Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 15 (1.8.1868)
- Date
- 1868-08-01
- Page
- Seite 117 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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117 — Maßstab gebraucht, daß nur Brüder eines und desselben Vaters sich erbten, B. B. 110, gleichwohl statuirt der Talmud, die Kinder einer Magd werden nicht als Kinder betrachtet, so wie die Brüder des Jesta ihn von der Erbschaft ausschlossen, weil er ein außerehelicher Sohn war?) Dagegen divergirten die Meinungen, ob der erste Sohn eines Proselyten als Erstgeborener zu behandeln sei, wenn der Vater Kinder als Nichtjude gezeugt hatte, die tolerantere Meinung des R. Jochanan behielt die Oberhand?) Starb der Erstgeborene vor dem Vater, so traten die Söhne des Erstgeborenen an dessen Stelle. Hatte z. B. Jemand zwei Söhne, welche wieder je einer einen Sohn hatten, welche die Väter und der Großvater überlebten, so wurde der Nachlaß des Großvaters in drei Theile getheilt, von welchen zwei Theile dem Erstgeborenen und einer dem andern Sohne zufielen.'o) Das Recht der Erstgeburt fand aber bei dem Nachlasse der Mutter nicht statt"), auch nicht bei dem väterlichen Nachlasse, der erst nach dessen Tode effectuirt ward.") Kein Vater konnte ein Kind zu Gunsten eines andern enterben oder verkürzen, der nicht erbfähig war, das Gesetz nahm dem Vater die Freiheit einer solchen Verfügung, dagegen wurde er nicht eingeschränkt, unter gleich erbfähigen Descendenten einem vor dem andern den Vorzug zu geben.'s) (Schluß f.) Weber Tachygraphie bei den Wabbinen. Von Markus Freund, Hauptschullehrer in Mal». Bekanntlich ist die Tachygraphie eine Abkürznngsschrift, mittelst welcher man im Alterthume, als nur die Unical- oder Lapidarbuchstaben gebräuchlich waren, der Schwerfälligkeit und Langwierigkeit des Schreibens durch Abbreviaturen zu Hilfe kam. — Diese waren nun dreierlei Art: Abkürzungen der Wörter, durch Substituirung der Initialod?r Anfangsbuchstaben, wie bei uns im deutschen: d. h., u. s. w.; der Sylben, und durch Vertauschung der Buchstaben, welche letztem die eigentliche Geheimschrift bildete und dem gemeinen Volke ein Problem bleiben sollte. In weitester Ausdehnung und am meisten machten die Rabbinen Gebrauch von diesen Abbreviaturen selbst dann als die __ Schrift bereits Gemeingut Aller geworden war, und mußte, wie den alten griechischen Gramatiken und den noch heute erscheinenden jüd. Kallendern und den meisten rabbinischen Büchern ein die Auflösung der in denselben vorkounnenden Abkürzungen enthaltendes Register beigefügt werden. Auch bei den Rabbinen bildete die Vertauschung und Zusammensetzung der Buchstaben des Tetragramaton's NDD^D (Siehe zu rü'D ID* Din) die Geheimlehre, einen Theil der Kabbala. Durch den Umstand, daß die Erklärung einiger schon in der Bibel vorkommenden, besonders quadrill. Wörter, nur durch Zusammenziehung zweier Wörter in ein einziges Wort entstanden gedacht, gefunden werden kann (wie z. B.Z^Dnp!) nach Gesenius, n'D--nnniM nbir nbilD/ rtnnülp u. dgl. m.) glaubten einige alte Epegeten mittelst Auflösung immaginirter Abbreviaturen etwas schwer zu überkommende anscheinende Unebenheiten des bibl. Styls zu planiren (Siehe Raschi Genes. 15, 2.) oder die dunkle Bedeutung seltener vorkommender Wörter zu erklären (wie Erod 35, 22, ^n) Numeri 22, 32. '2N). Diese Gepflogenheit Notarikons zu suchen, war nicht nur die Tangente, an welcher sich der Mythenkreis der Mich «Jeb. 46. *) Jeb. 22. '•) B. B. 117. 1l) Bechorot 51. 'ch ibid. n) B. B. 156.! draschim anlehnte, sondern sie bildete oft den Mittelpunkt I desselben, um welchen Spitzfindigkeit und frommer Eifer! immer weitere Kreise zog, indem die Methode der Notarikons j nicht auf einzelne Wörter beschränkt blieb, sondern auf meh- > rere zusammenhängende ganze Sätze bildende Wörter ausge- ■ dehnt wurde, oder auf den Zahlen wert einzelner Wörter! deut.n sollten. i Zwei Pröbchen dieser beiden Arten mögen hier nicht j am Unrechten Platze sein. — Die von Raschi Genes. 29, j 13. angeführte Ägada findet sich in der Auflösung der . niDYl 'tbri die ich zur leichtern Verständniß mit Punkten verj sehen habe, nann bx nPxn D'hDirt b'3 ns pbb * *wi! tipb 12^8 “fn \tdü Txr Dn V1D-1D, nnn Tuen vb "D I i Targnm Esther 5, 11 interpretirt aus den Zahlenwert Dm hindeütend, daß Haman 208 Kinder außer den 10 in der Schrift genannten gehabt hatte, welcher Meinung sonderbarer Weise der geistreiche Aden Esra beilritt, wenn er anders, wie schon Ree bemerkt (Forschungen über die Ueberschriften der Psalmen, Seite 172) dies nicht für einen Purimwitz hält. Bemerkung auf Bemerkung. Herr Redakteur! Betreffs der in der jüngsten Nummer des „Abendland" vorkommenden Bemerkung des Herrn Dr. Friedländer in Kanitz, halte ich es in respeotu veritatis für nöthig, dieser Bemerkung eine zweite folgen zu lassen. Es grenzt wahrlich ans Ab urde, aus ein paar Worten des Sohar '1D1 nnx 778 die Behauptung zu wagen, der Sohar habe schon 200 Jahre vor der Entdeckung Amerika gekannt, und könne dem Herrn Columbus ein Dementi geben. Ich glaube ein Jeder, der nur etwas von der Erde und ihrer Beleuchtung weiß, und auch die Beweise dekretirt, daß di:- Erde eine Kugel sei, von welcher nach den Gesetzen immer nur eine Hemisphäre beleuchtet sein kann, wird es begreiflich finden, daß durch die Rotation der Erde das Tageslicht sich nur allmälig von Punkt zu Punkt und von Ort zu Ort fortpflanzt, daß es auf einer und derselben Hemisphäre Punkte gibt, wo es noch Nacht, während es an andern noch Tag ist, daß z. B. in Brünn längst Tag ist, währ nd es in Madrid noch finster ist, ja daß selbst auf der östlichen Halbkugel den kanarischen Inseln der Morgen aufgehe, während auf Kamtschatka oder den kurilischeu Inseln oder auch in Neu-Jrland und Neu - Georgien Nacht ist. Im Sohar ist darum noch an keine Spur von Amerika zu denken.*) Rabb. Dr. —g. CorrespondenM. B r ü n u. Vor wenigen Tagen verstarb zu Wien die durch ihren Geist wie durch ihren Wohlthätigkeitssinn bekannte Frau Elise Herz, geb. von Lämel. Unter den vielen Acten ihrer Wohlthätigkeit ragt als dauerndes Monument die Gründung einer jüdischen Schule und Humanitätsanstalt in Jerusalem hervor, deren Ausführung sie dem berühmten vaterländischen Dichter Ludwig August Frankl übertrug. — Das bekannte Reisewerk des genannten Dichters gibt eine ausführliche Relation über diese philantropische Mission, auf die wir den Leser *) Wir haben die scharfe Kritik des Herrn Verfasiers obigen Artikels im Ausdrucke gemildert, müssen jedoch hemerken, daß auch wir aus der mehrerwähnten Soharstelle nur die Bekanntschaft mit der Kugelgestalt der Erde deduciren können, wie wir bereits vor Jahren auf diese Stelle hingewiesen haben. — Der Redakteur.