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Das Abendland · 1868-06-15 · 12 (15.6.1868) · p. Seite 92

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
12 (15.6.1868)
Date
1868-06-15
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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92 sämrntliche Juden aus der Stadt. An die Stelle der von Juden innegehabten Synagoge wurde sofort eine Kirche erbaut. — Die Juden blieben ungefähr 50 Jahre hindurch von Regenöburg ausgeschlossen. Erst um 1570 begannen wieder einzelne jüdische Familien sich zu Nürnberg anzusiedeln; diese Juden standen nunmehr weder unter dem Schutze des regierenden Fürsten, noch der Stadtobrigkeit, sondern stellten sich freiwillig unter den Schutz der verschiedenen Gesandten. Hauptsächlich war es nun der sächsische Gesandte, welcher die Juden kräftigst in seinen Schutz nahm. — Die Stadtobrigkeit und deren Bürger hatten wohl gegen das Verfahren der Gesandten Protest eingelegt, so daß in Folge dessen im Jahre 1712 der König von Polen, als Reichs-Erz-Marschall, den strengen Befehl erließ, daß sümmtliche Juden, die sich zu Nürnberg angesiedelt, binnen 4 Wochen das Land zu räumen hätten; allein dieser Befehl scheint nicht zur Ausführung gelangt zu sein, da im Gegentheil im darauf folgenden 1.1713 noch zahlreiche Juden aus Wien und Umgebung in Folge der daselbst herrschenden Pest nach Regensburg flüchteten. Die größte und härteste Judenverfolgung in Baiern hatten im Jahre 1298 die Juden daselbst zu erleiden. — Der Schöffe und Bürgermeister der Stadt Nürnberg, Conrad, klagte die Juden an, daß sie eine Hostie verbrannt hätten. Er durchrannte die Straßen Nürnbergs mit dem Rufe: „Wer ein guter Christ sein will der folge mir nach." Der Pöbel nun, der bei solchen Anlässen stets als guter Christ sich bewährte, rottete sich allsogleich zusammen, überflel die Häuser der Juden, plünderte dieselben, und sind ihm circa 600 als Opfer gefallen. — Kaiser Albrecht besaß wohl nicht die Macht, die damals aufgeregte niedere Volksmasfe zu beschwichtigen, jedoch wurde durch seine kräftige Vermittlung das Uebel gemildert. Als nämlich ein großer Theil der Juden schon zum Opfer gefallen war, erklärte Kaiser Albrecht vorerst die Sache untersuchen zu wollen. Der Pöbel gab sich mit diesem Rathe des Kaisers zufrieden; der Kaiser ließ sofort die Urheber jener Unruhen verhaften, einige derselben hinrichten, setzte die Juden wieder in ihre früheren Rechte ein, und dieselben lebten von nun an ungefähr 3 Jahrhunderte hindurch unangefochten. (Forts, folgt.) Randglossen zu Lessing's „Nathan der Weise." Von Leopold Wolf in Prag. II. Boccaccios Fabel, von der Lessing hier spricht, enthält nach einer meisterhaften Schilderung der Pest, die im Jahre 1348 besonders in Florenz wüthete, eine Erzählung, wie sieben junge Damen in einer Kirche zusammentrafen und sich verabredeten, mit drei ihnen befreundeten Herren die Stätte der Verwüstung zu fliehen und auf dem Lande Zerstreuung und Schutz zu suchen. Es geschah. Sie lebten ein harmlos „idyllisches Leben". Abends aber saßen sie im Kreise beisammen und jedes der Reihe nach mußte eine Geschichte erzählen. In diesen Geschichten nun ist es, wo Filomela, eine der Damen, die Geschichte der drei Ringe, wie folgt, erzählt. „Saladin dessen Tapferkeit sogroß war, daß er sich nicht nur vom geringsten Manne zum Sultan von Babylonien emporschwang, sondern auch viele Siege über saracenische und christliche Könige errang, hatte in verschiedenen Kriegen und durch großen Aufwand und Pracht seinen ganzen Schatz geleert; und als er durch ein plötzliches Ereigniß eine große Summe Geldes nöthig hatte und er nicht wußte, wie er sich in der Eile dieselbe verschaffen sollte, fiel ihm ein reicher Jude mit Namen Malchizedek ein, der in Alexandrien auf I Zmsen lieh. Dieser, glaubte er, sei im Stande, ihm zu helfen, wenn er wolle; aber derselbe war so geizig, daß eres freiwillig nicht gethan hätte, und Gewalt wollte er doch nicht anwenden. Da jedoch die Noch drängte, besann er sich hin und her auf ein Mittel, daß der Jude ihm aushelfen müsse, und entschloß sich, ihm unter einem scheinbaren Vorwand Gewalt auzuthun. Erließ ihn also rufen, empfing ihn sehr freundlich, ließ ihn Platz nehmen, und sprach zu ihm: „Vortrefflicher Mann, ich habe von mehreren Personen gehört, Du seiest ein verständiger und in den göttlichen Dingen besonders erfahrener Mann. Ich möchte daher gerne von Dir hören, welche von den drei Lehren Du für die wahre hältst, die jüdische, die saracenische oder die christliche? — Der Jude, der wirklich ein verständiger Mann war, merkte nur zu gut, daß Saladin es darauf angelegt habe, ihn in seinen Worten zu fangen, und Streit mit ihm zu beginnen, er sah daher ein, daß er keine von den drei Lehren mehr, als die andern loben dürfe, damit Saladin seine Ab'icht nicht erreiche. Er strengte also seinen Scharfsinn an, um eine Antwort zu finden, bei der man ihm nichts anhaben konnte, und alsbald kam ihm ein Einfall, und er sprach: „Mein Herr, die Frage die ihr an mich stellt, ist schön, und Euch meine Ansicht darüber auszudrücken, muß ich Euch eine Geschichte erzählen. Wenn ich mich nicht irre, so habe ich oft gehört, daß ein vornehmer und reicher Mann gelebt habe, der unter andern werthvollen Kleinodien auch einen sehr schönen und kostbaren Ring in seinem Schatze besaß. Um diesen wegen seines Werthes und seiner Schönheit zu ehren und ihn aus ewig seinen Nachkommen zu hinterlassen, traf er die Anordnung, daß derjenige von seinen Söhnen, bei welchem nach seinem Tode dieser Ring als Hinterlassenschaft gesunden wurde, sein Erbe sein und von allen anderen als ihr Haupt geehrt^ werden solle. Derjenige, dem es hinterlassen wurde, traf dieselbe Anordnung mit seinen Kindern, und machte es gerade so, wie sein Ahnherr. So wurde der Ring aus viele Geschlechter vererbt und kam endlich in die Hände eures Mannes, der drei schöne und tugendhafte Söhne hatte, die ihrem Vater sehr gehorsam waren, weßhalb er sie alle drei gleich sehr liebte. Und da die Jünglinge die Sitte mit diesem Ringe wußten und ein Jeder derselben der am meisten Geehrte sein wollte, so ging ein Jeder, so gut er konnte, den Vater, der schon alt war, mir Bitten an, er möchte, wenn er sterbe, ihm den Ring hinterlassen. Der rechtschaffene Mann, der sie alle gleich sehr liebte, und selbst nicht wußte, welchem von ihnen er den Ring hinterlassen solle, versprach ihn einem Jeden und beschloß alle drei zu befriedigen. Er ließ heimlich von einem geschickten Meister zwei andere Ringe machen, die dem ersten so ähnlich waren, daß selbst er, der sie hatte machen lassen, kaum erkannte, welches der wahre sei. — Beim Herannahen seines Todes nun gab er heimlicher Weise einem Jeden der Söhne seinen Ring, und als nach dem Tode des Vaters ein Jeder auf die Erbschaft und Ehre Anspruch und sie dem Andern streitig machte, zog zur Bekräftigung seiner Ansprüche ein Jeder seinen Ring hervor und da sie die Ringe einander so ähnlich fanden, daß man nicht erkennen konnte, welches der wahre sei, so blieb die Frage, welches der wahre Erbe des Vaters sei, unentschieden und ist es noch jetzt. Und dasselbe sage ich Euch, mein Herr, über die drei Gesetze, die von Gott den drei Völkern gegeben wurden, und über welche Ihr mir eine Frage vorgelegt habt; ein Jeder glaubt, sein sei das Erbe, sein das wahre Gesetz und sein die wahre Lehre, aber welches Volk sie wirklich hat, das ist noch unentschieden, > wie bei den Ringen." — Saladin erkannte, daß der Jude sich trefflich aus der Schlinge zu ziehen gewußt habe, mit der er ihn hatte fangen wollen, und entschloß sich deshalb, ihm seine Noth zu entdecken und zu sehen, ob er ihm dienen wolle. Er that dies und gestand ihm, was er habe thun wollen, wenn er nicht so verständig geantwortet hätte. Der Jude half zwar mit der Summe aus, die Saladin verlangte und Saladin zahlte sie ihm später wieder zurück, gab auch dazu große Geschenke, hielt ihn stets als seinen Freund und

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