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Das Abendland · 1868-08-01 · 15 (1.8.1868) · p. Seite 118

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
15 (1.8.1868)
Date
1868-08-01
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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— 118 verweisen. In der Ehrenhalle weiblicher Charaktere gebührt der Berstorbenen einer der ersten Plätze. Zu Ende des vorigen Jahrhunderts in Prag geboren, genoß sie eine wahrhaft religiöse und fast wissenschaftliche Erziehung. Neben dem nothwendigen exakten Wissen lernte sie moderne Sprachen, übte Musik und Malerei. Naturwissenschaften, namentlich Botanik, übten eine besondere Anziehungskraft auf ihren Geist. Durch Bildung und Schönheit ausgezeichnet, zog sie nach ihrer Vermälung mit dem Kaufmann Herz einen Kreis um sich, in den nur die feinste Bildung Zutritt hatte. Die trefflichen Eigenschaften des Geistes waren mit denen des Herzens gepaart. Sie gab ihren Töchtern eine sorgfältige Erziehung, und suchte in ihrer Familie den von ihrem trefflichen Vater ererbten Wohlthätigkeitssinn fortzupflanzen. Seit dem Jahre 1850 verwitwet, lebte Frau von Herz in Wien, wo sie der Gemeindernth durch Aufnahme in den Gemeindeverband ehrte. Als Vorsteherin der Kinderbewahranstalt in der Leopoldstadt wirkte sie sehr segensreich. Ihr ganzes Sinnen und Trachten ging nur dahin, wie sie den ihr gewordenen Segen zur Wohlthat für Arme und Leidende verwenden könne, und sie versagte sich manches Vergnügen, ja sogar manche Bequemlichkeit, um durch die erzielten Ersparnisse ihre Wohlthätigkeit erweitern zu können. Ruhe ihrer Asche. —n.— Kor itsch an. Am 24. Juli 9 Uhr Vormittags wurde am hiesigen jüdischen Gottesacker der künstlerisch ausgeführte Grabstein des vor einem Jahre verstorbenen, biedern und allgemein geachteten Herrn Alexander Roseufeld in feierlicher Weise aufgestellt. Die Witwe des Verstorbenen so wie dessen acht an verschiedenen Orten wohnhaften Kinder halten sich zur Feier eingefunden und ein großer Theil der hiesigen Gemeinde gab durch seine Anwesenheit die innigste Theilnahme zu erkennen. Das jüngste der Kinder, der in Brünn wohnende Herr Moriz Rosenfeld, Schwiegersohn des dortigen Vorstandsmitglieds Herrn Enoch Bloch, hielt eine passende Ansprache, in welcher er auf das schlichte, fromme und wohlthätige Leben des Verblichenen hinwies, seine Geschwister aufforderte in Liebe und Eintracht das Andenken des Vaters zu ehren und die alten Tage der Mutter zu erheitern. Kein Auge blieb thränenleer bei diesen tiefgefühlten Worten eines Kindes am Grabe seines Vaters, und alle Anwesenden waren vom innigsten Mitgefühl ergriffen. Nach der Ansprache wurden die üblichen hebräischen Grabgebete verrichtet. Alle Anwesenden verließen in jener gehobenen Stimmung, die den Blick des Sterblichen über das Irdische hinaus führt, die pietätsvolle Feier. Hohenems, 18. Juli. Wenn auch die Israeliten hier zu Lande trotz der isolirten Lage ihrer Gemeinde und trotz der Nähe des glaubenseinheitlichen Tirols seit Jahrzehnten im besten Einvernehmen mit der christlichen Bevölkerung leben, so ist's doch bis jetzt nicht vorgekommen, daß einem Juden durch Wahl eine hervorragende Stelle als Vertreter einer politischen Partei zugetheilt worden wäre, obwohl es an gesinnungstüchtigen und hiezu besonders durch Intelligenz fähigen Männern niemals gefehlt hatte. Die neue Aera hat auch da das Eis gebrochen. Bei der am 12. d. M. zu Feldkirch abgehaltenen Versammlung des Vereines der Verfassungsfreunde Vorarlbergs wurde Herr Dr. Neck. Simon Steinach von hier trotz seiner wiederholten Ablehnung der Kandidatur mit großer Majorität in den Vorstand des Vereines gewählt. Die „Vorarlb. Landeszeitung" berichtet hierüber folgendermaßen: Herr Dr. Steinach und Herr Dr Samuel Jenny (Protestant) ergriffen beide wiederholt das Wort, um die Kandidatur abzulehnen. Beide Herren begründeten in offener, edler Weise ihre Ablehnung mit den Bedenken, die sie hegten, der Ausbreitung des Vereins durch ihren Eintritt in den Vorstand in Anbetracht ihres Religionsbekenntnißes in Kreisen, in welchen alte Vorurtheile noch nicht gänzlich überwunden wären, hinderlich werden können; die Gleichberechtigung aller Staatsbürger sei bereits durch die Verfassung gewährleistet und zum Grundgesetze erhoben worden; es bedürfe von Seite des Vereines keiner besondern Kundgebung, um in dieser Hinsicht die versassungsgetreue Gesinnung seiner Mitglieder zu bethätigen, von der sie ohnedem überzeugt seien, daß sie Alle durchdrungen habe. Mehrere Redner bemühten sich diesen Bedenken entgegenzutreten und machten geltend, daß, nachdem die Kandidatur der beiden Herren in der Versammlung zur Sprache gekommen, dürfe der Verein den von ihnen in zarter Weise vorgebrachten Rücksichten keine Rechnung tragen, um nicht dem Gedanken Raum zu geben, als hege der Verein selbst Zweifel an der Durchführbarkeit der Verfassungsgesetze, er müsse insbesondere Jenen gegenüber, welche noch nicht an den vollen Ernst der Verfassung glauben, durch die That beweisen, daß er mit rückhaltloser Durchführung der Verfassung es ernstlich meine und gerade im gegenwärtigen Augenblicke sei dies vollkommen zeitgemäß. Bei der hierauf vorgenommenen Abstimmung ergab sich eine glänzende Majorität der Stimmen für die Herren Dr. Steinach und Dr. Jenny, welche demnach als gewühlt erschienen und nach wiederholtem Ansuchen, eine Neuwahl vorzunehmen, auf weiteres Andringen endlich unter allgemeinem Beifall sich zur Erklärung bewegen ließen, die Wahl anzunehmeu. Wer immer diesem interessanten Wahlakte beiwohnte, mochte aus demselben die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die Verfassung in erhebender Weise im Vereine ihre erste Weihe empfangen habe." Prag. Von der Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft ist ein Protokollauszug ihrer Sitzungen zur Mittheilung an die Cultusgemeinden auf dem Lande veröffentlicht worden, aus dem ich Ihnen die wesentlichsten Punkte mittheile. In der Sitzung vom 13. Juli l. I. berichtet der Obmann, Hr. Carl Lederer über die Audienz, welche eine Deputation der Repräsentanz am 22. Juni d. I. bei Sr. k. k. Majestät während Allerhöchst dessen Anwesenheit in Prag hatte. Die Deputation fand, wie bereits früher berichtet wurde, eine huldreiche Aufnahme. Ueber Antrag des Obmanns brachte die Repräsentanz Sr. Majestät dem Kaiser ein dreimaliges Hoch dar. Ueber Antrag des Herrn M. Bloch wird der für die Mandatsdauer der gegenwärtigen Repräsentanz kreirte Secretärsposten mit 400 st. jährlich dotirt. Nach Erledigung mehrerer Gesuche von einzelnen Gemeinden und Individuen, die meistens abschlägig beschieden wurden, ward die Vormittagssitzung geschlossen. In der Nachmittagssitzung nahm der 7. Punkt der Tagesordnung, die Aeußerung über den h. k. k. Statthalterei-Erlaß vom 12. Juni 1868 all Nr. 508 den größten Theil der Zeit und das lebhafteste Interesse in Anspruch. In dem besagten Erlasse wird die Repräsentanz aufgefordert, zu berichten, ob dieselbe den bereits von der früheren Repräsentanz in Betreff des Stiftsbriefes und der Statuten für das zu errichtende Waisenhaus gestellten Anträgen zustimmt oder etwaige und welche Modificationen sie an einzelnen Punkten dieser Actenstücke für wünschenswerth erachtet. — Nach längerer Debatte, an der sich die meisten Mitglieder der Repräsentanz betheiligten, wurde folgender Beschluß gefaßt: „Die Repräsentanz richtet an die k. k. Statthalterei das Ansuchen, es möge von der Errichtung eines Waisenhauses sein Abkommen haben, und die Zinsen der disponiblen und für das Waisenhaus bestimmt gewesenen Capitalien zur Dolirung von Stipendien für Waisenknaben verwendet werden. Die Anzahl der Stiftungsplätze und die Höhe der mit den einzelnen Stiftungsplätzen verbundenen Bezüge ist durch den Stistsbries und das Statut zu normiren.

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