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Das Abendland · 1868-02-01 · 3 (1.2.1868) · p. Seite 23

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
3 (1.2.1868)
Date
1868-02-01
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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— 23 mentatoren,;u erkennen, und sich dabei der Vortragsweise des alten Rabbiners bediente, hatte er die ganze orthodoxe Partei, und eine solche gibt es noch in Prag, für sich. In der Meinung, daß Herr Dr. Ehrentheil in dieser Vortragsweise seine ganze Rede behandeln werde, verließ mancher Einzelne, doch wie er es später bedauerte, vorzeitig die Synagoge; doch bald bildete Herr Dr. Ehrentheil einen Uebergang in die Vortragsweise der Jetztzeit, und zur Ueberraschung der überzahlreichen Zuhörer bekundete er sich dann als einen der vortrefflichsten Redner, und fand dafür eine solche Anerkennung, daß sich der Vorstand der Hochsynagoge beeilte, ihn zu einer Predigt für Samstag einzuladen, die er auch ohne irgend eine Vorbereitung abermals vor einer gedrängt vollen Synagoge gehalten, obwohl man es erst spät erfahren, daß Herr Dr. Ehrentheil in der Hochsynagoge predigen werde, und gewissermaßen erst Samstag Vormittags Einer dem Andern es auf der Straße erzählte, daß Herr Dr. Ehrentheil nach dem Mussafgebete predigen werde. Herr Dr Ehrentheil hat nun reich an Ehren Prag wieder verlassen, indem er für lange Zeit eine angenehme Erinnerung zurückgelassen. Wie man mir hier erzählt, soll die Warasdiner israel. Cultusgemeinde wieder gesonnen sein den Herrn Rabbiner Längsfelder in Reichenau auf den von ihm früher inne gehabten Rabbinersitz zurückzuberufen. —r. Locale und auswärtige Notizen. Brunn. Das Vorstandsmitglied, Herr David Mandl, erhielt das Bürgerrecht der Landeshauptstadt Brünn und legte am 27. Jänner den Bürgereid in die Hand des Herrn Bürgermeisters Dr. v. Ott ab. * Die hiesige Cultusgemeinde-Repräsentanz besteht aus folgenden Mitgliedern, den Herren: Bloch En., Bum Max, Flesch Fr., Fröhlich M., Gomperz Jul., Herzfelder L., Kafka H., Löw Beer Max, Mandl Dav., Popper Abr., Redlich M., Samnely D., Spitzer Mor., Stößl Med. Dr., Wohlnuith Jgn. Der Bocfllmd Hit -für lae Jahr 1368 folgende Constituirung erhalten. Herr Moriz Spitzer, Präses. In den einzelnen Sektionen sind folgende Mitglieder gewählt. Für die Finanzsection: Fröhlich, Löw Beer, Mandl, Redlich; für die Unterrichtssection: Bum, Herzfelder, Wohlmuth; für die Wohlthütigkeitösection: Bloch, Mandl, Samnely, für die Cultussection: Herzfelder, Mandl, Samuely. * Wie wir hören geht die hohe Regierung mit dem Plane um, schon in nächster Zeit für die westlichen Länder Eisleithaniens ein vollständiges Rabbinerseminar zu gründen und sind bereits von den k. k. Statthaltereien Fachmänner zur Abgabe wohlbegründeter Gutachten ausgefordert worden. * Unser geschätzter Mitarbeiter, Herr Ludwig Lichtschein, Rabbinats - Assessor in Groß-Canischa, wurde von der isr. Cultusgemeinde in Austerlitz zu ihrem Rabbiner erwählt. Derselbe wird sein ehrenvolles Amt in Bälde antreten * In mehreren Gemeinden Galiziens wurden aus Anlaß der neuen Staatsgrundgesetze feierliche Dankgottesdienste abgehalten. Die Juden Galiziens haben besonders Ursache, stch dieser liberalen Gesetze zu freuen, da durch dieselben die früheren Beschränkungen bei Erwerbung von Grundbesitz »ufgehoben wurden. Se. Excellenz, der Herr Minister des Innern, dessen chles Streben überhaupt dahin gerichtet ist, die praktischere Cvnsequenzeu der Verfassung zur Durchführung zu bringen, erließ unmittelbar nach seinem Amtsantritte die bezügliche Instruction an den Statthalter Galiziens. * Herr Max Bum hat aus Anlaß der Confirmation seines Sohnes 100 fl. gestiftet, deren Interessen alljährlich einem armen und braven jüdischen Studenten verabfolgt werden Prag. Herr Med. Dr. M. Teller, als Journalist hinlänglich bekannt, ist von dem Gemeinderath des Badeortes Reinerz in Preußisch - Schlesien zum Ehrenbürger ernannt worden. Smichow im Jänner. Im Vereine „Eintracht" hielt dieser Tage der Obmannsstellvertreter, Herr Leopold Wolf, einen Vortrag über Schultze-Delitzsch und Lasalle und deren Systeme. Der Redner schickte seinem Thema die geschichtliche Entwickelung des Vereinslebens und speciell der Arbeitervereine voraus, hob alle Momente hervor, die entweder hemmend oder fördernd auf die Bildung solcher Vereine einwirkten, indem er die Verhältnisse unter absolutistischen und konstitutionellen Staaten beleuchtete, und belegte seine durchwegs treffenden Ansichten mit unumstößlichen Thatsachen aus der Geschichte, auf welchem Gebiete sich der Vortragende mit ungewöhnlicher Routine und Fachkenntniß zu bewegen versteht. Der ganze mit Wärme und Gründlichkeit durchgeführte Vortrag wurde von allen Anwesenden äußerst beifällig ausgenommen. Pest. Die im israelit. Tempel stattgehabte Emancipatiosfeier wurde unter großer Theilnahme der Bevölkerung in glänzender Weise begangen. Alle Schichten vom hohen Adel und dem Bürgerthum, besonders aber der,Magistrat von Pest und Ofen, die Universität, die Vereine und unter ihnen insbesondere der Gleichheitsklub, waren in auserlesenster Weise vertreten. Oberkantor Friedmann eröffnete die Feier mit einer von ihm componirten Cantate, welche mit Chor und Orgel trefflich exekutirt wurde. Herr Prediger Dr. Kohn hielt hieraus eine Festrede, welche auf die Zuhörerschaft von begeisternder und ergreifender Wirkung war. Nach der Predigt wurde ein zweiter Psalm mit ungarischem Texte, ebenfalls vom Obercantor Friedmann componirt, prücis aufgeführt, worauf der Festgottesdienst beendet war und die Menge des Publikums den Tempel in wahrhaft gehobener Stimmung verließ. Analog der Tempelfeier wurde auch in allen Schulen der Gemeinde ein Dankgottesdienst abgehalten. Eine höhere Weihe erhielt die Feier noch dadurch, bo| unmittelbar nach der rituellen Festlichkeit mehrere Wohlthcmgkeitsakte ausgeübt wurden. Wie wir ferners erfahren, entsendete der Gemeindevorstand ein eigenes Comite, welches unter Vorsitz des um die ungarische Jüdenheit hochverdienten Herrn Dr. Hirschler zu berathen hat, ob und in welcher Weise diesem beglückenden Ereignisse ein bleibendes Denkmal für alle Zukunft gesetzt werde. Auch in andern Gemeinden Ungarns wurde dem freudigen Gefühle durch Festgottesdienste und Wohlthätigkeitsakte Ansdruck gegeben. München Seine Majestät der König hahen die von dem Banquier Joseph Kohn in Nürnberg mit einem Capital von 10,000 fl. unter dem Namen „Sofie->Ko-hn'sche Polytechnikum-Stiftung" g gründete Stiftung allerhöchst zu bestättigen geruht, und genehmigt , daß der durch die Begründung dieser Stiftung bekundete Wohkthütigkeitssinn miltelst des Regierungsblattes zur öffentlichen Kenutniß chehpacht werde. (Israelit.) *-<> r'' Como. Der Gemeinderath hat beschlossen, einen gemeinschaftlichen Gottesacker für alle Confessionen anzulegen'. Wenn wir, sprach der Syndikus bei dieser Gelegenheit, ohne Rücksicht aus die Confession friedlich zusannnen leben, warum sollten wir im Tode getrennt sein? (Ed. ib,). Jtaiien. Der 26jährige Rabbiner Servi in Mondovi ' liefert alljährlich im Decemberhefte des Educatore. Jsraelita interessante statistische Daten über die Juden Italiens, so auch in der letzten Jahresnummer, der wir folgendes entnehmen. Italien zählt in 68 Gemeinden, deren Mehrzahl den italienischen, mehreren jedoch den deutschen oder spanischen Ritus beim Gottesdienst haben, circa 43600 Israeliten. Die geistliche Leitung wird von 39 Rabbinen, deren älteste, der Rabbiner zu Ancona, 77 Jahre zählt, deren jüngste Herr Rabbiner Servi ist, geführt. Manche kleine Gemeinden haben

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