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Das Abendland · 1868-01-15 · 2 (15.1.1868) · p. Seite 12

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
2 (15.1.1868)
Date
1868-01-15
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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12 Glückwunsch auszusprechen. Unter allen, die Ihrem leuchtenden Genie Bewunderung, Ihrem edlen Streben Begeisterung, ihren glänzenden Erfolgen vollen Jubel entgegenbringen, unter allen diesen zählen wohl zu den glühendsten Verehrern E. Excell. unsere Glaubensgenossen, die von dem heilvollen Umschwünge, der sich in unserem Baterlande vollzog, am freudigsten berührt, es nie vergessen werden in En. Exc. den begeisterten Borkämpfer für Freiheit, Recht und Wahrheit, den wackern Mitarbeiter an Oesterreichs Regenerirung mit dankerfülltem Herzen und opferbereitem Sinn zu begrüßen. Doch in den allgemeinen Freudenkelch mischt sich ein Wermuthötropfeu: es ist der Gedanke, daß wir nunmehr der unmittelbaren väterlichen Leitung En. Epcellenz entrückt werden. Rur das Wohl und die Consolidirnng des Gesammlreiches vermag diese Stadt, die heute mit tausendstimmigem Zuruf zugleich dem verehrten Bürgermeister den Abschiedsgruß, und dem gefeierten Minister den Willkomin bietet, jenen Verlust verwinden lassen. Nehmen Er. Excellenz noch unfern Segenswunsch zu den vielen hin, die Ihnen auf die neue glorreiche Bahn folgen: Möge der Tag, oer die Wohlfahrt der einen Reichshälfte in Ihre Hände legte als ein lichter Frendentag verzeichnet stehen in der Tafel der Geschichte und nur überstrahlt werden von d e m Tage, der Er. Epcellenz an das hohe Ziel führt und das herrliche Gebäude, zu dem Sie die Grundsteine gefügt, krönen läßt zum Ruhme für den Landesvater, zum Heile für das Vaterland! Se. Epcellenz erwiederte der Deputation nachfolgende Worte, die mit goldenen Lettern der Nachwelt erhalten zu werden verdienen: Ich danke Ihnen für die herzlichen und Ihnen für die weihevollen ergreifenden Worte, die mir unvergeßlich bleiben werden. Sie (Dr. P.) haben mit besonderer Aufmersamkeit mein öffentliches Leben verfolgt und Sie alle können mir das Zengniß geben, daß ich stets, auch früher, bevor ich den Ministerrock trug, eifrig bemüht war, Angriffe von Ihnen ferne zu halten und Ihren gerechten Ansprüchen Würdigung zu erringen. Wenn es mir nicht vollkommen gelang, so waren die Verhältnisse daran Schuld. Seien Sie überzeugt, so lange ich in dem Rathe der Krone sitzen werde, soll mein ernstes Streben dahin gehen, von Ihnen auch den letzten Rest jenes alten Bannes, der noch auf Ihnen lasten mag und den die Neuzeit gelöst hat, bis auf die letzten Spuren zu entfernen; kein Rückschritt darf mehr geschehen und die Gleichberechtigung aller Confessionen muß zur vollsten und nicht mehr anzuzweiselnden Wahrheit werden. Zur Ergänzung meines Berichtes füge ich hinzu, daß unter den beim Festbanket, an dem auch viele Israeliten Theil nahmen, eingelangten Beglückwünschungs-Telegrammen eines von der Proßnitzer-Jsraelitengemeinde mit einem Hoch! auf Freiherrn v. Beust und Dr. Giskra eingeschickt wurde, und daß der schöne Epilog des Theater-Directors Herrn Dr. Franckel stürmischen Beifall fand. n. Brün n, im Jänner. Der Herr Director des k. k. Obergymnasiums allhier hat in den hiesigen Blättern nachfolgenden Ausruf erlassen. Der Unterzeichnete als Lehrer an diesem Institute, schließt sich diesem Apell an den so oft bewährten Wohlthätigkeitssinn der Einwohner der hiesigen Stadt aus vollem Herzen an, und würde sich glücklich schätzen, zur Förderung dieses so humanen Zweckes sein Möglichstes beitragen zu können. Die Unterstützung armer Kinder, die sich trotz aller Entbehrungen, trotz der traurigsten Nothlage dem Studium widmen, ist ein Werk der Liebe, das für gebildete Menschen nicht erst einer besonderen Empfehlung bedarf. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die intelligenten Mitglieder der Cultusgemeinde allhier diesem so humanen Zwecke ihre Theilnahme zuwenden werden, umsomehr, als wie wir mit Bestimmtheit versichern können, bei der 'den armen Studirenden zu gewährenden Unterstützung weder die Nationalität noch die Eonfession irgend welchen Unterschied machen wird. Wir bitten die edlen Wohlthüter der hiesigen Cultusgemeinde, ihre gütigen Beiträge dem Unterzeichneten znkommen zu lassen, der sie unverzögert an das löbl. Directorat abführen und seiner Zeit über den Erfolg Bericht erstatten wird. D. (£()nmnm, vffentl. Lehrer der Religion an den k. k. Mittelschulen. Bäckergasse Nr. 2. Der Aufruf lautet: Aufruf! Der Lehrkörper des k. k. Obergymnafinms zu Brünn kommt häufig in die Lage, einen Einblick in die bittere Noth so mancher braver Schüler zu thnn, ohne sogleich helfen zu können; gewiß wird von den Bewohnern Brünns vieles zur Unterstützung armer Schüler gethan, doch so wie oft gerade der würdigste die größte Noth leidet, weil er zu verschämt ist, fremde Menschen um Hilfe anzusprechen, so spendet mancher Wohlthüter seine Gaben an minder Würdige, manche edle Absicht wird ans Mangel an Vermittlung gar nicht verwirklicht. Der Lehrkörper beschloß nun, diese Vermittlung der Unterstützungen über sich zu nehmen, für die Verinehrung der Beiträge Sorge zu tragen, und wo möglich einen Unterstützundsfond zu gründen; er legte zu diesem Behnse selbst sogleich eine Summe von hundert Gulden zusammen, und wendet sich an alle Gönner und Freunde der studirenden Jugend mit der Bitte, das Unternehmen werkthätig zu unterstützen. Die Spenden können in Geld zn monatlichen, viertel- oder ganzjährigen Raten, auch in leicht verwendbaren Naturalbeiträgen z. B. Tuch, Kleidern Büchern oder in Gewährung von Kosttagen bestehen. Die Erklärung zu Beitragsleistnngen übernimmt die Gymnasial-Direction so wie auch jedes Mitglied des Lehrkörpers, auch wird beabsichtigt, Blanquette zur Einholung solcher Erklärungen auszusenden; eingesandte Beiträge übernimmt vorläufig dis Gymnafialdirection. Der Lehrkörper wird die Unterstützung den Schülern nach dem Grade ihrer Dürftigkeit und Würdigkeit znwenden und über jeden Empfang und die Verwendung desselben öffentlich Rechenschaft ablegen. Möge das Unternehmen gütige Aufnahme und zahlreiche Unterstützung finden! Von der Direktion des k. k. Obergymnafinms: Ant. Krichenbauer. Kani tz i m Jänner. Nach mehrjähriger Ventiliruug der Seminarfrage in unserem engern Vaterlande ist endlich in der Notablen-Versammlnng im October v. I. die Gründung eines Proseminars in Brünn zum Beschluß erhoben worden, was gewiß jedem wahren Freund des Judenthnms und seiner Wissenschaft zur innigsten Befriedigung gereichen muß. Schon im September v. I., als der dießbezügliche Erlaß der hohen k. k. mährischen Statthalterei von dem Herrn Oberlandes-Rabbiner mit seinem Begleitschreiben unserer Gemeinde mitgetheilt wurde, faßte unser geehrter Vorstand über Antrag des Unterzeichneten den Beschluß, in hiesiger Gemeinde eine Talmudschule zu kreiren. Ich unterrichte seit jener Zeit ungefähr fünfzehn Schüler drei Stunden täglich im Talmud, und habe gottlob die beste Aussicht in kurzer Zeit ein günstiges Resultat zu erzielen. Ich kann bei dieser Gelegenheit die Bemerkung nicht unterlassen, daß Kanitz schon im Mittelalter zu den bedeutenden Gemeinden Mährens zählte. Schon der Umstand, daß in den früheren Jahrhunderten die meisten Versammlungen (Waad) in Kanitz stattgefunden, dürste für die hier ausgesprochene Ansicht als sprechender Beweis dienen. So z. B. wurde hier in K. unter dem Landes-Rahbiner Menachem Mendl Krochmal im Jahre 1656 eine Versammlung gehalten! Ü 1!

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