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Das Abendland · 1868-04-01 · 7 (1.4.1868) · p. Seite 52

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
7 (1.4.1868)
Date
1868-04-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 ruhe durch irgend einen feindlichen Einfluß von außen gewaltsam unterbrochen wird, dann zürnen wir. In ^>2 lügen sehen wir jene allgemeine Bedeutung und Beziehung auf die Moral, denn Lügen ist im Grunde nur negativ zu nehmen als eine Störung der Wahrheit, die Gott der ganzen Natur ausgeprägt ,-QpÜ lEEin DEX, als eine Unterbrechung der Wahrheit, die auch des Menschen Werke und Worte^ abspiegeln. Wie viele Mittel mußte wohl eine andere Sprache aufbieten, um die Lüge in so abschreckender Gestalt zu brandmarken als die hebr. Sprache durch die bloße Bezeichnung 212- In Zauberei treiben sehen wir auch das 2V aber in Bezug aus die Naturkräfte, denn unter Zauberer verstand man wohl den, der in betrügerischer Weise vorgab, daß er die Naturgesetze unterbrechen könne. Blicken wir auf den innigen Zusammenhang dieser einzelnen Bedeutungen, so wird uns wohl der Vergleich mit einer Wasserrose nicht fern liegen. Auf der Oberfläche des klaren See's schwimmen lose und schwank umher Blüthe, Blatt, Knospe und Stengel, verschieden schienen sie aus verschiedener Wurzel entsproßt, doch dringt der forschende Blick tiefer in die Helle Fluth, sieht man daß Blume und Sprosse aus einer Wurzelknolle hervorwachsen. Aus der Erläuterung jener gleichartigen Bedeutungen kann auch hervorgehen, daß die Stärke der Laute der Stärke des Wortinhalts entspreche. Deutlich tritt uns diese Beziehung zwischen Laut und Bedeutung entgegen in den Worten für die verschiedenen Grade des Ausbreitens, ebenso in E2£J7, BEfl BEX, die verschließen in steigendem Verhältnisse bezeichnen. Abgesehen davon, daß die hebr. Sprache wie jede andere die Nachahmung der Naturlaute als gestaltendes Princip in einzelnen seiner Worte zeigt, veranschaulicht sie noch eine gewisse Symbolik für die Bezeichnungen von der Art und Weise des Hervortretens gewisser Thätigkeiten in das Reich des Schalles, so sind in ttW sich freuen und bl üh en die Hellen, klingenden Buchstaben das passendste Lautbild für den Ausdruck des Frohsinns, EW und pi werfen durch die Aehnlichkeit ihrer Beziehungen einen wundersamen Strahl der poetischesten Naturauffassung in unsere Betrachtung; Freude und Blüthe ergänzen sich nach der hebr. Auffassung gegenseitig. Der Jubel ist die tönende Blüthe, die aus der freudeathmenden Brust hervorstürmt, und die Blumen sind die Bilderschrift der Freude, mit der die Erde ihren frohen Dank dem gütigen Himmel kündet, wenn der Frühling beseligend in ihrem Herzen weht. Sogar in der Bildung der verbindenden Partikel, die nur grammatikalischen und logischen Zwecken dienen, entfaltet die hebr. Sprachkraft nach den Gesetzen der Analogie poetische Bezeichnungen. So leitet sie die Bedingungspartikel EX wenn von dem Worte EX Mutter ab, dadurch zeigt sie klar das Verhältniß zwischen Grund und Folge, daß der Bedingungssatz gleichsam die Mutter des Bedingten ist. Wie die hebr. Sprache ihre Eigenthümlichkeit selbst durch die betreffenden Benennungen kennzeichnet erfehen wir unter Anderem, schon aus dem Worte EEX an das sich folgende Bemerkung des Talmud knüpft. Das Wort flEX besteht aus drei bedeutsamen Buchstaben; der erste Buchstabe desselben ist auch der erste Buchstabe des Alphabets, der mittlere und letzte auch der mittlere und letzte im Alphabet. Und das Wort fiEX, das also die Bezeichnung für das Alphabet ist, heißt Wahrheit. Der Wahrheit soll das ganze Alphabet dienen, es soll keinen seiner Buchstaben zu feilen Sklaven verkaufen für Lug und Trug, sonst übt es Verrath an seiner Bestimmung, es soll vielmehr seine Buchstaben nur zu solchen Worten sich vereinigen lassen, die unzweideutig das Uebereinstimmen der Bezeichnung mit dem Bezeichneten und so die reinste Wahrheit zum Ausdruck bringen. Körper und Geist sollen demnach in den Worten vollständig einander entsprechen; wie dieses geschehe, deutet das Wort 7>7>E sprechen an, den b^E heißt eigentlich die reifen Saaten mähen, folglich muß auch der Act des Sprechens dieselbe Thätigkeit nur in anderer Beziehung sein. Das Sprechen ist ein lautes Denken wie das Denken ein leises Sprechen der Seele mit sich selbst ist, wir denken ja in Worten. Die Sprache ist eigentlich schon fertig in unserem Geiste vorhanden, bevor sie wirklich gesprochen wird und das Sprechen hat also nichts anderes zu thun als die auf dem Felde des Geistes gereiften Gedankenähren abzumähen, und zwar dadurch, daß sie sie der Innenwelt entreißt und der Außenwelt in der leiblichen Hülle der Töne übergibt und ein solches Sprechen heißt ™ — (Forts, folgt.) Erklärung der Irruschalmi-Ztelle Aboda Lara I. 9 nnjpEEX *1EX HE Mussafias Erklärung des Wortes NE^EEX genügt keineswegs für den Sinn der angeführten Stelle, ebenso entbehrt die Ansicht des Kecker Hadoroth, daß dieses Wort ein vom. propr. sei, jeder Begründung, erst in jüngster Zeit bezeichnete der gelehrte Juda Löb Borges im „Hamagid" diese Ansicht als „einen großen Jrrthum." Auch Pineles ist in seinem trefflichen „Darko schel Torau mit der Erklärung dieses Wortes nicht sonderlich glücklich. Der Wahrheit am nächsten steht Sachs (Beitr. 1—63), der nnjpEEX mit dem griechisch aßacx.avTa unberufen (vor Neid geschützt) identificirt. Damit ist aber unsere Stelle noch durchaus nicht interpretirt. Was soll dort unberufen bedeuten? Meine Ansicht wäre, daß Jeruschalmi unternnjpEBX nur Rabbi Jochanan verstanden haben konnte, dem nach dessen Aeußerung XttTB xry ITE XB^ X^N ffjtor JHTE X2X (Berachoth 20) allerdings das Epitheton unberufen beigelegt werden durfte. Für die Richtigkeit dieser Combination spricht auch der Zusammenhang mit der frühern Stelle, wo ein Lehrsatz im Namen des R. Jochanan citirt wird, worauf sich eben unsere Jeruschalmi-Stelle bezieht. Prag. J. P—g. Robert pruh über das Iudeuthum und die Literatur der Gegenwart. Der bekannte Literarhistoriker Prof. Robert Prutz, Herausgeber des „Deutschen Museums", hielt im März mehrere äußerst interessante und lehrreiche Vorträge im Musiksaale der Universität zu Breslau, von denen wir besonders den vierten hervorheben und Einiges aus demselben hier mittheilen wollen, da er den Einfluß des Judenthums auf die Lireratur der Jetztzeit oder besser der letzten Jahrzehnte behandelte und darum gewiß auch für die Leser dieses geschätzten Blattes von Interesse sein dürfte. Das Sujet dieses Vortrages war eine Charakteristik Börne's und Heine's, derselben schickte er etwa Folgendes voraus: Was Göthe und Schiller für die klassische Literatur gewesen, das seien B.! und Hfür die Literatur der 30er-Jahre, die Tonangeber,! die Stammväter für die nachfolgende Zeit. Beide gehörten dem Judemthume an, und obwohl sie das christliche Bekenntniß annahmen, so haben sie doch kein Hehl daraus gemacht, daß sie nur äußere Gründe hierzu bewogen hätten. Börne sagte bekanntlich, er bedauere in seinem ganzen Leben nichts mehr, als die 3 Louisd'ors, die er dem Pfarrer gegeben, der ihn getauft habe. — Wir sind also berechtigt, sie als Juden zu betrachten, und sie sind nicht die einzigen Juden, die in neuester Zeit in hervorragender Weise gewirkt, sondern sie sind auch in dieser Beziehung die Stammväter eines zahlreichen Geschlechtes. Viele in Kunst, Poesie und Wissenschaft ausgezeichnete Männer sind dem Judenthume entsprosfen. Dieser Umstand ist von gewissen Namenchristen, die die Religion der Liebe nur zum Deckmantel ihrer Gehässig-

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