Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 5 (1.3.1868)
- Date
- 1868-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Sriinri, den 1. März 1868. itgESße« Präuumerationsbetrag ganzj. 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus. Für's Ausland ganzj. 2. Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. » Verleger, Eigentümer und verantwortlicher Redakteur D EhrMNNN. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Administration Bäckergasse Nr. 2. 2. Stock- Exped. Krapfengasse 18, Epstein's Buchh. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt: Die Cultusfrage in Ungarn. — Inden und Mexikaner. — König Wenzel II. Iudenrechte zu Brünn. — Alte Urkunden. Juden in Holland. — Ueber die Sprache im Allgemeinen und hebr. Spracke insbesondere. — Zur biblischen und talmudischen Geographie. — Correspondenzen. — Locale und Auswärtige Notizen. — Buchschau. — Inserate. Die Cultnsfrage in Ungarn.! Nachdem auch in Ungarn, wie schon früher in den cisleithanischen Ländern, die politische Gleichberechtigung der Israeliten zum Gesetze erhoben wurde, beabsichtigt das ungarische Ministerium die innern Angelegenheiten der Israeliten nach dem Principe der Autonomie durch sie selbst regeln zu lassen. Es soll zu diesem Zwecke ein Eongreß der ungarischen Gemeinden einberusen werden, der über das einzuführende Cultusstatnt zu berathen habe. Da jedoch die religiösen Parteiungen in Ungarn nicht nur die Berathung an sich, sondern auch die Art der Einberufung selbst erschweren, fand es der Cultus- und Unterrichtsminister Baron Eötvös für zweckmäßig, die Frage durch eine Notablenconferenz vorerst zur Verhandlung bringen zu lassen, deren Vorarbeiten als Grundlage für die Congreßberathnngen dienen sollen. Am 17. Feber wurde diese Conferenz vom Cultusminister eröffnet, und wurden derselben folgende 3 Puncte zur Berathung vorgelegt. 1. Den Modus festzustellen für Einberufung des Gemeindencongresses mit Beachtung der Autonomie und der vollen Gleichberechtigung. Als Gliedej rung der vom Congresse zu berathenden Cultusgemeindeord- [ nung wurde die Gemeinde, die Kreisgemeinde und die Lau-! desgemeinde vorgeschlagen. Die Aufgabe der letzteren wäre, die! Zwistigkeiten in den Gemeinden und zwischen den Gemeinden zu schlichten und die öffentlichen jüdischen Fonds zu verwalten. 2. Entwurf für die confessionellen Schulen, Religionsunterricht in den Mittelschulen. 3. Lehranstalt für Rabbiner und Lehrer und Dotirung der Anstalt. Auf den Antrag eines Conferenzmitgliedes, daß die 6 altgläubigen Mitglieder der Versammlung besonders berathen mögen, damit sie nicht von den Neugläubigen majorisirt werden, erklärte der Minister, er kenne nicht alt und neu, er kenne bloß Inden. Die Berathung dauerte von 10 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags. Um 3 Uhr begannen die Berathungen der drei Sectionen für jeden einzelnen der obgenannten Puncte. Ueber das Resultat dieser Sectionsberathnngen ist noch nichts Nä-! heres bekannt. — Wir können es uns nicht versagen aus der j trefflichen Rede des Herrn Ministers folgende Stelle hervorzuheben, und dürfen dabei nicht vergessen, daß Baron Eötvös bereits im Jahre 1842 in einer Emancipationsbroschüre als Anwalt der Inden auftrat. „Der schönste Tag meines Lebens, sprach der Minister, war der, als das Vaterland sich mehr als 400.000 Landesbürger erwarb, ein Frendentag für die Israeliten, aber auch ein glücklicher Tag für's Land." — Wir werden diese Berathungen mit um so größerem Interesse verfolgen, als sie auch auf die Constituirung der jüdischen Cultusverhältnisse in Cisleithanien nicht ohne Einfluß bleiben dürften. Inden und Mexikaner, in. Bon Dr. B. Placzek. (Fortsetzung.) Zwei Völker stießen auf einander — die mächtigste Nation der alten und die gewaltigste der neuen Welt:. Spanier und Mexikaner; und in ihrem Zusammenstoß kündeten beide Hemisphären eine furchtbar ernste Idee: Die Religion, der Glaube, dieser Born der höchsten Beseligung, kann zur Quelle des tiefsten Unheils werden, wenn der Wahn ihn vergiftet. In Spanien war eine grelle Illustration dafür: die Inquisition, in Mexiko ein bluttriefendes Götzenthnm, das Hunderttallsende von Menschenopfern forderte und die Anthropophagie zu einer cnltuellen Verrichtung machte. Den religiösen Fanatismus der Spanier fühlte der Jude in seinem Fleische wühlen, und für die traurige religiöse Entartung der Mexikaner werden in der Culturgeschichte der Hebräer und stammverwandter kleinasiatischer Völker Analogien gesucht. Doch bevor wir uns in diese einlassen, wollen wir in kurzen Umrissen das allgemeine Culturbild der Mexikaner entwerfen. Bodenformation und Klima bilden die feste gegebene Form, nach der sich der Charakter und die Cultnr der Be-