Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 2 (15.1.1868)
- Date
- 1868-01-15
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 10 — leiten wollen. Selbst auf die Gefahr hin: die Partisane des Syllabns könnten davon Akt nehmend, die Blutthat eines Juarez und Escobedo dein Juden auf's Kerbholz schneiden, wollen wir es uns gleichwohl nicht versagen, den Spuren einer israelitischen Culturinflunez ans die Ureinwohner Centralamerika's nachzngehen. Ätexiko zur Zeit der Entdeckung und der spanischen Invasion (1792, 1520), wie es in dem Berichte der Eonqnistadoren erscheint, fesselt zunächst unsere Aufmerksamkeit. Es fanden sich damals noch die Reste einer Cnltur vor, die einen Tarcy (Antiqu. Mexic 1—56.) die Aenßerung entlockte: „Mexiko war in der Mitte Amerikas das, was Persien in Asien, Egypten in Afrika, Griechenland in Europa war: ein leuchtender Herd der Eivilisation. Gegen den autochtonen Charakter dieser Cnltur sträubte sich das Borurthcil, das man gegen die wilden Völker hegte, und man griff zu mehr oder minder stichhaltigen Ableitungen von den übrigen Welttheilen. Bei diesem Vorgehen ward man bestärkt durch die Sage der Eingebornen, besonders der Priester- und Königsfamilien, die von „weißen Fremdlingen" abzustammen Vorgaben. Gleiches berichtete Montezuma II. dem Eroberer Cortez. Es gibt zwar wenige hervorragende Nationen, denen nicht die Ehre zu Theil ward, als Urheber der altamerikanischen Cnltur bezeichnet zu werden; zumeist aber vindizirt man den Israeliten und verwandten semitischen Stämmen den gestaltenden Einfluß auf jene. Solchen Bemühungen begegnen wir in den Werken des Genebrardus, Torquemada, P. Hennequin, Garcia, Adair, Lery und Thewet. Dr. Elias Boudinot, Aiac Chulloch, M. Parker, Sam. Frei und Catlin. In unserer Zeit hat Lord Kingsborough in seinem Prachtwerke : Antiqu. ol Mexico für diese Ansicht die meisten Gründe geltend gemacht. Die aufgefundenen Analogien — wir wollen sie vorläufig nur kurz zusammenfassen — wären etwa folgende: Die Mythen der Menschenentstehung, des Diluviums, ,Sprachähnlrchkeiten in Wort- und Constructions- Förmen, sowie in 7>er Ansdrucksweise, religiöse Anschauungen' und Gebräuche, Sitten ltitb Gewohnheiten im häuslichen und öffentlichen Leben, Eheverhältniß, Bestattung, Trauer, Abschneiden der Haare und Körperverletzung um einen Todten; Weihe- und Reinigungsbäder, Zurückhaltung von Leichnamen, Strafe des Ehebruches, Sittenreinheit in der Ehe; Kriegserklärung, Behandlung der Todtengebeine und Mitführen derselben bei Wanderungen; Circumcision, feierliche Nainengebung, Erziehungsgrundsätze und mancherlei Rechtsbestimmungen. Schon Columbus wollte Spuren israelitischen Einflusses in den Goldminen von Cibao bemerkt haben. Die oberwähnten Schriftsteller finden das „Ophir" der Bibel identisch mit Peru. Sie stellen demgemäß die Behauptung aus: unter Salomo und Hiram seien alljährlich Hebräer und Phönizier auf ihren weilen Seereisen auch nach Süd- und Centralamerika gekommen. Dagegen spricht die Schriststelle, Könige I., 10—22, wo unter den Producten, die von Ophir kamen, Silber, Pfauen Elfenbein, Gegenstände, die sich in Amerika nicht vorfanden, aufgezählt werden.*) Die zehn Stämme, die in Salmanassars Gefangenschaft geriethen und spurlos verschwanden, wollen manche in der *) Ophir ist weit eher in Indien oder in Arabien zu suchen. Ophir in der Septuaginta Sempa ist der egyptische Name für Indier. Joseplius, Arcliaeologia VIII., 6, 4; Champollion F. L’Egypte I.—68. Für Indien spricht auch die Aehnlichkeit der Benennungen der von O. mitgebrachten Prodncte mit den entsprechenden Bezeichnungen im Sanskrit: Kuf, Affe, Kapi; Tuküm, Rfum, Togei. In der Nähe von Goa gibt es auch einen Hafen, der früher Suphin jetzt Sepher heißt. Gewichtige Gründe lassen O. auch in Arabier suchen. In Genesis, 10—29, wird es unter anderen arabischen Gegenden angeführt; ferner hat man den Namen ei Ophir als eine Stadt in Omar, dem Mittelpunkte des früheren arabischen Handels, nachgewiefen. (Vergl. Strabo 16, 22; Peinius, VI., 28; Michaelis, Splcilog. II.—184.) Nach Arias Montanus soll unter der goldreichen Gegend Parwajim der Bibel — Chron. II., 3—6 Peru verstanden sein; ebenso Bochart, Phalez. II u. 27. Auch dieses wird weit richtiger für Indien gehalten nnd von dem Sanskritworte pürva, östlich, abgeleitet. amerikanischen Urbevölkerung wiedererkennen. Siguenza und Genossen erklären nach der biblischen Genealogie Mizrajim's Sohn Naphtuchim *) als den Stammvater der Amerikaner. Andere leitendste von dem -Lohne Heber's, Jaktan, arab. Kachtan, dem Stammvater vieler Beduinenstämme her. Genesis, 10 25, 66. Es tauchte auch die Vermuthung aus, es seien Kanaanitische Völker, von Josua**) verdrängt, zu Schiffe geflüchtet und nach Mexiko verschlagen worden.' Ausführliches über diese und anderseitige Ableitungsversuche enthalten : Antiqu. Mexic. ciiv. ckiss. p. Lenoir, Tarcy, Monglave, Nanking, Warden, Malte Brun, A. v. Humbold, Nunum. Amor. 179, 210; Prescott, Hist, of the conqu. of_ Mexico II. 430—465; Prichard Naturgesch. d. M. II. 273 .. . VI. 370 .. . Researches I. 80. (Forts. f.) Zur Gcnelrs von LeOings „Nathan der Weile." Erinnerungsblätter zu Lessings Geburtstag am 22. Jänner, von Leopold Wolf in Prag. Im Jahre 1781 vollendete Lessing das dramatische Gedicht „Nathan der Weise", worin er die hohe Jde aussprach, daß nicht die Glaubensform, sondern die Tugend den Werth des Menschen bestimmen. Der Polemik mit dem Hamburger Pastor Göze folgte die Ausarbeitung des „Nathan", zu dem er früher schon den Entwurf gemacht hatte. Im April 1778 wurde das Werk begonnen; das milde, edle Dichterwerk, that für den Dichter nach dem herben Kampfe der um die „Fragmente" geführt wurde, um so wohler. Den ersten Gedanken dazu hatte er im Decameron des Boccacio gefunden, in der dritten Novelle des ersten Buches, welches die Geschichte der drei Ringe enthält. Der Entwurf einer „Vorrede" zum Ncrthan, der sich in Lessings Nachlasse farrd, lautet in^eincv^ Stelle „Wenn man sagen wird, daß ich wider die poetische Schicklichkeit gehandelt, und Leute, die sich über alle geoffenbarte Religion hinweggesetzt hatten, und doch gute Leute gewesen waren, unter Inden und Muselmännern wolle gefunden haben: so werde ich zu bedenken geben, daß Juden und Muselmänner damals die einzigen Gelehrten waren, daß der Nachtheil, welchen geosfenbarte Religionen dem menschlichen Geschlechte bringen, zu keiner Zeit einem vernünftigen Manne müsse ausfallender gewesen sein, als zu den Zeiten der Kreuzzüge, nnd daß es an Winken bei den Geschichtschreibern nicht fehlt, ein solcher vernünftiger Mann habe sich nun eben in einem Sultane gefunden." Man hat im Nathan deshalb nicht nur eine. Vertheidigung des Jndisferentismus, sondern sogar eine parteiische Herabsetzung des Christenthums erblicken wollen. Allein je tiefer man in den Geist des Stückes eindringt, und die Milde und aufrichtige Menschenliebe desselben theilnehmend empfindet, desto wesenloser werden die Scheingründe, aus denen sich jene Beschuldigungen herleiten. „Nach der Erscheinung des Nathan", schreibt Mendelssohn, „flüsterte die Kabale jedein seiner Freunde und Bekannten ins Ohr: Lessing habe das Christenthum beschimpft,, ob er *) Genesis, 10—13, Chor. 1. 1 — 11. Naphtuchin ist indeß wahrscheinlich ein egvptischer Bolsstamm, der östlich von Pelusium wohnte. Man vergleicht es mit dem Nephthys des Plutarch — de Iside, 98 — und dem koptischen nephthos, das die „äußerste Grenze" bedeutet. Gefenins Hwb. **) Daß eine Auswanderung derselben nach einem anderen Welttheile erfolgte, dafür kann als Beweis gelten die Talmudstelle — Jeruswalmi Scketwiith — „Josua schickte die Aufforderung an die Bölker Kanaans, bevor er seinen Eroberungszug begann; wer answandern will, der ziehe von dannen; wer Frieden schließen will, der soll mir willkommeil sein, und wer den 'Kampf aufnehmen wrll, der fei bereit. Da zog Girgaschi aus dem Lande und ging nach Afrika... Eigenthümlich bleibt es nach jener Annahme, daß gerade die Consonauten des Namens Girgaschi, nämlich g, r, sch, m den mexikanischen Sprachen nicht vorkommeu, (nach der Grammatik des A. d’lmos, dem man die erste genaue KennMiß über mex. Sprache verdankt).