Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 5 (1.3.1868)
- Date
- 1868-03-01
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 39 — * Der „Hebrew Leader" in Neu-Iork bringt eine englische Uebersetzung des Aufsatzes im „Abendland": — „Eine Episode aus dem Leben Voltaires" von unserem geschätzten Mitarbeiter Herrn Leopold Wolf in Prag. Die Gedächtnisrede des Herrn Prof. Dr. Kämpf in Prag auf den selig. Rappoport, wurde von des Letztem Schwiegersohn, Herrn I. Bodek in Leipzig, im Hamagid ins Hebräische übertragen. * Bei der am 27. Februar stattgehabten Sitzung der hiesigen Cultusgemeinde-Repräsentanz wurde Herr J.U. Dr. Singer, ein geborner Mährer, zum Secretär der Cultusgemeinde mit Stimmenmehrheit gewählt. * Frau Caroline Gomperz-Bettelheim wurde in der am 27. d M. abgehaltenen Generalversammlung des Brunner Musikvereines wegen ihrer großen Verdienste um die Tonkunst mit Acclamation zum E h re Mitglied e des Brunner Musikvereines gewählt. Wien. Herr Oberkantor Sulzer hat von der Großfürstin von Rußland für die Uebersendung seines 2. Theils des Schir-Zion eine kostbare Brillant-Busennadel erhalten. (Hebrew Leader.) Prag. Das Prager juridische Doctorenkollegium beschloß an die Regierung das Ersuchen zu stellen, den Unterschied zwischen Doctor juris utriusque und civilis aufzulassen, vier Rigerosen beizubehalten und die Israeliten zur Ablegung des Rigorosums aus dem Kirchenrecht zu verpflichten. (Jsr.) Berlin. Das Haus der Abgeordneten hat der Provinz Hannover eine halbe Million Thaler für besondere Provinzialbedürfnisse bewilligt. Darunter ist auch eine Subvention von 5000 Thalern, welche die frühere Regierung dem jüdischen Cultus zukommen ließ. Nürnberg. In Baireuth und Fürth wird der k. Advocat, Herr Dr. Frankenberger (Jsraelite), von hier als Candidat für das Zollparlament bezeichnet. Karlsruhe. Unser Glaubensgenosse, Herr Ministerialrath Ellstädter von Karlsruhe, ist zum badischen Finanzminister ernannt worden. München. Gelegentlich der bevorgestandenen Vermählung unseres Königs - war von dem Vorstand der Cultusgemeinde München ein Aufruf zur Gründung eines Waisenhauses an die Gemeinden ergangen, der auch seinen Hauptideen nach verdienten Anklang gefunden hat. Aber alsbald war die Hyperorihodopie in ihrem Organ bei der Hand, solche Schritte zu verdächtigen, da schon in Fürth ein Waisenhaus sei, das zugleich das Privilegium der Rechtgläubigkeit als die beste Bürgschaft in sich trage. Wir sehen davon ab, daß gerade dieses Institut, welches jetzt erst seine Statuten zur Aufnahme von nicht in Fürth gebornen Waisen änderte, seiner Richtung nach ein anderes Waisenhaus, das zeitgemäßen: Prinzipien Raum schafft, nöthig macht, überdies auch nur Knaben aufnimmt; denn die eingetretenen Umstände haben den ganzen Plan vorläufig begraben. Aber warum ignorirt man denn die prinzipielle Aenderung, welche sich in Rücksicht auf die Erziehung der Waisen herausgebildet hat? Hat sich doch die Erziehung in Waisenhäusern überlebt und die zweckmäßigere, weit billigere und mit geringeren Mitteln ausführbarere Familienerziehung wird allerwürts als besser erkannt! Zeuge dessen ist das Verfahren des Centralausschußes des baierischen Lehrervereins und des Direktoriums des Waisenhauses in Leipzig! Hier sollte man doch aus das Urtheil der pädagogischen Welt Gewicht legen, ehe man seine Plane in die Welt hinaussendet! Diesem Sachverhalt hat unser Verein, unser „Achawa" la. auch Rechnung getragen und wir erreichten durch Unterstützung , der Witwen gleich im ersten Jahre des Vereinswirkens das, was ein in's Leben zu rufendes Waisenhaus erst nach langer Zeit erlangen kann. Dabei lassen wir der Mutter ihre Kinder, die sie gewiß nur mit schwerem Herzen den Händen bezahlter Subjekte hingibt und bewahren die Kinoer selbst vor einseitiger Erziehung bei leichterer Ueberwachung. Deshalb sollten Gemeinden, besonders aber Lehrer eine regere Bethätigung an den Tag legen durch zahlreichem Beitritt und häuflgere Spenden, und die Mitglieder mehr wirken durch zu veranstaltende persönliche Sammlungen in ihren Gemeinden bei festlichen Gelegenheiten. (D. Jsr. Lehrer.) Suchschau. ö-nsaan nnatra btr porrm rbvbw nip orfriri' ni awb* m: ]wü w nnam «rinn ranran nprsnTis& '' dis^t rron (Ila-Orebim u-bene Jona, die Geschlechtskette der Familie Rappoport und der Familie Jungetauben, von Rabbiner Eljakim Carmoly, Rödelheim, I. Lehrberger und Comp. 5621 [1861]). Der Biograph, dessen Aufgabe darin besteht, den Lebensgang eines großen Mannes zu zeichnen und den Fernerstehenden das Geheimniß seiner geistigen Entwickelung klar zu machen, wird, um seinen Helden wahr und vollkommen darzustellen, auch die Momente hervorznsuchen haben, die bestimmend und richtend auf denselben eingewirkt haben, und wenn er den ersten Gründen des Gewordenen nachgeht, wird die Familie desselben, deren Bewußtsein und Ueberlieferungen zunächst anregend auf seinen kindlichen Geist wirkten, die demselben angeboren oder wenigstens anerzogen sind, ihm nicht gleichgiltig sein können. Von diesem Gesichtspunkte aus wollen wir den Biographen des seligen Rappoport— und solche könnten, wenn sie ihre Aufgabe richtig verstehen, sich wie dem Verewigten ein schönes Denkmal setzen — die überschriftlich genannte Schrift Carmoly's besonders empfehlen. Die Geschichte der alten Gelehrten-Familie Rappoport ist mit ebenso viel Fleiß und Quellenstudium bearbeitet, wie die Anordnung eine sorgfältige und die Darstellung eine sehr anziehende genannt werden kann, und, da auch über die Lebens-, und Zeitumstände anderer Gelehrten und historischer Persönlichkeiten darin manche interessante Aufschlüsse geboten werden, so werden Geschichtsforscher und Bibliographen darin viel Anregendes finden. Der Name der Familie Rappoport lautete nach des Verfassers wohlbegründeten Ansicht zuerst „Rabe" und dies, sowie der Umstand, daß Abraham Menachem b. Jakob Rapa sich als „Aschkenasi bezeichnet, weist auf die deutsche Heimat dieser Familie hin. „Rabo oder Rave ist ein im Altdeutschen oft vorkommender Zuname" (Universal-Lexikon Artikel „Zuname" S. 32); Etwa im Jahre'.453 wanderte in Folge der durch Capistrano veranlaßten Judenverfolgungen.die Familie Rabe aus und besetzte sich in Porto, in Italien, wornach sich ihr Name zu der Form „Rapa-Porto" gestaltete; doch bestehen in Italien lange Zeit hindurch für verschiedene Linien dieser Familie die drei Namen, Rapa, Rapaport und Portorapa. Die Entwickelung, Ausbreitung und Verzweigung dieser drei nur dem Namen nach verschiedenen, aber aus einer Wurzel entstammten Familien weist der gelehrte Verfasser mit reicher Quellenkunde und in lichtvoller Klarheit nach; wir begleiten sie auf ihren Wanderungen, wir erkennen sie in ihren Ansiedelungen, wir betrachten sie in ihrer literarischen und priesterlichen Wirksamkeit, wir sehen vor unseren Angen den Jahrhunderte durch ragenden Bau ihrer Geschlechter sich erheben. Carmoly verfolgt ihre Geschichte in Italien, in Polen, in Palästina, in Mähren und in Ungarn, zählt jedes einzelne Mitglied dieser vielverzweigten und weit ansgebreiteten Familie auf, über welches nur irgend eine Notiz vorhanden ist und weiß durch werthvolle Auszüge aus seltenen Druckwerken und Handschriften das genealogische Gerippe zur historischen Gestaltung zu bringen. Unter den in dem vorliegenden Buche angeführten Mitgliedern dieser Familie vermisse ich zunächst Menachem Rapa und seinen von R. Juda Münz (st. 1509*) gerühmten *) Sei« Todesjahr hat Grätz 8, S. 437 richtig auf 1509' angesetzt, ncn in Chaskitu's Referat ist ein Druckfehler; das richtige Datum toi?-, haben Gedalja ibn Jaihja (Shalschelet eä. Zolkiew 50, b) David Gans (ed. Frankfurt 1692 p. 43 a) R. Menachem (Scheerit Israel S. 106) Asulai (cd. Wien 1864, I., 33, a).