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Das Abendland · 1868-01-15 · 2 (15.1.1868) · p. Seite 16

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
2 (15.1.1868)
Date
1868-01-15
Page
Seite 16 (sequence 8)
Language
German
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16 ' w-'r*r Lissabon. Schon einigemal haben wir unfern Lesern > von der isr. Gemeinde zu Lissabon, der Hauptstadt Portugals, Nachrichten mitgetheilt. -Lie ist nicht zahlreich, ist wenig begütert, aber man findet in ihrer Mitte starken Glauben, fromme Tugenden, eine unerschütterliche Anhänglichkeit an den heiligen Traditionen und an dein göttlichen Gesetze, für welche unsere Brüder dieses Landes vor Zeiten das Exil, das Märtyrerthum und den Tod erleiden mußten. Man kann sagen, daß noch heute der Geist dieser Heroen des Glaubens in der Gemeinde zu Lissabon herrscht. Sie besitzt einen geräumigen Platz, welcher dazu bestimmt ist, eine Synagoge darauf zu bauen; durch eine zu diesem Zwecke veranstaltete Subscription bei einer sehr kleinen Zahl ihrer Mitglieder wurden 25.000 Frcs. zusammengebracht. Mit der Zeit könnte die Gemeinde die nöthige «Lumme zum Bau (ungefähr 80.000 Frcs.) auftreiben; unglücklicherweise aber läßt sich der Bau nicht lange mehr hinausschiebcn. Die Muncipalitüt hat — gestützt auf ein Gesetz, das sie autorisirt, die Eigeuthümer zu zwingen, Häuser zu bauen auf Terrains, die in gewissen Straßen im Mittelpuncte der Stadt liegen — die Repräsentanten der isr. Gemeinde gerichtlich aufgesordert, auf dem Platze, den. sie besitzt, binnen 6 Monaten ein Gebäude herzustellen. Wegen dieses harten Umstandes hat man beschlossen, einige Delegirte nach den größeren isr. Gemeinden Europa's zu entsenden, um Gelder zu einem Synagogenbau zu sammeln. Wir haben wohl nicht nöthig, diese würdigen Sendboten Lissabou's, die ihre Familie und Geschäfte verlassen, und sich den Mühseligkeiten und Unannehmlichkeiten einer größeren Reise aussetzten zur Ehre Gottes und Seines heiligen Dienstes, unseren Glaubensgenossen besonders zu empfehlen. Die Gesinnungen der Brüderlichkeit bewegen noch alle Herzen der Familie Jakobs und noch heute gehorcht jeder Israelit, so gut wie damals in der Wüste, der Stimme Gottes, welche uns zurust: „Sie sollen mir ein Heiligthum bauen, daß ich wohne in ihrer Mitte." Die Synagoge zu Lissabon wird das melodische Echo der Gebete und Lobgesänge der alten portugiesischen Gemeinde wieder beleben. Sie wird am äußersten Westen Europa's ein glänzendes und glorreiches Monument, die Fahne des Judenthums sein, welche mit Stolz an der Seite der finstern Citadelle der spanischen Intoleranz weht. Sie wird für den Wanderer, der von barbarischen Ländern kommt, wie die Mesusah an der Thüre eines isr. Hauses sein, welche die göttliche Inschrift zeigt: „Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig." Sie wird eine herrliche Genugthuung und eine himmlische Freude für die Manen unserer berühmten Märtyrer und eine Strafe ihrer grausamen und verwilderten Verfolger werden. Sie wird endlich zur Ehre der ganzen europäischen Judenheit gereichen. Reichen wir unfern Brüdern in Lissabon eine brüderliche Hand, daß sie ein Haus zu Ehren unseres Gottes errichten können. (Univ. isr.) London. Hier wurde der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt. Die Gründer Ferdinand von Rothschild Fräulein Alice von Rothschild vollzogen unter Anwesenheit der höchsten Personen des Landes, der deutschen und portugiesischen Gemeinden, sowie deren Rabbinen, den feierlichen i Act. Nachdem von mehreren Anwesenden gediegene Reden J gehalten wurden, ward der Schluß durch ein glänzendes j Bankett gefeiert und die ganze Festlichkeit verlief in ungei störter Heiterkeit. — Unser Glaubensgenosse, Herr I. G. Ellis aus London, wurde von der Königin von Spanien zum Ritter des Ordens Carl des Dritten ernannt, als Auszeichnung, für Dienste, die er der spanischen Krone geleistet hat. (Jew. Chron.) N e w - I o r k, 14. December. Die gestern erschienene Nr. 10 des „Hebrew Leader" schreibt: Herr D. Ehrmann, Redakteur des „Abendland", dieser brave gelehrte Mann, den wir gerne hier gesehen hätten, ist von der mährischen Statthalterei für das Lehrfach der israelitischen Religion an den Gymnasien und Realschulen zu Brünn, ernannt worden. Er hat Prag bereits verlassen und wird das gut redigirte „Abendland" in Brünn ungestört fortsetzen. Unsere besten Wünsche begleiten den thätigen rührigen Mann auch aus der Ferne in seinen neuen Wirkungskreis, den er gewiß mit Ehren und gutem Erfolg ausfüllen wird. (Wir danken unserem geehrten Herrn Collegen in der Journalistik für seine herzliche Teilnahme und seine freundlichen Wünsche. Die Aufmunterung von Seiten eines solchen Mannes kann uns nur zum Sporn für unsere literatische und für unsere Berufsthätigkeit dienen. Es ist uns dieser wohlwollende Zuruf aus weiter Ferne um so erfreulicher, als wir uns seitens manchen europäischen verwandten Blattes nicht eines gleichen Wohlwollens rühmen können. Der Redakteur.) Concnrs. In der hiesigen isr. Eultusgemeinde ist vom 1. März d. I. ab die Stelle eines Secretär mit einem jährlichen Gehalte von 1000 st. öst. Währ., nebst einer entsprechenden Naturalwohnung, eventuell 200 fl. Wohnungsbeitrag zu besetzen. Bewerber um diesen Posten müssen: 1. Oesterrichische Staatsbürger sein, 2. Eine höhere wissenschaftliche Ausbildung erlangt haben, (sollen mündestens ein gutes Abiturienten examen gemacht, oder die früheren 2 Jahrgänge der Philosophie absolvirt haben, und 3. Mit der Geschäftsführung einer Eultusgemeinde vertraut sein, welch letzteren jedenfalls der Vorzug gegeben wird. Die nähere mit diesem Amte verbundenen und zu übernehmenden Pflichten sind bei dem gefertigten Cultusvorstande zu erfragen, wohin auch die betreffenden Gesuche sammt Beilagen (Geburtsschein, Qualification- und Moralitätszeugnisse) bis längstens 15. Februar d. I. franco zu adressiren sind. Brünn, am 3. Jänner 1868. Per Vorstand der isr. Lultnsgemeinde. Concurs. In der hiesigen Eultusgemeinde ist der Posten eines Lehrers. der zugleich Chasan. Kore und Schochet sein muß, vom 1. Mai 1868 zu besetzen. Gefordert wird außer einer gründlichen Kenntniß des Tnach und der hebräischen Grammatik, daß der Bewerber die drei Realschulen mit gutem Erfolge absolvirt habe. Mit dieser Stelle ist ein jährlicher Gehalt von 400 fl. östr. W. nebst Schechita, freier Wohnung und sonstigen Emolumenten verbunden. Bewerber um diese Stelle haben ihre Gesuche sammt Zeugnissen längstens bis zum I.März 1868 an den hiesigen Cultusvorstand franco einzusenden. Schwihau pr. Prestic (Böhmen), den 26. Dec. 1867. Alexander Kohner Cultus-Vorsteher. Briefkasten der Redaktion. Wir ersuchen die geehrte Redaktion des „Hebrew Leader“ in Neu-York um Nr. 10. jenes Blattes, die uns nicht zugekommen. — Herr L. in K. ersuchen wir um Fortsetzung seiner bisherigen Arbeiten, den sprachlichen Artikel werden wir später bringen. — Herrn H. m G. Ihre letzten 2 Einsendungen konnten wir leider mcht verwenden, wir bitten um Beiträge, wie sie das „Abendland" bereits von Ihnen brachte. — Hr. Dr. in I. Recensionen über Werke, die der Redaktion nicht vorliegen, können nicht ausgenommen werden, am wenigsten wenn diese Recensionen gleichzeitig in einem andern Blatte erscheinen. Druck von Rudolf M. Rohrer in Brünn.

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