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Das Abendland · 1868-02-15 · 4 (15.2.1868) · p. Seite 31

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
4 (15.2.1868)
Date
1868-02-15
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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— 31 — merksamkeit des Hauses auf die Augelegeuheit der Anstellungsfähigkcit meiner Glaubensgenossen, der Juden, in den Ressorts des Justiz- und CultuSmiuisteriums zu richten. Zunächst will ich eine Ehrenschuld gegen den Herrn Cultusminister abtragen. Bei der vorjährigen DiScussion über die Universitäten brachte ich die Universität Königsberg zur Sprache und den Uebelstand in den dortigen Statuten, daß sowohl Juden, wie Katholiken von dem Lehramte ausgeschlossen sind. Er erklärte damals, daß er auf seinem frühern Standpunkte nicht mehr beharre, und gab mir die Hoffnung, daß sich die Sache ändern würde. — Ich versprach damals, wenn das zur Tatsache würde, ihm meine Anerkennung auszusprechen, und thue das hiermit. — Nach diesem Danke komme ich jedoch zu einer bittern Klage gegen den Herrn Minister. Sie betrifft die Anstellung zweier Lehrer an der Realschule zu Posen, die, trotzdem sie ihre Qualifikation zum Lehramte nachgewiesen, nicht angestellt wurden. — Der Redner geht nun aus die früher über diese Frage im Plenum und in den Commissionen des Hauses gepflogenen Verhandlungen ein, aus denen hervorgeht, daß sowohl von der Staatöregierung, wie von allen Parteien anerkannt ist, daß der Anstellung der Juden an höhere Lehranstalten gesetzlich Nichts im Wege steht. Trotzdem seien im Jahre 1866 und 1867 Miuisterialverfügnngen ergangen, welche Beschränkungen in dieser Beziehung ausüben. — Der Herr Minister hat gleich wie sein Vorgänger Herr von Bethmann-Hollweg es ausgesprochen, daß Realschulen keinen confessionellen Charakter haben, nichtsdestoweniger sind trotz wiederholter Gesuche die jüdischen Lehrer Dr. Jntrosinski und Warschauer an der Realschule zu Posen nicht angestellt worden, weil der betreffende Herr Regierungsschulrath stets erklärt, daß er die Ermächtigung zur Ausstellung des erforderlichen Ältestes vom Cultusminister nicht erhalten habe. — Erst heute Früh habe ich erfahren, daß die Ermächtigung zur Ertheilung des Attestes an den Regierungsschulrath abgegangen ist. — Die Juden tragen sämmtliche Pflichten der Staatsbürger, auch zu dem letzten Kriege haben sie ihr Blut geliefert, also gewähre man ihnen auch gleiche Rechte. Durch solches Verfahren stärke man nicht den Rechtssinn und daö Rechtsbewußtsein unter den Staatsbürgern das preußische „suum cuique“ gebührt auch den Juden. — Nachdem der RegierungScommissär Nichts darauf entgegnete und auch die Frage des Abg. Dr. Techow, ob die Staatsregierung in der Thätigkeit von jüdischen Lehrern an Realschulen eine Gefährdung erblicke, und ob darin ein Unterschied bestehe, wenn ein jüdischer Lehrer an einer Realschule nur als geduldet betrachtet wird und unterrichtet, oder ob er als definitiv angestellter Lehrer unterrichtet? unbeantwortet ließ, während er alle Interpellationen, die sich auf den confessionellen Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Mittelschulen bezogen, sogleich erwiederte, constatirte Dr. Kosch, daß wenn es sich um christliche Lehrer handelt, die Vertreter der Regierung stets auf die an sie gerichteten Fragen antworten, dagegen wenn es sich um Juden handle, schweigen. — Hierauf sagte Unterstaatssekretür Dr. Lehnert: Wir werden die von dem Vorredner und dem Dr. Techow ausgesprochenen Ansichten dem Herrn Minister vortragen, und uns bemühen, dieselben nach Möglichkeit zu realisiren." — Es wäre wünschen, daß diese Versprechungen der Regierung flch einmal verwirklichten, aber nach den bekannten Ansichten des H. Kultusministers von Mühler ist sehr wenig Aussicht hrerM, daß dies so bald geschehe. — Am 26. Januar starb zu Berlin der bekannte Abgeordnete des Waldenburger Kreises, Commerzienrath Leonor Reichenheim, in noch nicht vollendetem 54. Lebensjahre. — H. K. Leipzig, 7. Jänner. ^odesfeier Moses Mendelssohns wurde auch dies Jahr von deni Vereine für Förderung geistiger Juteress un Judeuthume m würdiger Weise begangen. Der Festrc ner war dießmal der hiesige Prediger Dr. Goldschmidt. Er suchte uachzuweisen, daß die Juden in Deutschland seit Mendelssohn Deutsche geworden sind. Der verbesserte Jugendunterricht, der zuerst in den größern Städten eine Stätte fand, äußerte bald seine Wirkung aus die häusliche Erziehung. Die Umgangssprache wurde die deutsche, der Gottesdienst erhielt eine der vorgeschrittenen Bildung entsprechende Form. Das Heraustreten aus der frühern Abgeschlossenheit hatte auch das Verlangen nach einer Verbesserung der bürgerlichen Stellung zur Folge, dem namentlich seit 1830 beredeter Ausdurck gegegeben wurde. Hier hob der Festredner besonders die Verdienste Gabriel Rießer's hervor. Schließlich wurden die wissenschaftlichen Leistungen jüdischer Gelehrten in Deutschland geschildert und die Verdienste eines Zunz, Fürst, Geiger, Jost und mit besonderer Ausführlichkeit des vor einigen Monaten verstorbenen Rappoport gewürdigt. Der gediegene Vortrag wurde mit allgemeiner Anerkennung ausgenommen. Gleichen Beifall fand der von unserem Glaubensgenossen, Herrn Claar gesprochene Prolog. Die musikalischen Vortrüge des Herrn Michael Herz, sowie das ausgeführte Quartett von Mendelssohn-Bartholdy, ganz besonders aber die 2 Lieder, welche der junge vielversprechende Sänger, Herr G. Henschel, gleichfalls Jsraelite, vortrug, befriedigten die Versammlung in hohem Grade. Ein der Noth in Ostpreußen gewidmetes Gedicht von Rudolf Gottschall, das nun in der Kölner-Zeitung abgedruckt erschienen, hatte, vom Dichter selbst vorgetragen, eine erfolgreiche Wirkung. Die Feierlichkeit fand im Saale des Eldorado statt. B. Locale und auswärtige Nochen. Brünn. Herr Dr. Moriz Fischer ans Gaya ist im Gerichtssprengel des k. k. Oöerlandesgerichts in Prag zum Auskultanten mit einem Adjutum ernannt worden. Bei der Tüchtigkeit des Dr. Fischer ist mit Sicherheit zu erwarten, daß er seiner Stellung Ehre machen wird. * Von der Noth in Ostpreußen sind auch unsere dortigen Glaubensbrüder hart betroffen. Ob sie, bei den in jenen Gegenden noch immer gegen die Juden herrschenden Vorurtheilen, von den eingegangenen Geldunterstützungen ihren vollen Antheil erhalten, läßt sich nicht bestimmen; am unglücklichsten sind die dort weilenden vielen russischen Juden, die als Fremde aus Unterstützung keinen Anspruch haben. Ein Hilfs- Comite, das sich in Memel für diese Armen konstituirt hat, gibt eine herzzerreißende Schilderung von deren Lage. * Bezüglich der Notiz in der letzten Nummer dieses Blattes über die Constituirung der hiesigen Cultusgemeinde- Repräsentanz geht uns die Berichtigung zu, daß Herr Med. Dr. Stößl in die Schulsection gewählt wurde, die Wahl jedoch ablehnte. ^Lien. Der Reichstagsabgeordnete Knranda hatte Audienz bei Gr. Majestät dem Kaiser, um Allerhöchstdemselben für die Ertheilung des Leopoldordens zu danken. Er fand eine huldreiche Aufnahme. * (Jüdische Seminar frage.) Man schreibt uns aus Mähren, 7. Februar: „Während in Wien, wie wir vernehmen, blos der Vorstand der dortigen israelitischen Cultusgemeinde seitens der Regierung eingeladen wurde, sein Gutachten über die dermalen auf die Tagesordnung gelangte Seminarfrage abzngeben, wurden in unserem Kronlande nicht die jüdischen Conununalbehörden , sondern F a ch m ä nn e r mit dieser ehrenden Mission betraut. Als solche traf die Wahl folgende Herren: den Laudesrabbiner A. Placzek in Boskowitz, Dr. B. Placzek, Ignaz Wohlmuth, Franz Mesch in Brünn, Dr. Duschak in Gaya, Dr. Schmiedl, Dr. Gideon Brecher in Proßuitz, Friedrich Karplus in Göding.

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