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Das Abendland · 1868-06-15 · 14 (15.6.1868) · p. Seite 111

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
14 (15.6.1868)
Date
1868-06-15
Page
Seite 111 (sequence 7)
Language
German
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' ■) dieser Sfjirtnng dunkel diese Ansicht vem-M >it nicht durchdraG s^ GemerKuug. j Von Amerika, der sogenannten nenen Welt, heißt es! bekanntlich, daß man es vor 400 Jahren noch nicht gekannt hatte, da es erst im Jahre 1492 durch Kolumbus, den Sohn eines in Genua wohnenden Tuchmachers, entdeckt worden ist. Trotz dieser allgemeinen Behauptung glaube ich meinerseits denn doch durchaus nichts Gewagtes zu behaupten, wenn ich der Ansicht Raum schenke, daß man schon lange vor Kolumbus von diesem in Rede stehenden Erdtheile Kenntniß gehabt haben muß, da dieß ans einer Stelle im Sohar zu KTTI B Folio 10, klar und deutlich zu eutuehmen ist. Die diesbezügliche Stelle lautet: NI XSWS im HK?b -pins* mb Tunx NI1 mb |b d. h.: „Es gibt eine Gegend auf der Erde wo es zur Zeit als wir Helle haben, finster wird, und in dem Momente als es bei uns finster wird, dort wieder Helle ist." Jeder Unbefangene 'wird uns wohl bereitwilligst zugeben, daß hier von der uns entgegengesetzten Halbkugel die Rede sein muß. Nachdem nun in frühern Zeiten die Meinung herrschte, daß der Tauaite Rabbi Simon ben Jochai, der IO Jahre vor der üblichen Zeitrechnung blühte, — also mehr als tausend Jahre vor der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, lebte —, so dürfte mau schon vor 1800 Jahren von Amerika gewußt haben. Und wenn wir uns tibrigens gar der Ansicht der neueren Gelehrten anschließen, das nämlich R. Mose b. Schem-Tob de Leon (geb. in Leon um 1250, gest. 1305) der eigentliche Verfasser des Sohar war, so kann denn doch die Meinung, daß man lauge vor Kolumbus schon von Amerika gewußt habe, aufrecht erhalten werden, da doch Mose de Leon ungefähr 200 Jahre vor Kolumbus gelebt hatte. Kanitz, 5. Juli 1868. Dr. M. H. Friedländer. Ciu alter, polnischer Indeneid. Mltgetheit von H. Kohn. In vielen, gebildeten Staaten Europas besteht noch die immer das sittliche Gefühl jedes Israeliten so tief verletzende Maßregel des mittelalterlichen Judeneides. Er wird heute noch von großen Staatsmännern für nothwendig erachtet und consequent beibehalten, als ob die einfache Anrufung Gottes zur Bekräftigung der Aussage allein nicht genügen würde bei den Juden, die doch für die Heiligkeit des göttlichen Namens durch Jahrtausende geblutet und gelitten haben, als ob die Juden, und nicht die Kirche*) den Grundsatz aufgestellt hätte, daß matt Verbrechern gegenüber den heiligsten Eid brechen könne. Um so merkwürdiger ist ein polnischer Judeneid aus dem Jahre 14392, der nichts von den haarsträubenden Verwünschungen und den oft lächerlichen Beschwörungen der sonst gewöhnlichen Formeln weiß, sondern durch Einfachheit und Kürze sich vorteilhaft anszeichnet. Er findet sich im Myslowitzer Stadtarchive mW ist abgedruckt in Lustigs Geschichte der Stadt Myslow. S. 319.— Ein Jude aus Krakau hatte nämlich am 10. November des genannten Jahres beim Rathe der kleinen, .polnischen Stadt die eidliche Vernehmung der dortigen Juden Sal. Markowicz und Jonas Jacubowicz beantragt. ob sie einen gewissen Lewek Jsraelewicz und den Lewek Jelenek nicht kennen oder Etwas von ihnen wissen. Der polnische Eid in wörtlicher Uebersetzuug lautete: „Ich Sal. M. und Jon. I. schwören bei dem allmächtigen Gotte, der Himmel und Erde erschaffen hat, und was über dem Himmel und unter der Erde ist, und bei den Zehngeboteu, die er uns durch Moses aus dem Berge Sinai gegeben hat, *) 2tuf Grund dieses Principes entbanden die Päpste zu wiederholten Malen die Unterthanen excommunicirter Kaiser oder Köniae des Treueides. a daß wir von den beiden Juden nichts wissen und nichts gehört haben." — Eorrespondenzen. Brünn. Der hiesige Gemeiudevorstand entwickelt in jeder Richtung eine rege Thütigkeit, namentlich hat sich die Schulsektion, bestehend aus den Herren I. Wohlmuth als Obmann, M. Bum und S. Herzfelder, in kurzer Zeit um die hiesige Religionsschule viele Verdienste erworben, so z. B. wurde dieselbe in eine mit den Hauptschulen parallele vierclassige erweitert, da die Schüler der vier Volksschulclassen bisher in drei Classen vertheilt waren, — ferner bei der hohen k. k. Statthalterei erwirkt, daß kein israel. Schüler der Volksschule in eine höhere Classe aufsteigen kann, der nicht ein. befri digende Note aus der entsprechenden Religionsschulclasse nachweist. Auch die bisherigen Hilfslehrer Herr Adolf S. Eisler und Sigmund Rößler wurden durch Anregung der Schulsektion in Berücksichtigung ihrer ersprießlichen 7jührigen Leistungen an der hiesigen Religionsschule bei der letzten Plenarsitzung zu ordentlichen Religionslehrern an derselben ernannt. Zum Schlüße verdient da. Wirken des Herrn Wohlmuth, der sich auch als Menschenfreund und Wohlthäter bei jeder Gelegenheit auszeichnet, besonders hervorgehoben zu werden; so hat er erst vor einigen Tagen aus seiner Privatcasse die armen braven Schüler der hiesigen Religions- Schule mit neuer Fußbekleidung beschenkt. —s— Breslau im Juli. Wie ich Ihnen bereits in meiner vorletzten Correspondenz richtig angegeben hatte, fand die Theologenversammlung bereits in den letzten Tagen des Juni und den ersten dieses Monats statt. — Anwesend waren die Rabbiner Dr. Perles aus Posen, Klemperer aus Landsberg, Güdemaun aus Wien, Stein ans Worms, Hekscher aus Ratibor, Horowitz aus M.' Friedland, Rahmer aus Magdeburg, Michälis aus Köthen und Zuckermandl aus Gnesen. Viele der Geladenen, wie Dr. Kohn aus Pest, der durch den Tod Meisel's mit Amtsgeschäften überhäuft ist, Dr. Vogelstein, der erst vor Kurzem sein Amt augetreten hat, und Andere waren am Erscheinen verhindert. Da die Oeffeutlichkeit von den Versammlungen ausgeschlossen war, und die Theilnehmer das strengste Stillschweigen beobachten, kann ich Ihnen auch heute noch nichts Bestimmtes über die Verhandlungen mittheilen. Nur so viel verlautet, daß die Herausgabe eines Organs der vermittelnden (Frankel'scheu) Richtnng des Judenthums beschlossen worden sei. — Ich darf mich jeder weitern Angabe um so mehr enthalten, als binnen Kurzem die Verhaudlungsprotokolle von Seiten der Versammlung selbst durch den Druck veröffentlicht werden. — Die hiesigen Handluugslehrlinge und Commis möchten auch gerne, wie die andern Menschenkinder, einmal in der Woche feiern und ihrem Vergnügen nachgehen, und agitiren darum für die Schließung aller Geschäfte an den Sonntag-Nachmittagen. Daran wäre nun nichts Merkwürges. Sonderbar aber ist es, daß das Comite, das zu Gunsten der Souutagsheiliguug sich gebildet hat, meist aus Juden zusammengesetzt ist, an deren Spitze der k. k. österreichische Eonsul, Dr. Cohn, steht. — In der am nächsten Donnerstag (den 9. Juli) stattfindeuden Stadtverordnetensitzung wird über den coufessionelleu Charakter des ueuerrichteten und schon Michäli zu eröffnenden Johannesgymnasiums verhandelt werden. Das Proviuzialschulcollegium und die Regierung hat sich für den evangelischen Charakter der neuen communalen Anstalt ausgesprochen, während der Magistrat und die Stadtverordneten in Rücksicht auf die Juden die Confessionslosigkeit jener

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