Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 11 (1.6.1868)
- Date
- 1868-06-01
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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86 schichte, Pädagogik, arabische und syrische Sprache — besuchen und soll es ihnen überhaupt unbenommen bleiben, sich als ordentliche Hörer rite iuscribiren zu lassen, vorausgesetzt, daß diese Verwendung mit den für die obligaten, an dem Seminar zu lehrenden Fächern bestimmten Stunden nicht kollidire." Als Lehrgegenstände des Seminars werden aufgeführt: Biblische Exegese mit Zugrundelegung der bedeutenden hebr. Commentare und mit steter Berücksichtigung der Targumim, Talmud Babli im Vergleiche mit dem Talmud Jeruschalmi uz. statarisch und kursorisch, Codices, bibl. Exegese mit hebr. stylistischen Uebungen, Religions-Philosophie, mosaische Dogmatik und Moral, jüdische Literaturgeschichte, Homiletik. — Ueber die Zahl der Lehrer heißt es: Weniger als 5 Lehrer dürften ohne Ueberbürdung kaum im Stande sein ihre Aufgabe zu lösen. Sehr empfehlenswerth erscheint die Jnstitu tion von Privat-Docenten an der Anstalt. — Ueber die Befähigung der Lehrer äußert sich das Gutachten: der anzustellende Lehrer hätte seine Befähigung durch legale Zeugnisie über zurückgelegte Studien und erlangte akademische Würden, durch literarische Arbeiten auf jüdisch-theologischem Gebiete, durch eine ersprießliche Lehrfähigkeit in Schule und Gotteshaus oder sonst auf eine andere überzeugende Weise zu documentiren. Der Unterricht soll täglich, mit Ausnahme des Sabbath und der hohen Festtage, 6 Stunden ertheilt werden, und soll ein 5jähriger Cursus eingeführt werden. Die Aufnahme ins Seminär und das Aufsteigen des Hörers in eine höhere Classe findet erst nach vorgenommener Prüfung des Bewerbers statt. Oeffentliche Prüfungen sollen nicht stattfinden, wegen zeitlicher Militärbefreiung oder wegen des Genußes eines Beneficiums sind Colloquien einzuführen, wie dieß auch bei Universitätshörern eingeführt ist. — Ueber den Punkt zwei des h. Ministerial-Erlasses, der die Vorkenntnisse des ins Seminär aufzunehmenden Zöglings betrifft, äußert sich der Bericht wie folgt: Der von dem Aufnahmsbewerber verlangte Nachweis bezieht sich sowohl auf seine allgemein wissenschaftliche Vorbildung, als auch auf die Summe seines jüdisch-theologischen Wiffens, deffen Besitz von Jedem gefordert werden muß, wenn er den Unterricht im Rabbir-erseminär mit Erfolg genießen will. In erster Beziehung sollen die Aufnahmsbewerber sich über die mit günstigem Erfolge abgelegte Maturitätsprüfung ausweisen, in letzter Beziehung die entsprechende Vorbereitung für das Rabbinatsfachstudium durch eine Aufnahme Prüfung bei der Lehranstalt darthun. Diese Aufnahmsprüfung hätte folgende Fächer, u. z. hebr. und chaldäische Sprache, bibl. Exegese, die Kenntniß der Targumim, Geschichte der Juden, besonders aber die Kenntniß in der Mischna und im Talmud zu umfassen. Mit Rücksicht auf diese nach specisisch jüdischer Richtung geforderten Vorkenntnisse, wäre es allenfalls wünschenswerth, wenn die hohe Regierung gleichzeitig mit der Errichtung eines Rabbinerseminärs einen mit demselben im organischen Zusammenhänge stehenden Vorbereitungscurs ins Leben rufen würde, in welchem die den Gymnasialstudien obliegenden Rabbinatscandidaten sich jene Kenntnisse anzueignen in die Lage gesetzt würden, welche nach dem Vorhergehenden den Gegenstand der Aufnahmsprüfung an dem Rabbinerseminär ausmachen sollen. Einer blos mit Rücksicht aus die dem Rabbinatsberufe sich zuwendenden Jünglinge vorzunehmende Umänderung des gegenwärtigen jüdischen Religionsunterrichts an den Gymnasien, obgleich derselbe einer zweckmäßigen Umgestaltung dringend bedarf, kann die gefertigte Repräsentanz unmöglich das Wort reden. Sie muß sich vielmehr dagegen erklären, da zu erwägen ist, daß die weitaus größere Anzahl der das Gymnasium besuchenden jüd. Schüler ganz andere Berufszwecke als das Rabbinat verfolgen, so daß denselben durch das Verhalten zu jenen umfangreichen Studien in den specisisch, jüdisch-theologischen Fächern, wie solche dem Rabbinatscandidaten nothwendig sind, eine ganz ungerechfertigte und zwecklose Ueberbürdung aufgewälzt werden würde. — Als Sitz des Seminärs wird Prag vorgeschlagen. — Betreffs der Dotirung hat die Repräsentanz, die der Landesjudenschaft zukommenden zwei Drittel des sogenannten Reservefondes den Zwecken des Seminars gewidmet und vorläufig auf die Dauer von 10 Jahren einen jährlichen Miethbeitrag von 5—6OO fl. angeboten. y. Vägh-Bistritz. (Ungarn.) Stm 20. April d. I. verschied hier der allgemein geachtete und geschätzte Herr Simon Winkler, Comitatsarzt in unserm Bezirke. Sein Streben war seines ganzen Lebenslaufes würdig, denn eine Woche früher, bevor er in's bessere Jenseits abberufen wurde, wurde er am Osterfeste zu Ehren seines 70. Geburtstages vou unserem verehrten Rabbiner mit der ausgezeichnet, und da zeigte es sich am deutlichsten, in welcher Popularität der Verstorbene stand, mit welcher achtungsvollen Liebe ihm die ganze Gemeinde zugethan war, — denn in Folge eben dieser Auszeichnung strömte Reich und Arm, Jung und Alt der Behausung des Gefeierten zu, um ihm die herzlichsten und innigsten Glückwünsche bei diesem Anlasse darzubringen, und die ehrfurchtsvollste Theilnahme an den Tag zu legen. Und wie konnte es auch anders sein? — Einem Manne, dw vierzig Jahre seines bewegten Lebens dem ärztlichen Berufe in unserm Orte gewidmet, der in seiner Praxis ein tüchtiger und gewissenhafter Arzt war, der so zu sagen jeden seiner Mitbrüder, jedes einzelne Mitglied der Gemeinde von zartester Kindheit an kannte, und somit sogar mit dem innern Organismus jedes einzelnen seiner Patienter vertraut war, — einem solchen Manne mußte Jeder mst der größten Achtung und Liebe begegnen. Wer ihn noch besser kennen lernen pollte, der mußte ihn an irgend einem Krankenbette treffen,/ denn da war er in eben demselben Maße freundlicher Tvster, als er Arzt war, und stundenlang, ja Nächte hindurchkonnte er bei seinen Kranken sitzen, wo es der dringende Fall Erheischte, um seinen Patienten Muth, und durch seine unrittelbare Nähe auch Vertrauen und Beruhigung einzustößer- — So erfüllte er seinen edelsten Beruf bis an seine (tzten Lebenstage ohne Unterschied des Ansehens oder des Stindes seiner Patienten. — Und doch, wie verschwindend klei/ ist nicht dieses Lob gegen die bloße Erzählung der nachfPenden verbürgten Thatsachen, — denn bei dem Obengeshten handelt es sich im Grunde blos um die, zwar seltene"nd außergewöhnliche Erfüllung der edlen Pflichten seine ärztlichen Berufes; — aber, wer in ihn den wahren std echten Menschenfreund kennen wollte, der mußte sein Prgehen gegenüber den leidenden und kranken Armen mi/nsehen und beobachten; — denn diese behandelte er Zeitseines Lebens, ohne Unterschied der Confession, unentg/tlich, und — mit demselben nicht genug zu lobenden (ffer; — diesen war er ein wahrer Wolhthäter und Helfh denn wo er half, da half er auch schnell und im vollsteMaße; sogar alle Medikamente, die solche Kranke benöthigter verabreichte er denselben aus eigenen Mitteln. — Was/rauche ich noch bei solchen sprechenden Thatsachen zu nvähnen, daß er auch bei andern wichtigen Angelegenheiten ßb m manchen Lagen des menschlichen Lebens jedem Einz/en, der seine Hilfe in Anspruch nahm, mit Rath und Tst und mit seinem weitverzweigten Einflüße zur Seite stas- Aus diesen vielfaM Gründen wird es daher auch nicht wundern, daß er seine'Mannigsachen Verdienste halber zum Comitatsarzte ernann<vurde, welche Stelle er mit lobenswerther Ausdauer vi/ Jahre hindurch mit Ehren bekleidete, und als specielles Mauensvotum seiner israelitischen Mitbürger kann es betetet werden, daß er mit Acclamation zum Gemeindevorster ernannt, diesen ehrenden Posten durch volle sechs Jahre äe hatte; und auch auf diesem Gebiete hat er uns ein senken hiuterlassen, denn von der Zeit seiner Vorstehunf^hrt eine theilweise Verschönerung unserer Synagoge her. .Schließlich sei noch erwähnt, daß er als Mensch und GeO'chafter ebenfalls unschätzbar war, und viele Jahre hindurMird man sich noch gerne erinnern, welche heitere und steige Stimmung er stets zu verbreiten wußte,.