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Das Abendland · 1868-03-15 · 6 (15.3.1868) · p. Seite 46

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
6 (15.3.1868)
Date
1868-03-15
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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46 zufügen. Der Name Sirkes rührt wahrscheinlich von dem Namen seiner Mutter her, die Sara geheißen haben mochte, welcher Name im polnischen Idiom Sarka oder Serka genannt wird (Beth-Samuel zu Eben ha-Eser lit. und »^). Es war unter den Israeliten bis vor einigen Dezennien noch Sitte, daß man dem Sohne^ zur besondern Bezeichnung den Namen seiner Mutter als Epitheton beitegte, wie: Samuel Edeles, Moses Ribkes, Moses Hendels, Joses Chaneles u. a. m. In der Folge dürfte unserem Sirkes der Mutter- Name als Beiname geblieben sein, es wäre demnach die richtigste Leseart Sarkes oder Sirkes. Was dessen Geburtsort betrifft, läßt sich vorderhand schwer ermitteln. Aus einer Angabe im 158 G. seiner Resp. wo er sich rühmt als Knabe in Lublin in Salomo Lurias Synagoge vor dessen Gegenwart allsabbatlich die Haftara vorgetragen zu haben*), sowie er auch an mehreren Stellen seiner besagten Resp. Erwähnung thut, daß er in Lublin seine Jugend verlebt habe, dürfte muthmaßlich angenommen werden, daß benannter Ort seine Heimat gewesen. Dieser oben angeführten Angabe zufolge dürste sein Geburtsjahr etwa auf 1565 zu setzen sein, weil er daselbst, wie schon erwähnt, berichtet, in seinem zarten Knabenalter in Gegenwart Lurias die Haftara jeden Sabbat vorgetragen zu haben. Und da bekanntlich dieser 1573 (vergl. Gans, Jechiel und De-Rossi) nach andern 1575 mit Tod abging; nehmen wir annäherungsweise an, daß er bei letztgenanntem Absterben acht oder zehn Jahre alt gewesen, so käme — da wir wissen, daß er 1641 gestorben — unser oben besagtes Datum heraus. Außer Salomo Lublin nennt er noch den R. Zebi Hirsch Schorr als seinen Lehrer. (Vgl. Bajit Chadasch zu Orach Chajim C. 447). Sirk. unterhielt eine ausgebreitete Correspondenz; von Nah und Fern strömten ihm von den größten rabbinischen Autoritäten seiner Zeit die schwierigsten gutachtlichen Anfragen zu, die er meistens mit großem Geschick löste. Sirk gehörte zu jenen Geistern, dem der riesige Lehrstoff des Talmuds sammt dessen Nebenliteratur mit seinem Gehäuse von Lehrsätzen und einander überrennenden Aussprüchen und Meinungen wie ein scharfgezeichnetes, engrahmiges Bild vorlag. Aber bei all' seinem immensen Wissen scheint er nicht jene tiefe Eingedrungenheit in den Stoff zu besitzen, um aus dem Gewirre der verwickelten, sich oft widersprechenden halachischen Themata den rechten Leitfaden herauszufinden. Daher kommt es auch, daß sein Werk der scharfen Kritik, dem allgemeinen Tadel und den heftigsten Angriffen späterer Rabbinen unterworfen wurde,wie vonMoses Wilna, Abr. Gumbiner (in seinem ETDX pft), ja sogar von seinem eigenen Schwiegersöhne, der in seinem Ture Sahab meist den Beth Joses in Schutz nimmt, die Einwürfe seines Schwiegervaters gegen jenen zu entkräften sucht, und erglüht aus Liebe zur Wahrheit, manches herbe Wort gegen ihn ausstößt. — Aber am heftigsten zieht wider ihn zu Felde jener scharfsinnige Dialektiker nnd gründliche Kasuist Sabbatai Kohen. Entrüstet ob seiner begangenen Jrrthümer und *) Demzufolge wäre die Meinung des Herrn Klemperer, welcher in einer Note zu seiner im Paschelischen Kalender vom Jahre 1862 erschienenen Biogr. des S. Luria behauptet, daß dieser nie in Lublin als Rabb. fungirt hätte, wenn auch das Titelblatt zu dam schel Schlomo Beza und Chullin edit. Offenbach ihn Ab Beth-Din nennt und zu Lublin leben läßt-, und daß er überhaupt nirgends eine Spur finden konnte, daß besagter Luria in derselben Stadt seine Wohnstätte gehabt, widerlegt: da wir aus der obigen Angabe, wo der Passus erwähnt wird, daß Sirk. in dessen Synagoge vor seiner Gegenwart jeden Sabbat die Haftara vorgetragen habe, ersehen, daß er dort domizilirt haben mußte. Und unsere Behauptung gewinnt um so mehr an Wahrscheinlichkeit, wenn wir noch diesen Umstand erwägen, daß er einerseits mit seiner Gemeinde in Ostroh zerfallen, und daher nicht im besten Einklänge mit ihnen lebte, anderseits — wie wir aus dessen Resp. (G. 16) ersehen — ihm von Seiten seiner eigenen Schüler die größten Kränkungen zugefügt wurden, wo er in Folge deren auch wirklich eine Zeit lang unstät daherreiste (ibid. G. 20), auch leicht möglich ist, daß er sich nach Lublin begeben und dort einige Zeit, wenn nicht als Rabbiner, doch wenigstens als Schulrektor odar Dajan fungirt habe. Schnitzer, mit denen er gegen diese größten Koryphäen der rabbinischen Welt auftritt und ihre Entscheidungen in einem wegwerfenden Tone für falsch erklärt, tritt er für sie in die Schranken, und reißt ihn (in seinem Aruch zu Tor Jore Dea) schonungslos vor der Welt herunter. Bei allem dem gilt Sirk. dennoch bei der rabbinischen Welt als eine talmudische Autorität und er kann füglich an die Seite der größten Decisoren gesetzt werden. David Holub. CorrespondenM. Brünn. (Literaturbericht.) Herr Dr. S. H. Sonnenschein, Rabbiner und Prediger der Neu-Synagoge in Prag, gibt seit Neujahr 1868 eine homiletische Monatsschrift heraus, von der uns bereits 2 Hefte vorliegen. Diese enthalten nebst einigen Aussätzen vom Herausgeber mehrere Easualreden von Mannheimer, Jellinek, Fasset, Stein und dem Herausgeber, auch Bibliographie der neuern Erscheinungen auf jüdischem Gebiethe. Obgleich derlei Hilfsmittel für angehende und angegangene Prediger mitunter der geistigen Trägheit und Unselbstständigkeit der Kanzelredner mehr Vorschub leisten als deren Streben für Vervollkommnung und Ausbildung ihrer rhetorischen Begabung, so läßt sich doch nicht leugnen, daß bei strebsamen Talenten schöne Muster zur Prüfung der eigenen Kraft anregen, und insofern wünschen wir dem Unternehmen den gedeihlichsten Erfolg. Nur das Eine möchten wir bemerken, daß gerade für den angestrebten Zweck Easualreden, bei denen der momentane Eindruck und daher die gewinnende Form den Ausschlag geben, weniger zur Förderung der Homiletik geeignet erscheinen als gewöhnliche Sabbath- oder Festtagsvorträge, die einen nachhaltigen Eindruck bewirken sollen, und in denen auch die ästhetisch-regelrechte Behandlung des Thema's und des Textes prägnanter hervortreten können. — Die Bibliographie in diesen 2 Heften ist äußerst mager, und muß sich erst zur eigentlichen Recension emporschwingen, wenn sie auf Beachtung Anspruch machen will.— „Die Emancipation des jüdischen Eultus. Ein dringender Mahnruf an die israel. Eultusgemeinden Ungarns von Prof. Leo Jeiteles. Arad." — Bei dem Umstande, daß gerade jetzt die Eultusangelegenheiten der ungarischen Israeliten in Berathung gezogen werden, ist der Mahnruf des wackern Vers, ein Wort zur rechten Zeit. Daß namentlich der Eultus in Ungarn der Verbesserung bedarf, ist allgemein anerkannt, doch der Vers, wünscht im Allgemeinen eine Reform der religiösen Zustände, und es ist in der Broschüre nicht klar ausgesprochen, welche positive Fragen er als Ziel einer befriedigenden Lösung hinstellt. Bei der unleugbaren Krisis, der das österreichische Judenthum durch die neue Stellung entgegengeht, und aus der es wie wir hoffen, unter Gottes Beistand gekrästigt und neugestärkt hervorgehen wird, ist von den Männern, die sich berufen fühlen, ein Wort mitzureden, die Klarheit der Intentionen vor Allem ernstlich zu fordern. Wem da der Muth einer Minung fehlt, der wird auch zur Lösung der schwebenden Fragen wenig beitragen. Dennoch schätzen wir in dem Vers, einen begabten Kämpfer für den Fortschritt, der jedenfalls durch sein geistvolles Schriftchen eine Anregung zum Guten gab, die bei den religiösen Verhältnissen in Ungarn alle Achtung verdient. Der Styl ist blühend, und die Wärme, welche das Schriftchen ausstrahlt, wird gewiß nicht verfehlen, die bedeutenden Fortschrittselemente, die sich im jüd. Ungarn vorfinden, zu kräftigen und wach zu erhalten. — „Der Feststraus, ein Bild des Judenthums. Rede, gehalten am Sabbat Chol Hamoed in Gaya von Dr. M. Duschak. Pest, 1867." Wie schon viele Prediger vor ihm hat auch Herr Dr. Duschak die Symbolik der vier Pflanzengattungen am Sukkotfest als Thema seiner Predigt gewählt. Die Anwendung ist fast aus dem Titelblatt ersichtlich, und die Ausführung können wir nur als eine treffliche bezeichnen, wie es eben von einem so bewährten Redner zu erwarten ist. —

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