Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 3 (1.2.1868)
- Date
- 1868-02-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/9050333-9094778-9051132--0812-9051134- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
18 fcmiimr aufgefordert wurden, und selbstverständlich auch der Präsident des^ Comite, Herr Landesrabbiner Placzek. (Forts, folgt.) Inden und Mexikaner. Bon Dr. B. Placzek.*) (Fortsetznng.) II. V)enn unter den Hyänen des Cap, den Tigern Bengakens, den Haien der Südsee ein von der Natur bevorzugtes Ungethüm — den Traum eines excentrischen Darvinianers zur Wahrheit machend — als Schriftsteller seiner Nace hervorträte, der mit innerem dämonischem Behagen all die blutigen Gräuel und wilden Orgien seiner Sippe schilderte, die düstern Todtemnttler der Einen, die rasende Mordlust Jener nnd die unersättliche Gier dieser — es würde entsetzt zurückbeben vor den ^Lchmtdthaten eines noch größeren Ungeheuers — der spanischen Inquisition. H Vom Krokodil berichtet die Physiologie: Im Kopfe hat es warmes Blut, doch im Herzen kaltes. Ein gleiches Naturell hatte die Inquisition. Es war nicht die Leidenschaft des Herzens, es war die Leidenschaft des Kopfes, da sie die gräßlichen Verbrechen, die größten, die je an der Menschheit verübt wurden, begehen ließ. Sie war grausam nicht im glühenden Drange tobender Gefühle, sondern mit nüchterner teuflischer Besonnenheit. Ihr Gehirn brütete jene Schrecken ans, die namenloses Unglück über die edelsten, erlauchtesten und betriebsamsten Bürger der Pyrenäischen Halbinsel brachte, über diese den Fluch heransbeschwor, der noch heute auf ihr erdrückend lastet* 2) — ihr Gehirn ersann die Gräuel, ihr Herz aber *) Zu unserem Leidwesen sind in dem 1. Artikel dieses trefflichen Aufsatzes mehreren Druckfehler stehen geblieben, von denen wst die folgenden sinnentstellenden hiemit verbessern. — S. 9, Z >mtt „Forste" I. Horste. — Z. 20. statt „wandert" l wendet. — 23, statt „nach" l. noch. — Z 24 statt „besonders" l. besondern, statt „verbindet" l. verbinden. — S. K 'Anmerkung, Z. 6 statt „Nefum" l. Pfauen. , Die Redaktion. ') Das Jnquisitionstribunal, das Glaubens- und Ketzergericht gegen jene' Juden, die selber oder deren Vorfahren durch Feuer und Schwert gezwungen sich äußerlich zur christlichen Religion bekennen mußten, ward von dem Königspaare Ferdinand und Jsabella, den Beherrschern von Castilien und Arragonien, am 17. Sept. 1480, durch die Bulle des Papstes Sixtus I\ vom Nov. 1478 dazu ermächtigt, eingesetzt und zwar zuerst blos für Sevilla. Die erste Ketzerverbrennung (Auto da Pe-^Glaubens-Schauspiel) ward feierlich begangen am 6. Jan. 1481. Schon im nächsten Jahre ward die Inquisition auch auf Arragonien nnd die andern Provinzen ausgedehnt. Joao, der dritte König von Portugal, suchte durch seinen römischen Gesandten Bras Neto von dem Papste Clemens VII. im Sommer des I. 1531 die Bulle zur Einführung der Inquisition zu erwirken. Diese Bemühungen stießen Anfangs auf den heftigsten Widerstand. Der edelgesinnte greise Cardinal Lorenzo Pucci bekämpfte glücklich die portugiesischen Umtriebe. Doch dieser treue Anwalt der Juden starb bald (im Aug. 1531) und so erließ Clemens, gedrängt von dem Kaiser, in dessen Reiche die Sonne nicht — aufging, die Sonne der Freiheit und des Rechtes, die Bulle zur Errichtung der Inquisition (17. December 1531). Zwar wurde diese durch den Einfluß des Marannen, Duarte de Paz, in Folge eines päpstlichen Breve vom 17. Oct. 1532 außer Kraft gesetzt, aber nach langen erbitterten Kämpfen zwischen dem portugiesischen Hofe und der pM. lichen Curie auf die stürmischen Forderungen Carl's V. hin voll Paul III. durch die Bulle vom 23. Mai 1536 endgiltig bestätigt. Die Inquisition wurde erst im I. 1810 aufgehoben. Vgl. Jost, Gesch. d. Judenth. und s. S. III. cap. XV., XVI; Grätz, Gesch. der Juden VIII. cap. 12., 13., 14. Kayserling, Gesch. d. Juden in Port. I. cap. 5. bis 10., II. cap. 1. bis 4. nach den Quellen: Herculano, Hist. d. Port; Schäfers Gesch. von Port.; Llouteiro, Hist, da 8. Inquisicao . . . Samuel Usque, Consolac. os Trib. de Ysr.; Sonza, Provas; A. de Castro, hist, de los Jud. en Esp.; Llorente, Gesch. d. Jnquis.; Prescott, Ferd. und Jsab.,— Lindo, Lafuente, Lurila, Zuniga, Goes, Cacuto, Banaldez, Chronik, Jbn Berga, Schewet Jehuda, Abravanel, Einl. zum Comment d. B. d. Könige, Ges. Jer.; Aboab, Nomol.; Jbn-Jachja, Schalsch. hakab.; G. Heine in Schmidts Zeitschrift . . . u. A. *) Charakteristisch hiefür ist der jüngste Schandfleck an Spaniens Geblieb kalt, wenn sie Tausende von „Maranen" (geheime Juden, Schemchristen, Zwangtüuflinge) zerfleischte oder der Berzwelstung in die Fänge trieb. Ihr Herz fühlte kein menschlich Rühren beim Schmerzensschrei einer Mutter, beim tiefen Stöhnen sterbensmüder Greise, beim Hilferuf klagender Kinder. Das spanisch-portugiesische Volk, wenn cs mit tollem Jubel den herzzerreißenden Jammer der Juden beantwortete, wenn es hohnlachte bei haarsträubenden Scenen, deren Schilderung das Blut und die Feder eines Bischofs2) stocken machte, so geschah es in der Gluth infernalischer Leidenschaft; doch die Inquisition würgte mit kalter Berechnung ihre Opfer Sie berechnete mit pathologischer Sicherheit die Größe des Schmerzes, um die höchste Marter für den Unglücklichen zu erfinden; sie berechnete mit anatomischer Genauigkeit die Tiefe der Wunde, die sie dem Opfer versetzen durfte, ohne es auf einmal hinzuschlachten; sie berechnete mit dem Scharfsinn eines Psychologen die Oualen der Seele, um die peinlichsten auszuwählen. Die Inquisition machte den schwärzesten Verrath, die giftigste Verläumdung zu ihrem Boten, die verwegenste Lüge, den finstersten Wahn, die wildeste Gier zu ihrem blinden Werkzeuge, der schrecken, das kalte Entsetzen zu ihrem Vorläufer, Tod und Verderben zu ihrem Gefolge, sie machte Mordbrenner zu ihren Bundesgenossen, Fürsten' zu ihren Häschern, Könige zu ihren Kerkermeistern und Herrscher zu ihren Sklaven, sie umwandelte herrlich prangende gottgesegnete Gefilde in ein verwünschtes Land voll Grauen und Verwüstung, voll Kerker, Folterkammern, Marterhöhlen, Scheiterhaufen, Richtstütten, voll Moder und Verwe,ung, voll Jammer und Roth und all das in majurem dei gloriam? so sagte sie; aber in Wirklichkeit nur gestachelt von bodenloser Herrsch- und Habgier. H Die Inquisition, in deren heiligem Office noch heutzutage eine Partei die Rettung der Gesellschaft erblickt und deren grausamster Executor, Thomas Torquemado's rechte Hand, Don Pedro Arburg d. Epila jüngst als hehres Vorbild für alle Gläubigen hingestellt ward — sie hat doch ein Gutes: sie zeugte, die unendliche Kluft zwischen dem Thier und dem Menschen nach dessen beiden Polen hin — als Henker oder als Märtyrer — eine Kluft, die schwersiWein Bogt, ein Moleschott, ein Büchner mit ihren Theorien auszufüllen vermögen. Die Erfinder der Inquisition, sie wurden die Entdecker Amerikas, die Schergen der Inquisition — dessen Eroberer, und die Henker des jüdischen Adels — so nannten sich die spanisch-portugiesischen Juden in hohem Selbstgefühl — sie wurden auch die Henker der Mexikaner. Und nicht die Cultur, den Fluch ihres Landes haben die Spanier übers Meer schichte, die Adresse vom 10. Jänu. d. I., die der spanische Senat beinahe einstimmig an die Königin votirte, sie beglückwünschend, daß sie würdig sei, die Nachfolgerin jener ersten Jsabella zu sein und auf dem Throne Philipps II. zu sitzen. Einer der wenigen Gesinnungstüchtigen bekämpfte die Adresse nnd sagte unter Anderem: „Ich sehe nicht darin was geeignet wäre, das große Problem der öffentlichen Ordirung zu lösen und jener Ebbe und Fluth von Pronunciamento's und Reactionen ein Ende zu machen, welche die lebendigen Kräfte des Landes vernichtet haben. — Im Allgemeinen hat es bei uns nie etwas Anderes gegeben als aufrührische Oppositionen und tyrannische Gewalten. Bon Pronunciamento zu Pronunciamento, von Reaktion zu Reaktion sind wir dahin gekommen, daß . . . die Corrnption und Verwirrung bis an den häuslichen Herd gedrungen!" 2) D Fernando Continuo, Bischof von Silves, Rath des Königs Joao II. von Portugal, erzählt: Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, wie viele an den Haaren zum Taufbecken geschleift wurden, wie ein Vater mit verhülltem Haupte unter Schmerz und Klagen seinen Sohn dorthin begleitete und den Allwissenden zum Zeugen anrief daß sie, Vater und Sohn, vereint als Märchrer für das Judenthum sterben wollten. Ich habe noch weit Schrecklicheres, unaussprechlich Grausiges gesehen." Grätz VIII. 392; Kayserling, 132. 4) Cardinal Lorenzo Pucci erklärte dem portugiesischen Gesandten geradezu, „daß beim Könige Joao 111. wie bei seiner Großmutter, der Königin Jsabella, mehr der Ehrgeiz und das Haschen nach den Reichthnmern der Juden es sei als der Eifer für den Glauben, was ihm zur Errichtung des Jnquisitionstribunals triebe," Herculano I., 223. bei Kayserling, 184.