Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 4 (15.2.1868)
- Date
- 1868-02-15
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Wappen von Holland, auf der andern wieder das der sieben Provinzen abgebildet war. Es war dies eine Ehrenbezeugung, wie sie noch keinen Israeliten zu Theil geworden (Forts, folgt.) Die Juden in Abessynien. Der Krieg zwischen England und Abessynien, dem es schon seit einigen Jahren nicht an einem easus belli fehlte, ist endlich ausgebrochen. Ein starkes englisches Heer hat sich bereits an den Küsten des rothen Meeres eingeschisft, um in das feindliche Land einzufallen. Die europäische Welt, auch jener Theil inbegriffen, dem sonst Schlachtenbulletins nicht die angenehmste Lectüre bieten, ist auf Verlaus und Ausgang dieses Krieges sehr gespannt, weil man sich freut, dadurch Auskunft über ein Land zu erhalten, das in unserem Welttheil beinahe noch eine terra iaooZnita ist. Es dürfte auch für unsere Leser nicht ohne Interesse sein, über Land und Leute in jenem Theile Afrikas etwas Näheres zu erfahreu, da die Kenntniß des Orients der jüdischen Wissenschaft höchst förderlich ist. Möglich auch, daß durch diesen Krieg das Dunkel etwas aufgehellt wird, in dem noch immer Vergangenheit und Gegenwart des jüdischen Stammes der Falascha's gehüllt sind. Abessynien, von den Arabern Habesch genannt, ist ein sehr gebirgiges Land, es besteht aus 3 Theilen, von denen der eine höher liegt als der andere. Zwischen den Bergen sind Klüfte von unermeßlicher Tiefe, und es wird den Engländern ein schweres Stück Arbeit kosten, in das Innere des Landes einzudringen. Der Temperaturwechsel, namentlich in den höchst gelegenen Theilen, ist für europäische Naturen ebenfalls ein bedeutendes Hinderniß der Kriegführung. Am Tage 10 Grad Reaumur, in der Nacht sinkt das Thermometer unter den Gefrierpunkt. Auf den hohen Bergen liegt der ewige Schnee und in den Thälern bringt die ununterbrochen durch 6 Monate währende Regenzeit viele gefährliche Krankheiten. Die meisten Ströme des Landes fließen nördlich und westlich, gegen Osten und Süden laufen nur kleine Flüsse, die in der Sommerszeit fast gänzlich austrocknen. Die steilen unzugänglichen Wege, die oft von wilden Thieren besucht werden, haben für den von den Eisenbahnen verwöhnten europäischen Reisenden ebenfalls nicht viel Verlockendes. Die Einwohner des Landes sind von verschiedener Race und Abkunft. Die ganze Farbenscala vom dunklen Schwarz bis zum lichten Gelb ist in ihrer Haut vertreten. Ihr Charakter ist nichts weniger als liebenswürdig, sie sind mnthig im Kampfe, schlau, geldgierig, arbeitsam und in Glaubenßsachen höchst fanatisch, nur eine strenge Regierung vermag diese wilden Naturen in Zügel halten. Ueber ihre Abstammung ist schwer etwas von ihnen zu erfahren, aus ihren phantastischen Sagen läßt sich kaum ein Körnchen Wahrheit herauslösen, nur so viel ist gewiß, daß die Ureinwohnerschast frühzeitig durch eine von Polygamie und Sklavenhandel begünstigte Racenkreuzung ihren ursprünglichen Typus verloren hat. Im Innern des Landes werden dreierlei Sprachen gesprochen, unter denen die Geessprache die älteste zu sein schein, an den Grenzen spricht man auch einen fast unverständlichen arabischen Dialect. Ueber die Falascha's spricht sich der Reisende Carl Graf von Krakow in seiner Reise nach Abessynien wie folgt aus: „Unter den verschiedenen Bewohnern des Landes ist auch der Stamm der Falascha's. Sie nennen sich selbst Exulanten oder Fremdlinge und besitzen eine Tradition, daß sie von jüdischer Abkunft und zur Zeit des Königs Salomo mit der Königin von Saba, die bekanntlich bei dem weisen König in Jerusalem zum Besuche war, ins Land eingewandert seien. Im Innern des Landes fand ich ein Dorf, das ausschließlich von ungefähr 8000 Falascha's bewohnt war, sie wohnen in strohgedeckten Zelten und nähren sich meistens von Handwerken, sie haben dunkelbraune Hautfarbe, schwarzgekräuseltes Haar wie die Neger. Sie sind von hoher Statur, kräftig, tapfer und unerschrocken. Ihr Glaube ist der jüdische, in den sie jedoch Anschauungen und Gebräuche von den anderen Einwohnern des Landes ausgenommen haben. Nach ihrer Behauptung bilden ihre Stammgenossen im Innern des Landes aus den hohen Bergen ein eigenes unabhängiges Reich, das nur einen bestimmten Tribut an den Herrscher zahlt, im Uebrigen aber sich selbst verwaltet; sonst sind sie redlich, wahrheitsliebend, arbeitsam, genügsam und ihrem Glauben tteu anhänglich. Vielleicht ist es einer späteren Zeit Vorbehalten, dieses historische Räthsel zu lösen. So weit der schon vor Jahreg erschienene Reisebericht. Die erste Ursache des Krieges, den jetzt England mit dem abessynischen Kaiser Theodor führt, ist ein getaufter deutscher Jude namens Stern, der im Dienste der englischen Mission nach Abessynien zog, um die Falascha's zum Christenthume zu bekehren. Er fand anfangs om kaiserlichen Hose eine sehr wohlwollende Aufnahme, brachte aber durch sein übermüthiges Auftreten den Herrscher in solche Erbitterung, daß die angeborne Wildheit Theodors in unversöhnlichen Haß gegen Alles, was von England kam, sich zur unbändigen Wuth steigerte und zu Gewaltmaßregeln und Grausamkeiten gegen die englische Gesandschaft führte, die nun durch die Waffengewalt Großbritanniens gerächt werden sollen. (Nach Hemagid.) Ueber Sprache im Allgemeinen und hebr. Sprache insbesondere, von Dr. H. Weinert. In jeder Sprachgestaltung liegt eine eigenthümliche Weltansicht und umgekehrt sollen wir dem Einflüße der Sprachverschiedenheit auf die Denkkraft, Empfindung und Sinnesart der Sprechenden nachgehen; denn die Sprache ist nicht als eine Aneinanderreihung von Wörtern zu betrachten, jede ist vielmehr ein System, nach dem der menschliche Geist den Laut mit dem Gedanken verknüpft. Ihre zahlreichen Formen gleichen den Thautropfen, die an Halmen und Blättern hängen, wenn die Sonne sich in ihnen spiegelt, jeder Tropfen glitzert dann in einem andern Scheine, je nachdem der einfallende Strahl ihn anders trifft. So bricht sich auch des Geistes Licht in jeder Sprache anders. Und an ihrer Hand können wir dem Gange der geistigen Entwicklung der Menschheit folgen durch alle Umwandlungen der Geschichte, denn die Sprache ist in dieselbe verschlungen und begleitet sie von Stufe zu Stufe. So ungefähr bezeichnet W. v. Humboldt den Weg, den die Sprachforschung verfolge, die bis zur frischen geistigen Quelle der Sprachkraft gelangen will. Die Geisteseigenthümlichkeit und der Sprachcharakter eines Volkes stehen ja in solcher Innigkeit der Verschmelzung in einander, daß wenn der eine gegeben ist, man die andern aus ihm vollständig ableiten möchte. Und zwar gerade wenn wir nicht in ihrer unmittelbaren Nähe ihrer lebendig schaffenden Thätigkeit uns befinden, können wir die Formirung derselben um so prägnanter hervortreten sehen, es ergeht uns dabei wie mit dem Gewölke: solange dieses uns rings umschwebt, sehen wir nur den gestaltlosen grauen Nebel, kaum steigt es aber zum Himmelsbogen, der das Abendroth freundlich malt, erhält es auch schon Umrisse und Farbe für unfern Blick. In jeder Sprache zeigen sich zwei schöpferische Principe wirksam, nämlich der innere Sprachsinn, unter dem eine besondere Richtung, die die gesummten Geisteskräfte unserer Bildung und Gebrauch der Sprache nehmen, zu verstehen ist und dann der Laut. Sprachsinn und Laut verhalten sich zu einander wie bildende Kraft zum bildsamen Stoffe. Wenn die Kraft den Laut artikulirt zum Worte, denn dieses wird dann ebenfalls zum schaffenden Princip in der Sprache, oder der Gedanke haucht dem Laute seine Seele ein und der belebte Laut