Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 9 (1.5.1868)
- Date
- 1868-05-01
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 70 — matik der heiligen Sprache hinunterschlucken. Wir begrüßen daher mit Freuden die Jugenddichtungen des nun greisen, durch seine anderweitigen literarischen Leistungen berühmten Verfassers als Muster echter hebräischer Poesie, und wir können sie, abgesehen davon, daß der Ertrag der von der Pariser „Alliance universelle israelite“ projectirten Gründung von Schulen im Orient gewidmet ist, den Freunden der hebräischen Literatur bestens empfehlen. Ein Meister wie della Torre kann leicht eine strenge Kritik vertragen und verschmäht jede Nachsicht. Insofern müssen wir gestehen, daß wir uns mit den in dem Buche enthaltenen Grabschriften, die wir gerne aus der gediegenen Sammlung ausgeschieden gesehen hätten, nicht befreunden konnten. Sie sind an sich unbedeutend, und der Reim mit Datum und Jahreszahl will unserem Geschmacke nicht zusagen. Es ist selbstverständlich, daß dieser Fehler, wenn er einer ist, dem Werth des trefflichen Werkes keinen Eintrag thut. Die äußere Ausstattung ist recht entsprechend, die Typen sind nach italienischer Art etwas eckig. Es mag wohl Gewohnheit sein, daß dem deutschen Auge die Wiener und Prager Typen gefälliger scheinen. R. Prag, im April. Dieser Tage wurde ein „Auszug aus den Protokollen über die Verhandlungen der Repräsentanz der böhm. Landes - judenschaft" veröffentlicht, welcher dem Eifer und der Tätigkeit der sämmtlich neugewählten Mitglieder dieses Collegiums zur Ehre gereicht. Ueber die Sitzung am 18. Feber wurde bereits in diesen Blättern Bericht erstattet, den wir noch dahin zu ergänzen haben, daß über Antrag des Obmanns Herrn Lederer eine permanente Finanzkommission von 3 Mitgliedern bestellt, und hiezu die Herren S. Fischl aus Prag, M. Gratum aus Beraun und Franz Schnabel aus Bidschow gewählt wurden. In der Sitzung am 19. Feber wird betreffs der von der h. Statthalterei an die Repräsentanz ergangenen Aufforderung zur Abgabe eines Gutachtens in der Rabbiner-Seminarangelegenheit, rücksichtlich des Punkts 4 der erwähnten Aufforderung, der die Dotirungsfrage behandelt, der Beschluß gefaßt: Die Repräsentanz widmet die der Landesjudenschaft gehörigen zwei Drittheile an dem sogenannten Reservefonds den Zwecken des zu errichtenden Rabbinerseminars. — Die Sitzung am 31. März befaßte sich zumeist mit der Seminarfrage, für welche in der letzten Sitzung eine eigene Commission, bestehend aus den Herren Frank, Gratum und Kann gewählt wurde. Die Anträge des Berichterstatters Herrn Frank über Organisation des Instituts werden en bloc angenommen. Wir heben daraus hervor, daß ein öjähriger Cursus mit täglich 6stündiger Unterrichtszeit, so wie die Anstellung von mindestens 5 Lehrern in dem Gutachten der Repräsentanz empfohlen werden. Ueber den 2. Punkt des Regierungserlasses, der die Aufnahmsbedingungen betrifft, beschließt die Repräsentanz unter Anderem: Die in das Rabbinerseminar Aufzunehmenden müssen sich mit der mit gutem Erfolge abgelegten Maturitätsprüfung ausweisen. Eine mit Rücksicht auf die Vorbereitung von Rabbinatskandidaten allenfalls beabsichtigte Aenderung des jüdischen Religionsunterrichts am Obergymnasium sei nicht zu empfehlen. Außerdem kamen noch andere minder bedeutende Bittgesuche und Anträge zur Verhandlung. Endlich in der Sitzung am 1. April wurde ein Antrag des Repräsentanzmitglieds Herrn Frank, gemeinschaftlich mit der Prager Cultusgemeinde-Repräsentanz einen Maximalbeilrag von jährlich 4000—1200 fl. als Lokalitätsmiethe für das in Prag zu errichtende Reichsseminar zu bestimmen, angenommen. Y- Eger, im April. Die Constituirung einer neuen jüdischen Gemeinde in Ortschaften, wo in frühem Zeiten ein Jude nicht übernachten durfte, ist in unserem Vaterlande, Dank dem erfreulichen Umschwünge, den die Gesetzgebung genommen hat, keine seltene Erscheinung. Eger, einst der Aufenthaltsort einer großen jüdischen Gemeinde, in der die berühmtesten Männer des Juden, thums lehrten und wirkten, vor 520 Jahren der Schauplatz einer schrecklichen Judenverfolgung, deren traurige Reminiscenzen noch in der Benennung einiger Gassen und in den jüdischen Grabsteinen, mit denen das Haus eines hiesigen Bürgers gepflastert ist, existiren, hat nun wieder eine jüdische Gemeinde. Seit einigen Jahren haben sich hier gegen 40 jüdische Familien angesiedelt und mit behördlicher Bewilligung als Gemeinde konstituirt. Bereits ist zur Erbauung einer Synagoge der Grund angekauft und auch gegraben, allein der Aufbau übersteigt die beschränkten Kräfte der Gemeindeglieder, und wir sind wie so viele andere kleinen Gemeinden auf die Beihilfe unserer Glaubensbrüder von nahe und fern angewiesen. Wir können nicht genug die Humanität und das Wohlwollen der städtischen und landesfürstlichen Behörden rühmen, die unsere Bestrebungen mit aller Teilnahme zu fördern suchen. Ueber Anregung des aus unserer Gegend gebürtigen Kaufmanns, Herrn S. I. Schwarz in Prag, der hiezu von einem, einer angesehenen Familie hiesiger Stadt angehörigen hohen Ministerialbeamten aufgefordert wurde, hat sich in der Cultusgemeinde der böhmischen Hauptstadt ein Comite gebildet, welches eine Sammlung für den Synagogenbau in Eger einleiten wird. Das Comite besteht aus den Herren: Dr. Tedesco, Präses der Prager Cultusgemeinde-Repräsentanz, Universitäts- Professor Dr. Wessely, Wolfgang Löwenseld und S. I. Schwarz. Herr Dr. Wessely ist mit der Abfassung des bezüglichen Aufrufs betraut, und versprechen wir uns von einem Unternehmen, das in solchen Händen liegt und bei dem notorischen Wohlthätigkeitssinne unserer Glaubensgenossen einen günstigen Erfolg. —1— Berli n, 21. April. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat an Se. Majestät den König eine Jmmediatvorstellung gerichtet, in welcher gebeten wird, „daß es Sr. Majestät gefallen möge, der bei dem Fürsten des rumänischen Volkes, einem Gliede des erlauchten preußischen Königsstammes, geschehenen Verwendung den möglichsten Nachdruck zu geben, um die Sanctionirung eines unmenschlichen Gesetzes abzuwehren und dem gegen unsere Glaubensbrüder versuchten Vernichtungskampfe endlich ein Ziel zu setzen". — Hieraus ist folgende Antwort eingegangen: „Berlin den 18. April 1868. Se. Majestät der König haben mich beauftragt, die Jmmediatseingabe des Vorstandes der jüdischen Gemeinde vom 6. d. M. zu beantworten, worin derselbe die Allerhöchste Verwendung Sr. Majestät gegen die Durchführung eines bei der rumänischen Volksvertretung eingebrachten, die Stellung der Israeliten betreffenden Gesetzentwurfes nachgesucht hat. In Folge dessen benachrichtige ich den Vorstand der jüdischen Gemeinde ergebenst, daß ich auf Allerhöchsten Befehl schon nach Eingang der ersten Nachricht über jenen Gesetzentwurf auf telegraphischem Wege Erkundigungen in Bukarest eingezogen hatte. Hierauf ist mir aus sicherster Quelle die Mittheilung zugegangen, daß der gedachte Gesetzentwurf gegen den Willen des Fürsten Carl eingebracht worden ist, daß dessen Annahme nicht zu erwarten stehe und, wenn sie dennoch erfolgte, die Sanctionirung des Gesetzes seitens der fürstlichen Regierung nicht stattfinden werde. — Wenn somit in dieser Beziehuag für den Vorstand der jüdischen Gemeinde keine Veranlassung zur Beunruhigung vorhanden ist, so hat die königl. Regierung auch nicht unterlassen, jetzt ebenso, wie es bereits bei früherem Anlasse geschehen, in Folge der in neuester Zeit verbreiteten Nachrichten über angebliche Judenverfolgungen in der Moldau, in Bukarest Vorstellungen machen zu lassen, und es ist uns hierauf die Zusicherung ertheilt worden, daß Maßregeln getroffen seien, um jede etwaige Beunruhigung