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Das Abendland · 1868-08-01 · 15 (1.8.1868) · p. Seite 115

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
15 (1.8.1868)
Date
1868-08-01
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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115 als fein Haus (ibid. 118, b), und wollte damit sagen, daß , die Frau die Seele des ganzen Hauses sei. Wer keine Frau - hat, ist gar kein Mensch, lebt ganz freudenlos (Jebamoth 63, , a), „Ehen werden im Himmel geschlossen" ist ein Sprichwort,! welches der Talmud selbst der Form nach adoptirt (ibid. 39 a: j owrt p b ttpn niMt). Wenn eine überschwengliche Phan-! taste sogar die Mußestunden Gottes damit ausfüllt, daß er passende Ehen stiftet, und die für einander geeigneten Paare bestimmt, wer wollte dann noch den Talmud als einen Verächter der Frauen anklagen? — Der Mann soll seine Frau wie sich selbst lieben, sie aber mehr noch als sich selbst ehren (ibid. 62, b). — Ehret die Frauen, durch sie kömmt Segen ins Haus, ehret die Frauen damit ihr reich werdet, sprach Raw zu den Einwohnern Mechusa's (Baba mezia 59, a). Er empfiehlt, wie es scheint, die Verwaltung des Hauswesens den Frauen zu überlassen, welche dazu die meiste Befähigung haben, und durch Thätigkeit und Sparsamkeit den Wohlstand des Mannes erhalten. Hüte dich, heißt es an einer Stelle, dein Weib zu kränken, schnell fließen ihre Thränen, bald ist sie beleidigt. Rabbi Chia hatte eine böse Frau, behandelte sie aber dennoch mit aller Liebe und Zärtlichkeit; von Raw über die Ursache dieses geduldigen und nachsichtigen Betragens befragt, antwortete er: Genug, sie erziehen unsere Kinder und schützen uns vor Ausschweifungen (Jabamoth 63, a). Der Wirkungskreis des Weibes ist im Innern des Hauses, und die Frau verfehlt ihre Bestimmung, wenn sie diesen verläßt, um nach der Thätigkeit des Mannes zu streben. Sie soll Mehl mahlen, Brot backen, Küche und Wäsche besorgen, das Bett machen, spinnen, und es wird großes Gewicht darauf gelegt, daß sie selbst dem Sprößling ihres Schooßes die natürliche Nahrung reiche, — bringt sie dem Manne die entsprechende Anzahl Mägde mit, welche diese häuslichen Geschäfte verrichten, so ist sie wohl berechtigt, müßig im Lehnstuhl zu sitzen; allein Rabbi Elieser bemerkt richtig, daß sie sich immerhin bei der Arbeit betheiligen möge, denn der Müßigang, die Quelle so vieler Laster, führe auch zur Unzucht — (Ketuboth 39, b). Die Frauen Mechusa's waren wahrscheinlich ihrer Arbeitscheu wegen so wenig von ihren Männern geachtet (Sabbath 33, a). Die Frau verkennt ihren Beruf, wenn sie sich in solche Thätigkeiten mischt, die zur ausschließlichen Sphäre des Mannes gehören. Das Kriegshandwerk paßt nicht für das zarte Geschlecht (Nasir 59, a). Selbst die Amazonen legten vor Alexander dem Macedonier das demüthigende Geständniß ab, daß es keine Heldenthat wäre, ein Frauenheer auf dem Schlachtfelde zu besiegen Auch der Gelehrsamkeit der Frauen wird nicht das Wort geredet. — Die gelehrten Frauen, heißt es, sind nicht immer die sanftesten (Berachoth 51, b). Die gelehrte Gattin des Rabbi Meir, Tochter des frommen Märtyrers Rabbi Chanania den Taradion, trieb bekanntlich durch ihre Untreue den Mann zur Flucht. — Er konnte seine Schande nicht ertragen. — Derselbe Rabbi Elieser, der den Frauen so nachdrücklich die häuslichen Arbeiten empfiehlt, ist ebenfalls der Meinung, daß vieles Wissen bei den Frauen leerer Tand sei (Sota 20, a). Aus dem bisher Gesagten erhellt deutlich, daß im Talmud die Frau nicht als eine Sklavin des Mannes betrachtet wird, wohl aber ist sie dem Manne Gehorsam und Ehrfurcht schuldig (Kerithoth 28, a). ©n Grundsatz, der in den Ehegesetzen aller civilisirten Nationen Geltung hat. Der Mann muß natürlich für das Weib sorgen und es ernähren. — Der zur Zeit der Makkabäer- Herrschaft lebende Gelehrte Simon ben Schetach traf die Einrichtung, daß der Mann mit seinem ganzen Vermögen für das eingebrachte Gut seiner Frau zu haften habe (Ketuboth 82, b). Der Mann soll in allen wichtigen Angelegenheiten seine Frau zu Rathe zieh»n, er verläugnet aber seine männliche Würde, wenn er ihr blindlings folgt, in diesem Sinne heißt es: „Der gelangt in die Hölle, der nur immer der Frau folgt; er erfüllt hingegen nur seine Pflicht, wenn er ihren besonnenen Worten alle Beachtung schenkt. „Ist dein Weib klein", lautet ein Sprichwort, „bücke dich, um ihren Rath zu hören" (B. mezia 59, a). Welche wichtige Stellung der Talmud dem Weibe in der Familie anweift geht aus den Lehren hervor, die der Mann bei der Wahl einer Gattin beobachten soll. Niemand soll sich einer Frau verloben, ohne sie früher gesehen zu haben, eine Regel, die auch in unserem Zeitalter, wo das Geld bei Eheverbindungen beinahe ausschließlich den Ausschlag gibt, nicht zu den überflüssigen gezählt werden kann. Dem Mißbrauche der väterlichen Gewalt in dieser Beziehung wird durch die Warnung vorgebeugt, sa nicht eine Tochter zu verloben, so lange sie noch klein ist, sondern lieber zu warten, bis sie selbst die Neigung ihres Herzens für den Mann ihrer Wahl ausspricht. — Wenn in späteru Zeiten die Töchter von ihren Vätern oft wie eine Waare an den ersten besten Käufer preisgegeben wurden, so ist sicher eine solche verwerfliche Handlungsweise nicht im Geiste des Talmuds. — Schon Tosaphot (Kiduschin 41, a) sucht ein solches Verfahren durch den Drang der traurigen Umstände zu entschuldigen. — „Wenn wir, heißt es, in der gegenwärtigen Zeit unsere Töchter chon als kleine Kinder verloben, so ist die Ursache, weil mit jedem Tage der Druck zunimmt. Heute ist ein Vater noch im Stande seiner Tochter ein Heiratsgut zu geben, später ist er nicht mehr in der Lage, und die Tochter müßte ewig unversorgt bleiben." — Der Vater soll überhaupt niemals seine Tochter zur Ehe zwingen. Wer eine Frau nur des Geldes wegen heiratet, und alle moralischen Gebrechen und Laster mit in den Kauf nimmt, der hat natürlich ungerathene Kinder zu erwarten (ibid 70, a). Besonders wird empfohlen auf die Abkunst des Weibes zu sehen, daher dürfte es auch rühren, daß dem Manne gerathen wird, eine Schwestertochter zu heiraten (Jehamoth 62, b), gleichsam die beste Bürgschaft über die Abkunft. — Wer eine Frau heiraten will, lautet eine Talmudstelle, sehe, was ihre Brüder sind, denn die meisten Kinder gerathen den Brüdern ihrer Mutter nach. Findet auch diese Behauptung nicht immer ihre Bestätigung im Leben, so kann doch im Allgemeinen von dem Charakter der Brüder auf die Erziehung im elterlichen Hause und daher auch auf den Charakter der Schwester geschlossen werden. — Der Vater soll seine junge Tochter nicht einem alten Manne zur Ehe geben (Sanhedrin 76, a), da ist natürlich Harmonie und Eintracht schwer zu erwarten. Daß körperliche Schönheit bei der Wahl einer Gattin nicht als erste Bedingung zu gelten habe, ist eine unbestrittene Wahrheit; dennoch ist Schönheit, seitdem die Welt steht, ein Vorzug, der geschätzt wird, und der Talmud hat ihn nicht ganz ignorirt. Rabbi Jsmael sagte: Die Töchter Israels sind von der Natur mit Schönheit begabt, allein die Armuth entstellt sie leider. Er mochte ihnen noch viele andere Complimente gemacht haben, denn sein Tod wurde besonders von den Mädchen beweint. Mit Bezug auf Samuel II. 1, 24 wird auf ihn der Satz angewendet ND22 bx ynmr m:D „Töchter Israels! weinet um Jsmael." — Durch einen einfachen logischen Rückschluß kann man aus dem Bilde eines häßlichen Frauenzimmers, wie es uns der Talmud gibt, leicht ersehen, welche einzelnen Attribute nach seiner Ansicht zu einer vollkommenen weiblichen Schönheit gehören. — „Ein kugelrunder Kopf, Haare wie Flachsbüschel, trübe Augen, gedoppelte Ohrlappen, verstopfte Nase, dicke Lippen, kurzer Hals, großer Bauch, Füße so breit wie die einer Gans" — (Nedarim 66, a). Das ist gewiß ein gelungenes Ideal des Widrigen und Häßlichen. Wer so die Natur in ihrer Mißlaune zu zeichnen versteht, dem kann man ästhetischen Sinn nicht absprechen. Wenn bei dem Müdchenfeste, welches jährlich in Israel am 15. ^b gefeiert wurde, und wobei junge Männer ihre künftigen Ehegatinnen aussuchten, manche unbescheidene Stimmen auch riefen: Sehet bei eurer Wahl auf Schönheit! so war ein solches Selbstlob nach der damaligen Anschauung wohl nicht eine lobenswerthe aber doch verzeihliche Coquetterie. Bei aller Achtung vor den Frauen war man ebensowenig wie in unserer Zeit gegen ihre Fehler blind, und sie mußten gar oft als Stichblatt der Satyre herhalten. Die *

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