Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- V (1868)
- Issue
- 1 (1.1.1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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allgemeinen Plan uou, wobei er den Gesichtspunkt hervorhob, der ihn bei seinem Anträge leitete. Es soll nämlich der Zögling bei seinem Austritte aus dem Proseminar die Basis gewonnen haben, nm unter weiterer Leitung einer talmudischen Capacität oder durch fortgesetztes Selbststudium die Autorisation znm Rabbmate erlangen zu können. Nach diesem Plane soll Folgendes genommen werden: Ansgewählte Stücke aus Tractat Beza mit den Commentarien Raschi und Tosafoth. II. und III. Abschnitt des Tractat Pesachim mit Raschi, TZafoth und Maharscho, IV. Abschnitt des Tractat Sabbath mit Raschi Tosafoth und Maharscho. II. und III. Abschnitt des Tractat Kiduschin mit Raschi, Tosafoth, Ran, V. Abschnitt des Tractat Aboda Sara mit Raschi, Tosafoth, Ran, I. (mit -Auslassung mehrerer Folien) II., III., VII., VIII. Abschnitt des Tractat Ehulin mit Raschi, Tosafoth, Maharscho, Ran und Raschbo. — Als Vorkenntnisse zur Aufnahme ins Proseminar für dieses Fach wird Mischnajoth Berachoth und Baba-Mezia mit dem Commentar Bartenora und III. Abschnitt des Tractat Baba-Mezia mit Raschi verlangt. — Der Antrag des Herrn Landes-Rabbiners wurde von der Versammlung mit Ausnahme einer Stimme en bloc angenommen. Für die hebräischen Fächer wurde folgender Antrag des Dr. Placzek angenommen. Während der 8 Schuljahre soll der Pentateuch dreimal durchgenommen werden, und zwaraufsteigend mit den Commentarien Raschi, Biur, Ramban, Aben-Efra. Die andern biblischen Bücher ohne Commentarien, Blumenlese aus der neuhebräischen Literatur, Kurzes Compendium der jüd. Religionsphilosophie, gründliches Studium der hebr. Grammatik, hebr. Stylübungen. Ueber Antrag des Dr. Eisler wurden auch die Elemente der aramäischen Grammatik hinzugesügt. (Fortsetzung folgt.) Eine Episode aus dem Leben Voltaires. Mitgetheilt von Leopold Wolf. In Lesfings Werken I, Seite 32 u. 33, findet sich ein Epigramm, das mit den Worten schließt: Und kurz und gut, den Grund zu fassen, Warum die List Dem Juden nicht gelungen ist, So fällt die Antwort ungefähr: Herr B . . war ein größerer Schelm als er. Dieser Herr V . . ist Voltaire, der es sich zur Ehre anrühmte, sich Chambellan du Roi de Prusse nennen zu dürfen, und das citirte Epigramm basirt aus einem merkwürdigen Rechtshandel, dessen Stahr in seiner Biographie Lessings erwähnt, zwischen Voltaire und einem Berliner Juden Namens Abraham Hirsch, auf dessen Ausgang damals ganz Berlin mit Spannung blickte, die freilich dem berühmten Voltaire „von Frankreichs Witzigen dem Witzigsten" ungleich weniger günstig war als seinem Gegner, dem „schlauesten Hebräer von Berlin", wie Lessing beide Persönlichkeiten bezeichnet. — Der Sachverhalt war Folgender: König Friedrich II. hatte in dem Friedensschluße von Dresden, welcher den zweiten schlesischen Krieg beendigte, durch einen besonderen Artikel für die Interessen derjenigen seiner Unterthanen zu sorgen gesucht, welche sächsisches Papiergeld, sogenannte Steuerscheine in Besitz haben möchten! Jener Artikel bestimmte nämlich, daß solche Scheine von Sachsen zum vollen Nennwerthe emgelöst werden sollten. Da nun in Sachsen selbst der Cours dieser Papiere beträchtlich gesunken war, so konnte es nicht fehlen, daß sich die Speculation dieser Sache bemächtigten und Friedrich der Große sah sich genöthigt, drei Jahre später ein ausdrückliches Verbot gegen die Annahme von ^teuerscheinen in Preußen zu erlassen. Aber der König sollte durch seinen eigenen Freund und Liebling die Erfahrung machen, daß sich dergleichen Dinge des Geldverkehrs nicht auf dem Wege von Regierungsmaßrcgeln ordnen lasten. Der Dichter der Henriade war nämlich kaum nach Berlin gekommen, als sein speculativer Geist auch schon den großen Vortheil herausfand, welchen er, unterstützt durch ferne Stellung als persönlicher Freund und Günstling des Königs aus einem Geldgeschäfte mit solchem sächsischen Papiergelde ziehen konnte, das man nur in Sachsen anfzukausen und heimlich nach Preußen einzuführen brauchte, um es schließlich durchs Wiederverkauf au die sächsischen Behörden mit einenr Gewinne von einigen dreißig Procent zu verwer then. Voltaire war habsüchtig. „Von Jugend auf war sein Bestreben, wie Goethe sich irr seiner mijtzen Weise ausdrückt, auf Erwerb im Großen, auf nahes Verhältniß zu den Werten der Erbe urrd auf Benützung derselben zu seinen Zwecken gestellt gewesen, weil er selbst zu den Heüren der Erde gehören wollte." Allein, wenn er auch das Geld nur als Mittel zur Freiheit liebte — nicht leicht, sagt Goethe, hat jemand sich jo abhängig gernacht, um unabhängig zu sein", — so darf doch auch nicht verschwiegen werderr, daß er zur Erlangung des Mittels, das ihm sein fürstengleiches späteres Leben in Ferney bereiten sollte, auch Wege zu gehen sich nicht scheute, die seinen Ruhm und seinen Charakter befleckten. Was er in Berlin that, war solcher Art. Er trat mit einem jüdischen Banguier Abraham Hirsch in Verbindung, und bewog denselben nach Dresden zu reisen, um daselbst für seine Rechnung für eine große Summe sächsische Steuerscheine anzulaufen. Er wußte dem Hirsch,' dem vor (Sntbe> d'iutg und S)träfe bange war, die Sache so vorzufteüen, als ob er der stillschweigenden Einwilligung seines Gönners, des Königs, sicher sei, was ihm um so leichter war, als er da malö in der That sich in Berlin einen großen Einfluß an- Maßte., mzd aw^ncklärter GünstliM tzeK Lönigs, Prinzen und Gesandte auswärtiger Machte m eigenen Audienzen empfing, und mit einem demüthigenden Stolze behandelte. ' Abraham Hirsch verstand sich endlich dazu, das Geschäft zu-übernehmen. Er empfing von Voltaire rheils in Wechseln aus Paris, theils in barem Gelde die zum Ankäufe der sächsischen Papiere beträchtlichen mummen, für die er wieder seinerseits dem Dichter der Henriade durch Hinterlegung werthvoller Diamanten Sicherheit leistete. Nun war aber Hirsch nach Dresden abgereist, als sein Geschäftörival, der Münzpächter Ephraim, sich bei Voltaire melden ließ, ihm den Abraham Hirsch zu verdächtigen und sich selbst als eines vortheilhafteren Vermittler für jenes Geschäft darzustellen wußte, indem er sich erbot, ihm Steuerscheine zum doppelten Betrage der Summe aus Sachsen zu verschaffen, wofür er nichts verlangte, als den Schutz und die Gunst des einflußreichen Günstlingö. Voltaire nahm dieß Anerbieten an. Er schrieb nach Paris und ließ dort seine eigenen Wechsel, die er dem Hirsch angewiesen, protestiren, ohne demselben auch nur davon Nachricht zu geben. Dieser, der dadurch in mannigfache Verlegenheit gerieth, kam unverrichteter Sache nach Berlin zurück, und machte Herrn von Voltaire in aller Unterthänigkeit sehr bittere Vorwürfe, verlangte Schadenersatz und drohte mit gerichtlicher Klage. Indessen kam es doch zu einer gütlichen Vereinigung, in Folge deren Voltaire sogar versprach seinen Hintergangenen Geschäftsfreund für die gehabten Verluste durch einen Ankauf von Diamanten, die er zum Theil bereits in Händen hatte, zu entschädigen. Allein auch hier ward Ephraim der böse Dämon beider. Er wnßte Voltaire glauben zu machen, daß er vom Hirsch mit den Diamanten übervortheilt sei, obwohl Voltaire dieselben nach der Taxe des Hofjuweliers Reclam angenommen . hatte, während die Juweliere, durch welche Ephraim die Diamanten nachträglich schätzen ließ, Leute waren, welche von diesem völlig abhingen. Voltaire verfuhr jetzt völlig gewaltthätig. Er kießwen Hirsch auf das Zimmer eines ihm befreundeten hohen MMtairs kommen, mißhandelte ihn thätlich, behielt andere Pretiosen, die er sich von ihm zur Ansicht hatte kommen lassen, * |i r? f \ - £ n ck!