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Das Abendland · 1868-07-01 · 13 (1.7.1868) · p. Seite 103

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
13 (1.7.1868)
Date
1868-07-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 — Breslau im Juni. Die Rabbinerversammlung, von welcher ich Ihnen bereits Mittheilung machte, soll am 15. Juli Hierselbst stattfinden. Sie dürste eine mehr als vorübergehende Bedeutung haben; doch bin ich heute noch nicht in der Lage, Ihnen etwas Näheres darüber angeben zu können, da man selbst in Seminarkreisen noch nichts Gewisses über das Programm derselben vernimmt. — Wie verlautet, soll Dr. Joel den Bitten der Berliner Gemeinde doch endlich nachgegeben haben und entschlossen sein, unsere Stadt zu verlassen. Die Bedingungen seiner Aufnahme in der Residenz sollen glänzend sein, (man spricht von vier Tausend Thaler Gehalt); außer dem war er mit seiner hiesigen «Stellung als Nachfolger Geigers nie recht zufrieden. Die Syuagogengemeinde Breslau's hätte einen großen Verlust zu beklagen, falls sich das Gerücht bestätigen sollte. — Unlängst ist hier eine ganze Familie, bestehend aus Vater (die Mutter war eine geborne Jüdin) und mehreren , Kindern, darunter 2 Knaben, zum Judenthume übergetreten. j Das noch ziemlich junge Ehepaar, das bisher nur civilrechtlich i verbunden war, ließ sich bald nach der Ausnahme des Man-! nes auch nach jüdischem Ritus trauen, um sich NVQ j einander angehören zu können. H. K. : Uebrigens glaube er gar nicht, daß die Juden so sehr nach den hier verlangten Rechten trachten. Ab. Lasker (Jude): Obgleich er sich im Allgemeinen aus Princip an solchen Debatten nicht betheilige, halte er es für Pflicht, die letzte Insinuation des Vorredners zurückzuweisen. Abg. von Branchitsch: Er habe geglaubt, daß der vom Referenten beantragte 2. Punkt (Judeneide) schon durch frühere Beschlüsse erledigt sei. Das Jndigenat dürfe die Befugnisse der Einzelstaaren und Gemeinden in Bezug auf kirchliche Verhältnisse nicht beschränken. Der Antragsteller Abg. Wiggers weist darauf hin, daß es sich keineswegs allein um Beschränkungen der Juden handle. In Meklenburg fänden auch andere Beschränkungen statt in relig. Beziehung. Referent Dr. Endemann: Die Competenz des Reichstages sei nach Art. 4 der Bundesi Verfassung unzweifelhaft. Bei der folgenden Abstimmung wird | der Hauptantrag des Referenten angenommen, von den spej ciell angeführten Punkten Nr. 1 abgelehnt und Nr. 2 und { 3 angenommen. Locale und auswärtige Notheu. Berlin, am 20. Juni. In der Sitzung des Reichstages vom 16. d. M. stand die Schlußberathung über den bekannten Antrag des Abgeordneten M. Wiggers (Vgl. „Abendland" Nr. 9 und 10) über die Gleichstellung der Juden im norddeutschen Bunde auf der Tagesordnung. Der Referent Dr. Endemann hat folgende detaillirtere Fassung beantragt: „Der Reichstag wolle beschließen: den Bundeskanzler aufzusordern, daß in Ausführung des am 23. Oktober v. I. gefaßten Beschlußes des Reichstages baldigst ein Gesetz vorgelegt werde, welches alle noch bestehenden aus der Verschiedenheit des relig. Glaubensbekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte aufhebt, insbesondere 1. die Verbote und Beschränkungen der Eheschließung zwischen Christen und Israeliten, sowie die auf dem israelitischen Glaubensbekenntnisse des einen Theiles beruhenden Beschränkungen der ehelichen Rechte beseitigt, 2. für alle Eidesleistungen der Israeliten eine der Gleichberechtigung entsprechende Form einführt, 3. die volle Gleichberechtigung der Israeliten zur Teilnahme an der Genieinde- und Landesvertretung, sowie zur Bekleidung öffentlicher, Gemeinde- und Staatsämter im Gebiete des norddeutschen Bundes ausdrücklich anerkennt." Der Referent geht in der Begründung seines Antrages auf die Motive ein, welche Wiggers zur Einbringung des ursprünglichen Antrages veranlassen und führt weiter aus, die von ihm angestellten Untersuchungen hätten ergeben, daß es mit Rücksicht auf die Stellung der Juden in einzelnen Staaten des norddeutschen Bundes noch sehr bunt aussehe, während bereits in andern Staaten eine Gleichstellung derselben erfolgt sei. Bei dieser Lage der Dinge habe er seinem Anträge größere Dimensionen gegeben, als der im vorigen Jahre vom Reichstage angenommene besessen. Der norddeutsche Staat dürfe hinter Oesterreich und Frankreich nicht Zurückbleiben. — Bundescommissär Geh. Reg.- Rath Graf zu Eulenburg: In Folge des vorjährigen Reichstagsbeschlußes habe die Bundesbehörde das nöthige Material gesammelt, welches jetzt dem Justizausschuße des Bundesrathes vorliege und könne er natürlich über das Resultat der Berathungen dieses Ausschußes noch keinen Aufschluß geben. Abg. Graf Bassewitz: Der Reichstag sei nicht competent in die Befugnisse der Einzelstaaten, kr Gemeinden und Familien in religiöser Beziehung einzugreifen. Wenn heute noch ein jüdischer Staat denkbar wäre, so könne er diese Rechte in Anspruch nehmen. Brünn. Die in der vorigen Nummer des „Abendland" erwähnte Adresse der jüdischen Landesrepräsentanz an Se. Excellenz den Herrn Reichskanzler, prachtvoll-kalligraphisch ansgestattet, in carmoisinrother Sammt-Envaloppe und durch eine Deputation überreicht lautet wie folgt: Euer Exce llenz! Mit freudigster Zustimmung und aufrichtigster Dankbarkeit begrüßte die gesammte civilisirte Welt die thatkräftige und erfolgreiche Intervention, mittelst welcher E. E. das ganze Gewicht des österreichischen Einflußes zu Gunsten ker durch fanatische, an schmutzigem Eigennutze großgezogene Intoleranz schwer heimgesuchten Israeliten in den vereinigten Donaufürstenthümcrn zur Geltung gebracht haben. Das Jammern und Wehklagen der Schuldlosen, deren Ruhe und Existenz gemeiner Habsucht und roher Uncultur zum Opfer gefallen war, durchzitterten die theilnehmenden Gemüther der ganzen gebildeten Welt, die grinsende Fratze der Barbarei erfüllte Europa mit Abscheu und Entrüstung. E. E. waren in erster Reihe der getreue Dolmetsch dieser Gefühle, der rasche Vollstrecker des allgemeinen Verdammungsurtheiles; — in erster Reihe schlugen E. E. mit schonungslosen, wohlgezielten Streichen das Ungethüm zu Boden, das geglaubt hat, ungestraft sich vermessen zu dürfen, unter gleißnerischer Maske der zweiten Hälfte unsers Jahrhunderts das Schandmahl der aus dem Boden crassester Unbildung und entsittlichender Arbeitsscheu entspringenden Judenverfolgung aufzudrücken. Europas ungetheilter Beifall folgte wohlverdientermaßen den entschlossenen Schritten E. E., — unter den Fittigen des Doppelaars fanden die Bedrückten wirksamen und ausgiebigen Schutz. E. E. schulden die Juden Rumäniens die Erhaltung ihres Besitzes, die Rettung ihres Lebens. Genehmigen E. E., daß die aus den allgemeinen Wahlen ihrer Glaubensgenossen hervorgegangene, in tiefster Ehrfurcht gezeichnete Repräsentanz diesen Anlaß benützt, auch ihrerseits nach Kräften Ausdruck zu geben den heißen Gefühlen der tief empfundenen Dankbarkeit, von welchen die Herzen der jüdischen Bevölkerung des Landes Böhmen erfüllt sind, und die sie stets bewahren werden dem ebenso weisen als energischen Staatsmanne, den Oesterreichs guter Genius

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