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Das Abendland · 1868-05-15 · 10 (15.5.1868) · p. Seite 80

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
10 (15.5.1868)
Date
1868-05-15
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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80 Stockholm. Herr Eliassohn aus Norköping, der sich kürzlich hier niedergelassen, schenkte der hiesigen Gemeinde zum Bane der Synagoge 2000 Rthlr. und dem Beerdigungsvereine 1250 Rthlr. Der vor einigen Monaten verstorbene Lewisohn aus Gothenburg hat 2000 Thaler zu Gunsten der armen Leute, die nicht mehr arbeiten können und 2000 Rthlr. zur Bezahlung von Wohnungsmiethen für jüdische Arme vermacht. (Hamagid.) Hobart Town. (Van Diemens Land.) Ein dortiges Blatt berichtet: Als Prinz Alfred von England obige Stadt während seiner Reise in Australien besuchte, wurde ihm von der jüdischen Gemeinde dahier, von dem Herrn Rabbiner I. M. Goldreich und den Vorstehern der Gemeinde eine Adresse überreicht. Prinz Alfred erwiederte Folgendes darauf: An die geehrten Herren Rabbiner und Vorsteher der israel. Gemeinde von Hobart Town! Meine Herren! der Ausdruck der treuen Anhänglichkeit an die Person Ihrer Majestät der Königin und an die Gesetze und Verordnungen des britischen Reiches, den Ihre Adresse enthält, verlangt meine heiße Anerkennung, so wie Ihre gütige Gratulation für meine sichere Ankunft und die Gebote, die Sie beteten für mich, zu dem einzigen Gotte, den wir gemeinschaftlich anbeten. Ich versichere Sie, ich werde stets meines Aufenthaltes auf dieser schönen Insel — obgleich er unglücklicher Weise von nicht langer Dauer sein kann— gedenken. (Gezeichnet) Alfred. Jerusalem. Man vermuthet gewöhnlich, daß die Cedern des Libanon, die so berühmt und so reichlich in den Tagen Salomo's vorhanden waren, ganz verschwunden seien. Mehrere ausgedehnte Haine wurden in diesen Berg-Wildnissen von Herrn Jessup, einem amerikanischen Missionär entdeckt. Ein einziger Hain im südlichen Libanon zählt 10.000 Bäume. (Israelit.) * Von Dr. London, Direktor und Chefarzt des israel. Spitals in Jerusalem, der zugleich Leiter aller dortigen jüdischen Wohlthätigkeits-Anstalten ist, wurde ein höchst interessanter Bericht veröffentlicht, aus dem wir folgende Daten entnehmen: Herr Dr. London übernahm am 1. December v. I., nachdem er von einer Urlaubsreife in Europa zurückgekehrt war, sein Amt. Er fand bei seinem Antritte im Spitale 16 Kranke vor, mit Ende des Monats waren bereits 103, von denen 88 geheilt die Anstalt verließen, 6 starben und 5 in Behandlung verblieben. 5705 Patienten erhielten Arzneien außerhalb des Spitals, darunter 3491 Juden, 2011 Türken und 203 Christen. Unter allen jüdischen Kranken war nicht ein einziger mit Aussatz (lepra orientalis) behaftet, auch findet sich in den Asylen für Aussätzige sowohl in Jerusalem als in den andern Städten Palästinas kein einziger Jsraelite. Es scheint demnach diese Nationalkrankheit, die zu Moses Zeiten grassirt haben mußte, bei unfern Glaubensgenossen gänzlich verschwunden zu sein (Die mosaischen Gesetze waren häufig Präventivgesetze, was besonders von der Weisheit des Gesetzgebers Zeugniß ablegt, und es läßt sich aus den Bestimmungen über den Aussatz durchaus kein Schluß auf den faktischen Bestand dieser Krankheit ziehen, d. Redaktenr). Das Spital verausgabte bis jetzt 4781 Frcs. 14 C. und es muß hier dem Baron Alphons v. Rothschild für die Spende von 800 Frcs. und dem edlen Dr. Albert Cohn für seine Unterstützung der wärmste Dank ausgesprochen werden. In der jüd. Handwerkerschule sind gegenwärtig 25 Zöglinge — 1 Apotheker, 5 Goldarbeiter, 9 Schuster, 4 Schneider, 2 Buchbinder, 3 Klempner, 1 Zimmermann. Die jüd. Mädchenschule hat jetzt in 2 Elasten 50 Schülerinen, sie wird besonders von dem Gründer Dr. Albert Cohn unterstützt. Der von der Baronin Betti von Rothschild gegründete Verein für arme jüdische Wöchnerinen hat in den letzten drei Monaten 30 Wöchnerinen mit seinen Wohlthaten bedacht. Von der „Mathilde Cohn"-Stiftung wurden an Arme 3500 Laib Brod vertheilt. —f— New-Aork. Die am l2. v. M. abgehaltene General- Versammlung der hiesigen Gemeinde „Anscha Cheßed", unter Leitung ihres Präsidenten Herrn Schuster, beschloß den Cantor des Leopoldstädter Tempels in Wien, dessen Entlast sung vor einiger Zeit so viel Aufsehen erregte, als Cantor der Anscha Cheßed-Gemeinde hierher zu berufen. Ob Herr Goldstein jedoch diesen Posten annehmen wird, ist noch unentschieden, da nach neuesten Mittheilungen die Wiener Gemeinde entschlossen ist, ihn wieder in sein früheres Amt einzusetzen. Die Restaurirung des Tempels dieser genannten Gemeinde wird bald vollendet sein, und soll schon am nächsten Schebuothfeste der Gottesdienst darin abgehalten werden. Die Baukosten beliefen sich auf 22.000 Dollars. Wie allgemein behauptet wird, dürfte dieses Gebäude nach seiner Vollendung einen prächtigen, gefälligen Anblick bieten. („Hebrew Leader".) Vallarot. (Australien.) Die hiesige Stadt hat 60.000 Einwohner, darunter ungefähr 200 Juden, welche eine hübsche Synagoge und Schule haben. Herr Karl Dyte, Jsraelite, ist einer der Repräsentanten unserer Stadt im Parlament und der Mayor der Stadt ist unser Glaubensgenosse, Herr Emanuel Steinfeld, ein geborner Deutscher, der nun schon zum zweiten Male zu dieser Würde erhoben wurde. (Jsr.) dem Leben der talmudischen Zeit. Eine Studie vom Redakteur. Der Talmud in seiner Vielseitigkeit liefert uns manchen Beitrag zur jüdischen Archäologie, und macht uns mit dem häuslichen und öffentlichen Leben seiner Zeit etwas vertraut. Wir lernen durch ihn Sitten und Gebräuche kennen, die theils von andern Völkern entlehnt wurden, theils aus heimatlichem Boden entsprossen sind; dabei liefert er uns auch Notizen über die Sitten fremder Nationen die ebenfalls für den Geschichts- und Alterthumsforscher nicht ohne Interesse sind. Der vorliegende Aufsatz, weit entfernt auf Vollständigkeit Anspruch zu machen, sucht die gründliche Erforschung des so wichtigen Gegenstandes anzubahnen. Die Bedürfnisse des Menschen sind unter allen Zonen und zu allen Zeiten dieselben, doch ist die Art ihrer Befriedigung nach der Mannigfaltigkeit der einwirkenden Umstände sehr verschieden Wie wichtig sind beispielsweise die klimatischen Einflüsse aus Nahrung, Kleidung und Wohnung der verschiedenen Nationen, wie spiegelt sich nun erst in Sitten und Gebräuchen, in den Gesetzen und im öffentlichen Leben der Culturzustand eines Volkes ab. Fassen wir nun die gelegenheitlichen Bemerkungen des Talmud zusammen, so erhalten wir allerdings noch kein zusammenhängendes Ganze, kein klares Bild, doch wird es uns gegönnt, manchen sichern Blick in die Sittenzustände jener Zeit zu werfen. Betrachten wir zunächst das häusliche Leben. Der Mensch ißt, um seinen Hunger zu stillen, der Sohn der Civilisation beobachtet aber auch in seiner Eßzeit eine gewisse Regelmäßigkeit. Im Talmud stimmt die Eßstunde mit dem Brauch der südlichen Nationen Europas, wo das Frühstück ziemlich . spät am Vormittage genommen wird. Für dieses, wahrscheinlich seiner Quantität und Beschaffenheit nach unserem sogenannten Gabelfrühstücke entsprechende Mahl war die zehnte Vormittagsstunde bestimmt, Taglöhner und Gelehrte kommen noch später dazu, während reiche Erben ohne alles Geschäft schon um 9 Uhr und die Lydier, wie die Spitzbuben, welche die Nacht bei ihrem unehrlichen Handwerke durchwachen, bereits um 6 Uhr Morgens frühstücken (Pesachim 12). Ueber die Stunde der Hauptmahlzeit wird uns nicht Näheres angegeben, jedenfalls fand sie erst spät Nachmittags nach dem Minchagebete statt. (Forts, folgt.) Druck von Rudolf M. Rohrer in Brünn.

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