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Das Abendland · 1868-06-15 · 12 (15.6.1868) · p. Seite 91

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
12 (15.6.1868)
Date
1868-06-15
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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zu Grunde gingen, haben wir ein Analogon in folgender Midraschstelle: In der Schöpfungsgeschichte heißt es: „es ward Abend" und nicht — es werde Abend — daraus ist zu entnehmen, daß Gott schon früher mehrere Welten geschaffen und wieder zerstört hatte, bis er diese schuf; da sagte er: diese gefällt mir, jene gefielen mir nicht. Rabba Bereschith c. 3 und c. 9; Koheleth Rabba 3, 11. Frappant ist die Benennung der Menschenmutter Cihuacoatl, ..Schlaugenweib", wenn Wir ihr gegenüberhalten die Bemerkung: sin nam mb nitoanrn rrrrw nin ntnpn xn (x, )b trnn Ttit) ]wb by bau per? In dem Namen Chava ist eine Anspielung enthalten auf die Sünde Eva's, zu der sie sich durch die Schlange, die Chivj a heißt, verlocken ließ; ferner: NIN riXJTP 2NXN1 d ‘■o ansn xrn nxi 7m xrn rm rtb 71^27 n» 7N' Adam sagte zu Eva: dich verführte die Schlange, und du wurdest Adams Schlange. Nach XD xSl wo es heißt: pp flX rrojn m by X2 und vielen ähnlichen Stellen — wie Ber. Rab. — wird Eva als Schlangenweib im eigentlichsten Sinne bezeichnet. „Cihuacoatl gebar Zwillinge" — auch Kajin und Abel waren ein Zwillingspaar nach der Deutung in Pirke Rab. Elies. 21 und B. Rab. cap. 22, Sanhedrin 38 auch Sohar zu 3. B. M. 108, zu 6. B. M. 532. „Bon den beiden war eines licht und eines dunkel." — Aehnliches wird von Kajin und Abel erzählt, Xb2, 22, und von den Söhnen Noachs — das. c. 24. Der Geier, den Tezpi aussandte, kehrte nicht zurück, weil er nicht von dem Aase, das er in großer Menge fand, lassen wollte — genau dasselbe wird von Noachs Ra ben berichtet: xbl 'texb by )b 2m D1X Pn3 X3BÖ1 iS *f?n •33 X-1-I2 ithtP nrPtr Die Menschenknochen, die Tolotl holte, um neue Menschen daraus zu bilden, erinnern an die Sage: Adam war ursprünglich von unendlicher Größe. Nach dem Sündenfalle verringerte ihn Gott und gebot ihm: Nimm die abgeschnittenen Theile von deinen Gliedmaßen und streue sie über alle Lande, die bewohnt werden sollen; aus ihnen sollen wieder Menschen entstehen. Sefor Chassidim 501. Die Brücke zur Sonne läßt der Mexikaner aus riesigen Thieren, Wallfischen und Schildkröten, errichten: und die Lewiathan sage ffiP xhs 13) “to px pann man rvsjD atr pa ma VW läßt den Grundpfeiler der Erde zwischen den beiden Floßfedern dieses Seeungeheuers stehen. Die Verwandlung zweier Menschen in Sonne und Mond zum Lohne für Selbstaufopferung findet ein Seitenstück in dem Satze (Jalkut Könige 28): ruaP pror naP Pa: ernax Abraham und Jizchak — die Prototype aufopfernder Hingebung — sind verglichen der Sonne und dem Monde. Die Menschen des dritten Zeitalters, Enecatonatiuh, wurden in Affen verwandelt. Gleiches geschah nach Sanhedrin 109 mit einem Theile der Erbauer das Babelthurmes — P73 .TTÖX WpN m b'ti rtlX rü Dßlp NV73 nüPü ntTJ/'n „Feuer vom Himmel zerstörte den stolzen Bau von Cholula" — während es vom^Thurme zu Babel heißt: Der dritte Theil ging durch Feuer zu Grunde—Ber. Rabba 38. Der Besorgniß eines „Weltunterganges durch Feuer", die übrigens auch bei den Egyptern, Griechen und Skandinaviern — bei letzteren Ragnarokr genannt — sich vorfindet, gaben unsere Alten mannigfachen Ausdruck: „Eine allgemeine Zerstörung durch Wasser bringt Gott zwar nicht mehr über die Welt, wohl aber durch das Feuer." — Schewuoth 36 &; „Alles ward aus Staub und wiro zu Staub" — auch der Sonnenball, wie es heißt — Jjob, 9—7. — „Er befiehlt der Sonne, daß sie nicht mehr scheine" — Ber. Rab. 12; „nach 6OOOjährigem Bestände wird Gott die Welt zerstören und 1000 Jahrx, oder 20OO oder 5000 auch 7000 Jahre nachher wieder erneuern." — Sanhedrm 97 a, b Peßachim 94, a., Roschhaschona 31, a., Ab. Sar. 9. a. b. Mexikaner das Emporlodern der Flamme beim Feste Xiuhmolpiah als ein Gnadenzeichen der Götter freudig begrüßten, so berichtet auch die Legende*) von Adam: „Als nach der Vertreibung des ersten Menschenpaares aus dem Eden die erste Nacht herreinbrach, saß Adam tiefbekümmert, in dumpfes Brüten versenkt. In seinem Herzen stieg die Angst auf vor den feindlichen Mächten der Finsterniß. Da sandte ihm der Herr eine Feuersäule. Bei diesem Anblick leuchtete die Zuversicht auf in Adams Gemüthe, und er rief freudig aus: Nun weiß ich, daß Gott mit mir ist!" P. R. E. 20. Ä.!te Urkunden. Juden in Deutschland. Von Ludwig Lichtschein, Rabbiner in Austerlitz. (Fortsetzung.) Die älteste und ansehnlichste jüdische Gemeinde in Deutschland war zu Regensburg. — Es soll sich, noch im Jahre 1612, daselbst ein von den Juden Jerusalems während der Zeit der Belagerung durch Titus, an die zu Regensburg abgesandtes Notifikationsschreiben vorgefunden haben, welches in der alten Synagoge, in der heiligen Bundeslade nächst den Thorarollen ausbewahrt wurde. Sie rühmten sich auch daselbst, als die berüchtigte Judenverfolgung im Jahre 1519 stattfand, ein Stück von den durch Mose zerbrochenen steinernen Tafeln, ferner ein Bruchstück vom Wunderstabe Mosis zu besitzen. (Vgl. Benjam. 2. in seinen Reisebeschr. 1861. zu Lyck. s. 23). Inwiefern diese Traditionen aus Wahrheit und Richtigkeit Anspruch machen können, überlassen wir willig dem jeweiligen Urtheile der mannigfachen Leser. — Die Juden zu Regensburg erfreuten sich stets des größten Wohlwollens sowohl von Seiten der Fürsten als auch des Volkes. Und wenn auch zuweilen düstere mittelalterliche Wolken auch über ihr Haupt zu entladen drohten, so dienten diese kurz vorübergehenden Gewitter bloß dazu, um die Luft nur noch mehr zu reinigen. Als z. B. Anno 1172 ein allgemeiner Volksaufstand gegen die Juden Nürnbergs stattfand, stiegen sie noch im selben Jahre nur noch mehr in der Gunst des damals regierenden Fürsten Ottokar II. Als dieser Fürst einst eine weite Reise anzutreten genöthigt war, vertraute er den Schlüssel zu seiner Schatzkammer, dem damaligen Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Namens Henul. (Vgl. Hist. Bav. s. 1t 9). Man schätzte die Seelenzahl der zu Regensburg wohnhaften Juden auf circa 12,000, so daß das allgemein bekannte Sprichwort entstand: „Wer zu Regensburg die Donaubrücke passirt, und weder einem Juden begegne, noch das Läuten von Glocken höre, der könne eines besondern Wunders sich rühmen." Als im Jahre 1476 mehrere Bürger der Stadt Regensburg an einzelnen daselbst wohnhaften Juden wegen eines von ihnen fälschlich angeschuldigten Verbrechens Lynchjustiz übten, wurden selbe vom Kaiser Friedrich IH., der überhaupt ein eifriger Beschützer seiner jüdischen Unterthanen war, auf das Strengste bestraft. Die Juden zu Baiern waren überhaupt der Spielball der damals regierenden Herzoge, indem sie bald zu der einen, bald wieder zur andern herzoglichen Linie geworfen wurden. — Sie standen stets unter dem besondern Schutz der jeweilig regierenden Herzoge. Später als Kaiser Maximilian nach dem bairischen Kriege die Staatskasse erschöpft hatte, nahm er die Juden Baierns in seinen Schutz, um für die zahlreiche» Kosten einigermaßen Ersatz zu finden, und den Staatssäckel zu fülle». — Nach dem erfolgten Ableben Kaiser Maximilians I. im Jahre 1519, als die Juden sich wieder ihres Schutzes entblößt sahen, ergriff die Stadtobrigkeit die Gelegenheit, um nicht etwa hinter den übrigen Städten zurückzubleiben, und vertrieb *) Auf welche bekanntlich der Gebrauch der Habdala zurückaefiihrt wird.

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