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Das Abendland · 1868-03-01 · 5 (1.3.1868) · p. Seite 37

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
5 (1.3.1868)
Date
1868-03-01
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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37 modisicirten Sprachwurzel Bezeichnungen entfaltet, die sich gegenseitig nach allen Richtungen hin ergänzen und erklären, denn sie stellt jeden Sprachstamm als einen Pflanzenkern hin, in dem alle spätern möglichen Entwicklungsstufen liegen. Wenn diese sich vom Stamme entfernen, pflegen zwar öfters die so entstandenen neuen Nuancen der Bedeutung scheinbar einen abweichenden Sinn zu erhalten, doch nur weil sie auf besondere Gegenstände bezogen werden; weiß man sie nur auf ihren Ursprung zurückzubegleiten, so erkennt man den einen Boden, aus dem die ganze Reihe von Worten ihre Lebenskraft gesogen. (Forts, folgt.) Zur biblischen und talmudischen Geographie. Bon Lr. M. D u s ch a k. nnsD Caphtor, Caphtorim, in ethnographischer Beziehung nach 1 M. 10, 14 von Egypten abgeleiteter und ausgegangener, und wegen gleicher Abstammung von diesen, den Philistim, die von den Casluchim ausgegangen, verwandter Volkszweig aus chamitischer Linie. In ethnographischer Beziehung ist Caphtor der Name des Landes, in welchem die Caphtorim wohnten, und dem sie denselben gaben. In den biblischen Stellen, in denen des Landes Caphtor gedacht wird, liegt so viel rücksichtlich seiner Lage im Allgemeinen vor, daß es ein Insel- oder Küstenland “"in22 "K gewesen, und wegen 5 M. 2, 23 nicht sehr weit von Canaan, dem spätern Palästina gelegen sein müsse, da Caphtoriten dort einwanderten. Ueber die specielle Lage Caphtors lassen wir uns nicht ein, uns mag nur die Frage beschäftigen, welche sich aus der Ableitung Philistim von den Casluchim ergibt, 1 M. 10, 14, da sie doch nach Jerem. 47, 2, Amos 9, 7, 5 M. 2, 23 Caphtoriten sind und aus Caphtor kommen. Wenn die ungebundene Kritik diese Schwierigkeit durch eine Versetzung des Philistim hinter Caphtor beheben will, so steht ihnen 1 Chr. 1, 12, welche, gleich dem Cod Sam., dieselbe Stellung hat. Man nimmt gewöhnlich zu der ausgleichenden Annahme die Zuflucht, daß die Casluchim und Caphtorim nach ihrer Auswanderung aus Egypten dasselbe Land bewohnt haben, später aber die Casluchim mit Zurücklassung der Philistim, die dann nach Canaan gingen, ansgewandert seien. Man braucht aber zu dieser subjectiven Annahme nicht seine Zuflucht zu nehmen, sobald man IM. 10 DW22 von trennt, und so übersetzt:^ „Mizrajim zeugte die Ludim ee die Patrusim und Kasluchim, welche von dort kamen, dann Pelischtim und die Kaftorim. Man muß diese Trennung um so plausibler finden wenn man bedenkt, daß22'2 82'gar nicht abstammen bedeutet, wo die Abflammung mit diesem verbum ausgedrückt werden soll, muß das substantiv ‘■pp hinzukommen. Mit unserer Ansicht stimmt auch die Negina überein, indem da DTO mit einer mafsekes versehen ist. Das Wav konnte füglich bei Pelischtim weggelassen werden. C a p h a r n a u m, talm. Ql!"!3 "I22> was Hesychius mit /wptov ’Ka.ox/'krpzü- und Hieronymus mit villa seu vicus consolationis erklärt — war der Name einer Stadt in Galiläa auf der Grenze der Stämme Sebulon und Naphtali und am nordwestlichen Ufer des Sees Genezaret, und zwar nicht weit vom Einflüße des Jordan in denselben. Da sie im a. T. nicht erwähnt wird dürfte sie erst nach der babylonischen Gefangenschaft entstanden jem. Sowohl die Fruchtbarkeit des Bodens Jos. b. j. III. 10, 8 als mich ein beträchtlicher Handel und die Fischerei nahen Dee ibid. III. 10, 7 trugen bedeutend zu ihrem Wohlstände bei: in Terumot 2 und in Nedarim 66 ist die Rede von einer Gattung Zwiebeln, welche besonders pikant und der Gesundheit zuträglich waren, welche 2'*1212 genannt werden. Zu ersterer Stelle bemerkt Maimonides STP *122, möghatte er Capharnaum im Sinne, das im Christenthume eine bedeutende, hervorragende Stelle einnimmt, und die einflußreichste Rolle spielt. Der Ort muß aber der Gesundheit sehr nachträglich gewesen sein, was schon aus der Masse von Krankheiten hervorgeht, von welchen in den Evangelien erzählt wird, und aus dem Umstande, daß so viele Kranke zu der Mantik ihre Zuflucht nahmen (s. Marc, und Luc.) Wir möchten daher das M "122 in Kelim 5, 4 für Capernanm halten HMD!“D2D- In der That verfiel dieser Ort später in tiefe Dunkelheit; wenn aber unsere Ansicht Geltung hat, daß das 2'*122 in Terumot 2. Capharnaum bedeutet, so muß es noch zu den Zeiten R. Jehedas epistirt haben, der Verfall muß aber schon bald nach der Zeit Chr. begonnen haben, wenn das von Jos. (vit. Mos. n. 72) erwähnte /.a?«svwp/r,, welches er mit dem Namen bezeichnet, nicht ein anderer Orr war. Jetzt sollen Ruinen davon bei Telhun übrig sein. (Büsching Erdbesch. V. I., 490.) Correlpondenzen. Brün n. Ueber unfern kürzlich zum badischen Finanzminister ernannten Glaubensgenossen Ellstädter bringt der „Israelit" folgende historische Skizze: Moritz Ellstädter, der Sohn eines Möbelhändlers in Karlsruhe und L-chwager des Rabbiners Willstädter, ist in der zweiten Hälfte der Zwanziger-Jahre geboren, studirte Rechtswissenschaft und wurde 1850 als Rechtspraktikant recipirt. Da es ihm unter dem Ministerium Wechmar schwer geworden war, eine Advokatur zu erlangen, so ging er nach Berlin und arbeitete dort gemeinschaftlich mit dem als badischen Abgeordneten wohlbekannten Mathy in einem der größern Creditinstitute unter den Augen von Hansemann. Nach mehreren Jahren, da sich indessen die Verhältnisse in Baden für die Israeliten günstiger gestaltet hatten, kehrte er zurück, übernahm eine Advokatur in Durlach und bald darauf in Carlsruhe. — Im Jahre 1863 wurde er in den Staatsdienst berufen und als Assessor bei dem Hof- und Kreisgerichte in Mannheim verwendet. Als jedoch im Juli 1866 bei der neuen Wendung der Dinge Mathy zur Präsidentschaft des Staatsministeriums gelangte, war es eines seiner ersten Geschäfte, den ihm wohl befreundeten und als tüchtig erprobten Ellstädter als juristisches Mitglied in das Finanzministerium zu berufen. Er ist also kaum 2 Jahre als Ministerialrath im Finanzministerium thätig (er ist jedenfalls an Dienst-, vielleicht auch an Lebensjahren der jüngste Rath im Collegium) und schon hat ihn das Vertrauen seines Fürsten an die Spitze des Finanzministeriums gestellt. Sie werden begreifleich finden, daß diese Ernennung nach allen Seiten überraschte, namentlich aber die Glaubensgenossen und zahlreichen Freunde des Ernannten in freudige Aufregung versetzte. Seine juristische Tüchtigkeit und bewährte politische Gesinnung sollen ihm diesen wichtigen Posten eingebracht haben. Möge es ihm gelingen, das Wohlwollen unseres Fürsten und das in ihn gesetzte Vertrauen sich dauernd zu erhalten. Wien, 26. Februar. An den Abgeordneten Dr. Knranda und an den Prediger Dr. Jellinek sind in den letzten Tagen mehrere Schreiben aus einigen an der österreichischen Grenze gelegenen Orten Serbiens von dort lebenden k. k. österreichischen Unterthanen israelitischen Glaubens eingelangt, in welchen um schnelle Verwendung bei der k. k. Regierung gegen die Verfolgungen, welche die dort wohnhaften Juden zu erdulden haben, dringend gebeten wird. Seit Kurzem sind nämlich die Juden daselbst ohne jede Ursache nicht nur den ärgsten Mißhandlungen ausgesetzt, sondern es wurde in mehreren Häusern auch bereits geraubt und geplündert. Selbst in Belgrad sind derartige Vorfälle vorgekommen und wird der Schade, welchen die Verfolgten erlitten, auf mehr als 50.000 fl. angegeben.

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