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Das Abendland · 1868-01-01 · 1 (1.1.1868) · p. Seite 5

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Journal
Das Abendland
Volume
V (1868)
Issue
1 (1.1.1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 5 (sequence 12)
Language
German
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frommen gelehrten Rabbi Salomo Lublin, ehemals in Posen (vergl. Asulai im Scham Hagd. 36 und Responsen des R. Joel Sirkisch, Folio 65). Da uns sowohl die altern als die neuern Bibliographen über den Geburtsort wie über das Geburtsjahr des R. Joel Sirkisch ohne jede Nachricht lassen, so war es mir trotz aller Anstrengung unmöglich das Geburtsjahr desselben eruiren zu können. Jedenfalls ist Polen sein Heimatsland, und scheint Polnisch - Austerlitz sein Geburtsort zu sein. (Vergl. R. I. S., Folio 10). Es ist sicher daß er schon (5361) 1601 in Lubinla das Rabbinat inne hatte, (vergl. R. I. S. Folio 3). Gleichzeitig muß bemerkt werden, daß R. Joel seine Jugend in Lublin, wo er den Studien der jüdischen Theologie mit allem Fleiße und Eifer oblag, verlebte, und daß er überhaupt frühzeitig schon seiner eminenten Gelehrsamkeit wegen die Aufmerksamkeit seiner Zeitgenossen auf sich gezogen habe; denn sonst würde man doch nicht von allen Seiten an ihn appellirt haben. Aus seinen Responsen, die von dem höchsten Interesse für die Beleuchtung seiner Zeit sind, erhellet dies zur Genüge. Selbst von den talmudischen Capacitäten der voll seinem Domicil fern gelegenen Gemeinde Amsterdam wurde unser R. Joel Sirkisch angegangen, ihnen in folgender Angelegenheit Bescheid ertheilen zu wollen. Es hatte nämlich einem jüdischen Arzte, der nebenbei bemerkt, im Gerüche der Irreligiosität stand, als (Parnes) Vorsteher der Gemeinde kraft seines Amtes beliebt, einem Individuum, dem das Schachtrituale völlig unbekannt, ja eine Terra incognita war, die Eoncession, in der Gemeinde A. das Schächteramt öffentlich ausüben zu dürfen, zu ertheilen. R. Joel Sirkisch über diesen in Rede stehenden Vorfall, der seiner Zeit viel Sensation machte, befragt, äußerte sich dahin, daß, im Falle jener Amsterdamer Arzt, der nur der Philosophie zugethan, gerne die sämmtlichen religiösen Satzungen in den Hintergrund verdrängt wissen wollte, von seinem Vorhaben nicht Nachlassen und in seinem Wahne ferner beharen sollte, ohne sein begangenes großes Unrecht gestehen zu wollen, er sofort in den Bann gelegt werden müsse. R. Joel stand überhaupt stets mit den meisten Ge> ineinden Polens in Verbindung und mit den größten und hervorragendsten Korephäen in Correspondenz. Er widmete sein ganzes Leben einzig und allein der jüdischen Wissenschaft, wie dies aus seinem zu den 4 Turim, in 4 Theilen bearbeitetem Werke „Bajit Chadasch" — wie aus seinen Rechtsgutachten zur Genüge erhellet. — Unser Sirkisch hatte aber auch das Glück die größten Rabbinate Polens zu bekleiden. So z. B. begegnen wir ihm (5374) 1614 in Bels, einer großen polnischen Gemeinde, wo heute nach dritthalbhundert Jahren au der Stelle des talmudisch gelehrten und höchst toleranten R. Joel S. ein Chasidim Rebben haust, und durch die Verbreitung absurder chasidäischer Lehren, Grundsätze und Anschauungen viel Unheil stiftet. Vier Jahre später 1618 sehen wir ihn schon dasRabbinat in Brißk in Lithauen bekleiden (vergl. Resp. R. I. S. Folio 70). Endlich zn Ende des Jahres (5379) 1619 folgte er einem ehrenvollen Rufe! nach Krakau, einer der größten und würdigsten Gemeinde Polens, wo siebenundvierzig Jahre früher R. Moses JsserlS das Rabbinat inne hatte (vergl. R. des R. I. S. Folio 74). Hier in Krakau bekleidete er tact« und würdevoll das Rabbinat volle 21 Jahre; denn er wurde im Jahre (5401) 1641 in einem hohen Alter von seiner irdischen Laufbahn abberufen (vergl. Bikurim von Keller, 1. Jahrgang). Daß er als Krakauer Oberrabbiner besonders die Hochachtung aller Welt im höchsten Grade genoß, beweiset der Umstand, daß er öfters nach Lublin zur Messe berufen wurde, um die zu jener Zeit vorkommenden wichtigen Fragen zu erörtern und die etwaigen Processe zu schlichten, wie dies in Polen noch jetzt üblich ist (vergl. R. das R. I. V. Folio 66 und Folio 81). , In Krakau hat er sich durch die im Jahre 1628 auf ftrne Veranlassung creirte Talmud-Thora ein unzerstörbares Denkmal errichtet. Um von seiner Toleranz einen sprechenden Beweis zu liefern, lassen wir einen Passus aus den für das genannte Institut verfaßten Statuten hier folgen. „Die Schüler müssen unterwiesen werden im Erkennender nicht hebräischen (ergo deutschen und polnischen) ^chriftzüge, wie sie für die Veröffentlichung der in nicht hebräischer Sprache erscheinenden Werke verwendet werden, damit sie im St an de seien solcheSchriften zulesen, woraus sie Tugendlehren und redlichen Lebenswandel erlernen. Auch sollen sie geübt werden im Schreiben der nicht hebräischen Schriften und der Landessprache, die hier üblich ist. Schließlich muß noch bemerkt werden, daß R. David Löwy Verfasser des „Tnresahab«, der Schwiegersohn unseres R. Joel Sirkisch war. D. 31t. H. drieöCünöer, Rabbiner in Kanitz. Correspondenzen. Prag, im Dezember 1867. Die Trauerfeierlichkeiten um den seligen Rappoport, die in mehreren hiesigen Synagogen veranstaltet wurden, find längst vorüber, allein ihr Echo ertönt noch in dem allgemeinen Schmerz der trauernden Gemeinde, wie in den dabei gehaltenen Reden, die jetzt fast allesammt nach und nach durch den Druck der großen Oeffentlichkeit zugeführt wurden. Gegen einige dieser gedruckten Reden hat das „Abendland" bereits seine journalistische Schuldigkeit gethan; es liegen uns nun wieder zwei derselben vor, die ebenfalls auf eine Erwähnung in diesen Blättern gerechten Anspruch haben. Beide führen den gleichen Titel „Gedächtnißrede", die eine gehalten am 7. November 1867 in der Pinkassynagoge vom Prediger Dr. Hoff, die zweite gehalten am 11. Novenber 1867 in der Klaussynagoge vom Prediger Dr. Kohn. Dr. Hoff erklärt in einer Vorbemerkung, daß ihn locale Verhältnisse nöthigten (?), in dieser Gedächtnißrede die Art und Weise des „alten Hesped" hie und da hervortreten zu lassen. — Diese Verwahrung benimmt uns das Recht und den Muth über die Form ein Wort zu verlieren. Wenn im alten Hesped nur recht viel geweint und geschluchzt wurde, entsprach er auch seinem Zwecke vollkommen. Wir müssen gestehen, daß in dieser Richtung Herr Dr. Hoff sehr gemüth-und geistreich sprach. Da der alte Hesped auch niemals auf Logik Anspruch machte, so verzeihen wir auch dem Redner die eigenthümliche These in der Zweigliederung seines Vortrags, „daß Rappoport sich als Talmudgelehrter die Unsterblichkeit bei Gott errungen". Es ist dieß eine Anschauung, für die uns der Sinn zur Auffassung leider abgeht. Trotzdem enthält die Hoffsche Rede sehr schöne Stellen, die ihren Eindruck auf den Zuhörer und auch auf den Leser nicht verfehlen können. Die Rede des Dr. Kohn hat sich die erwähnte Verwahrung erspart, obgleich auch sie, wie das nun seit Jahren in Prag der homiletische Geschmack erfordert, in Deutung von Bibel- und Talmudstellen viel Geist konsumirt. Einige dieser Deutungen sind wirklich recht gelungen. Man kann im Allgemeinen dem noch sehr jungen Prediger Rednertalent nicht absprechen; seine Sprache ist ziemlich fließend und mitunter auch lebhaft; doch möchten wir ihm rathen, bei dem anerkennenswerthen Streben, sich als Magid ausznzeichnen, auch der Form die nöthige Sorgfalt zuzuwenden. Die Seite 5 angeführten Stellen zur Erhärtung der Wahrheit, „daß das Geburtsland auf die Ansichten der Menschen einen Einfluß hat", sind nur theilweise schlagend, ebeso auffallend ist es uns daß der von Gott auserkorne Geist an der geistigen Strömung, die später Strömung der Alltäglichkeit genannt wird, gleichgiltig vorübergehe". — Auch scheinen uns Ausdrücke wie „die Flammen prasseln" oder „das Wasser der Verknöcherung trinken" nicht als mustergiltig für die homiletische

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