Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 2 (15.1.1868)
- Date
- 1868-01-15
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Dr. Sonneschein, Prediger der Neusynagoge designirt, für den Abendvortrag, Herr Dr. Ehrentheil, Rabbiner :n Horic berufen. Die Personenfrage wäre somit erledigt, doch ohne Folgen ist der Sturm nicht geblieben. Der Borstand der Klaussynagoge machte Schwierigkeiten seine Räume für die Feier herzugeben, und so wird dieses Jahr der Abendgottesdienst nicht nach den Willen des hohen Rabbi Löw, des Gründers dieses alten ehrwürdigen durch seinen pietätsvollen Zweck wie durch seine bis auf die neueste Zeit bewährte selbstverläugnende Thütigkeit ausgezeichneten Vereins, in der Klaussynagoge sondern in der Pinkassynagoge abgehalten. Wir wünschen den Bereinsmitgliedern zu dein etwas weiten Weg vom Sitznngssaale der Bruderschaft bis zur Pinkassynagoge ein günstiges Wetter. — Zum Schlüße meiner heutigen Correspondenz, nehmen Sie noch die Nachricht, daß die Meiselsynagoge ernstlich die Absicht hat, eine Orgel anzuschafsen, vielleicht kann ich Ihnen bald Aehnliches auch von andern Synagogen mittheilen. V Breslau im Januar. Am jüdisch-theologischen Seminar haben am 31. December, 1. und 3. Januar die Rabbinerprüfnngen stattgefnnden. — Die beiden Candidaten Dr. H. Bogelstein aus Lage in Lippe Detmold und A. Sidon ans Tyrnau in Ungarn haben sich derselben unterzogen und sie, wie man vernimmt, mit glänzendem Erfolge bestanden. — Der dritte Eandidat Dr. Alex. Stein aus Grombach in Baden fungirt schon seit September v. I. als Rabbiner in Worms (vergl. die Breslauer Eorrespondent in Nr. 15. des „Abendland" v. I. 1867), und hat schon vor seinem Abgänge von Breslau im Sommer sein Examen gemacht. — Es sei mir bei dieser Gelegenheit gestattet, etwas Näheres über das Rabbiner-Examen an: Breslauer Seminar mitzutheilen. — Häufig schon wurde den: Seminar besonders von Laien der Borwurf gemacht, daß der Zeitraum von sieben Jahren, welchen der Herr Director Frankel zur Erlangung der rabbinischen Reise sestsetzte, ein viel zu langer sei. — Wer aber nur einigermaßen die Stellung eines Rabbiners der Jetztzeit kennt, wer da weiß, wie viel die Gegenwart von ihm verlangt, wird in obigen Borwurf nicht einstimmen, ja wird zugeben müssen, daß ein Eandidat auch bei ausgezeichneten theologischen und wissenschaftlichen Vorkenntnissen während des siebenjährigen Besuches der Anstalt noch sehr fleißig sein und alle seine Kräfte anspaunen muß, wenn er nach diesem Zeiträume Rabbiner und Prediger nicht bloß heißen, sondern auch sein will. — Der Director des Seminars kennt seine Zeit und ihre Ansprüche; die wissenschaftlichen Anforderungen, die er darum auch an den mit einem Zeugniße der Rabbiner-Reise zu entlassenden Hörer stellt, sind sehr groß, aber vollkommen berechtigt. — Schon ein Jahr vor dem eigentlichen Rabbiner-Examen muß sich der Eandidat einer Vorprüfung unterziehen, deren Erfolg ein sehr guter sein muß, wenn er zur Hauptprüfung im nächsten Jahre zugelassen werden soll. Die Gegenstände des Proexameno sind: die Bibel im Allgemeinen, Pentateuch mit den vorzüglichsten Eomuieutatoren, die Targumin, Raschi. Ramban , Jbn Esra und Raschbam, jüdische Geschichte, Einleitung in die Mischna nnd die Midraschim, und die Literatur der nachtalmudischen Responsen, Außerdem muß eine religionsphilosophische Arbeit vorglegt werden, deren Thema vom H. Director angegeben wird. (So fiw die diesmaligen Candidaten: das religionsphilosophische System des Maimonides und Nachmanides nachgewiesen aus ihren Commentaren zur Bibel). — Bor der eigentlichen Prüfung, die gewöhnlich Ende December oder Anfangs Jänner stattfindet, hat der Examinand noch mehrer (gewöhnlich 6—8), ihm vom Director bestMnte. Abhandlungen aus dem Gebiete des Talmuds heb räisch^uszuarbeiten, wobei besonders auf principielle Auffassung und klare Darstellungsweise gesehen wird. — Und nun erst beginnt die Hauptprüfung aus dem Talmud, insbesondere jener Tractate desselben, die, wie Gittin, Ketuboth, Chullin^ rc. heute noch von praktischer Wichtigkeit sind. — Zum Talmud wird verlangt eine genaue Kenntniß der Tosaphot (mit ihren Erklürern), Raschba zu den resp. Traktaten, Rosch^Ran, Schitta Mekubezet, ferner Alfasi und Rambam. — Selbstverständlich gehören auch Jore Dea und Eben Haeser zu den Prüsungsgegenständen. — Hat nun der Eandidat in dem 3- bis 4tügigen Examen die Feuerprobe glücklich bestandenen Allem den H. Director befriedigt, so hat er wohl das schwerste hinter sich, aber er darf immer noch nickt auf seinen Lorbeern ausruhen — der künftige Rabbiner soll auch im L-tande sein, in seiner Gemeinde das Talmudstudium zu Pflegen, und hat darum die Befähigung hierzu; noch in einem talmudischen Vortrage, bei dem die Debatte! gestattetest, zu bekunden. Diese Deraschas finden öffentlich, i in der Seminarsynagoge statt und werden nicht bloß von den Seminaristen, sondern auch von vielen Fremden, sogar Prosessoren der Universität besucht. — Jetzt erst wird er vom! H. Director für reis zur Uebernahme eines Rabbinats erklärt I und erhält am 27. Jänner, dem Gedächtnißtage des Semi-! narstifters, das wohlverdiente Diplom. — Das Predigen; gehört nicht zu den Prüfungsfächern, da jeder Seminarist schon zwei, drei Jahre vor der Entlassung in der Synagoge der Anstalt öfter predigen muß und dabei zur Genüge Gelegenheit hat. sein Rednertalent zu bekunden. — H. K. Locale und auswärtige Kothen. Drünn. Ihrem Wunsche entsprechend, geehrter Herr Redacteur! theile ich Ihnen über den am 29. v. M. allhier verstorbenen Dr. Bachrach und dessen hinterlassenen Legate folgendes mit. B. wurde 1806 in Nikolsburg geboren. Er widmete sich den medicinischen Studien, wurde als Doctor promovirt, und erfreute sich in seiner ärztlichen Praxis zu Boskowitz und Nikolsburg eines ehrenvollen Rufes. In der letzter:: Stadt ehrte ihn besonders das Vertrauen seiner Mitbürger, die ihn zu ihrem Bürgermeister erwählten. In einer Choleraepidemie wirkte er mit solchem Berufseifer, daß ihm die ehrende Anerkennung der Behörden zu Theil wurde. Er nahm auch thätigen Antheil an den verschiedenen Gemeindeconferenzen der mähr. Israeliten seit 1849, und bewährte überhaupt in jeder Sphäre seiner Thütigkeit einen rüh:nlichen Gemeinsinn. Seit 1859 bekleidete er das Amt eines ^ecretärs der hiesigen Cultusgemeinde mit wahrer Befähigung und Berufstreue. Das edle Herz des unverheiratet gebliebenen nnd zur Sparsamkeit geneigten Mannes wurde aber erst recht nach seinem Tode erkannt. — Er widmete sein ganzes nicht unbedeutendes Vermögen zu wohlthätigen Zwecken, und die verschiedenen Legate zeigen, daß der Mann für die mannigfachen Humanitären Bestrebungen unserer Zeit ein warmes Herz hatte. Außer einer Familienstiftung im Betrage von circa 14.000 fl. unter dem Namen „Dr. Bachrach-Stiftnng" vermachte er folgende Legate: je 560 si. den Beerdigungs- Vereinen (Chewra Kadischa) zu Brünn und Nikolsburg, 500 fl. der brünner Religionsschule, 500 fl. .der isr. Hauptschule zu Nikolsburg, 500 fl. für eine in Brünn zu begründende isr. Kleinkinderbewahranstalt. Sollte ein solches Institut nach 20 Jahren noch nicht ins Leben gerufen worden sein, so füllt dieser Betrag sammt den angewachsenen Zinsen der Brünner städtischen Kleinkinderbewahranstalt zu 500 fl., dem jüdischen Hospital zu Carlsbad, mit der Bestimmung, daß ein Brünner oder Nikolsburger jüdischer Kranke bei der Ausnahme ms Spital den Vorzug habe, je ein 1854ger Loos h 250. fl., dem isr. wohlthätigen Frauenverein in Brünn, dem chrfltl. wohlthätigen Männerverein allhier, 2 Stück der gleichen Loosgattung der mährischen Jnvaliden-Stiftung für zwei St:ftungsplätze mit der Bestimmung, daß einer dieser Stiftungsplätze einem Israeliten ertheilt werde; je ein Donau-Dampsschisfahrts-Loos den barmherzigen Klöstern zu Brünn und Feldsberg. -Hi