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Das Abendland · 1868-02-15 · 4 (15.2.1868) · p. Seite 32

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
4 (15.2.1868)
Date
1868-02-15
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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— 32 Dr. Feuchtwang in Nikolsburg, Religions-Professor D. Ehrmann. An competenter Stelle scheint in dieser Frage ein großer Werth auf die Stimmen gelegt zu werden, welche sich aus Mähren vernehmen lassen, weil die Absicht vorhanden ist, die Mittel des mährisch-jüdischen Landesmassafonds, welcher über ein Capital von mehreren hunderttausend Gulden verfügt, für Zwecke des in Angriff zu nehmenden dieöleithanischen Seminars in Anspruch zu nehmen. In dieser Erwägung haben auch bereits Vorbesprechungen in Brünn stattgefunden, an denen sich der Landesrabbiner, Dr. B. Placzek, Wohlmuth, Karplus und Ehrmann betheiligten. In Beziehung auf den Ort, wo das fragliche Institut zu creiren sei, neigt sich die Majorität der Ansicht hin, daß die Hauptstadt Böhmens am geeignetsten hiezw erscheine. "Neben den localen sprechen rein wissenschaftliche Interessen für diese Wahl. Wien böte wohl mustergiltige Prediger, aber nicht genügende wissenschaftliche Lehrkräfte und Lehrmittel. Ueberdies sprechen dagegen auch locale und sociale Momente." (Presse.) Pest. Ein Ministerial-Erlaß ordnet an, daß zur Aufsicht über die israel. Volksschulen jüdische Schulinspectoren gewählt werden sollen. Krakau. Hier wurde ein neuer Verein gegründet, dessen Zweck es ist, arme jüdische Kinder in verschiedenen Handarbeiten unterrichten zu lassen. Die Zöglinge werden auch in der Religion und polnischen Sprache unterrichtet. Der Verein, zu dem der Krakauer Bürgermeister und der christliche Kaufmann Herr Hölzel je 100 fl. spendeten, wurde feierlichst unter Abhaltung passender Reden eingeweiht. Berlin. Die hiesige Stadt, die nach Nikolay's Beschreibung im Jahre 1776 unter 108,000 Einwohnern circa 450 jüd. Familien zählte, hat jetzt bei einer Bevölkerung von 700.000 Einwohnern 30.000 Juden. (Israelit.) Berlin, 29. Jänn. Heute Morgen fand die Beerdigung des am 26. d. M. hier verstorbenen Abgeordneten, Commercien- und Stadtrathes Leonor Reichenheim unter ganz ungewöhnlicher Betheiligung statt. Vier- bis fünfhundert Personen hatten sich im Sterbehaus eingefunden; die weiten Räume der Villa des Verstorbenen im Thiergarten reichten weithin nicht aus, das Trauergefolge zu fassen, welches durch den Garten und die berühmten Treibhäuser sich zu vertheilen genöthigt war. Die Mehrzahl der Anwesenden bestand aus Mitgliedern des Abgeordnetenhauses, dessen Präsidenten, Schriftführer, so wie Vorstände und hervorragendste Mitglieder aus den neuen Provinzen, wie die Abg. Windhorst (Meppen), Braun (Wiesbaden) u. A. fehlten nicht. Andererseits waren der Rector der Universität, Geheimrath Beseler, eine Deputation des Magistrats und der Stadtverodneten, den Ober-Bürgermeister Seydel und den Stadtverordneten- Vorsteher Kochhann an der Spitze, Deputation der berliner Schützengilde, verschiedener Vereine rc. anwesend. Die Mitglieder des Ministeriums waren nicht erschienen, dagegen bemerkte man die Staats-Minister a. D. Graf Schwerin und v. Patow. Der Sarg stand in einer aus exotischen Gewächsen gebildeten Halle. Die Söhne und Brüder des Verstorbenen standen zunächst. Der Rector der jüdischen Religionsschule. Herr Dr. Kirstein, welchem die Erziehung der Kinder des Hauses anvertraut ist und der deßhalb dem Verstorbenen nahe stand, hielt auf Wunsch der Familie die Gedächtnißrede und gab in kurzen, warm empfundenen und die ganze Versammlung tief ergreifenden Worten ein Lebensbild , des Heimgegangenen, indem er betonte, wie derselbe, nicht i im Wohlstände geboren, durch eigene Strebsamkeit und Thä- I tigkeit sich emporgearbeitet, wie er schon mit 14 Jahren genöthigt, die Schule zu verlassen, durch unermüdliche Selbstthätigkeit sich Wissen erworben und sich fähig gemacht, nachdem er das eigene Haus aufgerichtet, seine geistigen und materiellen Kräfte dem Dienste des Vaterlandes zu weihen. Der Redner beleuchtete die Thätigkeit des Verstorbenen als Mitglied der Landesvertretung, der städtischen Behörden, der jüdischen Gemeinde und zahlreicher gemeinnütziger Vereine und Unternehmungen. Von Mitgliedern des hiesigen Brüdervereins wurde dann der Sarg durch die Kette der Bürgerschützen ge- : tragen, in den Leichenwagen gehoben und, von einer unübersehbaren Wagenreihe begleitet, nach dem Friedhof der jüdischen Gemeinde gebracht, auf welchem die Bestattung an dem I von der Gemeinde gewährten Ehrenplätze in der vordersten \ Gräberreihe erfolgte. (Israelit.) , J Amsterdam. Der König von Holland hat der israelitischen ) Gemeinde zu Roermond zur Herstellung ihrer Synagoge 250 fl. und der Gemeinde Beek zum selben Zwecke 400 fl. * Übermacht. Letztere Gemeinde erhält außerdem vom Provinzialfond 250 fl. und von der bürgerlichen Gemeinde 240 fl. : * Herr M. H. Godefroi von hier wurde mit großer! Majorität in die zweite Kammer der Generalstaaten gewählt.; Herr L. Pinkoffs aus Rotterdam ist zum Mitglied der Mi- ' litärrathsversammlung von Süd-Holland ernannt worden. Amerika. Der „Hebrew Leader" enthält einen Aufruf an die Freunde in Deutschland, die wir vielen Europamüden!. zur Beherzigung empfehlen. Er lautet: „Wir halten uns auf das Heiligste verpflichtet, Sie zu ersuchen, alle Israeliten, - besonders aber Lehrer, Vorbeter und Schochtim, welche die Absicht haben nach Amerika auszuwandern, auf den unbegrenzten Nothstand, der jetzt hier herrscht, aufmerksam zu machen! und dieselben vor diesem thörichten Schritte zu warnen. Eine Menge solcher Subjekte wandert hier brotlos und jammervoll umher, welche nicht mit genügenden Kenntnissen versehen und der englischen Sprache nicht mächtig sind. Viele derselben i ■ erbetteln sich Reisegeld um nach der Heimath zurückkehrenzu ,; können." ,»■ i Inserate. CVn der Buchhandlung des B. Epstein in Brünn cx)werden auf das in Pest erschienene “pfi mit Uebersetzung Tittl 'EH so wie auch auf die Dessauer mit punktirten und übersetzten •’ttH Pränumerationen zur successiven Auszahlung angenommen. Daselbst sind auch Berliner Muster-Ausgabe mit Commentaren auf Velinpapier, ferner die Burdonfer-Concordanz verbessert von Prof. Baer, Stettin 1867, Lexikon-Format, in 3 Doppelbänden billig zu haben. Concurs. An der hiesigen israelitischen höhern Bürgerschule, welche einer vierclassigen Hauptschule gleichgestellt ist, ist die Stelle eines Lehrers für die I. und II. Classe in Erledigung gekommen, welche mit einem Jahresgehalt von fl. 360, — dreihundert sechzig Gulden österr. Währ., verbunden ist und vorläufig auf die Dauer von drei Jahren besetzt wird. Bewerber hierum haben ihre dießfälligen eigenhändig geschriebenen Gesuche auf gesetzlichem Stempel, belegt mit der Nachweisung über die Befähigung als Hauptschullehrer und zum Unterricht in der hebräischen und französischen Sprache, so wie über ihre bisherige Verwendung und Moralität, ihr Alter und Stand, längstens bis Ende April dieses Jahres bei der gefertigten Vorstehung einzustellen. — Dem Acceptirten wird auch ein Reisepauschale von 30 fl., dreißig Gulden österr. Währ., zugesichert. Die Vorstehung der Israeliten - Gemeinde Hohenems, am 4. Februar 1868. Der Bürgermeister: Samuel Menz. i ii Druck von Rudolf M. Rohrrr in Brünn.

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