trotz dem rastlosen Eifer in keinem Verhältniß zu den reißenden Fortschritten, die das verderbliche Element machte. Während man hier die ganze Kraft erschöpfte um die Flammen zu verlöschen, standen die zwei nächsten Häuser im flammender Lohe, weil sich nicht genügende Hände zum Abdecken fanden und die Hauptsache — weil nichts organisirt war. Der größte Uebelstand war der Mangel an Wasser; — während zu andern Zeiten die hiesigen Ueberschwemmungen sprichwörtlich sind — die andauernde Hitze hatte das Flußbett fast trocken gelegt. Fast die Hälfte der Judenstadt und eine Synagoge sind Opfer dieses Brandes geworden. Bis Tagesanbruch konnten erst die Flammen gelöscht werden, aber im Innern der Häuser brannte es noch den ganzen Tag. Menschenleben sind gottlob keine zu beklagen aber mit dem Dichter zu sprechen: „Herr, die Noth ist groß", der Schlag des Schicksals trifft zumeist arme und mittellose Leute, die Alles, ihr geringes aber ganzes Habe, einbüßten und mit dem nackten Leben davon kamen. Vier Mauern zeigen wo sie gewohnt. Da genügt die Feder nicht, die Thatsachen allein sind der eindringlichste Aufruf zur Hilfe und Unterstützung. Mit wahrhafter Humanität und echt jüdischer Brüderlichkeit hat Herr I. H. Subak seine geräumigen Localitäten den unglücklichen Obdachlosen bis auf Weiteres zur Verfügung gestellt und Beispiele jüdischer Liebe und jüdischen Mitleids werden wahrlich nicht lange auf sich warten lassen!*) Ad. K. Breslau im August. Das jüdisch-theologische Seminar hat bereits am 30. Juli seine Vorlesungen geschlossen und wird dieselben, jme immer, erst nach den Feiertagen wieder ausnehmen. Die Termine zur Anmeldung, sowie zur Ausuahmsprüsung neu eintretender Hörer werden seiner Zeit bekannt gegeben werde!!. Bereits haben der Director, die Lehrer und ein großer Theil *) Unsere Glaubensgenossen, die stets dem Jammerrufe des Elends Ohr und Herz zuwendeten, werden gewiß bei dem großen Unglücke, das eine der größten und achtbarsten jüdischen Gemeinden Mährens betroffen, nicht teilnahmslos verharren, und wäre es wünschenswerth, wenn unter den Israeliten der Landeshauptstadt sich ein Unterstützungs- Comite zu diesem Zwecke constituiren würde, welches die mildthätiqen Beiträge sammeln und ihrer Bestimmung zuführen könnte. Unser Blatt ist mit Vergnügen bereit, das wohlthätige Unternehmen nach Kräften zu fördern. — Die Redaktion.

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