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Das Abendland · 1868-03-15 · 6 (15.3.1868) · p. Seite 43

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
6 (15.3.1868)
Date
1868-03-15
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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43 geweiht, ist an der Grundfläche 682' »ng und 180' boch, während die egyptische Pyramide von Mycerinos 280' Mg, 162' hoch, und die von Cheops 720' lang, 448'hoch ist. Der Tempel, den hietzahnaleojotel, der kunstsinnige edle König von Tezcuco. dem „allmächtigen unbekannten Gotte" (Teoti) erbauen ließ, hatte einem Thurm, der zehn Stockwerke enthielt. Wie die egyptischen, sind auch die mexikanischen Baudenkmäler mit Skulpturen und Hieroglyphen bedeckt, auf die wir noch bei den Ableitungsversuchen von Nachbarvölkern der Israeliten zurückkommen. Erstaunliches leisteten fte ut öer Astronomie. Sie hatten eine genauere Zeiteintheilung und richtigere I chresbestimmung als die gleichzeitigen civilisirten Völker Eurovas*). — Den klarsten Ausschluß über ihre Zeitmessung erhielt man durch den im Jahre 1790 in Mexiko ausgegrabenen Kalenderstein. Sie kannten die Ursache j der Sonnenfinsterniß, sie berechneten Zeiten der Sonnenwenden, Nachtgleichen, den Durchgang der Sonne durch den Zenith von Mexiko.**) Wissen und Bildung waren hoch in Ehren; zu ihrer Hebung und Förderung bestanden zahlreich wohlorganisirte Anstalten, welche bei Völkern, die von den Culturhistorikern in die passive Rasse verwiesen werden, um so mehr unsere Bewunderung erregen müssen. Durch Anlegung und Erhaltung von Menagerien, botanischen Gürten — in Europa ward der erste zu Padua im I. 1445 angelegt — mannigfache ausgedehnte Naturaliensammlungen und wohlgetrosfene Abbildungen erlangten die Naturwissenschaften einen verhältnißmäßig hohen Aufschwung. In ausreichender Zahl waren öffentliche Schulen errichtet, in denen die Jugend bis zur Verheiratung verblieb und in den Göttermythen, in Sittenlehre, Geschichte, Beredsamkeit, — die sehr eifrig gepflegt ward — Naturwissenschaften, Poesie, Malerei und verschiedenen Kunstfertigkeiten von den Priestern unterichtet wurden. Den nachhaltigsten Impuls zur Verbreitung des Wissens hatte König Netzahualcojotl gegeben. Er berief Gelehrte und Künstler an seinen Hof, er errichtete für Wissenschaft und Kunst einen eigenen Gerichtshof, den „Rath der Musik", welcher alle Schriftwerke und sonstige Produktionen zu prüfen und über deren Werth zu entscheiden hatte. Es wurden Preise vertheilt, dafür aber mußte der Schriftsteller auch eine arge Verletzung der Wahrheit mit dem Tode büßen. Jener Areopag hatte überdies die Lehrer für die *) Das Jabr war in 18 Monate zu 4 Wochen, jede zu 5 Tagen eingetheilt. In den Monat Jtzkali wurden 5 Tage eiugeschoben. Um den jährlichen Zeitüberschuß von 5 Stunden, 4L Minuten, 10 Sekunden auszngleichen, schalteten sie alle 52 Jahre 12'/.z Tage ein. Das Sonnenjahr hat nach Zach genau 865 Tage 5" 48' 45", nach der Berechnung des Khalifen Almamon um 2' weniger. Die alten Etrusker zählten das Jahr zu 365 D., 5° 40' (Niebuhr, Geschichte v. Rom 1—115), der julianische Kalender zu 365 T. 6« 15' — also wich die mexikanische Berechnung nur um 2' 35" von der unseligen ab und nähert sich fast ganz der Almamon'schen, während die des jul. Kal. um 11' 15" von der richtigen differirt. La Place, Exposition du System du Monde 350. Zur Zeit der Entdeckung Amerikas waren die Europäer in der Jahresbestimmung um 10 Tage hinter den Mexikanern zurück. Erst Papst Gregor XIII. — von welchen der übliche Kalender den Namen erhielt — verordnet 1 auf Anrathen des Astronomen Lilius, daß man vom 4. October < 1582 unmittelbar auf den 15. übergehe und daß in Zukunft jedes ( Secularjahr, das durch 400 nicht ohne Rest theilbar sei, ein gemei- 1 nes Jahr sein soll. Ein Zeitraum von 400 Jahren ist nach dem gre-! gorianischen Kalender um 3 Schalttage kürzer als nach dem juliani- , scheu. Nach der richtigen Berechnung, die daS Jahr auf 365 Tage 5» 48' 45" bestimmt, mußten aber schon in einem Zeitraum von 384 Jahren drei Schalttage entfallen; mithin ist das gregorianische Jahr um 27" größer als das wirkliche und 365 T. 5° 49' 12" lang. Die Protestanten schlossen sich erst im I. 1700 in Folge der Bemühungen von Leibnitz der gregorianischen Rechnung an und gingen vom 18. Februar unmittelbar auf den 1. März über. Die Christen des griechischen Ritus zählen bekanntlich noch immer nach dem julian. Kalender, der um 11' 15" von der Wahrheit abweicht, während der alte mexikanische nur um 2' 35" hinter derselben zurückbleibt. **) Carli, Lettres Amercaines I.—23, sagt hierüber: II faut donc supposer chez ces peuples une suite d’observations astronomiques, une idee distincte de la Sphäre, de la declinaison de l’äcliptique et l’usage d’un calcul concernant les jours et les heures des apparitions solaires. Unterrichtsanstalten zu prüfen und diese zu überwachen. Der tezcucarische Mäcen creirte auch eine Art Akademie, in der approbirte Aufsätze öffentlich vorgelesen wurden. Der Sinn für Wissen hielt gleichen Schritt mit der ungewöhnlichen Bildungssähigkeit der Jugend. Humboldt rühmt noch ihren Epigonen nach: „Der Ernst zeichnet die indianischen Kinder schon besonders aus, die in einem Alter von vier Jahren! viel mehr Verständnis und geistige Entwicklung bekunden als die Kinder der Weißen." Die Rechtspflege ward mit drakonischer Härte gehandhabt, wahrscheinlich um den leidenschaftlichen Ungestüm des mexikanischen Temperamentes einzudämmen und den jähen Umschlag der Stimmung zu zügeln. Justiz-, Steuer- und Polizeiwesen war umsichtig und strenge. Verletzungen der Wahrheit, der Mäßigkeit, der Keuschheit, des Gehorsams gegen die Eltern wurden nachsichtslos bestraft, auf die leichtesten Vergehungen der Priester und Richter war der Tod gesetzt. Dem Urtheil des obersten Richters, Cihnacoatl, konnte selbst der König nicht entgegenwirken. Die Behandlung der Sklaven, die zumeist aus solchen bestand, die sich aus Noth selbst verkauften, war eine äußerst milde. Kein Herr durfte seinen Sklaven weiter verkaufen, oder ihn selber bestrafen. Dieses war Sache des allgemeinen Gerichtshofes, des Tlacatecatl. Wer einen entflohenen Sklaven auslieserte, verlor die Freiheit. Und trotz alldem — welch' furchtbarer Contrast! — ein Menschenopsercultus, wie er vereinzelt dasteht in der ganzen Geschichte menschlicher Verirrungen; ein Cultus der nicht wie bei andern wilden Stämmen die volksthümlich gewordene Anthropophagie beschränken oder weihen sollte, der vielmehr das Volk zu Antropophagen erzog. Nach Acosta's Angaben erreichte unter Montezuma II. die Zahl der Opfer an einem Tage 20,000; nach Berual Diaz wurden jährlich 3000 Menschen geopfert. Bei der Einweihung des großen Tempels des Huitzilopochtli im Jahre I486 bluteten 80,000 unter den Händen der Priester (Teoquixqui genannt). In einem Huitzompau, einem Gebäude, in welchem die Schädel der Geopferten aufbewahrt wurden, zählten die spanischen Eroberer über 100,000 von dieser spolia opima der gräuelvollsten Schlächterwuth. Die Schrecken der tierra caliente und der paradiesische Zauber oer tierra templada im mexikanischenLändergebiete, sie verschmelzen noch harmonisch im Vergleiche zur entsetzlichen Dissonanz zwischen Gesittung und Barbarei in der mexikanischen Cultur. *) König Wenzel II. Iudenrechte zu Brunn mitgetheilt von Leopold Wolf in Prag. (Schluß.) 1. Daz erst recht. Des ersten haben wir verordnet: in Betreff eines beweglichen Gutes, oder sonst eines Gutes, die eines Inden Person oder sein Gut angeht, soll kein Christ wider einen Juden ein Zeugniß abgeben, außer ös seien ein Jude und ein Christ die Zeugen. 2. Für den Fall, daß ein Christ einen Juden beschuldigt, er habe ihm sein Pfand versetzt, und der Jude läugnet es ab, und der Christ will dem Worte des Juden keinen Glauben schenken, so schwöre der Jude in Betreff eines solchen Pfandes, von dem der Christ vorgibt, er habe es ihm versetzt und fei dem Christen gegenüber einer jeden Verpflichtung ledig. 3. Wenn ein Christ bei einem Juden ein Pfand versetzt und gibt vor, er habe es um einen geringeren Betrag versetzt, als der Jude angibt, so schwöre der Jude in Betreff des *) Vgl. z. 0. Clavigero, Storia. I., 188 ... 480 . . . II., 112 .. . 186 . . . Humboldt, Monuments Americains 24 .. . 70 ... Vues des Cordilläres 26 ... 80 . . . Essai pol. 370. . Prescott, Hist, of Mex. I., 20 . . 60 . . 240, 327, 472 ff n. Sahagun, hist. d. n. E. 12, c. 1; Ixtlilxochitl c. 74, Acosta 7, 22;Martyr5—10- Zurita, Kapport.. . 22, 50. u. a. A. Müller Geschichte der Urre ligionen. 490 ff. *

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