Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 9 (1.5.1868)
- Date
- 1868-05-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9050333-9094778-9051186--0869-9051191- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
69 Weil nun die Juden in Frankreich eine geraume Zeit hindurch im Besitze der unbeschränktesten und ausgedehntesten Freiheiten und Privilegien sich befanden, weil man die Juden in Frankreich lange Zeit hindurch mit Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Milde behandelte, weil man den Juden in Frankreich in frühester Zeit nicht blos Schutz und gleiche Rechte mit den übrigen Einwohnern des Landes gewährte, sondern sie auch zu hohen Staatsämtern beförderte, mußten sie daher die in späterer Zeit so häufig und heftig gegen sie -inherbrausenden Stürme und Verfolgungen nur um so schmerzlicher und heftiger empfinden. — Der erste Sturm, der gegen sie losbrach, und mit besonderer Heftigkeit wüthete, war im Jahre 1180 unter Philipp August II. Kaum hatten sie sich ein wenig erholt, da wurden sie plötzlich in Folge eines von Ludwig IX. oder den Heiligen genannt aus dem gelobten Lande ertheilten Befehles abermals aus ihrer Ruhe geweckt und aus Frankreich vertrieben. Diese Judenverfolgung unter Ludwig dem Heiligen erfolgte circa ums Jahr 1253. (Forts, folgt.) Die lernäische Schlange im Talmud. Es ist bereits mehrfach angedeutet worden, daß im Talmud sowohl als im Midrasch, Spuren der griechischen Mythe gefunden werden. Verfasser dieses Artikels hat auch schon in den „Forschungen des wissenschaftlichen Talmud- Vereins" auf zwei griechische Sagen, nämlich auf!ras Medea- Geschenk und die Kraniche des Jbykus, hingewiesen, die im Talmud ihre Stätte fanden, aber auch die lernäische vielköpfige Hydra scheint dem Talmud nicht fremd zu sein, und ließe sich durch diese Mythe einer sonst schwer zu enträthselnden Talmudstelle in Kiduschin 29—2, Sinn und Deutung, geben. Die Stelle lautet IttTX pDI J^TO J"Q b$ mzm in ins itswi nsr-o b^ rpnrrcm njnünxnn; nb schwebt uns hier nicht das Bild der Hydra vor? die nach Diodor 100 Köpfe, nach Simonides 50, und nach Andern 7 Köpfe hatte. — Die Erklärung der Stelle wäre folgende: Abai, dessen Wahlspruch es war „halte Frieden mit Allen" (Berach. 17) war sanft und nachgiebig (sieh. Grätz 4—411), und daher zu wenig energisch, um mit Crsog gegen eine sich immer mehr geltend machende Opposition, aufzutreten, er fühlte sich zur Bekämpfung derselben zu schwach, wodurch sie zu einer ihm furchtbaren Macht erstarkte. Da kam als Gast zu ihm Rabbi Acha, .er schien ihm ganz der Mann, die Gegner zu entwaffnen, und in der That, er täuschte sich nicht. — Rabbi Acha nahm den Kampf auf, und irrim nn im rrnr*o der Sinn von iTJTü und nr“ßist hier nicht bücken, sondern „üb er wiegen" „überzeugen' wie in '1212 PD^n Rabbi Acha gelang es bald, der Oposition, die hier symbolisch als Hydra, uns vorgeführt wird, durch schlagende Beweisgründe Meister zu werden, und wie oft sie auch ihr Haupt wieder zu erheben wagte, Rabbi Acha schlug sie nieder. Prag. j. p_g. Die Juden in England. rer, dagegen ziehen andere wieder nach den Colonien ab. Im Jahre 1859 zählte man 4! Synagogen, seitdem sind viele neue, darunter in Birmingham, Edinburg, Glasgov hinzugekommen. Bei den meisten derselben gilt der deutsche Ritus; diejenigen aber, welche zum spanischen oder portugiesischen Ritus halten; betrachten sich als reinern Geblütes und gehen' mit den andern jüdischen Genossenschaften ungern Heiraten ein. Seit 28 Jahren hat sich übrigens auch hier eine Reformpartei gebildet, die damit begann, in rein englischer Sprache, statt in dem jüdisch - deutschen Idiom zu predigen, später aber weiter ging, und da kein deutscher Rabbiner sich an ihre Spitze stellen wollte, sich der Führung eines Engländers, des Dr. Marks, anvertrante. Die Nichtbeobachtung eines 2. Oster-, Psingst- und Laubhüttenfeiertages gab den ersten Anstoß. Die Reformer stellten die biblische Verbindlichkeit desselben in Abrede und wurden dafür von den Nichtreformern angegriffen. Darüber trennten sich die erstern, nahmen ein eigenes Gebetbuch an und bauten eine eigene Synagoge. „Die Deputation der Congregation der britischen Juden" (so nannte man die altjüdische Repräsentanz in England) mit Sir Moses Montefiore an der Spitze, weigerte sich indeß, diese Synagoge zu registriren, wodurch allein die in ihr geschlossenen Heiraten Giltigkeit erlangen können. Wieder half eine Parlamentsakte aus, welche zur Registratur nur das Zeugniß des Secretärs einer Gemeinde nöthig macht, und dadurch erst vermochten die Reformer sich förmlich zu constituiren. Sie stellten sich angeblich auf biblischen Boden, behalten von den traditionellen Gebräuchen nur einige bei und erweitern ihre Gemeinde mit jedem Jahre.*) Correlponden^en. Brünn, im April. Die in Nro. 6 dieser Blätter angezeigten Gedichte von Prof. Lelio della Torre in Padua sind bereits unter dem Titel nni ‘’ltO erschienen. Wie es der Titel besagt, sind es mit wenigen Ausnahmen Gedichte aus der Jugendzeit des Verfassers, und zumeist Gelegenheitsgedichte, wie Grabschriften, Hochzeitscarmina, auch religiöse Dichtungen und einzelne Uebersetzungen aus dem Lateinischen Italienischen und Deutschen. Nach Art der jüdisch-spanischen Poesie, der die neuhebräischen Dichter Italiens folgen, sind auch die vorliegenden Dichtungen metrisch gehalten, was allerdings dem Fluße des Styls mitunter Eintrag thut, ihnen dafür aber einen festern sprachlichen Kern verleibt. Der Mussivstyl bei den neuhebräischen Dichtern und Dichterlingen in den deutschen und slavischen Ländern artet nur allzuoft in ein hohles, durch die Leichtigkeit des Reimens mit Suffixen begünstigtes Geklingel aus, das gar häufig an das Phrasenwesen der liturgischen Paitanim erinnert. Das Metrum wäre der beste Damm, um uns vor der Ueberfluthung seichter Poesien zu schützen. Das Metrum ist eine Zwangsjacke, die mitunter den Flug des Dichters bemmt, aber auch den phantastischen Sprüngen, welche dem Geist der Sprache und den Gesetzen der Regel Hohn sprechen, Einhalt gebietet. Die Bibel hat allerdings auch kein Sylbenmetrum, dafür aber urwüchsige Poesie und wahres Hebräisch. Bei unfern modernen Reimern müssen wir unter dem äußern Zucker des Wohlklangs die bittersten Attentate auf Geist und Gram- Jn des „Essays" v. B. Eacroft findet sich eine Abhandlung über die Juden in Westeuropa, die mit einer Uebersicht der Zustände dieser Religionsgenossenschaft in England schließt. Wir entnehmen derselben Folgendes: die Juden sind gegenwärtig in England vollständig den andern Religionsgemeinschaften gleichgestellt. Ihre Zahl soll indeß im vereinigten Königreiche kaum mehr als 40,000 betragen, davon etwa 25,000 in London. Die Meisten sind aus Polen und Deutschj eingewandert. Jährlich kommen zwar neue Einwande-! ) Mr fugen diesem Berichte nur noch hinzu, daß nebst W. Marks auch der Londoner Gelehrte, Heimann Hurwitz es war, der mit an der Spitze der Reformbewegung stand und das neue Gebetbuch ausarbeitete. Der damalige Ober-Rabbi der deutschen Gemeinde und mit ihm der portugiesische Chacham Meldoli erließen am 10. Mai 1841 Hirtenbriefe, in welchen sie die neue Gemeinde für ketzerisch und schismalisch erklärten. Doch Liverpool, Manchester, Portsmouth und andere Städte. schickten das Rundschreiben zurück oder verbrannten es. Am 27. Jänner 1842 wurde die neue Svnagoge im Wsteend eingeweiht. Der Bruch war entschieden, auch die'Bermittlungsversuche des im I. 1845 nach London aus Deutschland berufenen Oberrabbmers Dr. Adler hatten keinen Erfolg. —n—