Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 13 (1.7.1868)
- Date
- 1868-07-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 102 — Gemeindevorstande zu Rakel zukommen ließ. In Rakel hat der Pastor die Oberaufsicht über die jüdische Schule. Seitdem die Gemeinde in der Person des Dr. Kohn einen wissenschaftlich gebildeten Rabbiner hat, will sie ihre Schule nicht mehr vom christlichen Geistlichen bevormundet wissen und wandte sich darum, wiewohl vergeblich, an die Regierung. Eine Petition beim Abgeordnetenhause hatte den Erfolg, daß ihre Beschwerde als gerechtfertigt dem Ministerium zur Berücksichtigung empfohlen wurde. Run erklärte Herr von Mühler, daß er dem Ansuchen der Gemeindr keine Folge geben könne, da sie zu einem solchen gesetzlich keine Berechtigung hätte, übrigens auch der H. Pastor sein Amt zur Zufriedenheit seiner Oberbehörde verwalte. Also aus die Zut friedenheit der Gemeinde, die doch allein die Schule beschick- und erhält, kömmt es durchaus nicht an! Wie sehr bist du, glückliches Oesterreich! um dein neues Schulgesetz zu beneiden! — Seit übrigens der famose Pastor Knak sein frommes: „Und die Erde bewegt sich doch nicht!" dem ungläubigen Zeitalter zugedonnert, hat sich in Berlin und andern größern Städte eine Agitation für die Trennung der Schule von der Kirche, resp. Aufhebung der geistlichen „Schulpflege- Aemter" erhoben, und wir hoffen, nicht ohne Erfolg, da Männer, wie der Historiker Raumer, Kochhahn und andere diese Angelegenheit zu der ihrigen gemacht haben. Ad Knak, der, wie erwähnt, das Kopernikanische System zu leugnen wagte, möchte ich noch gelegentlich bemerken, daß ein italienischer Theologe nach Nummer 22, des „Magazin für die Literatur des Auslandes" das hebräische: „DH slpyV nicht mit: „Sonne bleibe stehen!" sondern mit: „S. verfinstere dich!" übersetzt, so daß also Josua damit dem Volke bloß eine Sonnenfinsterniß hätte ankündigen wollen. Hiermit wäre allerdings auf bequeme Weise das prmetum saliens des Streites zwischen Wissenschaft und Bibelglauben glücklich beseitigt. — Correspondenzen. Gaya. Die Würfel sind gefallen. Staat und Kirche haben sich den Scheidebrief gegeben, beide Gesellschaften haben ihren abgegrenzten Wirkungskreis, und sollen sich fortan nicht mehr einander beschränken. Das ist die Parole des Tages. Das Reich des Staates ist von dieser, das der Kirche von jener Welt. Daher fragt auch der Saat nicht mehr inquisitorisch: Wie und wo verehrst du Gott, wie und auf welche Weise sorgst du für dein eigenes Heil, für deine jenseitige Glückseligkeit. Es drängt sich sofort bei dieser großen und politischen Umwälzung und Veränderung die gewichtige Frage auf: Was wird nunmehr aus den jüdischen Gemeinden werden, werden sie nicht wieder, wie im Jahre 1849, in einen unarrangirten chaotischen Zustand verfallen? Wird das provisorische Statut, welches damals als Nothanker, wahrlich zu Roth, verfaßt und sanktionirt ward, um den Verfall der Gemeinden aufzuhalten, noch ferner seine scheinbare Dauer und Autorität behalten und behaupten. Welchen Grundsatz wird der österreichische Staat bezüglich den Eultus fortan verfolgen. Diesseits der Leitha kann für den Moment schwerlich hieran gedacht werden. Die Wirren und Schwierigkeiten, sind noch zu groß, die Lage noch zu jung, die Unzufriedenen um jeden Preis noch zu erheblich, daß die innern Verhältnisie der Synagoge noch nicht berücksichtigt, an ihre permanente unerschütterliche Eonsolidirung noch nicht heran gegangen werden kann. Aber uns Israeliten darf die Frage nicht zu spät kommen, und uns aus der Lethargie wecken und zur Besserung ermuntern. Welcher Grundsatz wird eigentlich in dieser Beziehung herrschen, wird die Negierung annehmen und bethätigen? Wird alles Kirchliche nur Privat Gewissenssache fein und der Staat sich darum nicht kümmern, oder wird der Staat den Eultus wünschen, wünschen, sage ich, denn befehlen kann er nicht, dann müßte er aber auch für die Kosten des jüdischen Eultus, der keine Fonds hat, sorgen, oder besser, da er doch nicht befehlen kann, an den cultuellen Institutionen Theil zu nehmen, die Rechte zu genießen, und die Pflichten zu erfüllen — besorgen. Diese Frage wird zur Lebensfrage. Wenn der Staat eine executive Eintreibung der Eultusbeiträge von den jüdischen Individuen nicht gestatten kann und wird. Woher werden in den Landgemeinden die Eultuskosten kommen. — Mögen die Vorsteher der Gemeinden dieß nicht übersehen. — Dr. Duschak. Prag. Eine Deputation der Repräsentanz der böhmischen Landes-Judenschaft hatte die Ehre, unmittelbar nach der Prager Gemeindevertretung von Sr. Majestät zur Audienz empfangen zu werden. Die Deputation bestand aus dem Obmanne Herrn Earl Lederer aus Pilsen und dem Obmannsstellvertreter Herrn Michael Grat um aus Beraun. Der Obmann richtete an Seine Majestät nachstehende Ansprache: Eure k. k. apostol. Majestät! Allerdurchlauchtigster Kaiser und Herr! Geruhen Eure Majestät in Allerhöchst Ihrer Gnade mit Wohlwollen die ehrfurchtsvolle Huldigung anzunehmen, welche die treugehorsamste Judenschaft des Landes in diesem Königreiche durch ihre Repräsentanz in tiefster Ehrerbietung niederlegt an den Stufen des erhabenen Thrones Eurer Majestät. Wolle es Eurer Majestät gefallen zu gestatten, daß die gewählte Vertretung der jüdischen Landbevölkerung Böhmens die Feier des heißersehnten Tages, an welchem sie zum ersten Male des hohen Glückes theilhaftig wird, sich Eurer Majestät nahen zu dürfen, in angemessener Weise festlich begehe, indem sie freilich dürftigen Ausdruck nur zu geben versucht den innigen tiefempfundenen Gefühlen treuester Hingebung und Anhänglichkeit an Eure Majestät und das Allerhöchste Kaiserhaus, und der unbegrenzten Dankbarkeit, von der die treuen Unterthanenherzen der jüdischen Landesjudenschaft durchglüht sind in Anbetracht der reichen Segnungen, welche Eurer Majestät erhabene Weisheit und väterliche Fürsorge ausgeschüttet haben über die Bekenner der jüdischen Religion in unserem geliebten Oesterreich. Die mit Eurer Majestät Allergnädigster Genehmigung von der kaiserlichen Regierung beabsichtigte Errichtung einer Rabbinerschule begegnet einem dringenden, allgemein empfundenen Bedürfnisse derJudenschast des ganzen Reiches, und die sichere Aussicht auf die rasche Verwirklichung des allseitig warm gehegten Wunsches bietet neuen Anlaß, die dankbaren Gemüther mit unbegrenzter Ehrerbietung und den innigsten Gefühlen unauslöschlicher Dankbarkeit zu erfüllen gegen Eure Majestät, den gnadenreichen Förderer des Glückes Allerhöchst Ihrer Unterthanen. Geruhen Eure Majestät zu gestatten, daß wir das uns Allergnädigst geschenkte Allerhöchste Gehör auch noch dazu benützen, zu Eurer Majestät Füßen in allernnterthänigster Ehrfurcht den ehrerbietigen Dank niederzulegen für die huldreiche Gewährung des kräftigen und wirksamen Schutzes, den unsere mit Verderben und Vernichtung bedroht gewesenen Glaubensgenossen an der unteren Donau gefunden haben unter den schirmenden Fittigen des glorreichen Doppelaars. Gott erhalte, Gott schütze, Gott segne Eure Majestät! Se. Majestät geruhte die Huldigung mit besonderem Wohlwollen entgegen zu nehmen, gab der Deputation seine allergnädigste Huld zu erkennen und beauftragte dieselbe im Verlause seiner längeren Rede, der böhmischen Landesjudenschaft zu wissen zu thun, daß er sich der Treue und Anhänglichkeit der jüdischen Bevölkerung Böhmens an seine Person und das allerhöchste Kaiserhaus stets versichert gehalten habe und halten werde.