Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1868-01-15 · 2 (15.1.1868) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
2 (15.1.1868)
Date
1868-01-15
Page
Seite 15 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9050333-9094778-9051123--0808-9051130
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Möge das Andenken des edlen Stifters zum Legen | bleiben und fein schönes Beispiel zur Nachahmung ^usj muntern. . „ „ . . ' .! * Die beiden Comrte's über Prcgemmar- und Religionsunterricht in den Bolksschnlen sind zur Fortsetzung ihrer Berathungen auf den 27. d. M. hieher elnberusen. Die Mitglieder'erhalten laut h. Statthalterei-Erlap aus vem Landeömassasond 4 fl. Diäten täglich, die Tage der Her- und Rückreise mitbegriffen. ...* In der vorigen Nummer dieses Blattes sind in dem Artikel * Abwehr" von Herrn Simon Hock^ drei hebräische Buchstaben hineingekommen, die gar keinen Sinn geben, wir > bitten dieses Versehen zu entschuldigen. Es ist anstatt der > falschen Buchstaben *777 zu lesen. Die Notiz aus Hohenems j iit derselben Nr. ist dahin zu berichtigen, daß Herr Bürgermeister Samuel Menz nicht das goldene Verdienstkreuz, sondern die goldene Medaille mit dem Allerhöchsten Wahlspruch erhielt. Wien. Der Gesammtvorstand der isr. Cultusgemernde hat namens der Gemeinde dem abtretenden Vorstands-Präses, Herrn Josef Wertheimer eine Dankadresse für^sein verdienstvolles Wirken während seiner 25jährigen Functionsdauer überreicht. * Zwei Mal Wienerin Einem Mädchen, einer geborenen Wienerin, welches vor einigen Tagen, nachdem es auf Ansuchen in den preußischen Ünterthanenverband ausgenommen worden war, in Breslau äus Liebe zu ihrem Bräutigam zum Judenthum übertrat, ist vom Wiener Magistrat der Eheconsens mit dem Bemerken zugestellt worden, daß es nach vollzogener Verehelichung wieder der Zuständigkeits-Gemeinde ihres Mannes angehört, folglich zum zweiten Male eine Wienerin geworden sein wird. Aus Glogau wird der „Ger.-Ztg." nachstehender Vorfall gemeldet: Als in vergangener Woche Generalmarsch geschlagen wurde und die alarmirte Garnison ans allen Enden und Winkeln der Stadt mit militärischer Hast zusammenströmte, da geschah es, daß ein Mann durch eine Abtheilung Cavallerie übergeritten wurde und, mit Schmutz bedeckt, aus dem Straßenpflaster besinnungslos liegen blieb. Ein menschenfreundlicher Offizier hatte den Unglücklichen kaum bemerkt, als er auch sofort einen Arzt zur Hilfsleistung herbeirief. Der Stabsarzt Herr Dr. Blaß, erschien, betrachtete den Verunglückten und that, auf Grund des Nasenbefunoes — (der Verunglückte hat eine etwas markirte, gebogene Nase) — den Ausspruch: „Ist ein polnischer Handelsjude! mau bringe ihn in's jüdische Spital!" — Und es geschah also: Vier Mann luden den Besinnungslosen aus ihre Schultern und brachten ihn in's Judenhospital. Hier wurde er von Schmutz und Blut gereinigt und sorgfältig behandelt, bis er zur -Freude des Arztes wieder zur Besinnung kam. „Wo bin ich?" fragte er erstaunt seine Wärter. — „Im jüdischen Hospital!" — „Aber, mein Gott, wie komme ich hierher?" — Man erzählte ihm, was vorgefallen sei, und daß man ihn als Juden hierher dirigirt habe. Der Patient lächelte trotz seiner Schmerzen, und schüttelte den Kops. „Sind Sie kein jüdischer Handelsmann?" fragte der Arzt. Der Patient schüttelte abermals den Kops. „Nun wer sind Sie denn?" — „Ich bin der Rittergutsbesitzer und Geh. Legationsrath Jordan!" war die Antwort. Der Herr Rath soll sich bereits ans dem Wege der Besserung befinden und keineswegs darüber ärgerlich sein, daß er, seiner Nase wegen, in die Hände jüdischer Samariter gerathen ist. Heidelberg. An der hiesigen Universität sind an den 3 Facultäten isr. Docenten in hervorragender Weise thätig. Als ordentlich-öffentlicher Lehrer gehört der juristischen Fakultät Prof. Goldschmidt, der philosophischen Prof. Weil an, Mer hochgeachtet in der gelehrten Welt als Autorität im Handelsrecht und bei der studirenden Jugend wegen seines klaren und gediegenen Vortrags sehr beliebt, dieser ein ausgezeichneter Kenner der orientalischen Literatur, ist auch in weitern Kreisen durch seine Arbeiten, die sich auf die Geschichte des Islams beziehen, bekannt. Außerordentliche Professoren sind 2 jüdische Med keiner, der Pathologe und practische Arzt Dr. Oppenheimer und der Ohrenarzt Dr. Moos, als Privatdocent wirkt in der medicinischen Facultät^ Dr. Bernstein. Außerdem lehren als Privatdocenten Dr. Ascher, der mit großer Strebsamkeit das römische Recht bearbeitet und Dr. Lesmanu, der sich mit Sprachvergleichung und dem diesem Srudinm zu Grunde liegendem ^Sanscrit beschäftigt. Prof. Oppenheimer steht auch an der spitze eines^Vereins, der es sich zur Ausgabe gesetzt hat, arme jüdische Studenten zu unterstützen. Eine Eollecte, die vor Kurzem unter den Wohlhabenden der studirenden Glaubensgenossen ^statt fand, hat in die Kasse dieses Vereins eine ansehnliche Summe geliefert. (Israelit.) * Ein Candidat des höheren Schulamts, ein früherer Hannoveraner von Geburt und Israelit von Confession, welcher die vorgeschriebenen Prüfungen gut bestanden, hatte sich zum Eintritt in das practische Lehramt bei der Regierung in Wiesbaden vorschriftsmäßig gemeldet, wurde aber nach einer in Nassau noch bestehenden 'Verordnung, wonach Israeliten der Zutritt zu dem Gymnasiallehramt verschlossen ist, abgewiesen. * Hosrath Fricdlüttder. Aus Bukarest geht uns vom 10. December, Nachmittags (Stunde und Minute ist leider nicht angegeben) folgende hochwichtige Mittheilung zu: „Die Gerüchte von einer Entlassung des fürstlichen Cabiuets-Secretairs, Hofraths Fried länd er, entbehren jeder Begründung. Im Gegentheil ist derselbe zum Chef des fürstlichen Cabinets ernannt worden." Friedländer stammt bekanntlich aus Breslau, wo er früher einen Cigarrenhandel betrieb, und ist Jude. - Altona. Ans der hiesigen Stadt wurde Herr Obergerichtsadvocat Marburg als Abgeordneter zum norddeutschen Parlament gewählt. Bei Ablegung des Eides erhob er nicht wie die andern Abgeordneten seine 3 Finger; von andern Abgeordneten anfmerksam gemacht, dieß zu thuu, antwortete er: „Ich kann nicht anders schwören, ich bin Jude." Ramsgate. Eine Deputation der hiesigen Stadt verfügte sich zu unserem gefeierten Mitbürger Sir Moses Montesiore, um ihm wegen seiner letzten Reise nach den Donausürstenthümern ihre Sympathien und ihre Verehrung auszudrücken, und ihm zu seiner glücklichen Rückkehr zu beglückwünschen. Die Deputation stellte zugleich an den berühmten Philantropen im Namen der Einwohner der Stadt die Bitte, er möge gestatten, daß sein aus Kosten der Commune anzusertigendes Bild in einem Saale des Stadthauses aufgestellt werde. (Univ. isr.) Venedig. Durch Herrn Rabbiner Abr. Lattes hat ein nicht genannt sein wollender Menschenfreund nachfolgende bedeutende Suinmen gestiftet: 5000 Lire für einen jungen Israeliten, der sich mit der Absicht dein Apothekerstande widmet, mit Hilfe seiner chemischen Kenntniße ein Laboratorium zu gründen, worin die Medicalien bereitet werden, um nicht auf den auswärtigen Bezug derselben angewiesen zu sein. Die Summe wird dem Aspiranten erst dann verabfolgt, wenn er das Doctorat der Chemie erlangt hat und zur Einrichtung des Laboratoriums schreitet. — 1000 fl. für eine Familie, die sich durch ein bürgerliches Gewerbe selbstständig und von jeder anderweitigen Unterstützung unabhängig ernähren könnte. Der Spender wünscht namentlich, daß ein in Venedig noch nicht heimischer Industriezweig ins Leben gerufen würde. Die erwähnte Summe könnte theils zur Einrichtung, theils zum ersten Betriebe des Gewerbes verwendet werden. — 1000 Lire für einen redlichen Familienvater, der sich mit Hilfe dieser Unterstützung durch einen commerziellen Industriezweig redlich ernähren könnte. — Das größte Lob verdient ein solcher Ehrenmann, der weit entfernt mit seiner Wohlthätigkeit glänzen zu wollen, vielmehr^ die Hand unsichtbar macht, die so reichlich spendet, und in seinem Gewissen, in seinem Gotte einen größern Lohn findet als in den Lobpreisungen der Oeffentlichkeit. (Corriere Israel.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.