Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 6 (15.3.1868)
- Date
- 1868-03-15
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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47 Saadjas arabischer Midrasch zu den Zehn Geboten, herausggeben, ins Hebräische und Deutsche übertragen von Wilhelm Eisenstädter, Doktorand der Philosophie — Wien 1868. Eine arabische Scharteke ohne Geist und Poesie, eine geschmacklose Sauce zu den Zehn Gebothen, der zu einer Homilie die Gedanken, zu eiuen Gebete Schwung und Wärme fehlen, das Product eines hohlköpfigen orientalischen Juden, dem ein hohlköpfiger Schreiber oder Setzer die Vaterschaft Saadja's gegeben hat, wird hier vom Herrn Eisenstädter in ein hartes Hebräisch und zum Ueberfluße in ein eben so hartes deutsch übersetzt. Das mit hebräischen Lettern geschriebene arabische Original ist im Besitze des Herrn Dr. Jellinek in Wien, auf dessen Antrieb auch der Uebersetzer seine literarischen Sporen auf diesem sterilen Gebiete erwarb, und dem das Schristchen auch gewidmet. Wir sehen in der ganzen Arbeit weder einen Gewinn für die Literatur noch für das Publikum, es wäre besser solche Armseligkeiten der Literatur dcr Vergessenheit preis zu geben als sie durch Uebertragungen in tobte und lebende Sprachen bloß zu stellen. Die jüdische Literatur hat noch gemrg große dankbare Gebiete, die wir dem Fleiße des strebsamen Verfassers mehr empfehlen würden. Anstatt der hier überflüssigen Biographie Saadja's hätten wir einen bibliographischen Nachweis über das Original erwartet. Ist es Manuscript oder Gedruckt, aus einem größeren Codex oder Volumen, oder allein? Uns dünken diese Umstünde wesentlich im Interesse des großen Saadja's, der dadurch von einem unterschobenen Geisteskinde befreit werden könnte. Wir ersuchen Herrn Dr. Jellinek über diesen Punkt Aufklärung zu geben. Auch können wir es nicht billigen, daß Herr Eisenstädter das Schristchen „Midrasch" nannte, man weiß da nicht recht, ist der Ausdruck etymologisch oder technisch zu nehmen. — Un errore di trenta secoli, akademische Rede gehalten von Dr. G. Barzilai am 26. Jänner 1868 — Triest. Der durch mehrere poetische und exegetische Arbeiten vortheilhaft bekannte Verfasser sucht durch eine einfache Erklärung einiger Verse des IO. Capitels im Buche Josua einen dreitausendjährigen Jrrthum, wie er die Annahme, daß Josua die Sonne stille stehen hieß, bezeichnet, zu berichtigen. Nach seiner Erklärung hatte es Josua mit nichts anderem als mit einer Sonnenfinsterniß zu thun. Obgleich auch dadurch noch nicht alle Schwierigkeiten des Textes geebnet erscheinen, verdient doch die geistvolle und kritische Methode der Behandlung alles Lob, das wir dem Vers, auch bei seinen frühem Arbeiten zollten. R. Prag im März. Das „Abendland" stets bestrebt jedes schöne und gottgefällige Vorhaben zu fördern, jedes Ereigniß, welches bekundet, daß der alte fromme Sinn in Israels Mitte noch immer webt und lebt, zu registriren, um hiedurch in weitern Kreisen, wenn es sich um einen humanen oder religiösen Zweck handelt,;u gleichein Eifer und zu gleicher Willigkeit auszumuntern, wird gewiß keinen Anstand nehmen, folgende edle und fromme Handluug der Frauen der hiesigen Tempelgemeinde seinen vielen Lesern bekannt zu machen. Dem Beispiele ihrer Mütter folgend, welche, wie die h. Schrift berichtet, bei Errichtung des ersten Gotteshauses vor beinahe vier Jahrtausenden in hervorragender Weise sich betheiligten, haben dieselben den Entschluß gefaßt, unter allen weiblichen Mitgliedern dieser Gemeinde Beiträge zu sammeln, welche auf' die innere Ausschmückung und Verschönerung des jetzt in Bau begriffenen Tempels verwendet werden sollen. Zur Ausführung dieses Entschlußes wurden 4 Damen, die Frauen: Kamline Stark, Bertha Polak, Julie Frankl und Anna Frschl gewählt. Diese unterzogen sich bereitwilligst der um dre,e Jahreszeit beschwerlichen Aufgabe, bei den einzelnen Hausfrauen Spenden zu sammeln. Aber wie schön und reichlich fanden sich diese edlen Damen für ihre Mühe belohnt, als das Ergebniß der Sammlung alle ihre Erwartungen ubertraf, und die gesammelten Scherflein die Summe von mehr als 5000 fl. öst. Währ, ausmachten. Das beiliegende Gefühl, welches das Bewußtsein, zur Errreichung eines so frommen und edlen Zweckes soviel beigetragen zu haben, gewährt, wird länger anhalten als die Erkältung, welche sich etwa die eine oder andere der wackern Sammlerinen zugezogen hat. Als das gesammelte Geld dem Tempelvorstande übermittelt wurde, beschloß dieser, die Summe für die Anfertigung des Aron-Hakodesch-Tabernakel zu verwenden. Der Anblick desselben wird gewiß in jeder Frau, so oft sie das Gotteshaus besucht, ein freudiges und erhebendes Gefühl Hervorrufen. Da die Witterung nunmehr dem Bau günstig ist, so schreitet dieser rasch vorwärts, und schon werfen 2 vergoldete „Davidswappen". von den Strahlen der Mittagssonne beschienen, ihr Licht in die düstere Josefstadt hinab. Ueberhaupt scheint es, daß der Tempel in seiner Vollendung an äußerer Pracht und Schönheit den in den letzten Jahren in verschiedenen Städten erbauten großartigen Gotteshäusern nichts nachgeben wird. Sk. Locale und auswärtige Uotizen. Brünn. Die historisch-statistische Section der k. k. mährisch-schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde hat in ihrer Sitzung vom 27. Februar '868 den Redakteur dieser Blätter zu ihrem wirklichen Mitgliede gewählt. * Der Rechenschaftsbericht der israel. Cultusgemeinde in Brünn für 1867 wurde von der Finanzleitung derselben veröffentlicht, der uns das erfreuliche Bild eines wohlorganisirten und trefflich verwalteten Gemeinwesens liefert. Die Gesammt-Einnahmen betrugen 23,014 fl. 49 kr., die Ausgaben 24,444 fl. 55 kr. Die einzelnen Verwaltungszweige, wie Tempel, Religionsschule, Chewra Kadischa u. s. w. erscheinen in gesonderter Verrechnung. Aus den dem Berichte vorangehenden allgemeinen Bemerkungen entnehmen wir folgende Stellen: „Der Tempel ist derart besetzt, daß schon viele Betstühle von mehr als einer Person benützt sind, was die Aufrechthaltung der dem Orte angemessenen Ordnung beeinträchtigt. Wir sind nicht mehr in der Lage, neuen Mitgliedern in der Gemeinde Plätze im Tempel anzuweisen. Eine Vergrößerung desselben stellt sich daher schon jetzt, jedenfalls aber in naher Zeit, als unabwendbar heraus." „Rücksichtlich der Chewra Kadischa ist die Thätigkeit dieses Instituts für Krankenpflege und Leichenbesorgung leicht ersichtlich und sprechen die Ziffern in beredter Weise von den Leistungen dieses Instituts. Wenn wir nicht nnterlassen können unser Bedauern anszusprechen, daß die Zahl der Beitragenden im argen Mißverhältniß zur Zahl der wohlhabenden jüdischen Bevölkerung steht, müssen wir hingegen ehrend der Gönner des Instituts erwähnen, welche dasselbe in Freuden- und Trauertagen sowie bei verschiedenen Gelegenheiten mit außerordentlichen Spenden bedenken." — * Bezüglich der in der vorigen Nr. des „Abendland" gebrachten Recension des Herrn Dr. N. Brüll über die Earmoly'sche Schrift geht uns von unserem Freunde, Herrn Salomon Kohn in Prag, eine Berichtigung zu, welche die Ableitung des Namens „Rappoport", wie sie Carmoly gibt, sehr in Frage stellt. Herr Kohn hat aus dem Munde des selig. Oberrabbiners Rappoport eine andere Ableitung dieses Namens gehört. Nach dieser Mittheilung habe ein Urahn der Familie als Arzt in Porto in Portugal gelebt, und sich unter Jenen befunden, denen es bei einer der auf der pyrenäischen Halbinsel oft wiederkehrenden blutigen Judenverfolgungen gelungen zu entkommen, daher der Name Rappoport, der ursprünglich XSTl (Arzt in Porto) gelautet haben mag. R. * Die Diäten und Reisepauschalien für die nicht in Brünn wohnhaften Mitglieder der beiden Comite's, die in der Schulfrage und in der Proseminarangelegenheit hier ihre Berathungen zu Ende führten, sind von 'der hoh. k. k. Statt-