Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 15 (1.8.1868)
- Date
- 1868-08-01
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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119 — Zur Verfassung der Eingabe an die k. k. Statthalterei und des Stiftsbriefes wird eine Commission von 5 Mitgliedern unter Vorsitz des Obmanns abgeordnet und dieselbe beauftragt nach erfolgter Genehmigung des Stiftbriefes die Statuten der Stiftung für die nächste Sitzung der Repräsentanz vorzubereiten." — Es wurde sogleich zur Wahl der Commission geschritten und wurden die Herren Frank, Bauer, Trebitsch, Stein und Bloch gewählt. Der letztgenannte bedauerte, die auf ihn gefallene Wahl ablehnen zu müssen, und wurde statt seiner Herr Wetzler gewählt. Triest. Ein in Böhmen gebornes Mädchen israelitischer Abkunft war aus Liebe zu einem katholischen Jünglinge vor etlichen dreißig Jahren zum Katholicismus übergetreteu. Sie heiratete den Mann ihrer Liebe, und lebte seit 33 Jahren glücklich in ihrer Familie, beobachtete jedoch immer die rituellen Vorschriften des angestammten Glaubens. In letzterer Zeit kam eines Tages ihr Sohn mit dem neuen interconfessionellen Gesetze in der Hand nach Hause und rief: Freue Dich, o Mutter, deine Schmerzen und deine Gewissensbisse haben ein Ende genommen, das Gesetz, welches die Gewissensfreiheit sanctionirt, ist in Kraft getreten. Die Frau, die nun 53 Jahre zählt, und in der Nähe unserer Stadt wohnt, schrieb sogleich an den hiesigen Oberrabbiner, Herrn Pros. Tedeschi, daß sie nach reiflicher Ueberlegung entschlossen sei in den Schooß der Religion zurückzukehren, in der sie geboren und erzogen wurde. Begleitet von ihrem Gatten stellte sie sich hierauf dem Rabbiner persönlich vor und nach erhaltener Ermahnung und bestandener Prüfung erklärte sie,! bei ihrem Entschlüße beharren zu wollen. Nachdem die ge-! setzlichen Schritte bei dem Bezirksgerichte zu Karoliuenthal \ in Böhmen, wohin sie nach ihrer Geburt zuständig war, in! Vollzug gesetzt waren, wurde auch an einem der letzten Sab-! bäte beim Morgengottesdienste im israelitischen Tempel zu! Triest die feierliche Ceremonie der Aufnahme ins Judenthum i vorgenommen. i Unter Anwesenheit des Oberrabbiners, der Vice-Rabbi-; ners und einer großen Anzahl von Glaubensgenossen ward; der feierliche Act vollzogen. Die heilige Lade war geöffnet.; Die Convertitin, in einem schwarzen Schleier gehüllt, stellte j sich vor das Gitter des Altars. Der Oberrabbiner stellte die rituellen Fragen, hielt die übliche Erinnerung, woraus die Frau fest und aus inniger Ueberzeugung antwortete. Sie erzählte nun in deutscher Sprache ihren ganzen Lebenslauf, sprach sich freudigen Gefühles über die Toleranz ihres Gat-! ten aus, und bat unter Thränen und Schluchzen um Wieder- , aufnahme in den Glauben ihrer Väter. Der Oberrabbiner ' hielt nun eine Ansprache an die versammelte Gemeinde, in welcher er die Worte der Frau in italienischer Uebersetzung mittheilte, auch den Triumpf des Princips der Gewissensfreiheit hervorhob, und die neue Zeit segnete, die solcher liberalen Gesetze theilhaftig ist. Er forderte nun die Gemeinde auf, gemeinschaftlich mit ihm das OTTItP Gebet zu sprechen (Gelobt seist du, Ewiger unser Gott, Herr des Weltalls, der Du uns hast am Leben erhalten und gelangen lassen zu solchen Zeiten) — was auch geschah. Hierauf lud der Rabbiner die Frau ein, innerhalb des Gitters zu treten, da sprach sie das rituelle Gebet, und legte in die Hand des Rabbiners das Gelöbniß ihrer Rückkehr zum Judenthume ab. Der Rabbiner legte seine Hände auf ihr Haupt, ertheilte ihr den Segen und nahm sie mit folgenden Worten ins Judenthum auf. — „Möge Gott dich, unsere Schwester, aufnehmen, wie wir dich aufnehmen mit? aufrichtiger Liebe; der Herr lohne dein Werk und voller Lohn! sei dir beschieden vom Herrn, dem Gotte Israels, unter dessen! Flügeln du dich geborgen." (Ruth 2. 12) Nun näherte sich! die Frau der heiligen Lade und küßte die Torah mit aller Andacht. Die Theilnahme der Anwesenden war eine allgemeine und lebhafte. Die Frau, begleitet bis zur Thüre, begab sich nun in die Halle der Frauen, wo sie bis zum Ende des allgemeinen Gottesdienstes verblieb. Locale und auswärtige Notizen. Brünn. Am 30. Juli Vormittags wurde unter Vorsitz des hochw. Herrn Schulenaufsehers P. Praschek die öffentliche Prüfung in der Schule des Herrn Jnstitutsinhabers Leopold Deutsch in Anwesenheit vieler Eltern der Schüler und Schülerinen und mehrerer Honoratioren hiesiger Gemeinde abgehalten. Das Resultat der Prüfung war ein sehr befriedigendes, die Antworten der Knaben und Mädchen in allen vier Clasfen zeigten von Verständniß und vollständiger Auffassung der erlernten Gegenstände. Sowohl Herr Deutsch als die in seinem Institute wirkenden Lehrer, die Herren Haas, Gutfeld und Bondi lieferten den Beweis, daß sie mit wahrem Lehreifer und mit pädagogischer Begabung den Unterricht handhaben; besonders müssen wir dem Unterrichte in der bibl. Geschichte und der Religionslehre, den der Herr Jnstitutsinhaber selbst ertheilt, unfern Beifall zollen. Auch das Verhalten der Schüler während der an 3 Stunden dauernden Prüfung zeigt von der wohlgeordneten Disciplin, die in dieser Schule herrscht. Zum Schlüße hielten mehrere Mädchen im Namen der Schule eine Anrede an den hochw. Schulvisitator, worin sie ihren Schmerz über das Scheiden des edlen Schulmannes aus seiner bisherigen Wirksamkeit ausdrückten, und den Dank der Schule für die der Anstalt stets bewiesenen Liebe und Sorgfalt aussprachen. Der hochwürdige Herr beantwortete die Ansprache in wohlwollender und taktvoller Weise. X. * Von den Herren David Kuffner, Bürgermeister in Lundenburg, Nalhan Löwbeer, Delegirter für Boskowitz, Friedrich Karplus, Cultusvorsteher in Göding ist an die von den Gemeinden wegen Uebernahme und Verwaltung des jüdisch-mährischen Landesmassafonds gewählten Delegirten die Einladung ergangen, sich zum Behufe einer Vorbesprechung für Sonntag den 9. August Vormittags in Lundenburg einzufinden. Zweck dieser Vorbesprechung soll nach dem uns vorliegenden Circulare sein, um die Ansichten zu klären und bei der bezüglichen Hauptversammlung in Brünn jenes correkte und taktvolle Vorgehen zu erzielen, wie es der höhern Bildungsstufe der mähr. Judenschaft angemessen erscheint, „daß nicht das trostlose Bild der unserem Gedüchtniße noch nahe liegenden November-Conferenz wieder austauche." Brünn. In der Brünner Correspondenz der vorigen Nr. über die Thätigkeit der Schulsektion im israel. Gemeindevorstande ist irrthümlich der Name des Herrn Lehrer Rößel mit „Rößler" bezeichnet worden, so ist auch L. erzfelder anstatt S. Herzselder zu lesen. Wien. Von Dr. Ludwig August Frankl ist ein Schützen- Lied erschienen, dessen Reinertrag dem Schillerdenkmal bestimmt ist. Das Lied wurde vom Capellmeister Storch ser». für Männergesang komponirt und für eine Singstimme mit Clavierbegleituug arrangirt. Prag. Das Comite zur Förderung des Synagogen- und Schulbaues in Eger, welches seinen Sitz in Prag hat und aus den Herren: Dr. Ludwig Tedesco, Präses der Prager Cultusgemeinde, Universitäts-Professor Dr. Wesseli, S. I. Schwarz, Markus Simon Roseubacher und Salomon Goldschmidt besteht, hat einen Aufruf an die israelitischen Glaubensbrüder erlassen, worin zur Unterstützung dieses Unternehmens durch Geldbeiträge aufgefordert wird. Wir entnehmen dem trefflich geschriebenen Aufrufe (wie wir glauben aus der Feder des Herrn Prof. Wessely) folgende interessante Stelle: „Zu den Städten, die ein solches Privilegium oäiosum (keinen Juden aufzunehmen) geltend machten, gehörte auch bis in die neuere Zeit die königliche Kreisstadt Eger, eine Stadt, deren Einwohner im Amsange des 14. Jahrhunderts zum vierten Theil aus Juden bestand, alle Institute in sich ver-