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Das Abendland · 1868-05-15 · 10 (15.5.1868) · p. Seite 79

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
10 (15.5.1868)
Date
1868-05-15
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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79 ohne welche kein Gedeihen, und zur Heilighaltung unseres ewigen Vermächtnißes, und schließlich den besten Segen Gottes auf alle seine Kinder herabflehte: da ließ sich die allgemeine Rührung nicht mehr bemeistern, Alles weinte laut auf, und selbst ergraute Männer, die seit vielen Jahren die Wohlthat des Weinens nicht mehr kannten, erleichterten durch reichliche Thränen ihre tiefbewegte, schmerzerfüllte Brust. Am 30. April verließ er unsere Stadt. Möge noch ein langer, heiterer Lebensabend voll des schönsten Glückes und ungetrübter Freuden ihm beschieden sein! Seine Gemeinde wird stets in Liebe und Dankbarkeit seiner gedenken. —H— B r e slau im Mai. Ein entsetzliches Gerücht verbreitete sich am Sonntage (26. April) über unsere Stadt: mehrere Söhne des hier und in der ganzen Provinz wohlbekannten Kaufmanns Mattes Kohn hätten, so hieß es, in der Oder ihr Grab gefunden. Nur zu bald bestätigte sich die Trauerkunde. Am Morgen des 26. hatten drei Söhne des genannten Geschäftsmannes eine Vergnügungsfahrt auf der Oder nach dem bei Breslau gelegenen Erholungsorte Zedlitz machen wollen, wobei sie ihre eigene Gondel benützten. Bei der starken Strömung des gegenwärtig hohen Wasserstandes befürchteten sie eine schwierige Stromaufwärtsfahrt und spannten darum die Segel auf. Plötzlich fiel ihr kleines Hündchen, das mit auf dem Kahne war, in's Wasser. Um es zu retten, bogen sich die Brüder unvorsichtiger Weise allzuweit über den Rand der Gondel; das leichte Fahrzeug kanterte nun in so bedenklicher Weise, daß die drei Insassen es vorzogen, in die reißende Strömung zu springen, um sich bei dem Umschlagen des Bootes nicht noch größern Gefahren auszusetzen. Leider gelang es nur dem Jüngsten, dem 23jährigen Ferdinand, sich auf eine Sandbank zu retten, während der Aelteste, der 41jährige Raphael und der 26jährige David, sofort in den Fluthen verschwanden, und, obwohl sie vorzügliche Schwimmer waren, ihren Tod in den Wellen fanden. Der Jüngste wurde von einem herbeieilenden Schiffer in seinen Kahn ausgenommen und an's Land gebracht. David hatte als rother Husar im I. 1866 den Feldzug mitgemacht, und war dekorirt zurückgekommen, während Raphael, der Dirigent der sehr umfangreichen Möbel-, Gold-, Silber-, Tuch-, Kleider- und Uhren-Handlung, die rechte Hand des greisen Vaters, sich der allgemeinsten Achtung und Verehrung in den weitesten Kreisen der hiesigen Geschäftswelt erfreute; Beide werden von den Armen Breslau's als wahrhaft edle Wohlthäter beweint. Der Schmerz des tiefbetrübten Vaters über den Verlust seiner hoffnungsvollen Söhne ist unbeschreiblich. — Obwohl sofort die umfassendsten Nachsuchungen angestellt wurden, und der unglückliche Vater 150 Thaler dem Finder der Leichen seiner Söhne versprach, hat bis heute nur der Jüngere (David) aufgefunden werden können. Dieser wurde Freitag (den 1. Mai) unter großer Theilnahme der hiesigen (jüdischen wie christlichen) Bevölkerung beerdigt. Viele Tausende hatten sich eingefunden, um ihre Condolation an den Tag zu legen, der Turnverein „Vorwärts", der Feuerrettungs- und Breslauer Kriegerverein waren vollzählig erschienen, um ihrem Kameraden das letzte Geleite zu geben. Die Musikcapelle des 51. Infanterie- Regiments eröffnete den Trauerzug, ihr folgte eine Compagnie des Kriegervereins in voller Parade, hierauf ein Offizier, der auf einem schwarzsammtnen Polster die Orden des Verunglückten trug, unmittelbar hinter ihm der Leichenwagen, umgeben von Soldaten und Vereinsmitgliedern und hinter dem Sarge eine unübersehbare Menschenmenge, 20 Kutschen beschlossen den langen Zug. Am Grabe hielt vr. Josl eine tiefergreifende Rede. — Leider hat sich noch ein anderes schreckliches Unglück in dieser Woche hier ereignet. In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai brach nach 12 Uhr in dem meist von Juden bewohnten Hause „zum goldnen Rade" im Hausflur des eisten Stockes Feuer aus, das schnell auch die Treppen ergriff, so daß den Bewohnern der Rettungsweg abgeschnitten war. Die Meisten derselben sprangen in den Hof hinunter und kamen so glücklich davon, bis auf eine Frau (Deutsch), die einen Beinbruch, und deren Kind, das einen Armbruch erlitt. Jedoch befanden sich noch im 3. Stockwerke die jüdische Familie Aber, aus Vater, Mutter und Tochter bestehend, die man bereits gerettet wähnte, weßwegen auch die inzwischen herbeigeeilte Feuerwehr keinen Rettungsversuch mehr machte. Alle drei fanden durch Ersticken den Tod. - H. K. Berlin. Von dem Abgeordneten Wiggers und 22 seiner Collegen von der Fortschrittspartei ist folgender Antrag gestellt worden: Der Reichstag wolle beschließen, aus Veranlassung der in der 8. Sitzung vom 16. d. M. ertheilten Antwort des Bundescommissärs auf die Interpellation des Abg. Moriz Wiggers*) den Bundeskanzler aufzusorderu, den in der 27. Sitzung des Reichstages am 23. Oktober 1867 mit großer Majorität gefaßten Beschluß: daß in dieser Session des Reichstages ein Gesetzentwurf vorgelegt werde, durch welchen alle noch bestehenden, aus der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnißes hergeleiteten Beschränkungen der bürgerlichen Rechte aufgehoben werden, in Ausführung zu bringen. — Locale und auswärtige Nöthen. Brünn. Wie wir aus gut unterrichteter Quelle erfahren, hat das k. k. Ministerium an die hohe Statthalterei in Brünn die Weisung erlassen, im Vollzüge jenes Paragraphen der Staatsgrundgesetze, der jeder Consession die Verwaltung ihrer Fonds zuweist, den mähr, jüdischen Landesmassafond, der bisher von der k. k. Statthalterei verwaltet wurde, der mährischen Judenschaft in Verwaltung zu übergeben. Hiedurch ist zugleich dieser Fond als ein jüdisch-confessioneller erklärt und eine langjährige Streitfrage über die Bestimmung desselben zur Entscheidung gebracht. Der Landesmassafond Mährens beträgt über 960.000 fl. und sind die einleitenden Schritte wegen Uebergabe desselben bereits im Zuge. Brünn. Die Leiden unserer Glaubensgenoffen in den Donaufürstenthümern bilden einen stehenden Artikel in den Tagesblättern, und das grausame, frivole Spiel, welches dort mit den heiligsten Jnleressen der Menschheit getrieben wird, ruft die Entrüstung der ganz-n gebildeten Welt hervor. Man könnte beinahe an den Fortschritt der Menschheit verzweifeln, wenn man sieht, wie in einem Lande, das scheinbar liberale Tendenzen anstrebt, die düstern blutigen Phantome des Mittelalters gewaltsam heraufbeschworen und von Oben herab bald durch cynisches Bekenntniß, bald durch heuchlerische Verstellungskünste genährt werden. Es ist überflüssig, daß wir die schrecklichen Details unserem Leser vorführen, sie sind allbekannt und nicht blos die gesammte europäische Presse hat über diese Unthaten ihr Verdammungsurtheil ausgesprochen, sondern auch alle Vertreter der europäischen Mächte haben zu Gunsten der dortigen Israeliten in Namen ihrer Regierungen intervenirt. Namentlich hat die österreichische Negierung eine rühmliche Energie entwickelt und der Anregung eines österreichischen Vertreters ist es zu verdanken, daß die dortigen Zustände zur gehörigen Erkenntniß gelangten, daß nun die Welt weiß, was von den rumänischen Unschuldsbetheuerungen zu halten sei. *) Vergl. den zweiten Bericht aus Berlin in der letzten Nummer des „Abendland." —

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