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Das Abendland · 1868-02-01 · 3 (1.2.1868) · p. Seite 19

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
3 (1.2.1868)
Date
1868-02-01
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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nach Amerika getragen. Während in den Gebieten der Neuen Welt, die von anglo-sächsischen und germanischen Stämmen colvnisirt wurden, die socialen und staatlichen Verhältnisse in stetem Aufblühen begriffen sind, seufzt das spanische Amerika unter demselben Banne wie das Mutterland, unter dem finstern Banne des Aberglaubens, des Fanatismus, des blutigsten Bruderkampfes. „Die Spanier — meint Kapp in seiner philosophischen Erdkunde, II.—47, haben wahrlich nur die Keime ihrer heimischen Confusiou und Selbstverzehrung in ihre Colonien gebracht. Sie verbreiteten keine Gesittung uud verfolgten überhaupt keine civilisatorische Idee bei ihren Eroberungen. Wie Rom hat Spanien es nie verstanden in den ihm unterworfenen Gebieten das Vprgesundene zu entwickeln; es hat überall zerstört und nur sich an die Stelle des Zertrümmerten gesetzt. Die Spanier hervorgegangen ans der. Vermischung altrömischer, germanischer, maurischer und hierarchisch-römischer Elemente, trugen nebst einem wilden Religionsschwindel die Idee der altrömischen und maurischen Sklaverei mit der des celtisch-germanischen Feudalismus zugleich über die Meere. Die Spanier begründeten das Vorurtheil von den Racenunterschieden und haben damit der Möglichkeit wahrer Civilisation auf Jahrhunderte hinaus eiserne Riegel vorgeschoben. Wie daheim das spanische Volk Plünderungen, Mord- und Folterscenen, Ketzergerichte als panem et Circenses bedurfte, so verlangte uud übte es Gleiches auch jenseits des Ozeans. Und nicht genug, daß sie die Vorgefundenen alten Culturformen der Mexikaner, deren staatliche und bürgerliche Einrichtungen und selbst Erzeugnis^ der Kunst und Wissenschaft eine nie geahnte Höhe erreicht, schonungslos zu exstirpiren trachteten, sie verfuhren auch mit solchem Vandalismus gegen die Denkmäler, sowohl die steinernen als die handschriftlichen der alten aztekischen Cultur°), daß es dem geschichtlichen Forscher schwer wenn nicht unmöglich wird, ein klares genaues Bild derselben zu entwerfen. Bischof Limenes, der in Granada an den reichen Bücherschätzen der Mauren das Vernichtungöwerk eines Omar übte, fand in Mexiko eineyMfirdigen Genossen an dem Bischof Zumarraga, der in blindMWuth die Hieroglyphenrollen und Schristmalereien verbrannte. Drüben lieferten also die Spanier blos die Illustration zu Hegel's Wort: „Amerika ist der Wiederhall der alten Welt." — (Forts, folgt.) i Me ach cm Mendl Krochmal. Von Dr. M. H. Friedländer. lieber diesen jüdischen Gelehrten des 17. Jahrhunderts wurde uns vom Hemm Dr. M. H. Friedländer, Rabbiner in Kanitz, eine biographische Skizze zugeschickt, aus der wir, in Rücksicht auf den durch anderweitige Arbeiten beengten 5) Viele von den schriftlichen Denkmälern entgingen durch die Pietc der Eingebornen der Vernichtung, und vornehme Indianer benütz ten dieselben bei der Abfassung der Annalen ihres Vaterlandes. Oben« steht unter diesen mexikanischen Schriftstellern Don Fernando Cor tez Jxtlilxochitl, den Bustameute, den mexikanischen Cicero nenn ein Sprößling der Königsfamilie von Tezcoco. Ferner drei ander Jxtlilxochitl, Abkömmlinge der königlichen Häuser von Aeolhurca und Mexiko. Tadco de Nica; Gabriel d. Avala; die berühmte Don Maria Bartola von Jxtapalapan;'I. V. Zapata y Mendoza; Pedr Ponce; Fern. d. Alv. Tegozomoc; Christoph bei Castillo; I. E Chimalpain; D. Dt. Camargo; I. B. Tobur. Diese schrieben ihr Memoiren rn mexikanischer oder in spanischer Sprache und wurde sie zumeist von Sahagnn, Torquemada, Signenza y Gongora Chavizero und Beytia benutzt. Wie schwierig es früher war, sic einen Einblick in diese alten Documente zu verschaffen, sagt ei Autor des 16. Jahrhunderts: In hispanieis bibliothecis mult supersunt manuscripta: sed ut dracones opibus suis incu bant, neque tarnen iis uti vel possunt vel volunt. Morhofius Polyhistor. I., 66. In europäischen Bibliotheken befinden sich noc mexikanische Hieroglyphen; und zwar Codex Telleriana, die Samm lung des Mendoza, Botmini, die Bodleyanische, Vaticanische, Bor gianische, wie in Bologna, in der Wiener Hofbibliothek, in de Dresdener und die Feyervarysche. Vgl. Clavigero, Storia del M I„ 17. . . Raum unseres Blattes, mit Hinweglassung der amplificirenden Zugaben uud Reflexionen des Verfassers, folgende wesentliche Daten entnehmen. M. M. Krochmal, Sohn des Abraham Krochmal, wurde in Krakau geboren. Sein Geburtsjahr läßt sich nicht genau ermitteln Er war einer der eminentesten Schüler der R. Joel Cerkas (vulgo Bach), dessen Biographie Herr Dr. Friedländer in der vorigen Nummer des „Abendland" mittheilte Schon als ganz junger Mann war K. Rabbinats- Assessor in Krakau, und sein genannter Lehrer verwendete ihn bei verschiedenen religiösen Funktionen als Assistenten. Ungefähr 1636 kam er als Rabbiner nach Kremsier, um 1640 wurde er als Rabbiner nach Proßnitz, und gegen 1645 wurde er als mährischer Landesrabbiner nach Nikolsburg befördert. Hier wirkte er ungefähr 16 Jahre und endete auch allda am 2. Schebat 5421 (1661) sein thätiges, dem Studium der damaligen jüdischen Wissenschaft geweihtes Leben. Als Landesrabbiner präsidirte er der am 6. schebat 1651 abgehaltenen Versammlung der mährischen Notabeln (Waad), wobei die sogenannten Schai Tekanoth (310 Statuten) festgestellt wurden. Seine hervorragende Gelehrsamkeit brachte ihn in Correspondenz nicht nur mit den größten Koryphäen seiner Zeit, sondern auch mit den entferntesten Gemeinden, die in religiösen Fragen seine Entscheidung einholten. Wie sein Wissen war auch sein Charakter ausgezeichnet. Von seiner seltenen Bescheidenheit mag folgendes Factum Zeugniß geben. Als im Jahre 1648 der grausame Hetmann Chmelniki mit seinen blutgierigen Kosaken gegen die Juden in Polen wüthete, wanderten viele dortige Rabbinen nach Deutschland aus. Unter diesen war auch der unter dem "Namen Schach allgemein bekannte R. Sabbatai Kohen. Er kam nach Holleschau, wo er sich um den eben vakanten Rabbinatöposten bewarb. Der Gemeindevorstand zog über ihn bei unserem Krochmal briefliche Erkundigung ein. Zufälliger Weise befand sich gerade R. Josua Heschel, Vers, des Mogine Schlomo und der Rechtsgutachlen Une Jehosehua in Nikolsburg bei Krochmal auf Besuch als der Holleschauer Brief anlangte. Der Landesrabbiner fragte seinen Gast, nachdem er ihn mit dem Inhalte des Briefes vertraut machte/ ob er Sabbatai Kohen kenne? „ Sollte ich, rief der Gefragte,, meinen vorzüglichsten und würdigsten Schüler nicht kennen? Glaube mir, du 'würdest klug handeln selbst das Holleschauer Rabbinat zu übernehmen und dem Sabbatai Kohen das Landesrabbinat zu überlassen." Mit einer Selbstverleugnung ohne Gleichen theilte Krochmal dem Holleschauer Vorstände die Aeußerung Heschels wörtlich mit. Eine natürliche Folge derselben war, daß Sabbatai Kohen sogleich als Rabbiner in Holleschau einstimmig gewählt wurde. K. war mit seinen Kindern sehr glücklich. Er hatte 3 berühmte Schwiegersöhne. Gerson Aschkenasi, als Wiener- Rabbiner, bei der Vertreibung der Juden aus Wien 1670 mit exilirt, starb 1694 als Oberrabbiner zu Metz, Jakob ben Jecheskel verschied am 26. Nißan 1671 als Landesrabbiner in Nikolsburg, endlich R. David, Rabbiner in Eisenstadt, Ung.-Brod und zuletzt in Trebitsch, wo er am 27. Tischri 1718 im Alter von 90 Jahren starb. Krochmal hatte auch einen gelehrten geistreichen Sohn, Jehuda Löb, der die Rechtsgutachten seines Vaters unter dem Titel „Zemach Zedek" edirte: Dieser Sohn kam sehr jung als Rabbiner nach Trebitsch, von da wurde er nach dem Tode seines Vaters als Landesrabbiner nach Nikolöburg berufen, und von da 1681, immitten seiner Berufsthätigkeit in das bessere Jenseits abberufen. Das Urbild von Shakespeare's „Kaufmann von Venedig!" Bon Leopold Wolf in Prag. Im eilften Buche des Lebens des Papstes Sixtus V. erzählt Gregorio Leti folgendes Exempel, wie der genannte Papst *

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