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Das Abendland · 1868-06-01 · 11 (1.6.1868) · p. Seite 85

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
11 (1.6.1868)
Date
1868-06-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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— 85 Bor der Braut tanzten Leute einher, und sangen Lieder, welche vom Lobe der Braut übersprudelten. Der strenge Schamai verlangt auch bei diesem Brauche die ungeschminkte Wahrheit, der sanfte Hillel dagegen meint, man mag immerhin sagen: Die Braut ist schön und reizend, lobt man doch auch schlechte Waare, wenn sie einmal gekauft ist (Sprüchw. 20, 25). In Palästina sang man den Bräuten vor: Keine Schminke, kein Flitter und Putz, und doch ein anmuthiges Reh (Ketuboth 17). In der Provinz Tur-Malka (Königsberg im Gebirge Ephraim) trug man dem Brautpaare, wenn es zur Trauung geführt wurde, einen Hahn und eine Henne vor, ein günstiges Symbol für den Ehesegen. Aus Veranlassung eines solchen Brauches wurde jene Gegend von den Römern verwüstet. Einem ähnlichen Gebrauche verdankte die Stadt Bethar ihren Untergang. Dort war es Sitte bei der Geburt eines Knaben eine Zeder, bei der eines Mädchens eine Fichte anzupflanzen. Heirateten die Kinder, so wurdest die für sie gepflanzten Bäume gefällt, und zur Verfertigung des Hochzeitsbettes nach Raschi die Baldachüfftangen) verwendet. (Gitin 57). Aruch (Art: *TST>) erzählt von einein Brauche in Arabien, da wurde die Braut am Abendewor der Hochzeit aus dem elterlichen Hause in das ihres Bräutigams mit einem Fackelzuge begleitet. Gegen zehn Stangew an denen oben ein kupfernes Gesäß angebracht war, wurdernvorgetrageu. In diesen Gefäßen waren Oel, Harz und Klederfetzen, was Alles angezündet wurde (sieh Wl zu Kelin 2, 8). Die Verhäratung junger Leute wurde in Jerusalem durch ein Volks^st, welches am 15. Ab jedes Jahres gefeiert wurde, gefördert. An diesem Tage gingen die unverheirateten Töchter Jerstalems ins Freie zwischen den Weinbergen zum Tanze, und rasen dort mit der heiratslustigen Männerwelt zusammen. Die Mädchen waren alle weiß gekleidet, und es gehörte zu Ordnung, daß die Kleider gegenseitig ausgeliehen wurden, damit die armen Jungfrauen, die sonst gezwungen waren zu diesem Mittel ihre Zuflucht zu nehmen, nicht beschämt wurden Sogar die Töchter des Königs und des Hohepriesters entzogen sich dieser Ordnung nicht. Inmitten der Lust und Freude Orderten nun die Mädchen die anwesenden jungen Männe auf, um sie zu werben. Manche, von Ahnenstolz erfüllt, riefen: Jüngling! blicke um dich, und treffe deine Wahl, eh nicht auf Schönheit, sondern auf die Herkunft. Die Schüen riefen: Sehet nur auf Schönheit, der größte Vorzug wer Frau ist äußerer Reiz. Die Häßlichen mußten auch w« sagen, und sie wußten schon damals den Werth des Gelde zu schätzen. Kaufet, riefen sie, zu Ehren des Himmels, d Hauptsache ist, wenn ihr uns nur mit Goldschmuck hübschherausputzt. Dieses Fest, eine Reminiscenz an jenes in Soh zu Zeiten der Richter, wo die Benjaminiten ihre Weib, raubten, fand, wie Manche behaupten, am 15. Ab statt, veil an jenem Tage, im 40. Jahre der Wanderung der Jfieliten durch die Wüste, das Absterben jenes Geschlechts au,orte, dem der Einzug nach Palästina nicht gegönnt war (Tmith 26. Aus der Mischna würde man vermuthen, daß auch tn 3Y1 ein solches Volksfest gefeiert wurde, nach der Ewteruug der Gemara — nrroi rfrrna 'nmn dwö n zeigt es sich deutlich, daß in der Mischna anstatt ]T® zu lesen sei 12V- Das heiligste Bußefest war gewiß für n zwar idyllisches aber immer etwas frivoles Volksfest n.j der geeignete Tag). Bei derartigen Heiratsvermittlungei mochten Mesalliancen nicht zu den seltenen Fällen gehöre» Diesem Uebelstande wurde durch eine eigentümliche Sittchegegnet. Hatte Jemand eine seiner unwürdige Frau geiratet,' so nahmen seine Familienmitglieder ein Faß mit rächten gefüllt, zerbrachen es auf freier Straße und riefeif0bamx: Brüder in Israel! Dieser unser Bruder nahm ein unwürdige Frau wir befürchten eine Vermischung seinerNachkommenschaft mrt der unsrigen, merket es euch als -inuerung, damit keine Vermischung stattstnde. Die zerstreut Früchte wurden wahrscheinlich von den Kindern auf der augefklaubt (Ketuboth 28). ^orts. folgt.) EorrespondenM. Brünn. Der Handel, in seiner edlern Form und Gestaltung, ist gewiß einer der ersten Hebel des menschlichen Fortschritts, er fördert die Verbrüderung der Menschheit, er vereinigt die entferntesten Länder und Völker durch das Band der gemeinsamen Interessen, und inwiefern er, in Folge seiner Thätigkeit, einerseits die gemeinnützige, den menschlichen Geist anregende und befriedigende Entwicklung der Industrie fördert, andererseits über verjährte Vorurtheile, intolerante Anschauung über Glaubens-, Fremden- und Racenhaß mit praktischem Sinne hinwegschreitet, ist er ein Hauptfaktor unserer gegenwärtigen Cultur und Gesittung, ein Hauptfaktor des geistigen Fortschritts. Es ist ein Leichtes, über den Handelsstand verächtlich die Achseln zu zucken und ihm den Vorwurf zu machen, daß er nur materiellen Gewinn suche und für die idealen Bestrebungen der bessern Menschheit keinen Sinn habe. Es ist dieß leichter gesagt als bewiesen. Ein etwas tieferes Eingehen in die socialen Verhältnisse des Staates, muß es uns klar machen, daß die materiellen und ideellen Bestrebungen der Menschheit nur im innigen Bunde ihr Ziel erreichen, daß der Handelsstand in seinem eigenen Interesse bei dem allgemeinen Fortschritte der Menschheit nicht gleichgiltig bleiben kann. Wenn wir für diese Behauptung eine Autorität anzurufen genöthigt wären, so dürfen wir nur unsere Leser auf die herrlichen Worte unseres deutschen Dichterfürsten in seinem „Wilhelm Meister" verweisen. Durch den Handel ist die kleine Nation der Phönicier im Alterthume zu einer Blüthe, die ihr einen Namen in den Annalen der Menschheit wie in der Geschichte der Erfindungen erhalten hat. Was ihm jedoch die meiste Bedeutung gab, war der humanitäre Standpunkt den er einnahm. Phönicien war ein freundliches Asyl für alle Fremde, die hier für ihren Erwerbsfleiß einen freien Spielraum fanden. In neuerer Zeit hat England diese Rolle übernommen. Man hat mitunter die Engländer ein Krämervolk genannt; immerhin, man muß doch zugestehen, daß England durch seine Verfassung, durch seine Gesetze und Einrichtungen ebenso wie durch seine Industrie und seinen Handel ein Musterstaat in Europa wurde. War es nun überhaupt ein großes Unrecht den Juden ihre Neigung zum Handel zum Vorwurf zu machen, da die Intoleranz der Zeiten sie von jedem andern Erwerbszweige gewaltsam ausschloß, so wäre es in unserer Zeit noch ungerechter, das Verdienst der Juden um Handel und Industrie und dadurch um die europäische Cultur zu unterschützen. Prag. Wir haben Einsicht erlangt von dem „Gutächtlichen Bericht der Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft betreffend die Errichtung einer Lehranstalt für die Ausbildung von Rabbinern", welcher über hohen Auftrag an die k. k. böhmische Statthalterei erstattet wurde. Da das „Abendland" in einer seiner frühern Nummern dieses Berichts Erwähnung gethan, dürfte es den Lesern Ihres geschätzten Blattes Interesse bieten, den Jdeengang dieses Aktenstückes näher kennen zu lernen. In fast allen wesentlichen Punkten schließt sich dieser Bericht dem Gutachten der von der Prager israelitischen Cultusgemeinde-Repräsentanz gehörten Sachverständigen an, und wir haben dadurch Gelegenheit, zugleich die Ansichten der Prager Fachmänner kennen zu lernen. Eine besondere Veranstaltung , sagt der Bericht, zur Aneignung des profanen Wissens im Gegensätze zum jüdisch-theologischen, bedarf es nicht, nachdem die h. Regierung die Absicht ausgesprochen hat, das Rabbinatsseminär in einer Universitätsstadt zu begründen, so daß den Rabbinatscandidaten die Benützung dieser Pflegstätte der Wissenschaft zugänglich gemacht werden wird. An der Universität sollen eben die Candidaten die der Ausbildung eines Rabbiners förderlichen Vorlesungen als da sind: Praktische Philosophie, Geschichte der Philosophie, Weltge« * r

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