Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 3 (1.2.1868)
- Date
- 1868-02-01
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9050333-9094778-9051132--0815-9051137- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
21 Regierung gehegten Erwartungen entsprachen, und Holland ru einem der blühendsten Handelsstaaten erhoben. Besonders gab es unter den Juden sehr reiche und wohlhabende Männer, so daß Benthem in seiner Reisebeschr. Hollands, s. 128 die Herrlichkeit und Pracht einiger holländischen Juden nicht genug rühmen kann. So wird daselbst berichtet, daß der überaus reiche Jude Jsak de Pindo zu Amsterdam reicher als sämmtliche Prinzen Europas gewesen sei. — Ich werde auch nicht ermangeln, das Testament de Pindo's, welches ich in einem Manuscripte in der k. k. Hosbibliothek zu Wien, während meiner Studienzeit daselbst vorgesunden, in einem weiteren Berichte wortgetreu mitzutheilen. — De Pindo ließ zu Amsterdam einen Palast erbauen, welcher an Großartigkeit des Baustyles, wie auch an reicher Verzierung von Gold und Silber, alle Paläste Amsterdams weit überragte. Es befand sich in diesem Palaste ein Saal, dessen Fußboden, in verschwenderischem Style des Mittelalters, mit silbernen blanken Thalern gepflastert war. Er beabsichtigte, die Gitter der Fenster ebenfalls aus reinem Silber anfertigen zu lassen, jedoch mußte er solches, nicht auf Befehl, sondern vielmehr auf wohlwollendes Anrathen der Behörde unterlassen, indem die Behörde ihm die Vorstellung machte, daß durch derartigen Prunk der Neid des Pöbels leicht erweckt werden könnte, und eine Plünderung nicht nur seines Palastes, sondern sämmtlicher von Juden bewohnten Wohnungen zur Folge haben könnte. (Bergl. noch hierüber Orobino in der Einleitung seiner Gesch. Holl. s. 22). — Nicht minder begütert, und in noch höherem Ansehen stehend waren die beiden Juden zu Amsterdam Don Jerome Nunnez de Costa, k. portugiesischer Geschäftsträger, und Don Beimont, spanischer Geschäftsträger zu Amsterdam, welch' letzterer vom röm. Kaiser den Grafentitel erhielt. (Vrgl. Miss. itin. s. 344). — Der Stadttheil, den die Juden zu Amsterdam bewohnten, bildete nicht blos seiner herrlichen Lage wegen, sondern auch ob der Schönheit der Palläste, die sich in demselben befanden, den schönsten Theil der Stadt. — Herrlicher noch als die Privat-Paläste der Juden und reicher ausgestattet, waren die, daselbst von ihnen erbauten Synagogen. Als die Juden im Jahre 1606 scharenweise, nach dem sich ihnen gastfreundlich eröffnenden Holland zogen, gingen sie sogleich an den Bau einer Synagoge, welcher sie den Namen „beth Jakob", i. e. Haus Jakobs, beilegten, weil sie von einem reichen Juden Namens Jakob Tirado gestiftet wurde. (Vgl. Basnag. hist, de juifs. s. 1098). — Im I. 1614 erbauten sie eine zweite Synagoge zu Amsterdam, die sie „Neve Scholom“, i. e. Friedenswohnuug, benannten. Es brach jedoch unter den Besuchern dieser beiden Tempel bezüglich der Wahl, der Form von Gebetstücken ein Streit aus, sie konnten sich bezüglich des Ritus nicht einigen; es sonderte sich^eine nicht unbedeutende Zahl von den Besuchern beider Synagogen ab, sagten sich los vom Synagogenverbande, und errichteten im Jahre 1618 eine dritte Synagoge unter dem Namen „beth Israel", i. e. Haus Israels. — Vorsteher dieser dritten' und prachtvollsten Synagoge war der berühmte David Pardo, und seinem Ansehen gelang es, daß im Laufe der Zeit sämmtliche Besucher der Synagoge „beth Jakob" sich zu der „beth Israel" schlugen, und so standen sich von nun an blos zwei Parteien gegenüber. Diese Trennung und Spaltung dauerte bis zum Jahre 1639, also volle 21^ Jahre. . Die beiden Parteien fingen nun an einzusehen, daß durch die Theiluug und Zersplitterung ihrer Kräfte der Gesammtgemeinde ein großer Abbruch geschehe, sahen ein, daß das Gedeihen, die Blüthe und der Wohlstand sümmtlicher Gemeindeinstitutionen nur durch den Wahlspruch „virihns unitiskl gefördert werden könne, vereinigten sich daher im I. 1639 und erbauten eine vierte gemeinschaftliche Synagoge, welcher sie den Namen „Talmud thora“, i. e. Gesetzlehre, beilegten. Letztere Synagoge soll sowohl an äußerer Pracht und Herrlichkeit wie auch an innerer reicher Ausstattung sämmtliche früher erbaute weit übertroffen haben. Im Jahre 1643 erbauten sie wieder eine herrliche Schule für Erziehung und Heranbildung der jüdischen Jugend, welche den Namen „Bieter thora", i. e. Krone der Lehre, führte. (Vgl. Basnag. hist, de juifs s. 1087). — Als später der Wohlstand und Reichthum der Juden Amsterdams in überaus großer Weise zunahm, und wie doch allgemein bekannt, die Opferwilligkeit der Juden zum Baue eiuer Synagoge unübertrefflich dasteht, begannen sie im Jahre 1670 mit dem Bau einer portugiesischen Synagoge, die an Großartigkeit und Reichthum sämmt liche Synagogen Europas weit überragte, und die noch in heutiger Zeit als Prachtbau glänzt. Der Bau jener großartigen Synagoge wurde im Jahre 1670 in Angriff genommen, mußte wegen Einfalls der Franzosen in Holland im Jahre 1672 mehrere Unterbrechungen erleiden, ging aber dennoch im Jahre 1675 seiner Vollendung entgegen, und j wurde noch im selben Jahre in feierlicher Weise eiugeweiht.! Von den Festpredigten, welche bei Gelegenheit der Einweihung! dieser Prachtsynagoge, gehalten wurden, lese man in (Basnag.! Inst.de Juifs s. 1099) weitläufig, woselbst auch mehrere pracht- I volle Verse sich befinden, die zur Verherrlichung dieses Festes abgefaßt und im Druck erschienen waren. — Was den Bau der Synagoge wie auch seine Ausschmückung betrifft, darüber finden sich ausführliche Berichte in sämmtlichen Reisebeschreibungen Hollands. — (Talander in seiner Hists- 712) berichtet darüber: Die im Jahre 1675 zu Amsterdam eingeweihte portugiesische Synagoge wurde aus lauter Quadersteinen aufgeführt, und sieht eher einer Citadelle als Synagoge ähnlich. Das Gebäude ist viereckig, groß und hoch. Um dieselbe ist eine dicke Mauer gezogen, welche der Synagoge den Anblick einer Festung gewährt. Dieselbe besitzt eine große, geräumige Vorhalle, welche des Tags über als Lehrschule für die Jugend dient. Im Innern der Synagoge befindet sich eine bedeutend erhöhte Estrade, welche als Kanzel dient, und ein prachtvoller Schrank aus Ebenholz, reich mit Gold verziert, zur Aufbewahrung der heiligen Gesetzbücher. Das Dach ist Platt, und mit e.inem hohen Rande umgeben. Es ist blos ein Fehler an dem Baue vorhanden, welcher dem Architekten dabei ins Auge fällt. Dieser Fehler hat seinen Grund darin, als nämlich die Juden den Ban sehr hoch und weitläufig aufzuführen beabsichtigten, und noch obendrein, wie schon erwähnt, mit einer festen Mauer umgaben, besorgte die Behörde, daß sie vielleicht unter dem Vorwände eines Tempels, eine Festung erbauen wollten, um sich im Nothfalle verbarrikadiren zu können. — Die Behörde ließ daher an die Juden den Befehl ergehen, den Bau zu unterbrechen, bevor er noch seine Vollkommenheit erreicht hatte, und so mußte der unvollkommene Bau unter Dach gebracht werden. (Fortsetzung folgt.) Menscheufrcimdlichkeit des K. Ljak Alfasi. Von Dr. M. D u s ch a k. R. Jsak b. Jakob Alfasi war in Afrika 1013 geboren und zur Zeit einer großen Bewegung nach Spanien gezogen im I. 4848. Er kam zunächst nach Sevilla, und ging von da nach Cordova, und übernahm endlich die Rabbinerstelle in Lucena. Hier starb er 1'03 im 90. Jahre. Er schrieb da ein sehr berühmtes Werk über den Talmud, einen vollständigen Auszug desselben, nach seinem Namen Alfasi genannt, welches in großem Ansehen steht, und in den zu creirenden Seminarieu häufig gebraucht werden wird. Er behält, sagt Aboab in der Nomologie 273 dieselben Ausdrücke und Begriffe, die in der Mischna und im Talmud Vorkommen, bei, löst alle Materien durch feste und sichere Schlüsse, läßt diejenigen Gegenstände, die wir in unserm Exil nicht beobachten, weg, und behandelt die übrigen mit bewunderungswürdiger Fertigkeit, so daß sein Werk der kleine Talmud genannt wird, und er ist derjenige Autor, den wir am meisten zu Rathe ziehen und studiren. Was an diesem Werke zu rügen wäre, ist der Umstand, daß es den Jeruschalmi ganz ignorirt.