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Das Abendland · 1868-02-01 · 3 (1.2.1868) · p. Seite 22

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
3 (1.2.1868)
Date
1868-02-01
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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— 22 — Ende lirubin, sagt Alfasi selbst, daß der palästinensische Talmud für uns alle Bedeutung verloren hat. Ein kritisches Talmudstndimn kann aber den Jer. keinesweges entbehren, einem solchen Studium widmete sich Maimuni, der nachdem Beispiele Alsasi's den Talmud codisicirte, und dem Jer. bedeutende Rechnung trug. Hätten seine Schildträger dieses erwogen, so hätten sie manche Glossengegen M. unterdrückt, und wir hätten eine Masse herbe Rambam's weniger, was nachzuweisen hier der Ort nicht ist. Kehren wir zu Alsasi zurück, teilte Güte und Menschenfreundlichkeit erwarb ihm viele Freunde, doch auch nicht an Kleidern und eben darum ihm feindlich gesinnten Gegnern fehlte es. Er aber war gegen seine Feinde selbst mild und wohlthütig, und freute sich ihnen Gutes erweisen zu können, wie er dieses in seinem Betragen gegen R. Jsak b. Barnch bewiesen, in welchem er uns als Neuster vorschweben sollte, vorn an. Dieser R. Jsak b. Barnch feindete nämlich den R. Alfasi sehr an, und lebte in heftigem Stbeite mit ihm. Bor seütznn Tode ließ er jedoch seinen Sohn Barnch kommen, und — so erzählt dieser selbst (Juchs. 97), sprach zu ihm mit leiser Stimme — da er kaum mehr vernehmlich sprechen konnte: „Geh zu R. Jsak Alfasi und sage ihm, daß ich diese Welt verlasse, um in ein besseres Leben überzugehen. Ich habe ihm längst alle harten Ausdrücke vergeben, die er schriftlich oder mündlich wider mich gebraucht hat, ich bin überzeugt, er wird dasselbe thun, und dir Lehrer werden. Bleibe bei ihm, ich weiß gewiß, er wird dir viel Gutes erweisen und dich in Allem gerne unterrichten." Rach dem Tode seines Vaters ging der verwaiste 17jührige Jüngling nach Lucena. Schüchtern und verzagt trat er vor den großen Mann, und erzählte ihm mit betrübtem Herzen seinen schmerzlich erlittenen Verlust und die letzten Reden seines Hingeschiedenen Vaters. R. Alfasi war tief gerührt und weinte heftig. Er umarmte den Jüngling, drückte ihn an sein Herz, und suchte ihn zu beruhigen: „Du hast deinen Vater verloren, sprach er, weine nicht, ich will dein Vater, und du sollst ein Sohn mir sein." Er blieb von nun an in seinem Hause, genoß seine ganze väterliche Sorgfalt, ward in allen Lehrgegenständen unterrichtet, und durch talmudisch-rabbinische Gelehrsamkeit sowohl, als auch durch Kcnntniß der griechischen Sprache und Wissenschaft ausgezeichnet und nachmals sehr berühmt. Aber auch schon vorher hatte der edle Alfasi den Sohn eines Andern an Kindes statt angenommen, obgleich er ein Freund seines Feindes war, und auf seine Güte keine andern Ansprüche hatte, als daß er große Anlagen besaß, und ein Gelehrter zu werden versprach. Dieser hieß Joseph, und war ein Sohn des R. Meir b. Megas, der in Sevilla lebte. Diese beiden betrachtete er als seine Kinder. Aber auch außer ihnen stellte er viele Schüler aus. Alfasi starb hochverehrt und tief betrauert. Die Grabschrift, welche man auf seinen Leichenstein setzte, und die, welche R. Jehuda Halevi noch hinzufügte (ckost VI. 147) beweisen das hohe Ansehen, in welchem er stand. Wir führen nur die letztere nach Josts Uebersetzung an. — Dir stürmte es am Tag Sinais um den Berg, — Dir, als Gottes Engel deinen Geist umwebten! — Edle Lehren haben sie auf deines Herzens Blatt geschrieben. — Mit hehren Kronen dir das Haupt bekränzt. — Nicht vermögen unsere Weisen zu bestehen, — Wenn nicht sie deinen Rath erflehen. Correspondenzen. Wien, 12. Jänner 1868. — (Schluß.) Auf diesen Trinkspruch folgen einige Worte des Herrn Sonnenschein, welcher die Anwesenden zu einer praktischen Benützung des constitutionellen Vereinsgesetzes auffordert, um durch eine dem Zeitgeiste Rechnung tragende Verbindung zu wissenschaftlichem Zwecke den schiefen Urtheilen und den Voreingenommenheiten zu begegnen, denen der Rabbinats-! Eandidat so allgemein ausgesetzt ist, und dem bedauerlichen Mangel emes Seminars nach Kräften abzuhelfen. Hr. I. H. Weiß, der geachtete Lector am Bet-ha-Midrash, folgt vergnügt der Aufforderung, an die Versammlung einige Worte zu richten, und drückt seine aufrichtige Freude über die beantragte Verbrüderung und über die Tendenz aus, die dem zukünftigen Verein als sicherer Grund, auf den sich unbesorgt bauen lasse, gelegt werde. Durch ein scharfsinnig ausgeführtes humoristisches Eharifoth trägt Hr. David viel zur Gemüthlichkeit des Abends bei, dem er Einiges über die Bestimmung des eventuellen Vereines folgen läßt. „Uns hat, sagt er, der löbliche Gedanke, gegenseitig uns nach innen kennen gu lernen, durch den individuellen Gedankenausdruck anch zu einem klaren Begriff der Anschauungen und Ideen unserer Eonsorten gelangen zu können, ferner die Exclnsivitäj und die frühere Schroffheit zu bannen — heute versammelt. Möge dieser herrliche Gedanke sich nicht den piis desideriis anreihen!" Erwähnung verdient anch die treffliche Parallele des Hrn. Hoffmann zwischen dem Bachur und dem modernen Rabbinatscandidaten. Das Fest endete mit einer etwas längeren Rede des Hrn. Porjes über die unerläßliche Nothwendigkeit eines Rabbinatscandidaten - Vereines, welche sich durch vorurtheilsfreie und offenmuthige Schilderung der gegenwärtigen Stellung der Wiener Rabbinatscandidaten, in geistiger und materieller Beziehung, auszeichnete. Der Tag nach dem Feste brachte dem Festcomite die Mission, den Predigern Wiens über den Enthusiasmus und die Sympathien zu berichten, welche die eingangs erwähnten beiden Toaste hervorgerufen hatten. Am Abend desselben Tages schritt man zur Wahl des Statuten-Eomites, welches bereits, nach Annahme der Statuten, durch einen definitiven Ausschuß abgelöst ist. Letzterer überreicht nächstens Memoranda fceit Doctores Jellinek und Güdemann, um deren Einfluß für unsere Pläne und Vorsätze zu gewinnen. Möge der gute Wille, der uns in unseren dießbezüglichen Bestrebungen bestimmt, vom reichlichsten Erfolge begleitet sein, und die Anerkennung Aller finden, die unser wahres Streben nach geistiger Vervollkommnung mit würdiger Aufmerksamkeit begleiten! Aron Kollek, stucl. Philos. Prag, 26. Jänner. Ich muß voraussetzen, daß der Gebrauch, der Festtag des Monates Schewat werde von den Mitgliedern der Beerdigungsbrüderschaft als ein Bußetag betrachtet, den Lesern des „Abendland" bekannt, eben so daß vor und nach dem Minchagebete geistliche Reden gehalten werden. Durch eine Reihe von Jahren wurden diese Reden von dem in Gott ruhenden Oberrabbiner Rappoport und Herrn Professor Kämpf gehalten. Durch eine Verkettung von Umständen geschah es, daß unter den heurigen Rednern sich nicht einmal Herr Professor Kämpf befunden, worüber sich ein allgemeines Bedauern ausgesprochen. Die Reden wurden von Herrn Dr. Sonneschein im Sitzungssaale der Beerdigungsbrüderschaft und von Herrn Rabbiner Dr. Ehrentheil aus Horic in der Klaussynagoge gehalten. Zeitverhältnisse gestatteten mir nicht erstern Redner anzuhören, der letztere hat aber großen Beifall errungen. Herr Dr. Ehrentheil wußte bei seinem Auftreten durch seine imposante Gestalt und durch seine sonore Stimme die Masse der Zuhörer, welche die große Synagoge überfüllt, für sich zu gewinnen. Als er vollends seine hebräische Einleitung (Reschuss) mit eben soviel Gefühl als Wärme vorgetragen, deren Inhalt durchweht vom Hauche althebräischer Poesie die Zuhörer für ihn eingenommen, und seine große Talmudbelesenheit vereint mit scharfsinniger Auffassung schwieriger Pointen desselben, durch eine kurze, doch gediegene Wiedergabe einerschwierigen Stelle aus dem Traktate Ehullin mit allen Com-

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