Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 14 (15.6.1868)
- Date
- 1868-06-15
- Page
- Seite 112 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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112 — Schule beantragt haben. Man ist hier auf den endlichen Ausgang dieser Angelegenheit sehr gespannt. H. K. Locale und auswärtige Rothen. Brünn. (Literarisches.) Von Herrn Ignaz Friedlieber, Hörer der Philosophie in Prag ist erschienen: Worte des Friedens gerichtet an das ungarische Israel, als Erwiederung auf ein offenes Schreiben des Herrn N. Liebermann in Ritsche. — Dasselbe in hrebräischcr Sprache (deutsch. Thl. 16 S. hebr. Thl. 8 S.) — Wer ist Herr Liebermann? Wo liegt Ritsche? Der Leser dürste es so wenig wissen als wir und wir so wenig als die Geographie und die jüdische Wissenschaft. Aus dem vorliegenden Schriftchen erfahren wir das Allerwichtigste über die erwähnten dunkeln Existenzen Ritsche ist ein Dorf in Ungarn, und seine „Weisheit" die ihm zur Unsterblichkeit verhilft ist Herr Liebermann, ein ortodoxer Privatier gewöhnlichen Schlages, welcher dem Fortschritte und der Cultnr seiner jüdischen Landsleute, und allem was jetzt in Ungarn drum und dran hängt als: verbessertes Schulwesen, Rabbinerseminar und ähnlichen Zeitbedürfnissen den Krieg erklärt. — Die Sprache der Erwiederung ist einfach, ehrlich würdig und versöhnlich, fast zu versöhnlich — der Verfasser ist eben zu sehr „Friedlieber". — Mit solchen Allokntionen aus jüdischem Lager, wie sie jetzt in Ungarn an der Tagesordnung sind, muß ein ernstes und scharfes Wort gesprochen werden. Deßungeachtet wäre es von Nutzen, wenn die Stimme des Herrn Friedlieber bei seinen ungarischen Glaubensgenossen Gehör und Beachtung fände, was wir vom Herzen wünschen. Brunn. Von Rabbiner Dr. Kobak's Zeitschrift „Jeschurun" ist das 1. hebr. und erste deutsche Heft des 6. Jahrgangs erschienen. Das hebräische Heft enthält Aufsätze vom Herausgeber, kleinere Arbeiten von Oppenheim, Chajes, Gurland u. a. m. Alle diese Arbeiten haben zumeist bibliographisches Interesse. Das bedeutendste Stück des ganzen Heftes ist der vor 14 Jahren geschriebene Brief Rappoports über „Rabbi Meir den Wundermann" und auch diese Arbeit hat wenig wissenschaftlichen Werth, nur die scharfsinnige kritische Methode, die an R. so hoch geschätzt wird ist es, die uns auch in diesem Briefe anzieht. Auch das deutsche Heft gehört dießmal fast ausschließlich der Bibliographie. Die Arbeiten sind von Steinschneider und andern bewährten Männern des Faches. Die Leistungen des tüchtigen und gelehrten Herausgebers auf journalistischem Gebiete verdienen alle Anerkennung, und auch die Aufsätze in diesen beiden Heften werden ihre Leser finden, welche die darin entwickelten Forschungen mit Aufmerksamkeit verfolgen. Wien. Unter der Redaktion des Herrn Peter Smolenskin erscheint hier im Verlage des Buchhändlers Jakob Schloßberg eine hebräische Monatsschrift „Haschachar" (die Morgenröthe) genannt. Sie wird Tagesneuigkeiten, Correspondenzen, belletristische Arbeiten, bibl. und talmudische Exegese und literarische Kriti.en hebr. Werke bringen. Paris. Der unlängst verstorbene Glaubensgenosse, Herr Jenne vermachte dem israel. Wohlthätigkeitskomiti zu Paris die Summe von 46,000 Francs. Vittoria. (Spanien.) Als unlängst hier der Grund zu einem Neubau gegraben wurde, fand man einige menschliche Skelette, die um Kopf und Arm lederne Riemen gezogen hatten. Man konnte sich diese Sonderbarkeit nicht erklären, bis endlich der hiesige israelitische Kaufmann, Herr Silva, hierüber Aufschluß gab. Es waren dieß Israeliten, die mit den angelegten Philaterien (Tephillin) begraben wurden. Weitere Nachgrabungen zeigten, daß der Platz ehemals ein jüdischer Gottesacker war, der um die Zeit der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492 in den Besitz der Stadt gelangte. Holland. Die Berufung von Juden zu den höchsten Staatsämtern und wichtigsten Dienstposten ist hier etwas so Gewöhnliches, daß man wahrlich viel zu thun haben würde, wollte man regelinäßig die Ernennungen registriren, welche unsere Glaubensgenossen betreffen. Die Gleichstellung aller Confessionen ist hier nicht bloß ein schönes Theorem, es wird vielmehr ohne Beschränkung praktisch durchgeführt. Nur die Fähigkeit und Würdigkeit entscheidet Hierlands bei der Besetzung eines Amtes. Türkei. Der „Moniteur" erhält aus Konstantinopel einen Bericht über den Empfang, welcher den Vertretern der nichtmuhamedanischen Bekenntnisse am 23. Mai beim Sultan zu Theil wurde. An diesen! Tage begaben sich um Mittag der griechische, der gregorianisch-armenische, der katholisch-armenische Patriarch und der israelitische Großrabbiner nach dem kaiserlichen Schlosse Beyler-Bey, von dem kirchlichen Würdenträgern begleitet. Der Zweck dieses Besuches war, dem Sultan für die Rede zu danken, welche er bei Gelegenheit der Eröffnung des Staatsrathes gehalten und in der er Gleichheit der bürgerlichen und politischen Rechte seiner Unterthanen proclamirt hatte. Der Sultan empfing die Deputation stehend, indem er sie durch eine freundliche Bewegung einlud, näher zu treten, dann selbst einen Schritt vorwärts that und so in ihrer Mitte stand. Der griechische Patriarch verlas eine Dankadresse, welche sein Dragoman ins Türkische übesetzte. Der Sultan antwortete mit fester Stimme: „Ich danke Ihnen für die Glückwünsche, welche Sie mir darbringen; das Glück meiner Unterthanen, die ich im Sinne einer vollkommenen Gleichheit betrachte, ist auch das meinige. In meinen Augen besteht kein Unterschied zwischen Muselmännern und Nichtmuhamedanern. Die Religion und die Rechte der Nichtmuhamedaner wurden schon bisher unverletzt erhalten, aber die Nichtmuhamedaner wurden noch nicht zu den großen Staatsämtern berufen. Das war das alte System; jetzt ist die Thüre zu allen Aemtern, auch zu dem des Großveziers, den Nichtmuhamedanern geöffnet. Das Verdienst allein wird die Ernennung zu den öffentlichen Aemtern bestimmen. Rechnen Sie auf meine Gesinnungen; ich will das Glück aller meiner Unterthanen ohne Unterschied des Glaubens und der Abstammung." Auf diese Worte bemächtigte sich der Hörer eine unaussprechliche Freude, ein Jeder drückte, so gut er konnte, seinen Dank aus und der Sultan, selbst gerührt durch diese förmliche Explosion der Dankbarkeit, fuhr fort: „Indem ich den Staatsrath und den obersten Gerichtshof errichtete, verfügte ich, daß inan in dieselben hervorragende Männer aus jeder Gemeinde beriefe, welche diesen großen Staatskörpern ihre Kenntnisse und Erfahrungen mittheilen werden. Sie werden dort die Geschäfte mit dem Beistand der Gerechtigkeit führen, welche die Grundlage aller Regierungen ist; das Vertrauen wird wachsen in einer jeden Gemeinde. So wird, da alle meine Unterthanen die Kinder desselben Vaterlandes sind, ihre Eintracht, die Zukunft und das allgemeine Wohlergehen gesichert." Der Sultan nahm hieraus die Adressen der verschiedenen Gemeinden entgegen und entließ die Deputation unter neuen Bezeugungen seines Wohlwollens. Inserate. Bvn einer Lebensversichermigsanstalt werden Männer von Einfluß und ausgebreiteter Bekanntschaft als Vertreter für die größer« Städte und Ortschaften Mährens unter ausgezeichneten Bedingungen zu aequiriren gesucht. Man beliebe sich zu wenden an W. I. Hofmann. Brünn, Johannesgasse Nr. 14. Druck von Rudolf M. Rohrer in Brünn.