Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 14 (15.6.1868)
- Date
- 1868-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Uro. 14. Lriinn, den 15. Juli 1868. V. Jahrg. ff«« Prännmerationsbetrag gonzj. 3 fl., hal'bj'ülniZ 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus. Fllr's Ausland ganzj. 2. Thlr. haldj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenlhümer und verantwortlicher Redakteur D- EhrMÜNN. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Administration Bäckergasse Nr. 2. 2. Stock- Exped. Krapfengasse 18, Epstcin's Buchh Inserate werden billigst berechnet. Inhalt: Juden und Mexikaner. — Ein Luto äu Fe in Breslau. — Eine Verkanfsurkunde aus dem Petersstifte zu Basel vom Jahre 1327. — Alte Urkunden. Juden in Deutschland. — Die Heiligkeit des Eigenthnms. — Bemerkung. — Ein alter, polnischer Judeneid. — Correspondenzen. — Locale und Auswärtige Notizen. — Inserate. Juden und Mexikaner, I von Dr. 33. P laczek. VIII. Während die Seelenwanderung bei allen orientalischen Völkern die Idee veranschaulicht: die Seele gehe in gleichmäßig fortschreitender Läuterung und Vergeistigung in jene Individualitäten über, die ihrem jeweiligen Purificatiousgrade entsprechen, um endlich in den göttlichen Geist aufgelöst, zur höchsten Seligkeit zu gelangen*) — glaubten nach Josephus die Pharisäer, daß den Seelen überhaupt die unvergängliche Kraft individueller Existenz innewohne und es nur „dem Guten sreistehe, nach dem Scheiden aus einem Körper ein neues Leben in einem andern wieder zu beginnen." Dieser Unterschied ist durch den Grundgedanken des Mosaismus, der das Trennungsprinzip zwischen Welt und Gott jenem Pantheismus entgegenstellt, bedingt. Bedeutsamer noch für die Parallele mit der mexikanischen Eschatologie ist die Abweichung in der Auffassung von dem eigentlichen Zwecke der Metempsychose. Der alte Egypter beispielsweise erblickte darin die peinlichste Strafe für die abgeschiedene Seele des Sünders**), indeß der Pharisärmeint: „Jede Seele ist zwar unsterblich; aber nur die Seelen der Frommen dürfen zum *)Der Name eines Verstorbenen, von dem man annehmen konnte, daß er aus dem Gerichte im Amenthes gerechtfertigt hervorgegangen sei, wurde von seinen Hinterbliebenen mit dem des Osiris verbunden in Wort und Schrift dargestellt, weil der Hingeschiedene nun mit Osiris zü einer Person verschmolzen, ein ewiges glückseliges Leben führt. Die Inschriften der meisten egyptischcn Leichensteine beginnen daher niit den Worten: „Er ist hinüber gegangen zur Wredervercinigung müdem Hochheiligen." Uhlemann, Hbch. IV. 182. **) Herodot (II., 123) erwähnt: Die Eghpter betrachten die Seelenwanderung als läuternde Strafe, der nur jene anheimfallen, die ein sündhaftes Leben geführt und deshalb nicht rein und gerechtfertigt aus dem Todtcngerichte hervorgegangen. Die Seele wanderte durch alle Thiere hindurch und kehrte erst nach 3000 Jahren in einen Menschenleib, nach Theophrast wieder in den alten Leib zurück. Uhlemann II. 227, IV. 182. Lohne für ihre Tugend in einen anderen Leib übergehen." (■Josephe de b. j. II., 12). Diese Anschauung mag auch der Schilderung von der ewigen Glückseligkeit (Jalkut zu 1. B. M. 2, 8) zu Grunde liegen. „Bei ihnen (den Frommen) ist niemals Nacht .... in der ersten Nachtwache wird der Abgeschiedene zum Kinde und genießt, unter Kindern sich umhertummelnd, kindliche Freuden; in der zweiten Wache verwandelt er sich in einen Jüngling, er begibt sich in die Räume, die im Eden der Jugend bestimmt find; dort wird ihm die Wonne der Jugend zu Theil. In der dritten Wache wird er zum Greise; unter Greisen weilend, erfreut er sich dann der Seligkeit des Alters." Gleiches viudizirte eben der alte Mexikaner für die Edelsten seiner Verklärten, die in dem Sonnenhause weilen. Wie die Azteken vergötterten Urelemente, so bezeichnen Egypter und Phönizier ihre Naturgottheiten als Beherrscher der ältesten Zeit- oder Weltalter. Die Egypter erzählen von Götterregierungen, welche der des ersten menschlichen Königs Menes vorangegangen seien? Aus der Tafel von Abydos steht Menes im fünfzehnten Königsringe; ein Beweis, daß 14 Götter früher regierten. Diese Götterherrschaften mögen wohl auf einer astronomischen Grundlage beruhen. Von der Gewohnheit der Alten, die einzelnen Abschnitte des Thierkreises und so auch die 12 Thierzeichen, sowie die denselben entsprechenden Zeiten unter den Schutz besonderer Götter zu stellen, dürste bei vielen Völkern des Alterthums die Eintheilung in Weltalter herrühren. So oft nämlich der Nachtgleichenpuukt ein ganzes Zeichen durchlaufen hatte und in ein neues eintrat, gelaugte nach ihrer Symbolisirung ein neuer Gott zur Herrschaft, begann somit ein neues Wellalter. Nach Seyffarth begann das erste im I. 5871 v. Ehr., als der Nachtgleichenpunkt zwischen den Sternbildern Krebs und Zwillingen stand, das zweite 3725 v. Ehr. mit dem Eintritte desselben in den Stier, Nach Herodot, Manetho und das Vetus Chronikon reicht das Alter derselben weit höher zurück. Vergl. Seyffarth, Berichtigungen 127; Uhlemann, Grund-! züge der Astronomie ... 90, Handbuch ... II., 155, III., 69 ff. I Hervorzuheben ist dabei die merkwürdige Uebereinstimmung