Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1868-02-15 · 4 (15.2.1868) · p. Seite 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
4 (15.2.1868)
Date
1868-02-15
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9050333-9094778-9051141--0824-9051146
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

29 — qibt wieder dein Gedanken einen begeisterten Diener zurück; so besteht das Wort wie der Mensch für dessen Zweck es bestimmt ist, aus Leib und Seele, die bei ihnen bewen m gleicher Wechselwirkung zu einander stehen und der Mensch kann daher im Worte sein eigenes Abbild sehen und es als den ebenbürtigen Genossen seiner ganzen Lebensthätigkeit betrachten. Der Mensch in seiner historischen Entwickelung gleicht auch der sprachlichen Veränderung des Wortes. Je näher der Mensch als Individuum oder als Gesammtheit seiner jugendlichen Periode steht, desto consequenter und äußerlich erkennbar ist der Zusammenhang und die Wechselwirkung zwischen der leiblichen Hülle und dem innewohnenden Geiste. Das Kind und der Naturmesch, beide tragen ihre bewegende Seele auf dem Antlitze im Ton und Bewegung während der Arensch der Civilisation (im besten Falle) den Charakter der Umgebung als kennzeichnende Prägung in seinem hervortretenden Wesen zur Schau stellt, und diese wird so vieldeutig als die Zwecke verschieden sind, die als dessen Hebel gedacht werden können: so ist es auch mit dem Worte; in seiner ursprünglichen Gestalt sollte es der Bestimmung dienen, der belebte und belebende Spiegel des beherrschenden geistigen Zinnes zu sein, während es im Dienste der fortschreitenden Cultur die Consequenz der Bedeutung und des bezeichnenden Lauts opfern mußte zu Gunsten einer feinern von der gesetzgebenden Convenienz gebotenen Bestimmung, wodurch sie öfter in die Gefahr verfällt, anstatt der treue Abdruck des in der Seele erzeugten Bildes die verbergende Maske des Gedankens zu sein. Die modernen Sprachen sind durch das stete Rollen und Treiben im lebendigen Zeitenstrome zu gleichen Körnern geglättet und gerundet worden, indeß das edle Metall der alten Sprachen in ihrer ursprünglichen unterschiedlichen Krystallisation im tiefen Bergesschacht der Vergangenheit eingewachsen ist. In diesen Schacht hinabzusteigen ladet uns derselbe geheimnißvolle Trieb, der uns das geschichtliche Alterthum überhaupt so bezaubernd malt, weil der frische jugendliche Hauch nur daraus so erquickend entgegenweht. Zumeist ist es aber die Sprache desselben, die uns die gesammten Anschauungen und Willensrichtungen, längstverflossener Zeiten erschließt, ohne sie würde das in bloße Facta wiedergebene Leben des Alterthums etwa einer kunstvollen Theaterdekoration gleichen. (Fortsetzung folgt.) Zur biblischen und talmudischen Geographie. Von Tr. M. Duschak. Woher der Landesname Canaan stamme, hierüber theilen sich die Geographen und Historiker in zwei Hauptclassen, je nachdem sie entweder das ethnographische oder das etymologische Moment des Namens im Auge halten. Wenn man darnach fragt, welche Ableitung der Verfasser der biblischen Berichte selbst als die seinige erkannt wissen wolle, so kann kaum ein Zweifel darüber entstehen, daß das Land den Namen Canaan von seinen Bewohnern, nicht aber diese ihren Namen von jenem haben! Sind die Namen der Söhne Noes und jene der von diesen abstammenden keine bloßen Collektivnamen der in 1. B. M. lO vorkommenden Völker, sondern werden vielmehr diese nach Abstammung und Namen auf bestimmte historische Personen zurückgeführt, wie es offenbar die Ansicht und Absicht des biblischen Verfassers ist, so ist es eben so gewiß, daß eben derselbe die das Land Canaan bewohnenden Cananiter nach Ursprung und Namen von der bestimmten historischen Person Canaan, der ein Sohn Chams ist, abgeleitet hat (vergl. I.M. 10, 15 ff. 19. 9, 25). Nach biblischer Anschauung also sind Canaans Bewohner Abkömmlinge des historischen Canaan, und sie nehmen diesen Namen nicht erst vom Lande an, sondern dieses erhält ihn von jenen: fan?au 2>n den Cananitern, wozu die biblische Geschichte so viele Analoga enthält, und das Land selbst Land des Ca- 2^. 3, 17-3, 8 heißt. Anders gestaltete sich die Ableitung des Namens Canaan als Landesname von der Zeit an, wo man den historischen Charakter der genealogisch-ethnographischen Völkertafel 1. M. 10 entweder ganz oder zum Theil in Zweifel stellte, und aus dem Gebiete der Historie in das der Etymologie überging, und unter Voraussetzung des unhistorisch-genealogischen Charakters der Völkerableitungen anfing, diese aus der Etymologie ihrer Namen zu erklären. So mußte denn auch Canaan als Landesname seine Erklärung nicht in der Abstammung seiner Bewohner vom gemeinschaftlichen Vater Canaan, sondern von dem Umstande haben, daß das Land im Gegensatz zu dem östlichern Hochlande Aram niedriger gelegen sein, und also Niederland heißen sollte. Abgesehen davon, daß die bloße etymologische Deduction des Namens immer einen sehr weiten Spielraum anderer derlei Versuche gestattet, wie denn auch wirklich schon jene andere, welche Canaan mit Unterwerfung deutet, ihr an die Seite getreten ist, und Land Canaan als Land der Unterwerfung gibt, fühlten die Vertheidiger derselben selbst die Schwierigkeit, welche sich ihnen in der physischen Beschaffenheit Canaans, als eines so bedeutenden und ziemlich hohen Gebirgslandes entgegenstellte, und müssen dazu ihre Zuflucht nehmen, daß der Name Niederland Canaan zuerst nur der phönicischen Küste um Sidon eigenthümlich gewesen, und später erst, doch schon vor Moses, mit der Auswanderung dieser phönicischen Canaaniter nach bilden, auch über diesen Theil verbreitet worden sei. Diese Annahme bedürfte vor Allem eines schärfern historischen Beweises, da ihnen nicht blos der südliche Erdgürtel der Chamiten, von denen doch die Canaaniter herstammen, sondern auch die geographische Lage des ganzen phönicischen Küstenlandes, das durch den so hohen Libanon von dem östlichern Asien abgeschnitten ist, entgegen steht, will man nicht die phönicischen Stämme über den Libanon, oder von Norden von dem Eleutherus, also aus Syrien hereingewandert sein lassen, wofür freilich das gerne geltend gemacht wird, daß die Sprache der Canaaniter eine semitische sein soll. Allein das blos sprachliche Verhältniß kann, bei anderer möglicher Erklärung, um so weniger entscheiden, als bestimmte Zeugnisse^älterer Historiker für die Einwanderung der cananitischen «stamme von Südosten her sich aussprechen. Anders muß aber Canaan als eigner Name Phöniciens beurtheilt werden. — lieber die geographische Lage und Begrenzung oder Ausdehnung des Landes Canaan lassen sowohl biblische Stellen als auch anderweitige Berichte keinen Zweifel übrig. Im weitern Sinne umfaßt es den ganzen in Westasien am mittelländischen Meere gelegenen Küstenstrich, welcher sich nach Anleitung von 1 M. 10, 19 von dem Gebiete Sidons im Norden bis zu jenem von Gaza im Süden erstreckte. Es umfaßte mithin Canaan als Wohnsitz der Cananiter auch Phönicier. Da aber das phönicische Küstenland durch die etwaige Ausdehnung der Wohnsitze der canaanitischen Stämme doch nur bis Sidon mit einbegriffen werden kann, und wirklich, da wo die zu vertreibenden canaanitischen Völker genannt werden, werden die Sidonier niemals mitgezählt, entsteht die Frage, warum ganz Phönicien geradezu Canaan genannt wird? Wir wenden uns daher betreffs Phönicien zur Etymologie. Schon Kanne (biblische Unters.) will den Namen von 713p kaufen ableiten, die Phönicier waren bekanntlich ein Handelsvolk. Jnsoferne man die Stelle des Philo von Biblos bei Eusebius (kr. ev. 1, 7.) yva -> Ttpöko? [A£xovop.aa0e'.? <poivi£ berücksichtigen wollte, so 'ließe sich an als St. w. denken, indem Gans, Schwan und Taube in der Priestersprache als Jahressymbole oft verwechselt werden, und der Cultus der Taube oder des Phönix hatte ja der Provinz Phönicien den Namen gegeben! Auch Stephan Byzantinus nennt Phönicien und die Phönicier xv aoi. Correspondenzen. Wien, 13. Februar. Noch nicht da gewesen! In der Neuzeit lesen wir ein Curiosum, das seiner Lächerlichkeit halber einiger Worte bedarf. Es wird nämlich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.