Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 13 (1.7.1868)
- Date
- 1868-07-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
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104 auf die Hochwacht gestellt hat über des geliebten Vaterlandes Machtstellung und Ehre. In tiefster Ehrerbietung gegen E. E. verharrt Pilsen, am Juni 1868. Die Repräsentanz der böhmischen L. I. Der Ol mann: Der Obmanns-Stellvertreter: Karl Lederer. Michael Grat um. Repräsentant: Sam. .Fischl. München, 29. Mai. Auf allerhöchsten Befehl Sr. Majestät des Königs fand wie allenthalben in Baiern auch in hiesiger Synagoge, am Gedenktage der bair. Verfassungsverleihung, am vorigen Dinstag den 26. v. M. (t2'"' beim Abendgottesdienste eine Feier zu Ehren des 50jührigen Bestehens derselben statt. Nach dem hiezu componirten Einleitungsgesange Psalm 100 schilderte Herr Rabbiner Aub in bekannter, trefflicher Weise den Werth der bair. Verfassung für uns Israeliten in Baiern, hob aber auch die wegen des hl. Wochenfestes hiezu sehr passende Wahrheit hervor, daß das Fest, das wir soeben gefeiert, das Jubelfest unserer schon vor drei Jahrtausenden vom Heiligen, gelobt sei Er, uns durch Moscheh verliehenen Verfassung sei, deren Tendenz, Gleichheit Aller vor dem Gesetze (mtiö ^2 O27> ITiT TIK tDStTÖ pliCI) und Freiheit der Person proklamirt, noch heute unerreicht dastehe! Wenn aber auch unsere bair. Verfassung noch große Mängel aufzuweisen habe, — ich erinnere nur an das \ „absolute Veto" das erst mit dem 31. August d. I. aufhö-! ren wird, ferner an die Nichtaufhebung des bekannten Edikt's! von 1813 — so fordere er doch im Hinblicke auf die den j Israeliten gewordene nunmehr rechtliche Stellung zur Dankbarkeit gegen Gott auf, sowie gegen den Geber, den höchstseligen König Max Josef I., und gegen den treuen Beobachter der Verfassung, Ludwig II., unter dessen väterlicher Regierung wir sicherlich auch unsere noch ausstehenden Rechte, besonders in dem Schulgesetze, Civilprocesse rc., welche gegenwärtig dem Landtage vorliegen, erlangen werden. * (Statistisches). Die Civilberölkerung Münchens stellt sich nach der letzten Zählung definitiv auf 145,282 Seelen. Mit dem Militär und den Civildienstboten bei demselben beträgt die Bevölkerung der bairischen Hauptstadt über 150,000. Der Religion nach scheiden die Einwohner sich in 130,622 Katholiken, 12,357 Protestanten, 109 Reformirte, 65 Griechen, 5 Memoniten, 1 Widertäufer, 16 Jrvingianer, 10 Deutsch-Katholiken (sämmtliche Christen), 2068 Israeliten und 29 andere Corfessionen. — Im vorigen Jahre haben in Wien 5236 Trauungen stattgefunden. Nach der Confession gehören hievon 214 dem mosaischen Glaubensbekenntniß an. — Würzburg, 28. Mai. Vorgestern Abends 7 Uhr wurde in der hiesigen Synagoge, welche festlich beleuchtet und decorirt war, wegen des 50jährigen Bestehens der^ bairischen Staatsverfassung, unter zahlreicher Betheiligung aus allen Ständen, feierlicher Gottesdienst abgehalten. Nachdem von der Gemeinde ein Psalm abgesungen war, bestieg Herr Distr.-Rabbiner S. B. Bamberger die Kanzel und leitete mit einem Gebete die Festpredigt ein. In der Herrn Rabbiner Bamberger eigenen, eben so warmen und ausdrucksvollen als scharfsinnigen und geistreichen Sprache verbreitete sich derselbe über das Wesen und die Beschaffenheit, welche der Feier zu Grunde liegen. Von dem majestätischen Schöpfungsworte ausgehend, „Es werde Licht", verfolgte nun der Redner die Entwicklungsgeschichte des Menschenthums bis herauf in die neuesten Generationen, betonte die gewaltigen Spuren, welche uns die Geschichte zurückgelassen, um zu erkennen, welche Kämpfe es gekostet, um auf die Stufe der heutigen Civilisation zu gelangen. Fürsten wie Völker mußten zum Ausbau des großen Werkes redlich das Ihrige dazu beitragen. Sache der Fürsten war es, Recht und Schutz zu geben, Gewaltthätigkeit und Willkür zu verbannen, Sache der Völker war es, mit aufrichtiger Liebe und Treue ihren Fürsten zugethan zu sein; nur durch ein solches Verhältniß konnte es möglich sein, daß am 26. Mai 1818 der hochselige König Max Josef I. sein Baiernvolk mit einer constitutionellen Verfassung beglücken konnte; mit wahrer Begeisterung hob der Redner aus den Grundzügen der Verfassung die glorreiche Bestimmung der vollkommenen Religions- und Gewissensfreiheit hervor, welche Vater Max seinem Volke hiermit für alle Zeiten zum Heil. und Segen gab. Nach dem Schlüße der Predigt wurde wieder ein Psalm abgesuugen, womit an diesem denkwürdigen Tage ein solenner Schluß der kirchl chen Feierlichkeiten in hiesiger Stadt gemacht war. Cincinnati. Am 3. d. M. leitete der Rabbiner Dr. M. Wise den Gottesdienst und predigte in einer hiesigen christlichen Kirche für eine christliche Gemeinde in Abwesenheit ihres Geistlichen, der den jüdischen Rabbi zu dieser collegialen Gefälligkeit aufforderte, da er außerhalb der Stadt beschäftigt war. Die Gemeinde gehört zu jener allgemein bekannten Secte, die sich emphatisch „Christian" und ausschließlich orthodox nennt. Die Kirche trägt über dem äußern Eingang die hebräische Inschrift: „Schema Israel rc.", behauptet auf rein biblischem Standtpunkte zu stehen und hat nebst der Trinitätslehre sehr viele postbiblische Dogmen abgelegt. Der Geistliche derselben ist ein liberaler und hochgebildeter Amerikaner,^ der seit Jahren mit Herrn Wise, Redacteur der Deborah, in einem freundschaftlichen Verhältnisse lebt. In der Predigt behandelte drr Redner das Thema „Vernunft und Religion" (die Skizze im „Jsraelite") anknüpfend an Hiob, Capitel 28. Die Vorsteher der Gemeinde erklärten sich durchaus mit den Leistungen des jüdischen Predigers zufrieden. Inserate. Concurs. In der israelit. Gemeinde K a s s e g o w i tz pr. Blatna, Böhmen, ist die Stelle eines Rabbiners mit dem jährlichen Gehalte von 500 fl. österr. Währ, nebst freier Wohnung und üblichen Emolumenten Ende Juli oder zum Wintercurs zu besetzen. Bewerber wollen ihre Gesuche bis Ende Juni einsenden. Geprüfte Hauptschullehrer, die der Landessprachen kundig sind, erhalten den Vorzug. Der Vorstand. Sara Kuh,geb. Piohn Ornamentenstickerei f. d. Synagoge in Frag. Kleiner Ring Nr. 457 — 3. Stock. Diese Firma, welche sich seit 40 Jahren wegen ihrer soliden und schönen Arbeiten des besten Rufes erfreut, wird nun nach Dahinscheiden meiner seligen Mutter Salomon Plohns Wittwe von mir fortgesührt und empfiehlt sich dem geehrten jüdischen Publikum insbesondere den löblichen Synagogenvorständen zur Anfertigung aller Arten von Ornamentenstickererei für die Synagoge als: NO2L2 ITlSÖ rDTHS miss und Thoramäntel nnd verspricht die schnellste und solideste Ausführung zur vollen Zufriedenheit der Besteller. Thoramäntel und Thoradecken ,HD3Ö sind zu jeder Zeit vorräthig. Druck von Rudolf M. Rohrer in Brünn.