Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 5 (1.3.1868)
- Date
- 1868-03-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 34 wohner ausprägt. Von Palästina sagt Fr. v. Rougemont: j „Es war wirklich der Mittelpunkt der bewohnten Erde der alten Welt, sowohl in Beziehung auf räumliche Dimensionen als in Beziehung auf die rings von der Natur vorgezeichneten und in seiner nächsten Umgebung zusammentreffenden großen Völkerstraßen, welche in allen Richtungen bis zu den entferntesten Völkern führten.*) Es war daher den heidnischen Nationen, welche die Hauptrollen in der Geschichte der Menschi heit spielten, leicht, den Gott Israels kennen zu lernen und! seine Herrlichkeit zu sehen bei seinem stillen Volke." Palä- > stina mit dieser seiner geologischen Beschaffenheit war der j alleinige Boden zum Aufgehen der in der jüdischen Na-! tion ruhenden geistigen Keime und zur Entfaltung des Mo- ' notheismus. — Auch Mexiko bildete das geographische und! culturgeschichtliche Centrum der neuen Welt. Der Charakter ■ seines Bodens und seiner Natur überhaupt war zugleich der I Charakter der mexikanischen Menschenrasse. Mit demselben > Rechte als man Egypten das Land der Räthsel, Indien das * Land der Wunder, Australien das Land der Anomalien nennt, | können wir auch den Erdstrich, den zur Zeit der spanischen Invasion die mexikanischen Völker bewohnten, das Land der Eontraste nennen. Kein Theil der Erde hat so auffallende Verschiedenheit, solche schroffe unvermittelte Gegensätze in allen Naturformen aufzuweisen als dieses Ländergebiet, das an der Seite des atlantischen Meeres zwischen dem 18°—21° und am Stillen Meere zwischen 14o—19° der nördl. Br. und zwischen dem 271°—283° d. L. gelegen war. Die große Gebirgskette der Cordilleras, welche das Skelett Amerikas bildet, concentrirt sich in Mexiko zu einer eigentlichen Masse von Gebirgen. Es stellt einen unerschütterlichen Wall dar gegen die Strömungen beider Meere. Sein Rücken ist ein Tafelland, das eine. Höhe von 6000—9000' erreicht. Aus demselben ragen aber wie Inseln in der Lust, Hügelgruppen, hervor, deren höchste Kuppen der Popocatepetl (azt. der Rauchberg), Jztaccihuatl (die weiße Frau) und Citlaltepetl (der Sternberg) sind. Wegen dieser terrassenartigen Abstufungen repräsentirt der Boden merkwürdigerweise in Temperatur und Vegetation alle klimatischen Zonen. Im Küstenstriche an dem atlantischen Meere — tierra caliente. heiße Gegend genannt — dehnen sich Sandsteppen nur von wildverschlungenem Gesträuche von Cacao, Indigo, Vanille und andern Lianen unterbrochen, herrschen alle Schrecken einer tropischen Gegend: verheerende Krankheiten (das Vomito) und furchtbare Orkane. Fünfzehn Meilen landeinwärts beginnen schon die lachenden Gefilde der tierra temxlacka, der gemäßigten Zone. Milde, würzige Lust umweht die Farbenpracht riesenblüthiger Gewächse, das saftige Grün der Agave, Cactus, Storaxbäume, der Mais-, Zuckerrohr- und Ananenpflanzungen. Gelangt man weiter, so bezeichnen Eichen- und Fichtenwälder das Gebiet der tierra fria, der kalten Gegend, in der die Temperatur in dem Maße fällt, als der Boden sich erhebt, bis endlich auf den hohen Bergesabhängen die Vegetation unter einer ewigen Schneedecke erstirbt. In der Mitte des Plateaus Tenochtitlan (aztekisch Cactus auf einem Felsen) von herrlichen Seen und üppigen Pflanzungen umgeben, lagen nicht weit von einander entfernt die beiden größten Städte des Reiches, Mexiko und Tezcnco.**) Die wunderbare klimatische Mannigfaltigkeit dieses Landes veranlaßt A. v. Humboldt zu der bezeichnenden Aeußerung: „Jeder kann da nach seinem Belieben sich wählen — das *) Dieser Anschauung begegnen wir öfter in den talmudischen, sowie späteren jüdischen Schriften: Sanhedrin 37, a.; Joma 56, b.; Bereschitb Rabba 14; Rabba zu 3. B. M. 13; Rabba zu Echa 3, 64; Tanchuma zu P. Kedoschim; P. D. R. El. 11; Sohar zu P. Terumab 157; Raschi, Kimchi, Abravanel zu den Schriftstellen: Jes. 5, 8, Pf. 74, 12; Ezech. 5, 5; 38, 12; Kusari 2, 20; More Neb 2, 15; Asarja de Rossi, Meor Enazim Absch. 11; Meir Aldabi, Schewileh Emunoh 2, 2; N. Spiro, Megaleh Amukoth 249. **) Clavigero, Storia del Messico I. 25 ff., IV. Dissertazione sopra i confini di Analiuac; A. v. Humboldt, Essai politique sur le Royaume de la Nouvelle Espagne I., 4—65, 195, 273; Prescott, Hist, of the conqu. of M. I., 6 ff. Thermometer in der Hand — aus einem Raume von mehreren Ouadratmeilen schon, die Temperatur, das Klima, das ihm am zuträglichsten däucht für sein Alter, seine Leibesbeschaffenheit oder die Beschäftigung, der er sich hingeben will." Diese bis zu Gegensätzen si i> schärfende Mannigfaltigkeit der Natur fand ihren getreuen Abdruck in der Gesinnungsweise, in den Lebensüußerungen und sämmtlichen Culturformen der alten Mexikaner — eine Eigenthümlichkeit, die sich in jenem unglücklichen Lande, besonders was die socialen Zustände anbelangt, bis auf unsere Zeit erhalten hat.*---») König Klengel H. Zudenrechte zu Kr"un mitgetheilt von Leopold Wolf in Prag. Das Stadtrecht von Brünn wurde 1243 von König Wenzel II. ertheilt, und ist ein Denkmal, welches zu den werthvollsten und wichtigsten rechtsgeschichtlichen Quellen zählt, und die erste umfangreiche Quelle der Geschichte des städtischen Lebens ist. Diese „Handfeste" — jura originalia — ist nur eine Verbesserung und Erläuterung der bisher erworbenen Freiheitsrechte, des bisher durch stille Gewalt der Zeit allmälig entwickelten Rechtsbrauches, mit Merkmalen alterthümlicher Fortbildung und Nachklängen von älteren uns nicht erhaltenen Urkunden, wie sich Rößler in seinen Rechtsdenkmälern darüber eines Weiteren ausspricht. Brünns äußerer Glanz wurde gehoben, indem Otakar II. mehrmals seinen Hofstaat und das Gepränge des königlichen Hoflagers hierher übertrug. Deshalb zogen sich auch Adelige, mehr und mehr in die Stadt, auch die Klöster kauften sich' Häuser und Höfe in der Stadt zum Aufenthalt, besonders da viermal des Jahres die öffentlichen Sitzungen des Landgerichts in der Burg abgehalten würben. Die Bevölkerung wuchs in raschen Verhältnissen, und dadurch entwickelte sich auch das Gewerbe- und Handelswesen sehr rasch. Diesen Verkehr schützten Vorrechte der Handelsleute; es erschienen die fremden Kaufleute in großer Zahl, um hier Verkehr zu treiben, und selbstverständlich auch Juden; auch sie erhielten hier eigene Vorrechte den übrigen Bürgern gegenüber; diese bilden den Inhalt der llura jadaica, welche als Freiheitsbrief im XIV. Jahrhundert in die deutsche Sprache übersetzt und in das Stadtbuch ausgenommen, in ihren Grundbestimmnngen auf das Privilegium von 1254 znrückweisen; es sind dies die von König Wenzel II. den Juden in Brünn ertheilten Judenrechte, und zwar vom 29. Mürz 1254 datirend. Die Handfeste vom 23. August 1268 für Brünn von König Otakar II. kündigt sich selbst, wie Rößler mittheilt, als eine „renovatio legis,“ als eine „Erneuerung des Gesetzes" an und stimmt bis aus einige ganz unwesentliche Abweichungen wörtlich mit Obigem überein. Es darf aber nicht übersehen werden, daß zwei Absätze am Schlüße über das Psandnehmen bei Tage und die Verpflichtung der Brünner Juden, den vierten Theil der Stadtbefestigung zu tragen, sich nur in der Handschrift des XIV. Jahrhunderts findet, die Boczek benützte. Diese Sätze finden sich weder in dem von Senkenbug angeführten Hradischter Codex, noch in nachstehender (Rößler's Werke entnommenen) Uebersetzung. Ich theile zuerst eine kurze Styl-und Schreibprobe des ***) Talleyrand: Essai sur les colonies nouvelles — sagt hierüber: „En voyageur, qui part d’une ville principal, oü l’etat social est perfectionne, traverse successivement tous les degres de civilisation et d’industrie, qui vont toujours en s’affaiblissant jusqu’ä ce qu’il arrive en tres peu de jours, ä la cabane informe et grossiere. Un tel voyage est une sorte d’analyse pratique de l’origine des peuples et des etats. On part de l’ensemble le plus compose pour armer aux donnees les plus simples; on voyage en arriere dans l’histoire des progres de l’esprit humain; on retrouve dans Tespace, ce qui n’est dü qu’ä la succession du temps.“ IM