Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1868-06-15 · 14 (15.6.1868) · p. Seite 106

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
14 (15.6.1868)
Date
1868-06-15
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/9050333-9094778-9051231--0911-9051233
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

— 106 — In der Dauer der antidilnvianischen Perioden bei Diodor (I. 44). Dieser berechnet die Zeit der Götterherrschaften auf 18,000 Jahre, also genau nach der mexik. Angabe.* 2 *) Die Phönizier hatten zum Theil die babylonische Mythe adoptirt, welche 10 alte unter die Götter versetzte. Könige: Alorns (“fiK TX Lichtwidder), Alaparus (^tx r-^x Lichtstier), Almelon, Ammenon, Amegalarus, Daon, Aedorachus, Amempsinns, Otiartes und Xisuthrus (der babylonische Noach) als Beherrscher der vorsündfluthlichen Zeit-Kreise von 120 Saren — 432000 Jahren bezeichnete. (Movers, Phönizier, I., 166). Analogien zu der mexikanischen Kosmoganie ergeben sich aus der phönizischen Riesensage nach Philo's. Uebersetzung des Sanchuniathou, Cap. 8, wo vielfach mit der bliblischen Tradition übereinstimmend berichtet wird: Die Götter verlassen die Erde wegen der Bosheit der Menschen, welche sich mit den Töchtern der Feinde des Kronos und Baant ( lPTD ) verbunden. Ans dieser Bereinigung entsprossen die Stämme der Giganten, Nabaler (2^23), Moallakiner und Ouakyner (2)7>^). Um die Menschen für ihre Frevel zu bestrafen, gaben die Götter sie in die Gewalt ihrer eigenen reckenhaften Söhne, und von der Zeit an besteht ein fortwährender blutiger Kampf zwischen beiden. Es standen also bei den Phöniziern Söhne und Väter einander feindselig gegenüber; bei den Mexikanern waren es Herren und Diener, die jene ans den von Miktlantonktli geholten Knochen entstehen ließen. Die phönizische Sage: Kronos tödtet Sohn und Tochter, um Menschen zu erschaffen; daraum bedeuten N2NX 2NX abgeleitet von 2N die „mit dem Blut der Götter getränkte" — (Sanchun. 26, Berosus, 50), enthält unverkennbar den Gedanken der mexikanischen Menschenschöpfung: „Die Riesen besprengten die Knochen, die ihnen König Xolotl holte, mit ihrem Blute, und es entstanden Menschen daraus." Die phönizische Sage: „von den Kindern des Genus und der Genea, Phos, Pyr und Phlox (verschiedene Benennungen des Feuers), ward zuerst das Feuer durch das Aneinanderreiben zweier verschiedener Hölzer hervorgebracht" — (Sanch. 3,) — tritt uns in dem mexikanischen Feste Xiuhmolpiah entgegen, bei welchem in gleicher Weise vermittelst zweier Hölzer das neue Feuer, das man als Gnadenzeichen der Götter begrüßte, entzündet ward. — Ein Auto da Fe in Breslau, von Dr. Hermann Kohn. (Schluß.) Er konnte selbst dem Beispiele von Liegnitz nicht folgen, wo um diese Zeit (1447) fast alle Juden vertrieben wurden. Dem dortigen Bürgermeister Ambrosius Büschen war nämlich längst die Rivalität der Juden als Gläubiger des Herzogs höchst unbequem und gefährlich, da er sich selbst durch Vorschüsse an diesen zu bereichern hoffte; er entledigte sich also derselben, indem er als allmächtiger Günstling bei der Herzogin Elisabeth den Befehl erwirkte, daß die außerhalb der Stadtmauer sich befindende Judengasse mit Ausnahme von 4 Häusern „der Fortification wegen" niedergerissen werde; die Juden, die in der Stadt nicht wohnen durften, mußten natürlich Liegnitz verlassen. *) In Breslau aber ging dieser *)Nach Manetho währten sie 28000 I., nach dem Vetus Chroniken 34201 Jahre. Diese Jahre sind wahrscheinlich auf Monate zu reduziren, da die alten Egypter Jahr und Monat durch dasselbe Hieroglyphenzeichen, die Palme, ausdrückten. Diodor (1. 26) sagt: 2'jvsßaivs v.ata xep(o3ov [ayeTSat tov svi«ut6v. Bei Eusebius (Armen I. 199) heißt es: triginta inquam dierum numerum mensem illi annum yocabant. ') Bergl. Sammter Chronik von Lignitz I. S. 404, die betreffende Urkunde das. im Anhang. S. 496. — Grund schon darum nicht an, weil die Judenhäuser in Mitten der Stadt lagen, und die Gemeinde schon seit 1345 jährlich 60 Mark zur Stadtmauer zu zahlen hattet) Eine jüngst erst im Liegnitzer Stadtarchive aufgefundene, hebräische Urkunde aus jener Zeit (1451)») läßt es deutlich erkennen, wie sehr die unglücklichen Juden von Breslau der ihnen drohenden Gefahr und ihrer Ursachen sich bewußt waren, ohne sich jedoch helfen zu können. Ein Rabbi Piuchas, S. des R. Meier, quittirt einem R. Chabiah, S. des R. Manoach, von ihm Alles richtig zurückempfangen zu haben, was er ihm übergeben hatte. Wir sehen in R. Pinchas einen der reichern Juden, der sein „ganzes Geld und Geldeswerth" dem ärmern R. Chabiah anvertraut hatte, da man doch bei diesem einen solchen Reichthum nicht vermuthen dürste. So übergaben die Juden häufig ihr Vermögen selbst an Christen, nur um den gefährlichen Verdacht des Reichseins von sich abzuwenden. — Was half es den Armen? Gab es auch keinen Rechtsgrund, sie zu berauben und zu verfolgen, so bot ja die Religion den geschicktesten Vorwand, sie auszuplündern, konnte man doch aus purer Frömmigkeit über sie und ihre Schätze herfallen. — Auch in Breslau nahm der Rath die Maske des Glaubens vor, um unter derselben seine habsüchtigen Pläne zu realisiren. — Ein Umstand, der sich gerade damals ereignete, kam ihm dabei sehr zu Statten. 4 5) Im Anfänge des Jahres 1453 kam nämlich der Bernhardinermönch Johann Capistrano (aus Capistro in den Abruzzen), herbeigerufen durch den Bischof Peter II., der mit seinem entarteten Clerus allein nicht fertig werden konnte, nach Breslau. Dieser fanatische Mönch, „die Geißel der Hebräer", wie ihn seine Verehrer nennen, predigte überall, wohin er kam, gegen die sittenlose Geistlichkeit, aber auch gegen die Hussiten, Türken und besonders gegen die Juden und entflammte das Volk durch seine glühende Beredtsamkeit. Mit ihm verband sich nun der Rath, und — woruach man längst vergebens gespäht, wessen man die schlesischen Juden seit Jahrhunderten nicht beschuldigt hatte, jetzt kam's an den Tag, jetzt ward das Capitalverbrechen verübt. Ein Bauer aus Langenwiese bei Oels hatte neun geweihte Hostien gestohlen und im Gefängniße ausgesagt, daß er sie dem Juden Meyer aus Breslau verkauft habe. Auf diese Beschuldigung hin ließ der Rath am 2. Mai 1453 sämmtliche Juden, Männer, Frauen und Kinder, einsperren und alle ihre Habe versiegeln. Einige waren geflohen, wurden aber verfolgt und nach vier Tagen wieder gefangen eingebracht. Schon am 5. Mai wurde in Anwesenheit des kaiserlichen Notars Johann von Kicziugk, des Schöffen Johann Soner und noch dreier Zeugen ein sorgfältiges Inventar des konfiscirten Gutes ausgenommen und dieses selbst in die kaiserliche Burg (das jetzige Universitätsgebäude) geschafft. Zugleich schickte der Rath an König Ladislaw einen Bericht über sein Vorgehen und erbat sich fernere Verhaltungsbefehle, besonders in Betreff des Judenvermögens. Ladislaus, mit dem Beinamen kostüuruus, war sehr bigott erzogen und gleich seinem Vater, dem österreichischen Albrecht von den feindlichsten Gesinungen gegen die Juden beseelt. ^) 2) Stenzel Gesch. Schlesiens 285 folg.; auch Oelsner. 3) Sie dürste die älteste, in hebr. Sprache geschriebene Zlrkunde in Schlesien sein. Sie ist ausgestellt Breslau am 2. Sivan 5211, mitgetheilt von Sammter in der „Zeitschrift der schles. Gesellschaft für vaterländ. Cultur." Jahrgang 1868. Seite 121, wo auch die wörtliche deutsche Uebersetzung derselben abgedruckt ist. ‘:) Ueber das folgende: Eschlenloer Denkwürdigkeiten der «Stadt Breslan ed. Klinisch 1. 13 — Pol's Jahrbücher ed. Büsching und Klose — Schickfuß. Schles. Chronik IV. 86 — ThebesiuS 11. 316. — Schudt, jüdische Denkwürdigkeiten 1. 387 und 389. — Klose's, Breslau 11. 2. pag. 28, 39, und besond. Oelsner, der auch die betreffenden Urkunden, Register des RatheS und Briefe des Kömgs in origine (Nr. 35—39) anführt. Vgl. auch Sammter, Chronik von Liegnitz und Grätz. Vlll. 204. 5) Albrecht 11. hatte schon 1421 „in seinen Landen allenthalben" die Juden wegen Hostienschändung verbrennen laffen. (Wiener Regesten S. 239. 165) und Ladislaus hatte auch bereits^1453 den Wienern ein Privileg, gegeben, niemals Inden in die Stadt aufznnehmen. (Notizenblatt zum Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen 1854. S. 134.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.