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Das Abendland · 1868-05-01 · 9 (1.5.1868) · p. Seite 68

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
9 (1.5.1868)
Date
1868-05-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 eines Volkes ist die Culturidee, die es in der Welt zn vertreten hat. Tie Sonne Mexikos ging in einem Meere von Blut und Flammen unter, und ihre letzten Strahlen beleuchteten noch das verhängnißvolle Charaktermerkmal dieser Völker — den schroffen Co ntrast: die verweichlichten entnervten Schwelger kämpften mit der Todesverachtung und dem Löwenmnthe wahrer Helden.*) War dieser Widerspruch, der den marquirtesten Zug in der moralischen Ppysiognomie der mexikanischen Völker bildet, ein Produkt der eigenthümlichcn Bodenconfiguration und climatischen Absonderlichkeit, oder die Folge verschiedenartiger fremder Cnltureinflüsse, die in dem Wesen dieser Rasse agglomerirtcn, ohne es organisch einheitlich umzngestalten? Wahrscheinlich ist aus beiderlei llrsachen die problematische Natur der Mexikaner zurückzuführen. Die Untersuchung über den innern Zusammenhang der Urbewohner Mexikos — beziehungsweise Amerikas — mit denen Palästinas und dessen Nachbarstaaten mag in ihrem Verlause den Weg nachstehender Eintheilung verfolgen: Analogien in Mythen, nationalen Gewohnheiten, religiösen Gebräuchen, gesellschaftlichen Einrichtungen, staatlichen Gesetzen, Sprach-Charakter, Ausdrucksweise und Lebensanschauung zwischen den mexikanischen Stämmen und den Israeliten, so wie deren Nachbarvölkern. Allgemeine Beurtheilung der Aehnlichkeiten. Ableitung der Amerikanischen Population und Urkultur vom alten Continente. Beleuchtung der Atlantis-Sagen. Directer Zusammenhang mit Israeliten —■ beziehungsweise Phöniziern und Egyptern — a) während Salomo ' s Regierungszeit; b) Colonisation durch die zehn Stämme, die in Salmanaffar's Gefangenschaft gcriethcn und nach mannigfachen Wanderungen durch mongolische Völkerströme nach Amerika hinübergeschwemmt wurden; Beurtheilung dieser Hypothese; e) während der Judenverfolgungen in England, Frankreich, Italien und auf der pyrenäischen Halbinsel — vom Ende des 13. bis Ende des 15. Jahrhunderts. Einfluß der spanischen Conquistadoren auf die ersten nationalen Schriftsteller der Mexikaner und deren Aufzeichnung, so wie überhaupt auf die Färbung der einschlägigen Berichte und Anschauungen. Begründung der Schlußansicht aus den zusammengefaßten Quellen. Fite Urkunden. Juden in Frankreich. Von Ludwig Lichtschein, Rabbiner in Austerlitz. Den Zeitpunkt zu bestimmen, wann die ersten Juden sich in Frankreich angesiedelt, ferner den Ort oder das Land namhaft zu machen, woher die ersten Juden nach Frankreich einwandertcn, ist nur eine allzu schwierige Aufgabe, indem die mannigfachen historischen Quellen, in denen wir hierüber Aufschluß finden, ebenso mannigfach von einander divergiren. Basnag. hist, de Juifs s. 812 will die ersten Juden nach Frankreich erst im 6. Jahrhundert einwandern lassen, während sie nach einem andern Historiker schon im 4. Jahrhundert daselbst schon zahlreich anzutreffen gewesen wären. — Es ist jedoch, bei einer tieferen Geschichtsforschung und Vergleichung der verschiedenartigen Quellen anznnehmen, daß *) Vgl. Prescott. I.—470, ff. 11—306. Clavigero, 1—276 . . . Torquemada 3—68, 73 . . 4—14, 6—24; Acosta, 7—21, 22; Sahagun, 8—3; Ixtlilxochil 1, 70, 76; Bemal Diaz, Historia d. 1. conquista, cap. 91. schon zur Zeit Julius Cäsars in Gallien oder Frankreich Inden lebten. Sie mögen wohl zu jener Zeit nur noch in sehr geringem Maße daselbst vorhanden gewesen sein, bildeten überhaupt daselbst noch keinen zahlreichen Stamm, jedoch aber iin^ Laufe der Zeit vermehrten sie sich dergestalt, daß schon im 10. Jahrhundert ihre Personenzahl sich auf mehr als eine Million Seelen belief. — Im Jahre 1293 sollen in der großen französischen Armee mehr als 30,000 Soldaten gedient haben, unter welchen eine nicht geringe Zahl derselben durch unerschrockenen Muth und Tapferkeit sich besonders auszeichneten und hervorthaten. (Vgl. Theod. de jure et stat. lud. s. 26). — Schon in sehr alter Zeit besaßen die Juden zu Frankreich zwei herrliche Synagogen, (Vgl. mise. antiqu. sect. s. 371), welche eine reiche alte Römerin im Jahre 354 p. ehr. die in ihrem 70. Lebensjahre, trotz aller Einwendungen von Seite der Juden, dennoch zum Judenthmn übertrat, und den Proselyten-Namen Sara erhielt, erbauen und aufs Reichste und Prachtvollste ausstatten ließ, wie aus der daselbst aufgesundenen lateinischen Inschrift zu ersehen ist: „BETURIA FAB LLA F. DOMI HETERNAE QU OS T1TUTA QUE BI HIT AN. LXXXVI KIE¬ SES VI. PROSELYTA AN. XVI. NOMINE SARA MATER SYNAGOGARUM CAMPI ET BOLUMNI BENIRENAE AYOYMICIC AYTIS.U — Diese stelle ist aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Barbarismen, welche sich häufig genug in den früheren lateinischen Inschriften finden, corrnmpirt, und soll in deutscher Uebersetzung wahrscheinlich heißen: Beturia Paulla, Tochter des Domitius, beigesetzt im ewigen Haust, lebte 86 Jahre und 6 Monate; als Proselytin mit Namen Sara 16 Jahre; Mutter der Synagogen des Campus und Bolumnus. In Frieden sei ihre Ruhestätte. Diese Uebersetzung ist nach emendation der wahrscheinlich corrumpirte lateinische Urtext in: Beturia Paulla, Eilia Domitii, aeterne constituta, quae vixit anos 86 menses 6, Proselyta annos 16. nomine Sara, mater synagogarum Oampi et Bolumni. — Der Schluß scheint die griechische Formel zu sein, die häufig an Grabsteinen angebracht war: ’Ev yj /.oqxYjjic; avpTc. Die Bezeichnung mater synagogarum, Mutter der Synagogen, kann, wie der gelehrte H. Professor Dr. M. A. Levy zu Breslau in seinen epigraphischen Beiträgen zur Geschichte der Juden im (2. Band des Jahrbuchs für Gesch. der Juden 1861) sehr richtig bemerkt, nur in dem Sinne genommen werden, daß sie das Bethans erbaut habe, analog der Bezeichnung mater cas:rorum, ar^a-oTreSwv. — Diese Inschrift hat für den Qnellensorscher jüdischer Geschichte besonderes Interesse. Man hat nämlich die hier genannte Proselytin Beturia, mit der im Talmud erwähnten Beluris, welche mit ihren Sclaven zum Judenthum übertrat und wohlbewandert in der heiligen Schrift, sich mit R. Gamliel häufig in Discusionen einließ, identificiren wollen, was gerade nicht so unwahrscheinlich wäre. (Bgl. Grätz Gesch. der Juden 4. B., s. 123, ferner Jahrb. zur Gesch. der Juden, 2. Bd. 1861, s. 312), woselbst der Gelehrte Dr. Levy bemerkt, daß das B im Worte Bolumni, da kein Ort dieses Namens bekannt, entweder ein spiritus lenis V.—Volurnni sei, oder es mag dem Steinmetzen, wenn er ein Jude war, die Partikel 2 in D)Sü2 vorgeschwebt haben. — Es übertrafen die Juden in Frankreich, hauptsächlich vermöge ihrer unbeschränkten Freiheit, die sie daselbst genossen, sämmtliche Juden in den übrigen Ländern an Kumt und Wissenschaft. Hauptsächlich aber gingen die berühmtesten Talmudlehrer ans Frankreich hervor, so unter Anderen der weltberühmt gewordene Schriftausleger R Salomo Jarchi oder abbrevirt Raschi genannt oc. — Wie R. Salom. im Sch. P. 4L berichtet, soll der größte Theil des Stammes Benjamin und der Priester sich nach Frankreich begeben haben, auch einige vom Stamme Juda. (Maxima pars tribus Benjaminis et Sacerdatum petiverunt Galliam, nonnuli quoque de tribu Judae)

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