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Das Abendland · 1868-01-15 · 2 (15.1.1868) · p. Seite 13

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
2 (15.1.1868)
Date
1868-01-15
Page
Seite 13 (sequence 5)
Language
German
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13 H Der Landes-Rabbiner Ahron Jakob ben Jecheskel Charis, Nachfolger des M. M. Krochmal, präsidirte im Jahre 1665 hier einem Waad. Im Jahre 1674 wurde hier in K. wieder ein Waad abgehalten dem der Landesrabb. Jehuda Arja Löb, Sohn des R. Wl M. Krochmal, als Präsident Vorstand. lO Jahre später, also 1684 fand hier eine Versammlung Mter dem Präsidium des damaligen Landrabbiners Elieser Mendel ben Mordechai statt. Endlich im Jahre 1721 präsidirte R. Berusch Eskeles, Schwiegersohn des in der gelehrten Welt rühmlichst bekannten R. Limson Wertheim ans Wien, und mährischer Oberlandes-Rabbiner. hier in Kanitz einer Natablen-Versammlung, die in Betreff der Wahlordnung neue Bestimmungen traf. Bedenkt man übrigens, daß Kanitz in den früheren Jahrhunderten den Namen Ir meieall Chachamim wesofrim in des Wortes reinster Bedeutung verdient hatte, so wird es auch Niemanden wundern, daß gerade hier die meisten „Waads" stattgefunden. lieber die Reihenfolge, der seit Anfang dieses Jahrhunderts hier im Amte gewesenen Rabbinen und ihrer Wirksamkeit, wie überhaupt über die Zustände der hiesigen Gemeinde und ihrer Institutionen, die eben alle jetzt blühen und einer schönen Zukunft entgegenznsehen berechtigt sind, will ich demnächst, so Gott will, berichten. Dr. M. H. Friedländer, Rabbiner. Wien, 12. Jänner 1868. Der Tendenz Ihres vielgelesenen Blattes, jüdische Interessen allgemeinen Charakters in Würde und Unbefangenheit zu behandeln, kann die Aufnahme nachstehender Zeilen nicht widerstreiten, welche in Kreisen, die sich für zeitgemäßen Fortschritt und ernsten Streben nach demselben lebhaft interessiren, sich einer warmen, rückhaltslosen Theilnahme erfreuen dürften. Das jährlich mit erneuerter, wachsender Beharrlichkeit sich ankündigende Streben der Wiener Rabbinatscandidaten, für die Vervollkommnung in ihrer sachlichen Ausbildung sich einen geistigen Eentralpunkt zu schassen, den das der umsichtsvollen und anerkennenswerthen Leitung des Dr. Jellinek unterstehende ßet-ha-Midrasch, trotz seiner hevorragenden Lehrkräfte und der reichhaltigen Bibliothek nicht gänzlich zu bieten vermag, scheint Heuer einen versprechenden Ausgangspunkt gewählt zu haben. Ein Fest „der gemüthliche Ehannka-Abend", gefeiert am 28. v. M., welches die in dasselbe gesetzten Erwartungen weit übertras, und einen bleibenden Eindruck auf die daran Betheiligten zurückließ, ging der beabsichtigten Constituirung eines Vereines voran, der sich die löbliche Aufgabe setzte, durch gegenseitige sachliche Ausbildung seine Mitglieder aus die Jahre der Praxis wo möglich vorzubereiten, und dessen Statuten, nach reiflicher Berathung, bereits angenommen sind. Den Programmen und Propositionen zufolge, welche in erwähnter, dem Stande jüdischer Theologen wahrhaft Ehre machenden Versammlung zu unbemäuteltem, kühnem Ausdruck kamen, ist man nicht zu sanguinisch, wenn man von nichl gar so fernen Zukunft die erwünschte Realisirung von Hoffnungen erwartet, zu denen eine innige Vereinigung und geistige Verbrüderung junger Männer berechtigt, welche, dev Geist des Fortschrittes in sich ausnehmend, von einem reinem unbeirrten Streben nach Wissenschaft mächtig durchdrungen finb. Um nur zur gedrängten Hervorhebung des Wesentlicher am. Feste.zu schreiten — was nicht der Nebenzweck dieses Artikels Mt — fo wurde dasselbe durch Hr. Friedmann, der von den Rabbinatscandidaten allgemein geliebten Let-lla- Midrasch-Lector, in einer der Bedeutung der Festesstundc ganz entsprechenden Weise eröffnet. Eine innige Begrüßunc der Anwesenden mit dem brüderlichen „lline mall toll" voraw schl^nd, schildert der Redner die unfreundliche, an finsterr Anschauungen nachhaltig leidende Vergangenheit, welche di« ^irdischen Jünger der Wissenschaft so übel enpfinden mußten. — Der Festredner Hr. Kurrein begrüßt das Fest „als günstiges Omen. Im weiteren Verfolge seiner gelungenen Rede hebt er besonders hervor: „daß Bildung und Ansklärung ein charakteristisches Eigenthum des Juden sei, daß die Rabbinatscandidaten einst berufen, an der Spitze von Gemeinden zu stehen, das Banner des Lichts und Fortschrittes ergreifen müssen, und als Träger jüdischen Geistes, sichZÜcht dem höchsten der Gegenwart entziehen dürfen." Den Separatismus, die Ursache des bisherigen Vereinzeltseins der Wiener Rabbinatscandidaten, tadelt er mit Nachdruck und empfiehlt zum Schlüße eine treue dauernde Verbrüderung. Hierauf verliest der Vorsitzende, Hr. Barach, die in einer recht gefühlvollen Sprache abgesaßren Toaste auf beide Prediger Wiens, welchen anhaltende stürmische Hochs folgten. Wenn ich keinen groben Verstoß gegen die nüchterne Objektivität, die mich bei dieser Schilderung leiten soll, begehe, so will ich auch meinen „Toast auf das Streben des Rabbinatscandidaten nicht umgehen. Ich zeichnete aphoristisch die harten Kämpfe, welche die entschieden Materialist!sche Zeitströmmung gegen das ideale Streben der Rabbinatscandidaten herausbeschwört, und die Anfechtungen, die für uns, die Verehrer des Zeitgeistes, in einer Zukunft ruhen, welche starren Dunkelmännern unseres eigenen Standes, finstern Vertretern unserer Glaubensbrüder und einem „Ison possumus'" uns begegnen läßt, der, gleich dem ultramontanen, liecht- und wahrheitsschen ist. Zu einer Fahne, schloß ich, müssen wir schwören, mit der Devise: „Echte Wissenschaft macht Frei, wahre Freiheit tolerant und milde." (Schluß folgt.) Aron Kollek, stud. Philos. Prag, 8. Jänner. Endoarras de richesse ist ein französischer Ausdruck und kann nicht allzuwörtlich wie folgt übersetzt werden: Wir haben hier in Prag gegen ein halbes Dutzend Prediger, einige besoldete und unbesoldete Rabbiner, mehrere wirkliche und angebliche Privatgelehrte, kommen aber doch öfters in die Lage unfern Bedarf an ältern oder neuern Kanzelvorträgen aus irgend einer böhmischen Landstadt, in der nicht einmal der Megilla am Schnschan-Puriö gelesen wird, zu verschreiben. In solcher Verlegenheit bei reichlichem Ueberflnß befand sich dieser Tage der Vorstand unserer Beerdignngsbrüderschaft. Dieser Verein hält bekanntlich seine Jahresfeier am Vortage des Neumonds Schewat. An diesem Tage werden seit dem dreihundertjährigen Bestand des Vereins zwei religiöse Vorträge abgehalten. Der eine am Nachmittage im Sitznngssaale des Vereins, der andere am Abende in der benachbarten Klausfynagoge. In früherer Zeit wurde fast jährlich mit den Personen gewechselt, denen die Ehre dieser Vortrüge zu Theil wurde, und die zu treffende Wahl beschäftigte öfters durch mehrere Monate früher die frommen Vereinsgemüther in hohem Grade. Seit mehreren Jahren jedoch fand dieser Gegenstand zur vollen Befriedigung der Vereinsmitglieder seinen friedlichen fast zur Norm gewordenen Abschluß. Herr Prof. Dr. Kömps, Prediger der Tempelgemeinde, hielt die Nachmittags- und Hr. Oberrabbiner Rappoport die Abendpredigt, welcher letztern gewöhnlich ein kleines Souper für die Honoratioren des Vereins in der Behausung des Oberrabbiners folgte. Durch den Tod Rappoports hat natürlich die bisherige Ordnung einen gewaltigen Stoß bekommen, und die Frage ist wieder eine stürmische geworden. Es galt nicht blos für die Abendpredlgt einen Redner zu suchen, es mußte auch für den Nachmittagsvortrag eine neue Wahl getroffen werden; denn auch Kämpf lehnte dießmal ab. Nabbiner Lasch und Prof. Adler, denen die Ehre des Tages angetrageu wurde, refusirten ebenfalls. Da gabs natürlich große VerwMmg in der Hanpaßgasse, doch der Herr verläßt die Seinen nicht, man einigte sich schließlich, die Jahresfeier wird ihren üblichen Verlauf nehmen. Für den Nachmittagsvortrag wird Hr.

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