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Das Abendland · 1868-08-01 · 15 (1.8.1868) · p. Seite 114

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
15 (1.8.1868)
Date
1868-08-01
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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— 114 In der angeführten Schrift wiro nun auch ein auf die Juden Bezug habendes Colonisationsproject besprochen, das für die Leser dieses Blattes nicht ohne Interesse sein dürfte. Neuerdings, heißt es darin, beginnen die Juden Ansprüche auf Palästina, ihre ehemalige Heimat, zu erheben, und gehen zu diesem Ende mit dem Gedanken um, eine massenhafte jü« dische Auswanderung dorthin ins Leben zu rufen, ja man trägt sich sogar schon mit dem Plan, das Land der Väter von der türkischen Regierung, welche jetzt so sehr um Geld verlegen ist und nirgends Geld findet, käuflich an sich zu bringen, und somit wieder in den Besitz einer eigenen Heimat zu gelangen! Dieses Project sei jedes Falls von Wichtigkeit und Bedeutung. Es scheine auch der unter dem Namen „Alliance Jsraelite" bereits durch die ganze Welt verzweigte Bund, an dessen Spitze die namhaftesten Männer stehen, welche theilweise über bedeutende Finanzkräfte zu gebieten haben, dem Unternehmen nicht ferne stehen, und diese dürften sogar bereit sein, dem Unternehmen große Summen zur Disposition zu stellen, sobald sie sich von der Ausführbarkeit desselben überzeuge haben. Es fei wenigstens Thatsache, daß vor etwa einem Jahre ein Rabbiner mit namhaften Empfehlungen ausgestattet, nach Konstantinopel ging, um mit der türkischen Regierung wegen dieser Sache zu unterhandeln. Diese Leute gehen nämlich mit dem Gedanken um, von der tür ischen Regierung durch großartige Anerbietungen von Geld und finanziellen Vortheilen zu erwirken, daß das Land ihrer Väter ihren Glaubensgenossen zur Einwanderung und Colonisation geöffnet werde, mit dem Rechte, ihre inneren Angelegenheiten selber zu verwalten und einen eigenen Staat zu bilden unter der Oberhoheit der Pforte, oder gar, wenn man türkischerseits darauf eingehen sollte, Palästina käuflich zu erwerben, um wieder eine eigene Heimat zu erlangen und ein besonderes von den Uebrigen auch äußerlich abgesondertes Volk zu werden. Sollten diese Pläne in so weit sie sich auf die Juden erstrecken, wirklich auf reeller Basis beruhen? Sollte an der Verwirklichung des PUCH rwb wirklich schon so ernst und energisch gearbeitet werden? Fast wären wir geneigt diese Frage zu verneinen. Der Jude der Neuzeit liebt es nicht, sich so entschieden und mit Plan in eine neue ideale Welt hineinzuleben, wie er sie bisher in seinen täglichen und in seinen Festgebeten wohl ahnungsvoll ersehnt und erfleht, die aber in seinem ganzen Thun und Denken sich höchstens nur zur theoretischen Fiction, keines Falls aber zu einer praktischen Lebensfähigkeit herangebildet hat, und seine sittliche religiöse und sociale Culturströmung gehört bei aller Anhänglichkeit an den Glauben s.iner Väter wohl überwiegend der j abendländischen Richtung an. Solchen Bestrebungen der Auswanderung der Juden nach Palästina, diesem wegen seiner großen historischen Erinnerungen heiligen Lande, könnten, wenn sie von irgend einer maßgebenden Seite ernstlich gehegt werden sollten, von Schwärmerei abgesehen, religiöse Motive und Tendenzen wohl kaum zu Grunde liegen; diese Motive und Tendenzen wären mehr und weniger einseitig und beschränkt, ja thelweise sogar in den Anschauungen des Mittelalters fußend. Die Tendenz einer jüdischen Ansiedlung in Palästina kann in ihrem Wesen nichts Anderes sein, als eine poetische, und wenn auch in mancher Beziehung edle und lobenswerthe, so doch immerhin eine weil entfernte von dem Realismus, der die Signatur unserer Zeit ist! Was sollen die auswandernden Juden in Palästina? Etwa wie die Würtemberger Genossen in specisisch christlicher Weise beabsichtigen, ein erinnerungsvolles, gottgeweihtes, frommes Leben in specisisch jüdischer Weise in dem Lande ihrer Väter Abraham, Jsak und Jakob führen? Sie möchten etwa wieder ihre Stadt haben und ihren Tempel an der Stätte des alten? Es wäre wohl zu wünschen, daß das Wehklagen und das Jammern der arbeitsscheuen Betteljuden an den Mauern von Jerusalem um die verlorene Größe endlich ein Ende nehmen möge! — Aber auf dem Wege der einfachen Rückkehr zum alten specisischen Judenthum würden die Unternehmer das hohe Ziel, das sie vor Augen haben, nie erreichen, weil solche Rückkehr als ein Rückschritt wider das ewige Culturgesetz der Menschheit streitet. Eine solche Rückkehr nach Jerusalem wäre ein Anachronismus, und gerade so, als wollte ein Erwachsener seine längst abgelegten Kinderkleider wieder anziehen! Will man ein gottgeweihtes, beschauliches, erinnerungsvolles, frommes Leben führen, — so ist dieses nicht durch das Wohnen im heiligen Lande und in der Nähe der heiligen Tempel-Stätte bedingt, als wenn man nicht überall auf Erden ein gottgeweihtes, frommes Leben führen könnte. Nicht das Land heiligt den Menschen, sondern der, Mensch heiligt das Land, in dem er wohnt, durch seinen Wandel und seine ganze Lebensrichtung, wenn wir auch keineswegs läugnen wollen, daß ein Land, an welches sich so große historische Erinnerungen knüpfen, wie Palästina, auf das Leben seiner Bewohner einen großen Einfluß üben könnte, wenn sie eben empfänglich sind für höhere Eindrücke, was wohl bei Einwanderern, bte leichtfertiger Weise die Scholle Erde, das Land worauf die Wiege ihrer Kinder gestanden und wo die Gräber ihrer Eltern sich befinden den Rücken kehren können, um ein neues ungekanntes Land aufzusuchen, von dem sie nur das Eine wissen, daß einst darin Milch und Honig floß, kaum oder doch in geringen: Grade vorauszusetzen ist. Es dürfte demnach die Behauptung kaum eine gewagte sein, daß ein Colonisationsproject für die Juden ein utopisches wäre, das nur mehr schaden als nützen könnte, denn es würde gerade das vermehren, was man dadurch vermindern wollte, das Elend und die Bettelei! Stellung der Frauen nach talmudischer Auffassung, vom Redakteur. Man hat dem Mosaismus oft den Vorwurf gemacht, daß er dem weiblichen Geschlechts eine ganz niedrige Stellung anweise, und sonn! die orientalische Anschauung vom Weibe sanctionire. Wahr ist es allerdings, daß auch hierin wie bei manchen andern mosaischen Bestimmungen der Zeit nicht gar zu weit vorgegrisfen werden durfte, und man kann die Bibel gewiß keiner Schwärmerei für die sogenannte Emancipation der Frauen anklagen. Immerhin muß bei Beurtheilung dieses Gegenstandes auf die Zeitverhältuisse Rücksicht genommen werden; doch läßt es sich nicht in Abrede stellen, daß der Mosaismus die Bedeutung der Frauen fürs Familienglück wie für die ganze bürgerliche Gesellschaft am wenigsten verkannte, und die Bibel liefert uns so viele Muster weiblicher Würde, Größe und Selbstständigkeit, daß es mehr als Thorheit wäre an ein sklavisches Verhältnis zu denken. — Der Talmud hat schon den veränderten Zeitverhätnissen Rechnung getragen. — Die Absonderung der Frauen von jedem Umgänge mit den Männern erscheint nicht mehr in den strengen Formen, die wir aus der Bibel kennen. — Die eigenen Frauengemächer, wie sie auch einst die Griechen hatten, die Verschleierung des Frauenzimmers, die noch heutigen Tages in: Oriente heimisch ist, finden sich im Talmud weniger. Es wird den Frauen eine weit ehrenvollere Stellung angewiesen. Daß auch viele Aeußerungen zum Vorschein kommen, die vor einem Minneugerichte nicht auf die Gnade rechnen dürften, soll uns gar nicht wundern, wenn wir bedenken, daß der Talmud nicht das Werk eines Geistes und einer Zeit ist, sondern das geistige Leben vieler Jahrhunderte repräsentirt. Dem klassischen Alterthum und dem Mittelalter fehlt es eben so wenig wie unserer aufgeklärten Neuzeit an unhöflichen Bemerkungen über das schöne Geschlecht. — Fassen wir die betreffenden Ansichten des Talmud etwas näher ins Auge. Gar viele Stellen im Talmud beweisen die Ehre, welche dem Frauengeschlechte gezollt werde. Der größte Reichthum des Mannes ist der Besitz eines tugendhaften Weibes (Sabbaty 25, d), Rabbi Joßi nannte seine Frau nie anders

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