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Das Abendland · 1868-06-01 · 11 (1.6.1868) · p. Seite 82

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
11 (1.6.1868)
Date
1868-06-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 Mögen immerhin die gelehrten Lehrer unseres Zukunftsseminars nebenbei Doctoren sein; nur möchten wir nicht ausschließlich unter diesen unsere Gelehrten suchen. Me Urkunden. Judeu in Württemberg und Baiern. Bon Ludwig Lichtschein, Rabbiner in Austerlitz. Trotz der verschiedenartigen Angaben der Historiker bezüglich der Einwanderung der Juden nach Deutschland, wo die Einen solche aus Egypten, Andere wieder nach der ersten Tempelzerstörung durch Nebukadnezar aus Jerusalem nach Deutschland ziehen lassen, scheint die Annahme wahrscheinlich, daß die ersten Juden nach Deutschland aus Italien gekommen wären, und zwar bildeten die ersten jüdischen Ansiedler in Deutschland Glieder der Armee Julius Casars, die mit ihm aus Italien zur Eroberung Germaniens nach Deutschland kamen, und nach beendigtem Kampfe sich hier ansiedelten. Allerdings lebten schon vor der Geburt Christi Juden in Deutschland, jedoch wäre es höchst ungereimt, wenn wir der Angabe jener Historiker huldigen wollten, die ihre Ansiedlung 5 Jahrhunderte vor Christi Geburt setzen. Wir wollen daher in gedrängter Kürze mit kurzen Umrissen dem Schicksale der Juden in Deutschland in sämmtlichen bedeutendern Städten Erwähnug thun. — Ulm bildete schon in uralter Zeit ein Asyl für Juden, und besaß auch eine ansehnliche Judengemeinde. Als im Jahre 1263 das Franziskaner-Kloster zu Ulm erbaut wurde, stieß man bei der Grundsteinlegung auf einen Grabstein mit verwitterter hebräischer Inschrift, aus welcher hervorging, daß der Grabstein 12 Jahre vor Christi Geburt gesetzt wurde. (Vgl. Frank Epist. German s. 82). Die Städte Ulm und Nürnberg erhielten vom Kaiser Maximilian I. ein Privilegium, daß sie zu jeder ihnen beliebigen Zeit die Juden aus ihrer Stadt und dem gänzlichen Territorium derselben, vertreiben dürfen. Ferner erwirkten sie im Jahre 1541 von Kaiser Karl V. das Privilegium, daß kein Einwohner der Städte Ulm und Nürnberg mit einem Juden in Handelsberührung treten dürfe. Beide Städte machten nur allzuschnell von dem ihnen zugestandenen Rechte Gebrauch. Im Jahre 1499 wurden sämmtliche Juden aus Nürnberg vertrieben, welch edlem Beispiele die Bewohner der Stadt Ulm sehr bald folgten, indem ein Jahr darauf, 1500 p.Chr. auch aus Ulm sämmtliche Juden vertrieben wurden, und ihre Häuser sammt Grundstücken fielen statt dem römischen Kaiser Wolf v. Borsperg zu. (Vgl. Mart. Annalen s. 119). In Augsburg durften die Juden nicht im Weichbilde der Stadt wohnen, sondern erhielten ungefähr eine Meile von der Stadt entfernt einen bestimmten Platz als Wohnsitz ^angewiesen. Sie waren nicht nur vom Wohnrechte in der Stadt Augsburg ausgeschlossen, selbst der Aufenthalt daselbst, war ihnen aufs Strengste untersagt. War ein Jude genöthigt, wichtiger und dringender Geschäfte halber in der Stadt zu verweilen, so mußte er für jede Stunde seines Aufenthaltes daselbst einen Gulden entrichten. Im Jahre 1290 ist den Juden in Augsburg oder besser in der Nähe Augsburgs aus besonderer Gnade, am rechten Ufer des Lechflußes, hinter dem Spital, ein Badeort eingeräumt worden, welcher später den Namen Rappen-Bad erhielt. — Auch wurde ihnen im Jahre 1306 ein besonderes Tanz- Haus zu Hochzeiten eingeräumt. Im Jahre 1385 mußten die Juden daselbst, unter Androhung ihrer sofortigen Vertreibung, der Stadt Augsburg die nicht unbedeutende Summe von 22,000 fl. erlegen. 1439 theilten endlich die Juden Augsburgs das Schicksal ihrer Glaubensbrüder in den verschiedenen Staaten, indem sie ungefähr 300 an der Zahl, mit Einwilligung des Kaisers Albert II. am Set. Kilians-Tage aus ^Augsburg vertrieben wurden. (Vgl. Antiquit. Judaica. Kein Jude durfte fortan die Stadt Augsburg betreten, jeder Handel mit Juden war aufs Strengste verboten, mit Ausnahme des Jahrmarktes, wo sie aber auch nur in Begleitung eines Christen, dem sie . seine Mühe sehr gut lohnen mußten, kaufen und verkaufen durften. (Vgl. Augsb. raemorab. s. 17). Würde es nicht der Mühe lohnen, wenn H. Bratiano die Geschichte der Juden zu Augsburg zum Gegenstand seiner Studien machen würde? — Nirgends wurden die Juden so oft und so hart an Geld gestraft, als zu Augsburg. — Anno 1384 an einem Freitag wurden sämmtliche Juden Nördlingens, circa 200 an der Zahl, selbst die schwachen Frauen, wehrlosen Kinder und altersmüden Greise, von den christlichen Bewohnern Nördlingens plötzlich überfallen, grausam ermordet, und setzten sich die letztern ungestraft in den Besitz der Juden. — Eine ansehnliche Judengemeinde besaß auch Tübingen. Diese berühmte Universitätsstadt war lange Zeit hindurch den Juden daselbst gewogen, und führt heute noch eine der lebhaftesten Straßen daselbst den Namen Juden-Straße. Im Jahre 1551 jedoch hatte Herzog Christoph von Württemberg aus vermeintlichem religiösen Eifer sämmtliche Juden aus dem Herzogthum verjagt. — Wie weit sich aber die religiöse Einbildungskraft dieses Fürsten verstieg, ist daraus zu ersehen, daß, als seine Räthe ihn zu überreden suchten, er möge doch von seinem Vorhaben abstehen, möge die Juden auch fernerhin in seinem Lande dulden, möge den Vortheil bemessen, der dem Lande von den Juden entsteht, er erwiedert haben soll: Wenn sie mir auch Scheffel voll Goldes geben, wollte ich sie dennoch nicht länger in meinem Lande dulden, da selbe öffentliche Zauberer (!) wären. — (Vgl. memor. das. s. 29). Es wurde ferner fämmtlichen Unterthanen des Herzogsthums Württemberg bei Leibesstrafe und eventueller Landesverweisung untersagt, mit einem Juden sich in Geschäftsverbindung oder Wucherhandel einzulassen, und die Juden, welche soches Vergehens sich schuldig machen, sollten des Geleites verlustig, und 1000 Gulden Strafe erlegen. (Vgl. deutsches Handelsblatt s. 34). Am zahlreichsten waren die Juden in Baiern vertreten, woselbst sie auch im Besitze ausgedehnter Privilegien waren, und Anno 1346, als man ebenfalls mit der Absicht ihrer Verjagung umging, indem mau ihnen den Mord eines Christen-Knaben fälschlich zur Last legte, in Kaiser Ludwig einen eifrigen Beschützer fanden, als 1348 und 1345 während der Kreuzzüge die Juden in Deutschland theils ermordet, theils verjagt wurden, fanden sie in Baiern Schutz und Sicherheit. (Vgl. Wolf hist. Jud. s. 406). Aus dem Erzbisthum Salzburg wurden die Juden im Jahre 1498 (im Jahre der glorreichen Judeuvertreibung aus Spanien) durch Bischof Leonhard vertrieben. — Allerdings gab diese grausame Verfolgung und Vertreibung der Juden aus dem Erzbisthum Salzburg Stoff zu manchen fabelhaft ausgeschmückten Sagen von Seite der Juden. — So lesen w'r im Schef. Jeh. s. 62 , daß Erzbischof Leonhard, der Judenfeind, nachdem er sämmtliche Juden aus seinem Kirchensprengel verjagt hatte, in Begleitung seiner Räthe, Ritter und 200 Diener nach Regensburg geritten sei um daselbst den Rabbiner dieser Gemeinde R. Chajim Cohen, welcher im Rufe als großer cabbalistischer Wunderthäter stand, mit eigener Hand zu erwürgen. Davon habe er, der Kabbalist, schon früher vermöge seiner Kunst Kenntniß erhalten. Als nun der Bischof in seine Wohnung trat, und wegen eines aus der Straße plötzlich entstandenen Lärmens neugierig den Kopf beim Fenster hinaussteckte, habe das Fenstergitter sich plötzlich verrengt, so daß der Bischof den Kopf nicht mehr zurückziehen konnte. Der Bischof bat nun den Rabbi um Gnade, und gab ihm die feierliche Versicherung, er wolle sämmtliche Juden, die er vertrieben, wieder in sein Bisthum aufnehmen und mit Wohlthaten überhäufen. Erzbischof Leonhard hielt auch treu sein Versprechen, und war

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