Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 2 (15.1.1868)
- Date
- 1868-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Uro. 2. Brünn, den 15. Jänner 1868. V. Iahrg. zeitge«äßp« Interesse« des I«dent5«ms. Pränumerationsbetrag ganzj. 3 fl., batbjäbrlg 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus. Für's Ausland ganzj. 2. Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur D. EhrwNNN. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Administration Bäckergaffe Nr. 2. 2. Stock- Exped. Krapfengasie 18, Epstein's Buchh. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt: Die Comite - Berathnngen in Brünn vom 9. bis 12. Dezember 1867. — Juden und Mexikaner. — Zur Genesis von Lessings „Nathan der Weise." — Correspondenzen. — Locale und Auswärtige Notizen. — Inserate. in Brstrrrr,vow 9. bis.12- December 1867, über das zu gründende Proseminar und den Religions? Unterricht in den jüdischen Volksschulen. (Fortsetzung.) Für die deutschen Gegenstände wurde vorzugsweise die Geschichte des Judenthnms lnit besonderer Berücksichtigung der talmudschen Periode hervorgehoben. Ein durch Dr. Schmiedl und Wohlmuth modesicirter Antrag des Dr. Eisler führte zu oem Beschlüsse der Versammlung, daß die Lehramtscandidaten bei ihrem Austritte nur das Zeugniß als Unterlehrer erhalten, und sich nach dreijähriger praktischer Wirksamkeit der Prüfung als Oberlehrer zu unterziehen haben. Ueber Antrag des Dr. Placzek wurde als Lehrstoff für Lehramts- Candidaten bestimmt, daß selbe alle hebräischen Gegenstände mit Ausnahme der talmudischen Fächer, die in den ersten 6 Jahren den Rabbinatszögliugen vorgetragen werden, mitnehmen, als obligat, Pentateuch zweimal mit Raschi und Biur, die ersten Propheten, die Bücher Esther, Ruth, Echa, Jesaias, Psalmen, denen arrf Antrag der Mitglieder aus dem Lehrstande noch Jeremias und Treaßar hinzugefügt wurde, ferner hebr. Grammatik, hebr. Stylübungen, nachbiblische Geschichte bis zum Schluß des Talmud. Nach Bondi's Antrag wurde bestimmt, daß die Lehrarutscandidaten in der Brünner Religionsschule im Vortrage hebr. Stoffe geübt werden. Nach einem von Bondi amendirten Antrag des Dr. Placzek wird -Musik und Vocalgesang als obligater, Choral- und liturgischer Gesang als freier Gegenstand ausgenommen. Der von Wohlmuth modificirte Antrag des Vorsteher Schmiedl führte zu dem Beschlüsse, daß auch solchen Jünglingen, die sich dem Cantorfache widmen, die Theilnahme an dem musikalischen und hebräischen Unterricht gestattet sein soll, wenn sie das 18. Lebensjahr erreicht haben und sich mit einem sittlichen und religiösen Lebenswandel ausweisen können. Der tiefgreifende Antrag des Vorstehers Karplus, daß alle Gegenstände des Urtergymnasiums an der Unterabtheilung des Proseminars vorgetragen werden, wird von der Versammm;g erst nach Schluü der ühxigen^ Berat^ungei^,jv Bekigndung genommen werden. Das Commitemitglied Herr Dr. Stößel konnte, durch Krankheit verhindert,' erst am dritten Tage an den Berathungen theilnehmen. (Forts, folgt.) Juden und Mexikaner. Von Dr. B. Placzek. Wähend diese Blätter ihren Rundgang nehmen, landen an dem südlichen Gestade Oesterreichs die traurigen Reste eines Fürsten aus unserem glorreichen Herrscherhause, der so jung, so edel, so reichbegabt ein Opfer fallen mußte indianischer Wildheit, spanischer Unkultur und gallischer Ränkesucht. Sein Blut trank die neue Welt, seine Gebeine sollen in der alten ruhen. Der „Adlersjüngling" aus Habsburgs hohem Forste wollte, den Thron der Azteken besteigend, Mexiko's altes Emblem in verjüngter Wirklichkeit zeigen: „einen Adler, wie er eine Schlange zerreißt" — diesmal die Schlange der Anarchie — doch der junge Aar ward von der Schlange zerrissen. Das Jahr 1867 sgh in Neuspanien einen edlen Fürsten den Tod des Verbrechers erleiden und hüben die Stirne eines altspanischen Henkers mit dem Heiligenschein umgeben. Der Jude, der an Allem, was das allgemeine Interesse, besonders aber sein Vaterland berührt und bewegt, am lebhaftesten partizipirt, begleitete auch das Schiff, das einst „Cäsar und sein Glück" durch die Welt trug, die er der Wissenschaft erobern half, und nun seine Asche birgt, mit inniger Theilnahme. Schon darum wandert auch er mit so vielen Anderen nach Mexiko oder „Anahuac, das Land zwischen beiden Meeren" wie es in der Sprache der „Maja" heißt, den Blick. Wie erst, wenn nach besondern Fäden Jacobs Nachkommen speciell mit Mexiko, wenn auch nur im Sinne mancher tiefer Denker verbindet, die einen Theil der mexikanischen Urbevölkerung und Urcultur von jüdischen Einwanderern aus verschiedenen Zeiten her-